Inge Lammel


Inge Lammel

Inge Lammel (* 1924 in Berlin; geboren als Inge Rackwitz) ist eine deutsche Musikwissenschaftlerin, die sich vor allem mit Arbeiterliedern beschäftigte. Sie floh als Jüdin 1939 in das Vereinigte Königreich und wurde auch durch die Aufarbeitung der Judenverfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus in Berlin-Pankow bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Inge Rackwitz wurde im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in einer jüdischen Familie geboren. Ihr Vater war Bankangestellter und leitete mehrere Synagogenchöre. 1933 wurde er wie alle anderen jüdischen Angestellten entlassen. Sie besuchte die Grundschule und später wie ihre ältere Schwester das Lyzeum in Berlin-Lankwitz.[1] Gelegentlich wurden sie als Juden auf dem Schulweg verprügelt oder waren anderen Diskriminierungen ausgesetzt. Etwa zur Reichspogromnacht wurde ihr Vater verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Ihre Eltern wurden später im KZ Auschwitz ermordet.[1] Inge und ihre Schwester Eva konnten 1939 mit anderen jüdischen Kindern und Jugendlichen in einem Kindertransport in das Vereinigte Königreich gelangen. Sie wurden von Lehrerinnen in Sheffield aufgenommen. Inge Rackwitz wurde in Bristol zur Krankenschwester ausgebildet und zog 1943 nach London, wo sie deutsche politische Flüchtlinge traf und der Kommunistischen Partei Deutschlands beitrat. Außerdem war sie für die Free German League of Culture in Great Britain und in der Freien Deutschen Bewegung tätig. Im Herbst 1947 kehrte sie nach Ost-Berlin zurück. Angeregt durch den ebenfalls aus dem britischen Exil zurückgekehrten Musikwissenschaftler Ernst Hermann Meyer studierte sie ab Oktober 1948 Musikwissenschaften an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin. 1950 heiratete sie und nahm den Namen Lammel an. Sie brachte zwei Kinder zur Welt und promovierte 1975. Sie baute das Arbeiterliedarchiv an der Akademie der Künste der DDR auf und leitete es von 1954 bis 1985. In dieser Zeit brachte sie zahlreiche Sammlungen politischer Lieder heraus. Seit 1991 erforscht sie das Schicksal jüdischer Familien in Berlin-Pankow.[2]

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1971: Hanns-Eisler-Preis (zusammen mit Jürgen Elsner)
  • Seit November 2011 ist Inge Lammel Ehrenvorsitzende des Landesverbandes Berlin der VVN-BdA.

Werke

Liedersammlungen (Auswahl)

  • Lieder der Revolution von 1848. Hofmeister, Leipzig 1957
  • Lieder gegen Faschismus und Krieg. Hofmeister, Leipzig 1958
  • Lieder der Agitprop-Truppen vor 1945.Hofmeister, Leipzig 1959
  • Lieder zum ersten Mai. Hofmeister, Leipzig 1959
  • Lieder der Arbeiterkinder. Hofmeister, Leipzig 1960
  • Lieder der Arbeiterjugend. Hofmeister, Leipzig 1960
  • Lieder der Partei. Hofmeister, Leipzig 1961 (mit Günter Hofmeyer)
  • Lieder des Roten Frontkämpferbundes. Deutsche Akademie der Künste, Berlin 1961
  • Lieder aus den faschistischen Konzentrationslagern. Hofmeister, Leipzig 1962 (mit Günter Hofmeyer)
  • Kämpfen und Singen. Zentralhaus für Kulturarbeit, Leipzig 1965
  • Kopf hoch, Kamerad. Dokumente aus faschistischen Konzentrationslagern. Henschel, Berlin 1966
  • Songs für Vietnam. Deutsche Akademie der Künste, Berlin 1966
  • Hundert Jahre deutsches Arbeiterlied. Eine Dokumentation. Deutsche Akademie der Künste, Berlin 1966 (Textheft zur gleichnamigen Doppel-LP von Eterna)
  • Mit Gesang wird gekämpft. Lieder der Arbeiterbewegung. Dietz, Berlin 1967
  • Lieder der deutschen Turn- und Sportbewegung. Hofmeister, Leipzig 1967
  • Das Arbeiterlied. Reclam, Leipzig 1970 (auch Röderberg, Frankfurt/Main 1973)
  • Hundert proletarische Balladen 1842–1945. Verlag Neues Leben, Berlin 1975 (mit Ilse Schütt; auch Damnitz, München 1975)
  • Kampfgefährte – unser Lied. Tribüne, Berlin 1978
  • Wir packen’s an. Politische Lieder aus der BRD. Lied der Zeit, Berlin 1978
  • Lied und politische Bewegung. Zentralhaus-Publikationen, Leipzig 1984
  • Und weil der Mensch ein Mensch ist. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986
  • Sachsenhausen-Liederbuch. Edition Hentrich, Berlin 2000, ISBN 3-89468-162-4 (mit Günter Morsch)

Selbst verfasste Werke

  • Bibliographie der deutschen Arbeiterliedbücher 1833–1945. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1977
  • Das Jüdische Waisenhaus in Berlin. Seine Geschichte in Bildern und Dokumenten. Berlin 2001, ISBN 978-3980857710
  • Alexander Beer. Baumeister der Berliner Jüdischen Gemeinde. Hentrich und Hentrich, Berlin 2002
  • Arbeiterlied – Arbeitergesang. Hundert Jahre Arbeitermusikkultur in Deutschland. Aufsätze und Vorträge aus 40 Jahren 1959–1998. Hentrich und Hentrich, Berlin 2002
  • Jüdische Lebenswege. 2. Auflage, Hentrich & Hentrich, Berlin 2007, ISBN 9783938485538

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Biografie Inge Lammels, abgerufen am 10. Februar 2011
  2. Jüdische Lebenswege. 2. Auflage, Hentrich & Hentrich, Berlin 2007, ISBN 9783938485538

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