Casus

Casus

Der Kasus [ˈkaːzʊs] (Pl.: Kasus mit langem u [ˈkaːzuːs]) (auch: „der Fall“) ist eine grammatische Kategorie der nominalen Wortarten.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Die Bezeichnung Kasus geht etymologisch auf das lateinische Wort 'casus' („Fall“) zurück. Dieses Wort ist eine Begriffsübernahme vom griechischen Wort ptosis (πτῶσις) ('Fall'). Der griechische Grammatiker Dionysios Thrax hatte die Nomina als vom Verb 'abfallend' ('abhängig') aufgefasst (etwa wie noch heute in der Dependenzgrammatik) und dies als 'ptosis' bezeichnet.

Begriff

Der Ausdruck „Kasus“ ist mehrdeutig.

[1] (morphologischer Kasus):

In einem engeren Sinn ist mit „Kasus“ der morphologische Kasus gemeint, d.h. die „Kasusmarkierung durch grammatische Morpheme“[1]. In der Morphologie ist der Kasus eine morphologische Kategorie, die durch ein System einander gegenüberstehender Formenreihen gekennzeichnet ist, wobei diese Formen die Beziehung eines Gegenstandes zu anderen Gegenständen in einer bestimmten Situation wiedergeben. Dies entspricht der herrschenden Definition des Kasus als

grammatische Kategorie deklinierbarer Wörter, insbesondere zum Ausdruck syntaktischer Funktionen im Satz.

Dieser morphologische Kasusbegriff bietet sich für die deutsche Sprachwissenschaft an, da das Deutsche noch ein ausgeprägtes Flexionssystem der nominalen Wortarten kennt. Im Deutschen wird in der Deklination mit dem Kasus auch zugleich das Genus und der Numerus morphologisch gekennzeichnet.

Für den morphologischen Kasus gelten (im Deutschen) in der Regel Kongruenz und Rektion.

In der traditionellen Duden-Grammatik wird für das Deutsche zwischen einem reinen Flexionskasus (Beispiel: „Müllers Auto“) und einem Präpositionalkasus (Beispiel: „das Auto von Müller“) unterschieden[2].

Aus dem Griechischen stammt die Einteilung in Casus Rectus (Nominativ, Vokativ) und Casus Obliquus ((vom Verb abhängigen Kasus) Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Ablativ).

Weitere Einteilungen sind die in lexikalischen und strukturellen Kasus (so in der Generativen Syntax) und in syntaktischen und semantischen Kasus[3].

Typischerweise trägt ein Wort nur eine einzige Kasusmarkierung, in einigen Sprachen gibt es jedoch auch Wörter mit zwei und mehr Kasusmarkierungen (Suffixaufnahme).

[2] (abstrakter Kasus):

Unabhängig von einer morphologischen Realisierung kann man den Kasus abstrakt definieren als „grammatische Kategorie der nominalen Wortarten …, die der grammatischen Organisation des Satzes dient, indem die syntaktische Rolle von Substantivgruppen gekennzeichnet wird.“[4].

Dieser Kasusbegriff bietet sich „für nicht flektierende Sprachen wie dem Englischen und Französischen (an), in denen syntaktische Funktionen hauptsächlich durch Wortstellung bzw. Satzstruktur kodiert werden“[5]. Ein abstrakter Kasusbegriff wird in der Sprachvergleichung verwendet.

Als Spielart des abstrakten Kasus kann auch der Kasusbegriff der Kasusgrammatik angesehen werden.

[3] (Tiefenkasus im Sinne der Kasusgrammatik):

Die Kasusgrammtik bezeichnet mit „Kasus“ (Tiefenkasus) die „semantisch/thematischen Relationen/Rollen“[6] bzw. die „abstrakte logisch-semantische Relation zwischen Nominalphrase und Verb“[7].

Das System der Kasus in der deutschen Sprache

Das Kasussystem im Standarddeutschen

Die deutsche Sprache kennt vier Fälle (Kasus):

  • den Nominativ, 1. Fall, „Wer-oder-was-Fall“
  • den Genitiv, 2. Fall, „Wes(sen)-Fall“
  • den Dativ, 3. Fall, „Wem-Fall“
  • den Akkusativ, 4. Fall, „Wen-oder-was-Fall“

Zum Merken: Nominativ – Geh(t) nie tief (Genitiv) ins/in das Wasser – es könnte da tief (Dativ) sein. – Akkusativ

Beispielsweise ist in dem Satz:

Die Frau gibt ihrem Bruder den Hut ihres Mannes.

