Kernkraftwerk Jervis Bay

Kernkraftwerk Jervis Bay

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Kernkraftwerk Jervis Bay
Lage
Kernkraftwerk Jervis Bay (Australien)
Kernkraftwerk Jervis Bay
Koordinaten 35° 7′ 34,5″ S, 150° 45′ 13,3″ O-35.126244150.753686Koordinaten: 35° 7′ 34,5″ S, 150° 45′ 13,3″ O
Land: New South Wales, AustralienAustralien Australien
Daten
Projektbeginn: 1969
Stilllegung: 1971

Bau eingestellt (Brutto):

1  (500 MW)
Stand: Januar 2011
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Jervis Bay (englisch Jervis Bay Nuclear Power Plant) sollte ab 1970 am Murray Beach im Jervis Bay Territory an der Südküste von New South Wales in Australien, etwa 200 km von Sydney entfernt, gebaut werden. Jervis Bay Territory ist eine Enklave des Australian Capital Territory im Staatsgebiet von New South Wales. Konzipiert war das erste Kernkraftwerk Australiens mit einer elektrischen Leistung von 500-600 Megawatt als Pilotprojekt für den Bau weiterer Anlagen.[1] Trotz Machbarkeitsstudien, Auftragsvergaben und begonnener Betonierarbeiten verfolgte die australische Regierung das Projekt ab 1971 nicht weiter. Es gibt noch kein Kernkraftwerk in Australien (Stand 2011), obwohl die Diskussion darüber immer wieder aufflammt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Standort

Der vorgesehene Standort für das Kernkraftwerk lag in der Nähe des Murray Beach, eines Strandes in der Jervis Bay. Das erste Kernkraftwerk Australiens sollte nach den Vorstellungen der australischen Politik in einem Gebiet liegen, das von der Zentralregierung Australiens verwaltet wird. Als Standortfaktoren wurden genannt:[2]

  • das große Wasservolumen der Bucht zur Aufbereitung von Kühlwasser
  • die Nähe zum nationalen Stromnetz und zu den Städten Melbourne und Sydney
  • der vorhandene Eisenbahn- und Hafenanschluss für den Transport der Brennstäbe.

Die Jervis Bay, die sich über eine Wasserfläche von etwa 10 × 16 Kilometer erstreckt, ist ein Bestandteil des Booderee-Nationalparks. In der Bucht befinden sich ein australischer Kriegshafen und die Bowen Island, ein großes Gebiet auf Land ist für Zielübungen der Kriegsschiffe der Royal Australian Navy reserviert.

Die Jervis Bay mit zehn Kriegsschiffen. Von links Point Perpendicular, Bowen Island, Governor Head und rechts sind HMAS Creswell (eine Schiffskadettenschule der Navy) und der Kriegshafen erkennbar
Die Jervis Bay mit zehn Kriegsschiffen. Von links Point Perpendicular, Bowen Island, Governor Head und rechts sind HMAS Creswell (eine Schiffskadettenschule der Navy) und der Kriegshafen erkennbar

Geschichte

Die australische Regierung und die Regierung von New South Wales beschlossen im Dezember 1969, das erste Kernkraftwerk an der Jervis Bay zu projektieren, zu bauen und den Strom ins Netz von New South Wales einzuspeisen. Bei der Ausarbeitung des Konzepts wurden sie von der Australian Atomic Energy Commission (AAEC) beraten. Der Bauplan sah die Errichtung eines Reaktors vor, der atomwaffenfähiges Plutonium hätte herstellen und damit Australien in den Status einer Nuklearmacht erheben können.[3][4][5] Im Zusammenhang mit diesem Kernkraftwerkbau gab es detaillierte Kosten- und Zeitplanungen zur Herstellung von Atom- und Wasserstoffbomben.[6]

Im Dezember 1969 wurden Interessenten aufgefordert, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, im Februar 1970 die Ausschreibungsunterlagen an die Bewerber ausgegeben und der Abgabetermin im Juni 1970 festgelegt.[7] Neben The Nuclear Power Group aus dem Vereinten Königreich bewarben sich auch die beiden deutschen Gesellschaften Siemens und AEG. The Nuclear Group schlug einen Dampf erzeugenden Schwerwasserreaktor (SGHWR), die beiden deutschen Interessenten einen Leichtwasserreaktor vor. Kurze Zeit später gründeten die beiden deutschen Interessenten das gemeinsame Tochterunternehmen Kraftwerk Union. Aufgrund der geforderten Zusammenarbeit mit anderen wichtigen Unternehmen des europäischen Nuklearsektors wie Belgonucleaire, Agip Nucleare, Interatom und British Nuclear Fuels schlossen die beiden Unternehmen jeweils mit zwei Partnern Verträge. Auch die Kraftwerk Union und The Nuclear Group beschlossen eine Zusammenarbeit um gemeinsam das Kernkraftwerk zu errichten. Der Hintergedanke der Kraftwerk Union war, dass dadurch der britische Nuklearmarkt offen stehen würde und Technologien transferiert werden könnten. Man entschied sich letztlich für den Dampf erzeugenden Schwerwasserreaktor, der billiger zu realisieren war.[8] Die Leistung war mit 500 Megawatt projektiert.[9][10] Bis 1977 sollte die Anlage fertiggestellt sein.[11]

