Zentralinstitut für Ernährung

Zentralinstitut für Ernährung
Institut für Ernährung und Verpflegungswissenschaft in Potsdam-Rehbrücke, 1950

Das Zentralinstitut für Ernährung war ein außeruniversitäres Forschungsinstitut der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) mit Sitz in Potsdam-Rehbrücke, dessen Aufgabe die Forschung im Bereich der Ernährungswissenschaften war. Es entstand 1969/1970 aus dem Institut für Ernährung, das am 1. Juli 1957 durch Zusammenschluss des Instituts für Ernährungsforschung mit der Anstalt für Vitaminforschung gegründet worden war und seit seiner Gründung zur Forschungsgemeinschaft der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW) gehörte.

Das Institut für Ernährungsforschung ging dabei zurück auf das am 10. Juni 1946 auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Brandenburg geschaffene Institut für Ernährung, das zunächst der Deutschen Zentralverwaltung für Handel und Versorgung zugeordnet war. Gründungsdirektor wurde Wilhelm Ziegelmayer. Vier Jahre später wurde diese Einrichtung umbenannt in Institut für Ernährung und Verpflegungswissenschaft und dem Verantwortungsbereich des DDR-Ministeriums für Handel und Versorgung unterstellt, ab 1953 hieß es Institut für Ernährungsforschung und unterstand dem Ministerium für Lebensmittelindustrie. Die Anstalt für Vitaminforschung war die Nachfolgeeinrichtung der Reichsanstalt für Vitaminprüfung und Vitaminforschung, die ab 1941 in Leipzig bestanden hatte und 1948 nach Potsdam-Rehbrücke verlegt wurde. Carl Arthur Scheunert, der die Reichsanstalt nach ihrer Gründung geleitet hatte und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst Professor an der Universität Gießen geworden war, übernahm nach dem Tod von Wilhelm Ziegelmayer 1951 die Leitung des Instituts für Ernährung und Verpflegungswissenschaft sowie ab Oktober des gleichen Jahres in Personalunion auch die Leitung der Anstalt für Vitaminforschung.

Das Zentralinstitut für Ernährung gehörte zum Forschungszentrum für Molekularbiologie und Medizin, dem Verbund der biowissenschaftlich und medizinisch orientierten Institute der Akademie, und hatte im Sommer 1990 rund 525 Mitarbeiter. Zu den vom Institut herausgegebenen Veröffentlichungen zählten die Institutsberichte in der Schriftenreihe Ernährungsforschung sowie die Fachzeitschrift Die Nahrung. Nachdem Arthur Scheunert verstorben war, übernahm von 1957 bis 1962 Kurt Täufel die Leitung des Instituts. Ihm folgte in den Jahren 1962/1963 kommissarisch der Leiter der mikrobiologischen Abteilung Heinrich Baumgärtner, bevor von 1964 bis 1981 Helmut Haenel Direktor war. Dessen Nachfolger Horst Schmandke fungierte bis zur politischen Wende in der Deutschen Demokratischen Republik. Von 1990 bis zur Auflösung des Instituts zum Ende des Jahres 1991 leitete erneut Helmut Haenel das Institut. Als Nachfolgeeinrichtung entstand 1992 das zur Leibniz-Gemeinschaft gehörende Deutsche Institut für Ernährungsforschung.

Literatur

  • Rüdiger vom Bruch, Uta Gerhardt, Aleksandra Pawliczek: Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-51-508965-9, S. 237.
  • Rosemarie Posselt: Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Teile 2−3. Reihe: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Potsdam. Band 50. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2005, ISBN 3-83-050959-6, S. 156.
  • Hans-Georg Wolf: Organisationsschicksale im deutschen Vereinigungsprozeß. Die Entwicklungswege der Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR. Reihe: Schriften des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Köln. Band 27. Campus, Frankfurt am Main, New York 1996, ISBN 3-593-35523-X, S. 17.
  • 25 Jahre „Zentralinstitut für Ernährung“ in Potsdam-Rehbrücke. Reihe: Ernährungsforschung. Band 16. Akademie-Verlag, Berlin 1971.

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