Die Frau das Subjekt (= Ergänzung im Nominativ), ihrem Bruder das Dativobjekt (= Ergänzung im Dativ), den Hut das Akkusativobjekt (= Ergänzung im Akkusativ) und ihres Mannes das Genitivattribut zu Hut.

Bei Feminina, Neutra, und bei stark deklinierenden Maskulina findet sich höchstens noch im Genitiv Singular und im Dativ Plural eine Kasus-Beugung, d. h. eine Veränderung der Wortform durch das Anhängen einer Endung an den Wortstamm bzw. den Pluralstamm. Der Dativ Singular der starken Maskulina und Neutra wurde im 20. Jahrhundert oft noch flektiert: dem Manne. In manchen Redewendungen ist dieser Stand erhalten: Im echten Manne ist ein Kind versteckt: Das will spielen. (Friedrich Nietzsche). Schwache Maskulina sowie alle substantivierten Adjektive und Partizipien haben auch in anderen Kasus Flexionsendungen (dem Menschen, den Boten, mit der Schönsten, für den Gebildeten). Der fortschreitende Verlust der Endungen ist wiederum Ursache für den Zusammenfall von gleichlautenden Kasus, wie im Englischen und Niederdeutschen (s. unten). Das Deutsche scheint auf dem Wege zu sein, auch den Genitiv als Objektkasus („ich schäme mich seiner“) und den Dativ zu verlieren und damit ein Kasussystem wie das Englische auszubilden (Sprachdrift). Bei den nicht mehr durch Endungen gekennzeichneten Fällen zeigen die Artikel den Kasus des entsprechenden Wortes an.

Kasus in den deutschen Dialekten

Allgemeines

In den deutschen Mundarten ist das Kasussystem einfacher als im Hochdeutschen. So kommt der Genitiv in den deutschen Mundarten nur noch in festen Redewendungen vor. Er wird in der Regel durch eine Kombination von Präposition und Substantiv ersetzt. Beispiel: das Haus meiner Eltern wird ersetzt durch das Haus von meinen Eltern.

In einigen Dialekträumen fallen Nominativ und Akkusativ zusammen, in anderen Dativ und Akkusativ (dieser Gemeinschaftskasus heißt dann Akkudativ oder Objektfall. In manchen Gegenden bleibt die Unterscheidung zwischen allen drei Kasus erhalten, in anderen verschwindet die Unterscheidung zwischen allen drei Kasus vollständig, sodass dort ein Einheitskasus aus Nominativ, Dativ und Akkusativ entsteht.

Bei den Kasus in den deutschen Mundarten muss man unterscheiden zwischen den einzelnen Wortarten (Artikel, Adjektiv, Substantiv und Personalpronomen) und zwischen den drei grammatischen Geschlechtern (Genera). Zum Beispiel verhält sich beim bestimmten Artikel die männliche Form (hochdeutsch der) anders als die weibliche und die sächliche Form (die bzw. das). Der männliche bestimmte Artikel hat nur in einem kleinen Teil von Norddeutschland (nämlich in Südschleswig) den Einheitskasus Nominativ-Dativ-Akkusativ. Der weibliche und der sächliche bestimmte Artikel hingegen hat in großen Teilen von Norddeutschland diesen Einheitskasus.

Beispiele für den Objektfall (Akkudativ):

De Fru kiekt de Mann an (Das Wort Mann steht im Objektfall; im Standarddeutschen würde es im Akkusativ stehen)
'Die Frau schaut den Mann an.'
De Fru gifft de Mann Koken. (Das Wort Mann steht im Objektfall; im Standarddeutschen würde es im Dativ stehen)
'Die Frau gibt dem Mann Kuchen.'

