Johann Conrad Bromeis (Architekt)


Johann Conrad Bromeis (Architekt)
das ehemalige Residenzpalais (Rote Palais) in Kassel, erbaut 1815-1821
Das Großes Gewächshaus im Bergpark Wilhelmshöhe wurde 1822 nach Plänen von Bromeis in Glas und Stahl ausgeführt

Johann Conrad Bromeis (* 21. September 1788 in Kassel; † 19. Juni 1855 ebenda) war ein kurhessischer deutscher Architekt und Hofbaumeister von Kurfürst Wilhelm II.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Bromeis stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, fiel aber frühzeitig durch seine zeichnerische Begabung auf, so dass er nach Besuch einer höheren Schule an der Kasseler Akademie der bildenden Künste durch Heinrich Christoph Jussow ausgebildet wurde.

Nach Abschluss der Studien wurde er 1810 zum Bauinspektor der Gebäude in Wilhelmshöhe ernannt. In dieser Phase, die mit der französischen Besatzung Hessen-Kassels als Teil des Königreich Westfalens zusammenfiel, lernte er den Empirestil durch den französischen Architekten Auguste Victor Henri Grandjean de Montigny (1776–1850), den „premier architecte“ Jérôme Bonapartes, kennen.

1814–1821 war er als Lehrer für Baukunst an der Kasseler Akademie der Künste tätig und wurde ab 1821 Hofbaumeister des Kurfürsten Wilhelm II. 1825 ernannte man ihn zum Direktor der Architekturabteilung der Kasseler Akademie der bildenden Künste. 1830 erreichte seine berufliche Entwicklung mit der Position des Oberbaudirektors und Chef des gesamten Bauwesens in Hessen-Kassel ihren Höhepunkt.

Da 1831 Hof- und Staatsbauwesen im Kurfürstentum voneinander getrennt wurden, unterstand Bromeis nur noch das Staatsbauwesen. 1849 wurde die Oberbaudirektion aufgelöst und stattdessen eine Oberbaukommission gebildet, deren Vorsitz er innehatte. 1853 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Stil

Johann Conrad Bromeis war ein Vertreter des architektonischen Klassizismus, dessen Gebäude sich durch eine Innendekoration im Empirestil auszeichnen.

Erhaltene Gebäude

Das Hauptwerk von Johann Conrad Bromeis war das Residenzpalais in Kassel, dessen farbenprächtige Innenausstattung zum Besten zählte, was der Empirestil in Deutschland hervorgebracht hat. Von dem Gesamtkomplex des Residenzpalais ist nach dem vollständigen Abbruch der Nachkriegszeit nur noch der Portikus des Roten Palais am Friedrichsplatz erhalten.

Ein Bestandteil des Residenzpalais war auch das Palais Reichenbach, bis zu seinem Abriss 2006 das letzte Gebäude Bromeis' in der Kasseler Innenstadt

Von seinen zahlreichen Bauten und Umbauten wurden viele, insbesondere in der Stadt Kassel, durch Bombenabwürfe während der Luftangriffe im 2. Weltkrieg zerstört. Ein weitgehend noch heute vollständig erhaltenes Bauwerk stellt die von 1827 bis 1831 erbaute Gestütsanlage in Beberbeck dar, ein Ensemble von sechs Gebäuden: ein Offiziantenhaus, zwei Fruchtböden, zwei Stallgebäude und das Fürstenhaus, letzteres als kurfürstlicher Landsitz gedacht. In dem Fürstenhaus befindet sich heute ein Altersheim. Die Anlage kann von außen besichtigt werden.

In Wilhelmshöhe sind weitere Bauten erhalten: Die Schlosswache (ein roter Ziegelbau mit dorischen Säulen) und das Ballhaus, welches durch den Umbau eines früheren Theaters entstanden ist. Bromeis sind außerdem zahlreiche Innenräume des Wilhelmshöher Schlosses zuzuschreiben, von denen allerdings nur noch Räume in Weißensteinflügel (u.a. das Bad) und im angrenzenden Verbindungsflügel erhalten sind. Die Repräsentationsräume des Mittelbaus, welche zu einem großen Teil ebenfalls von Bromeis neu ausgestattet worden waren, wurden 1945 und in der Nachkriegszeit zerstört.

Von Bromeis stammen außerdem Raumgestaltungen im Fuldaer Stadtschloss, im Schloss Fasanerie (Eichenzell bei Fulda) und im Schlösschen Schönburg bei Hofgeismar.

Literatur

  • Rolf Bidlingmaier (Bearb.): Johann Conrad Bromeis, 1788–1855; ein kurhessischer Architekt. Ausstellungskatalog der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, Kassel 1988.
  • Rolf Bidlingmaier: Das Residenzpalais in Kassel. Hrsg. von Friedl Brunckhorst (Studien zum Kulturerbe in Hessen 1), Regensburg 2000.

Weblinks


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