Horst Hiemer


Horst Hiemer

Horst Hiemer (* 22. April 1933 in Ratibor, Oberschlesien) ist ein deutscher Schauspieler.

Leben

Horst Hiemer wuchs in Schlesien auf. 1945 wurde die Familie nach Thüringen vertrieben. Hiemer studierte von 1952 bis 1955 Schauspiel am Deutschen Theaterinstitut in Weimar und an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. Nach seinem Theaterdebüt am Schauspielhaus Leipzig spielte er am Landestheater Halle und am Staatstheater Schwerin.

Horst Hiemer (2. v. r.) bei den Proben zu Benno Bessons Inszenierung von Heiner Müllers Ödypus Tyrann (1967)

1960 holte ihn Wolfgang Langhoff an das Deutsche Theater (DT) in Berlin. Mehr als 40 Jahre lang gehörte Hiemer danach zum DT-Ensemble und arbeitete unter Intendanten wie Hanns Anselm Perten und Dieter Mann. Zu seinen zahlreichen Rollen, oft im komischen oder grotesken Fach, gehörten sein Pater João in Ariano Suassunas Das Testament des Hundes (1968, Regie: Friedo Solter), der Blondin in Alonso Alegrías Die Überquerung des Niagara-Falls (1976, von Hiemer inszeniert) und seine Rolle in George Bernard Shaws Haus Herzenstod (1990, Regie: Thomas Langhoff).

Neben seiner Theaterarbeit war er Dozent für Schauspiel an der Staatlichen Schauspielschule Berlin und wirkte seit 1959 in über 200 Kino- und Fernsehfilmen und zahlreichen Hörspielen mit. Während in den 1960ern vorrangig positiv gezeichnete Funktionäre oder Vorzeigearbeiter (wie die Titelrolle im von Bernhard Seeger geschriebenen Propaganda-Mehrteiler Hannes Trostberg) zu Hiemers Filmrepertoire zählten, wurde er später auf negative Figuren festgelegt. Grund dafür war offenbar die Tatsache, dass er am 18. November 1976 (gemeinsam mit DT-Kollegen wie Eberhard Esche, Cox Habbema, Jutta Wachowiak, Elsa Grube-Deister und Margit Bendokat) die Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatte.

Mit dem Abschied des Intendanten Thomas Langhoff verließ Hiemer 2001 das DT und arbeitet seitdem freischaffend.

Filmographie

  • 1961: Mord an Rathenau (TV) – Regie: Max Jaap
  • 1962: Geboren unter schwarzen Himmeln (TV, 5 Teile) – Regie: Achim Hübner
  • 1966: Dr. Schlüter (TV, 5 Teile) – Regie: Achim Hübner
  • 1966: Hannes Trostberg (TV) – Regie: Peter Hagen
  • 1968/87: Die Russen kommen
  • 1970: Ich - Axel Caesar Springer (TV, 5 Teile) – Regie: Helmut Krätzig, Ingrid Sander, Achim Hübner
  • 1970: Der Mörder sitzt im Wembley-Stadion (TV) – Regie: Gerhard Respondek
  • 1970: Unterwegs zu Lenin (На пути к Ленину) – Regie: Günter Reisch
  • 1971: Karriere – Regie: Heiner Carow
  • 1971: Männer ohne Bart – Regie: Rainer Simon
  • 1971: Tod in der Kurve (TV) – Regie: Gerhard Respondek
  • 1972: Trotz alledem! – Regie: Günter Reisch
  • 1972: Leichensache Zernik – Regie: Helmut Nitzschke
  • 1972: Der Adjutant (TV) – Regie: Peter Deutsch
  • 1973: Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow – Regie: Siegfried Kühn
  • 1975: Broddi (TV, 3 Teile) – Regie: Ulrich Thein
  • 1976: Sein letzter Fall (TV) – Regie: Kurt Veth
  • 1978: Der zweite Mann (TV) – Regie: Martin Eckermann
  • 1979: Die Rache des Kapitäns Mitchell (TV) – Regie: Christa Mühl
  • 1981: Verflucht und geliebt (TV) – Regie: Martin Eckermann
  • 1982: Der Aufenthalt – Regie: Frank Beyer
  • 1983: Martin Luther (TV, Fernsehfilm in 5 Teilen) – Regie: Kurt Veth
  • 1983: Isabel auf der Treppe – Regie: Hannelore Unterberg
  • 1983: Bockshorn – Regie: Frank Beyer
  • 1983: Romeo und Julia auf dem Dorfe – Regie: Siegfried Kühn
  • 1985: Besuch bei van Gogh – Regie: Horst Seemann
  • 1986: Weihnachtsgeschichten (TV) – Regie: Christa Mühl
  • 1986: Der Junge mit dem großen schwarzen Hund – Regie: Hannelore Unterberg
  • 1986: Käthe Kollwitz – Bilder eines Lebens – Regie: Ralf Kirsten
  • 1986: Das wirkliche Blau (TV) – Regie: Christa Mühl
  • 1990: Drachensaat (TV) – Regie: Klaus Gendries
  • 1990: Schlaraffenland (TV) – Regie: Michael Verhoeven
  • 1991: Hüpf, Häschen hüpf oder Alptraum eines Staatsanwalts (TV) – Regie: Christian Steinke
  • 1993: Inge, April und Mai – Regie: Wolfgang Kohlhaase, Gabriele Denecke
  • 1993: Wehner - Die unerzählte Geschichte (TV) – Regie: Heinrich Breloer
  • 1995: Mutters Courage – Regie: Michael Verhoeven
  • 1995: Das Versprechen – Regie: Margarethe von Trotta
  • 1997: Der Hauptmann von Köpenick (TV) – Regie: Frank Beyer
  • 2002: Hundsköpfe – Regie: Karsten Laske
  • 2004: Land’s End (TV) – Regie: Alex Ross
  • 2004: Saniyes Lust (TV) – Regie: Sülbiye Günar
  • 2005: Willenbrock – Regie: Andreas Dresen

Weblinks


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