Das Kasussystem im Alemannischen

Das Alemannische ist ein Dialektverbund der oberdeutschen Sprache, die sehr arm an verschiedenen Fällen ist. Hier werden die Fälle anhand eines Luzerner Dialekts demonstriert. Es gibt keine einheitliche Angabe der Fälle im Alemannischen, da sie in den verschiedenen Dialekten teilweise sehr unterschiedlich sein können.

Substantive

Kasus maskulin feminin neutrum
Nominativ de Maa (der Mann) d'Frau (die Frau) s'Chind (das Kind)
Akkusativ de Maa (den Mann) d'Frau (die Frau) s'Chind (das Kind)
Dativ am Maa (dem Mann) de Frau (der Frau) am Chind (dem Kind)

Die Formen des Nominativs und des Akkusativs sind in allen Genera identisch. Im Dativ wird als Artikel „im/i de“ verwendet. Das Wort selbst verändert sich nicht.

Der Genitiv muss gesondert aufgeführt werden. Eigentlich existiert ein Genitiv gar nicht. Deshalb entfallen die wenigen Verben, die im Standarddeutschen noch ein Genitivobjekt fordern, im Alemannischen oder werden mit entsprechenden Präpositionen aufgeführt.

Beispiel:

Ursprungssatz: Ich schäme mich seiner.
Alemannisch: Ich schäme mich wäg ihm.
Einheitliche Übersetzung: Ich schäme mich seinetwegen.

Wird der Genitiv in einem Genitivattribut gefordert, wird er wie folgt angegeben:

Genus des Bezugswortes maskulin feminin neutrum
maskulin am Maa si(n) de Frau ires am Chind si(n)
feminin am Maa sini de Frau iri am Chind sini
neutrum am Maa sis de Frau ires am Chind sis
Plural (m.,f. o. n.) am Maa sini a de Frau iri am Chind sini

Er setzt sich also zusammen aus dem Dativ, auf den ein Possessivpronomen folgt. In der Spalte ganz rechts ist angegeben, welches Genus das nachfolgende Wort hat. Je nachdem ändert sich auch das Possessivpronomen. Im Plural gibt es nur ein Possessivpronomen, weshalb die Geni Plural nicht mehr einzeln aufgeführt sind. Diese Form eines Genitivs, der ja eigentlich gar keiner ist, kann nur auf Genitivattribute angewendet werden. Als Genitivobjekt ist sie nicht zu gebrauchen. Sie existiert auch im Standarddeutschen, wird aber heute nur noch sehr selten verwendet. So ist sie zu übersetzen (das Genus des Bezugswort ist jeweils in Klammern angegeben):

Im Maa sis Buech (n.) liit am Bode.
Dem Mann sein Buch liegt auf dem Boden.
I de Frou ires Chind (n.) esch 3-jährig.
Der Frau ihr Kind ist 3-jährig.
Im Chind sini Mueter (f.) chouft i.
Dem Kind seine Mutter kauft ein.

Außerdem existiert im Alemannischen eine zweite Form. Auch diese Form ist im Standarddeutsch vorhanden und wird auch heute öfter gebraucht.

maskulin feminin neutrum
vom Maa vo de Frou vom Chind

Diese Form eines rekonstruierten Genitivs setzt sich aus der Präposition „von“, dem Artikel (bei maskulinen und netrum Substantiven miteinander verschmolzen) und dem eigentlichen attributiven Substantiv zusammen. Das Bezugswort steht vor dem „Genitiv“. Das Genus und der Numerus des Bezugswort spielen in diesem Fall keine Rolle. Diese Form ist so zu übersetzen:

D'Schwöschtere vom Maa heissed Erika ond Jasmin.
Die Schwestern vom (=von dem) Mann heißen Erika und Jasmin.

Das Kasussystem im Indoeuropäischen Sprachraum

Allgemeines

Das Indoeuropäische bzw. Indogermanische kannte acht oder neun Fälle:

Die daraus entstandenen Sprachen (baltische, slawische Sprachen, sowie Latein oder Altgriechisch) haben diese vollständig oder nur zum Teil erhalten (teilweise unter anderen Namen). Auch das Deutsche besaß vor 1.000 Jahren noch einen Instrumental-Kasus und in manchen Ausdrücken hat sich bis heute der Lokativ erhalten.

