Castans Panoptikum


Castans Panoptikum
Castan’s Panopticum im Gebäude der Pschorr-Brauerei (links), gegenüber der Konkurrenz in der Kaisergalerie (Bildmitte, um 1900)
Skizzen ausgestellter Gruppen einschließlich Fürstensaal und Schreckenskammer

Castans Panoptikum war ein Berliner Wachsfigurenkabinett (siehe auch Ceroplastik). Inhaber des mit Madame Tussaud vergleichbaren, von 1869 bis 1922 bestehenden Panoptikums waren die Gebrüder Louis (1828-1909) und Gustave Castan (1836-1899). Neben dem Hauptgeschäft in Berlin gab es Ableger in Köln, Frankfurt/M., Dresden, Breslau und Brüssel. Die Panoptiken Castans zählten zu den bekanntesten Castan-Namensträgern in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung zum Publikumsmagneten

Castan's Panoptikum etablierte sich in Berlin Anfang der 1870er Jahre am Schlossplatz im sogenannten „Roten Schloss“ an der Stechbahn. Ein Brand zerstörte jedoch 1872 diese Ausstellungsräume, so dass sich die Brüder nach einem anderen Standort umsahen und mit ihrer Ausstellung 1873 in die neu eröffnete Kaisergalerie in der Berliner Friedrichstraße umzogen.

In den 1880er Jahren hatte sich das Institut derart vergrößert, dass 1888 ein erneuter Umzug erforderlich wurde. Im gegenüberliegenden neu erbauten Haus der Münchener Pschorr-Brauerei konnte sich Castan's Etablissement über vier Etagen ausbreiten. Dort machte es dem nur ein paar Schritte entfernten, von einer neugegründeten Gesellschaft eröffneten Passage-Panoptikum in der Kaisergalerie Konkurrenz.

Mannigfaltiges Angebot

Castans Panoptikum befriedigte, wie in dieser Zeit allgemein üblich, in erster Linie die einfachen Schaugelüste seiner Besucher. Ausgestellt wurden bedeutende Gestalten der Geschichte, medizinische „Monstrositäten“ sowie Angehörige fremder Völker. Der Umzug in das Pschorr-Haus gab Anlass, 1890 im Heft 20 des Periodikums „Das Buch für Alle“ (erschienen 1866 bis 1935 in den Verlagen Schönlein, Schönlein’s Nachf. sowie Union) die Entwicklung und Bedeutung sowie das aktuelle Angebot des Panoptikums noch einmal ausführlich zu erläutern:

„.... und mehrere hochinteressante Sammlungen angekauft. Der große goldene Rococo-Schrank mit Reliquien Friedrich’s des Großen, die Sedan-Sammlung mit dem vollständigen Original-Tafelservice Napoleon's III., zahlreichen Waffen aus dem deutsch-französischen Kriege, die bedeutende Goethe-Sammlung, der Krönungswagen Napoleon's I. u.a.m. verliehen der Gesamt-Ausstellung neuen Reiz.“

„Aber auch die plastischen Bildwerke vermehrten sich stetig von Jahr zu Jahr: die Galerie berühmter und interessanter Menschen wurde immer mehr bereichert und hielt mit den Ereignissen gleichen Schritt. Das Jahr 1878 brachte in Castan's Panopticum eine der grossartigsten Gruppen, die auf dem Berliner Congress versammelten Staatsmänner darstellend; daran schloss sich ein kleineres plastisch-decoratives Bild: „Auerbach's Keller“ an, während in der Schreckenskammer, nach der Erwerbung des früher im Heidelberger Schlosse ausgestellten Museums Hausacker, die ganze hochnothpeinliche Gerichtsbarkeit des Mittelalters mit Folter- und Hinrichtungsinstrumenten zur Anschauung gebracht wurden.“

„Zur Weihnachtszeit kamen eigenartige originelle Weihnachtsausstellungen hinzu, und diese wurden mehrfach abgelöst durch die Vorführung von Vertretern fremder Völkerschaften, von Austral-Negern, Indianern u.s.w. Einen besonders glücklichen Griff taten die Gebrüder Castan ferner, als sie nach vielfachen Experimenten die auf optischer Täuschung durch ein System von Spiegeln beruhenden „Illusionen“ - zuerst die „Galathea“ und dann die „Magneta“ - erfanden, die außerordentlich überraschend auf die Zuschauer wirken.“

Berühmte Persönlichkeiten in Szene gesetzt

Hauptschaustücke des Panpotikums waren die im guten oder im bösen Sinn berühmten und interessanten Persönlichkeiten, die der Bildhauer Gustave Castan in Wachs verewigt hatte. Die lebensgroßen Figuren wurden oft als Teil von Szenerien wie zum Beispiel der in Figur 1 dargestellten parlamentarischen Soirée ausgestellt. Aktueller Hintergrund war in diesem Fall der Besuch, den der Zentrumsführer Ludwig Windthorst in den letzten Tagen seiner Amtsführung bei Fürst Bismarck gemacht hatte, und dem große Aufmerksamkeit geschenkt worden war. Auch im Hintergrund haben bekannte Staatsmänner und Parlamentarier Gesprächsgruppen gebildet.

Die Wachsfiguren ehrenwerter Persönlichkeiten standen oft nicht weit entfernt von Massenmördern wie zum Beispiel Jack the Ripper. Eine andere bekannte Figur aus der Kriminalgeschichte ist Karl Ludwig Sand, der am 20. Mai 1820 in Mannheim mit dem Schwert hingerichtete radikale deutsche Burschenschafter und Mörder August von Kotzebues. Von ihm zeigte Castans Panoptikum gleich mehrere „Reliquien“:

„Neben der obligatorischen Locke u.a. „ein Stückchen Holz vom Schafott, auf welchem er hingerichtet wurde“, „ein Glas, aus welchem er den letzten Trunk vor seiner Hinrichtung that“, „seine Breloque (Berlocken) mit Petschaft, welches er am Tage vor seiner Hinrichtung seinem Kerkermeister Kloster, von dessen Sohn die Gebrüder Castan dasselbe erworben, schenkte“ sowie „ein Stückchen Holz von seinem Sarge“.“

Führer durch Castans Panoptikum 1899, S.49

Literatur

Weblinks

www.schaubuden.de

www.castans-panopticum.de

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