Proteste und Ende

Als die Pläne zur Errichtung des Kernkraftwerks öffentlich bekannt wurden, bildete sich mit dem Jervis Bay Planning and Protection Committee eine lokale Protestbewegung, in der auch Mitglieder des Shoalhaven City Council aktiv waren.[1] Das South Coast Trades and Labour Council, in dem Arbeiter der Region organisiert sind, erklärte, dass es sich nicht an der Errichtung des Kernkraftwerks beteiligen würde.[12]

Für den Abbruch des Projekts durch die australische Regierung gibt es mehrere Gründe. Nach der Absetzung des Premierministers John Gorton, eines Projektbefürworters, kam William McMahon an die Macht. Beide gehörten der konservativen Liberal Party of Australia an. Man vermutete, dass das Kabinett den Bau abbrach, weil es befürchtete, dass die Nutzung der Kernenergie die Rolle des Staates bei der Stromlieferung untergraben würde. Außerdem war durch eine neue Kostenvergleichsberechnung festgestellt worden, dass Kohlekraftwerke preisgünstiger Elektrizität erzeugen können.[13] Vor dem Hintergrund, dass die australische Regierung durch den Bau des Kernkraftwerks Verluste von 100 Millionen australische Dollar erwartete[13] und damals mit einer hohen Inflationsrate zu kämpfen hatte, wurde das Projekt nicht fortgeführt. Hinzu kam die Entdeckung von Erdgas- und Ölvorkommen in der Bass Strait vor Australien, sodass keine Energiekrise zu befürchten war. Der vorgesehene Standort an der Jervis Bay war bereits erschlossen. Es waren Planungskosten entstanden, Aufträge bereits vergeben und mit den ersten Betonierungsarbeiten an dem Fundament begonnen worden. Das Fundament ist auf dem Gelände, das jetzt als Parkplatz genutzt wird, noch erkennbar.

Daten des Reaktorblocks

Es war ein Reaktor geplant:

Reaktorblock Reaktortyp Leistung Anfang Projektplanung Baubeginn Projekteinstellung
Jervis Bay SGHWR ≈500 MW[9][10] 1969 1970 1971

Literatur

  • Alice Cawte: Atomic Australia. University of New South Wales Press. Sydney 1992

Einzelnachweise

  1. a b Lady Denman Heritage auf www.ladydenman.asn.au abgerufen am 7. Januar 2010
  2. a b Andree Stephens: Nuclear power station at Jervis Bay feasible, says industry expert auf The Canberra Times vom 26. Mai 2006. Abgerufen am 10. Januar 2011
  3. %20Misleading.pdf Sue Wareham: The Nucelar Industry: A history of misleading auf www.energyscience. S. 11. Abgerufen am 7. Januar 2011
  4. Chronology - Australia's Nuclear Political History auf www.abc.net.au. Abgerufen am 7. Januar 2011
  5. Brian Martin: Proliferation at home. S. 170–171. Search, Vol. 15, No. 5-6, Juni/Juli 1984, S. 170–171 auf www.bmartin.cc. Abgerufen am 7. Januar 2011
  6. Jaqus E. C. Hymans: Isotopes and Identity. Australia and the Nuclear Weapons, 1949-1998. S. 10 ff. auf cns.miis.edu. abgerufen am 10. Januar 2011
  7. Keth Alder: Australia's Uranium Opportunities. Pauline Alder. Sydney 1996, ISBN 0-646-29942-5
  8. David Fishlock: Nuclear marriage of convenience. In: New Scientist, Band 51, Nr. 760. 15. Juli 1971. ISSN 0262-4079. S. 118
  9. a b Jacques E. C. Hymans: The psychology of nuclear proliferation: identity, emotions, and foreign policy. Cambridge University Press, 2006, ISBN 0521850762. S. 129
  10. a b OECD Nuclear Energy Agency: Radioactive waste management programmes in OECD/NEA member countries. In: Radioactive Waste Management Series. OECD Publishing, 2005, ISBN 9264012109. S. 1
  11. Alan Gilpin: Environment policy in Australia. In: Band 8 von Australian environment. University of Queensland Press, 1980, ISBN 0702213667. S. 312
  12. Jim Falk: Gobal Fission: The Battle Over Nuclear Power, S. 260. Oxford Univ Pr. Melbourne 1982, ISBN 0195543165
  13. a b Gorton gave nod to nuclear power plant, The Age vom 1. Januar 2000. Abgerufen am 7. Januar 2011

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