Die Kasussysteme indoeuropäischer Sprachen im Einzelnen

Die Kasus im (Alt-) Griechischen

Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Altgriechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ (Anredeform). Nach ihrer Verwendungsweise werden zahlreiche verschiedene Kasusfunktionen unterschieden. Das altgriechische Kasussystem ähnelt in seinen Grundzügen dem deutschen. Zu Einzelheiten siehe Altgriechische Sprache.

Die Kasus im Lateinischen und in den romanischen Sprachen

Latein

Das Lateinische kennt fünf ausgeprägte Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ und Ablativ. Hinzu kommt der Vokativ, der jedoch nur bei einer einzigen Substantivklasse im Singular Maskulinum eine eigene Form hat, sonst ist er stets gleich dem jeweiligen Nominativ. Bei Städtenamen der a/o-Klasse erscheinen überdies Reste des Lokativs. Einzelheiten unter Grammatik des Lateinischen.

Romanische Sprachen

„Der Verlust der morphologisch markierten Kasus gehört zu den wichtigsten typologischen Merkmalen, die die romanischen Sprachen vom Lateinischen unterscheiden.“[8]

An die Stelle eines Flexionskasus tritt einen Präpositionalkasus[9].

  • Beispiel: Statt (lateinisch) „homo homini lupus“ (spanisch) „El hombre (es) un lobo para el hombre.“[10]

Reste eine morphologischen Kasus finden sich bei den romanischen Sprachen noch bei den Personalpronomina. Lediglich im Rumänischen gibt es noch „ein rudimentäres Kasussystem“[11].

Die Kasus in den germanischen Sprachen

Niederländisch

Im Niederländischen ist das Kasussystem weitestgehend verschwunden. Bei den Substantiven und Adjektiven gibt es keine Unterscheidung zwischen den Kasus mehr. Bei den Personalpronomina gibt es noch die Unterscheidung zwischen Subjektfall und Objektfall, z.B. ik („ich“, Subjektfall) — mij, me („mir“ oder „mich“, Objektfall). Dabei ist me die unbetonte Form von mij.

Gelegentlich kommen noch Reste weiterer Kasusunterscheidungen vor. In der Schriftsprache gibt es beim Personalpronomen der dritten Person Plural die Unterscheidung zwischen hen und hun. Dieser Unterschied wird in der Schriftsprache aber selten gemacht und kommt in der gesprochenen Sprache nicht vor. Weitere Kasusunterscheidungen kommen in feststehenden Ausdrücken und in Archaismen vor.

Beispiele:

  • Van de koele meren des doods — „Von den kühlen Seen des Todes“, Genitiv in einem Buchtitel von Frederik van Eeden
  • Woordenboek der Nederlandsche Taal — „Wörterbuch der niederländischen Sprache“, Genitiv
  • ter dood veroordeeld — „zum Tode verurteilt“, Dativ
  • mijns inziens — „meines Wissens“, Genitiv
  • ontferm u onzer — „erbarme dich unser“, Genitiv

Die Kasus in den slawischen Sprachen

Die slawischen Sprachen lassen sich nach der Anzahl der Kasus in zwei Gruppen unterteilen.

  • Im Bulgarischen[12], und Mazedonischen[13] gibt es 3 Kasus bei Pronomen während bei den Substantiven keine Fälle mehr existieren.
  • Alle weiteren slawischen Sprachen haben 6 oder 7 Kasus.

Die Kasus in den baltischen Sprachen

Die beiden baltischen Sprachen unterscheiden sich in der Anzahl der Fälle.

  • Litauisch[23] [24] hat 7 Fälle wie das benachbarte Polnische[19].
  • Lettisch[25] [26] [24] hat dagegen nur 6 Fälle, obwohl in einigen Quellen der Instrumental als 7. Kasus erwähnt wird. Er ist aber im Singular mit dem Akkusativ und im Plural mit dem Dativ identisch und wird daher in neueren Büchern nicht mehr aufgeführt.

Kasus in den Sprachen der Welt

Nicht-indogermanische Sprachen (z.B. finno-ugrische) kennen zum Teil deutlich mehr Fälle als die indoeuropäischen Sprachen. Im Finnischen sind es beispielsweise 15, im Ungarischen 18, im Wepsischen 24. Siehe auch: Ventiv.

Jedoch ist es recht schwierig, dem Begriff eine allgemeingültige Definition zu geben. Manche Fachleute bezweifeln, dass er auf alle Sprachen (z.B. Englisch oder Ungarisch) anwendbar ist.

Kasus Bedeutung Beispiel Sprachen (Beispiele)
Abessiv Abwesenheit von etwas ohne den Lehrer Ungarisch, Finnisch, Estnisch
Ablativ (1) indirekter Fall den Lehrer betreffend Sanskrit, Latein
Ablativ (2) Wegbewegung vom Lehrer weg Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Türkisch, Latein
Absolutiv Subjekte intransitiver Verben; Objekte transitiver Verben der bzw. den Lehrer Ergativsprachen
Adessiv nahe bei beim Lehrer Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Litauisch (früher)
Akkusativ direktes Objekt den Lehrer viele Indogermanische Sprachen, Arabisch, Ungarisch, Esperanto
Allativ oder Direktiv Hinbewegung zum Lehrer Baskisch, Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Litauisch (früher), Tibetisch
Äquativ Vergleich wie ein Lehrer Sumerisch
Dativ Richtung oder Empfänger; indirektes Objekt dem Lehrer viele Indogermanische Sprachen, Ungarisch, Georgisch, Türkisch
Delativ Wegbewegung von etwas herab vom Schiff herab Ungarisch
Delimitativ (lokaler Genitiv) örtliche Zugehörigkeit des Lehrers, zum Lehrer gehörig Baskisch
Derivativ Herkunft der Hamburger Lehrer Türkisch
Elativ Herausbewegung aus dem Haus heraus Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Altgriechisch
Ergativ Subjekt, das ein transitives Verb ausführt der Lehrer (baut ein Haus…) Baskisch, Georgisch, Samoanisch, Tibetisch, Inuktitut
Essiv Kennzeichnung eines Zustandes als Lehrer Finnisch, Estnisch, Samisch, Georgisch
Genitiv (Genetiv) Besitz, Beziehung des Lehrers viele Indogermanische Sprachen, Arabisch, Tibetisch(?)
Illativ Hineinbewegung ins Haus Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Samisch, Litauisch
Inessiv Innen im Haus Baskisch, Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Litauisch
Instruktiv (1) Art und Weise mittels Lehrer Finnisch
Instrumental oder Instruktiv (2) Kennzeichnung der Nutzung mit dem Lehrer Sanskrit, Slawische Sprachen, Baskisch, Georgisch, Finnisch, Ungarisch, Latein, Litauisch
Komitativ Zusammen mit mit dem Lehrer Baskisch, Estnisch, Ungarisch, Tibetisch, Finnisch, Samisch
Lokativ Ort am Haus Sanskrit, Slawische Sprachen, Lettisch, Litauisch, Tibetisch, Samisch, Türkisch
Nominativ Subjekt der Lehrer sämtliche Indogermanische Sprachen, Arabisch, Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Samisch, Georgisch
Obliquus (Oblik) Umfassend den Lehrer betreffend Zazaki, Kurmandschi, Altfranzösisch, Englisch
Partitiv Mengen an Lehrern Baskisch, Finnisch, Estnisch
Perlativ Bewegung durch etwas durch das Haus hindurch Tocharisch
Possessiv Besitz dem Lehrer gehörend Baskisch
Postpositional Kasus vor Postpositionen Lehrer + Postposition Hindi
Präpositiv Kasus nach Präpositionen Präposition + Lehrer Russisch
Prolativ (1) Bewegung auf Oberfläche durch das Haus Estnisch
Prolativ (2) für oder anstelle von für den Lehrer Baskisch
Sublativ Bewegung auf etwas auf das Schiff Ungarisch
Superessiv Position auf auf dem Schiff Ungarisch
Tendenzial Richtung einer Bewegung in Richtung Lehrer Baskisch
Terminativ Ende einer Bewegung oder Zeit bis zum Lehrer Baskisch, Estnisch, Tibetisch
Translativ Zustandswechsel zum Lehrer (werden) Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Georgisch
Vokativ Anrede (Herr) Lehrer! Sanskrit, Latein, Rumänisch, Griechisch, Georgisch, einige Slawische Sprachen wie Štokavisch Tschechisch, Polnisch, Obersorbisch und Ukrainisch, Litauisch, Irisch

Kasus und Adpositionen in der Sprachtypologie

In den Sprachen der Welt zeigt sich, dass ein Teil der Sprachen Kasusmarkierungen verwendet, wo ein anderer Teil Adpositionen (Prä- bzw. Postpositionen) benutzt, d. h., der Unterschied zwischen beiden Strategien äußert sich häufig nur in der Morphologie, nicht jedoch in der Funktion (Semantik). Von einigen zeitgenössischen Sprachtypologen wird daher der engl. Begriff flag bzw. flagging („Flagge“ bzw. „Beflaggung“)[27] verwendet, um beide Phänomene im Hinblick auf ihre Semantik unter einem Oberbegriff zusammenzufassen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Wendung nach Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasus
  2. Duden, Die Grammatik, 4. Aufl., Rn. 372
  3. Im Einzelnen vergleiche Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasus
  4. Nach Gadler, Praktische Linguistik, 3. Aufl. (1998), S. 179 (dort wird aber nicht explizit vom abstrakten Kasus gesprochen)
  5. Formulierung von Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasus, dort jedoch ohne ausdrückliche Unterscheidung zwischen einem morphologischen und abstrakten Kasusbegriff
  6. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasusgrammatik
  7. Ulrich, Linguistische Grundbegriffe, 5. Aufl. (2002)/Kasus
  8. Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 140
  9. Terminologie nach Duden, Die Grammatik, 4. Aufl., Rn. 372 (Unterscheidung für die deutsche Sprache)
  10. Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 140
  11. Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 140
  12. Kauderwelsch Band 51, Bulgarisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-240-6, 4. Auflage 2003, Seiten 31 (Pronomen), 50 (Verhältniswörter mit Hinweis auf fehlende Deklination)
  13. Kauderwelsch Band 131, Mazedonisch/Makedonisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-494-8, 2. Auflage 2002, Seiten 43 (Pronomen), 74 (Verhältniswörter)
  14. Kauderwelsch Band 69, Slowenisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-259-7, 5. Auflage 2003, Seite 29
  15. Grammatik der russischen Sprache, ISBN 3-06-502230-3, Seite 137
  16. a b Kauderwelsch Band 211, Sorbisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-381-5, 1. Auflage 2007, Seiten 26-30
  17. Kauderwelsch Band 93, Kroatisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-886-5, 9. Auflage 2007, Seite 57
  18. Kauderwelsch Band 93, Serbisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-537-6, 5. Auflage 2008, Seite 52
  19. a b Kauderwelsch Band 35, Polnisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-527-8, 7. Auflage 2002, Seiten 70-76
  20. Kauderwelsch Band 32, Tschechisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-058-6, 7. Auflage 2004, Seite 27
  21. Kauderwelsch Band 81, Slowakisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-272-4, 4. Auflage 2002, Seiten 50-53
  22. Kauderwelsch Band 79, Ukrainisch für Globetrotter, ISBN 3-89416-270-8, 1. Auflage 1993, Seite 47
  23. Kauderwelsch Band 54, Litauisch Wort für Wort, ISBN 978-3894162443, 5. Auflage, Seiten 44-51
  24. a b Die baltischen Sprachen, ISBN 3-324-00605-8, Seiten 113 (Litauisch), 283 (Lettisch)
  25. Kauderwelsch Band 82, Lettisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-273-2, 3. Auflage 2002, Seite 65
  26. Jan Henrik Holst: Lettische Grammatik, ISBN 3-87548-289-1, Seite 106-121
  27. Martin Haspelmath: Argument marking in ditransitive alignment types. In: Linguistic Discovery. Bd. 3, Heft 1, 2005, S. 1–21.

Literatur

  • Barry J. Blake: Case. 2. Auflage. Cambridge University Press, 2001.
  • Thomas Stolz: Lokalkasussysteme. Aspekte einer strukturellen Dynamik. Egert, Wilhelmsfeld 1992.

Weblinks


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