Ludwig Roselius (Unternehmer)


Ludwig Roselius (Unternehmer)
Ludwig Roselius um 1924 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid

Ludwig Gerhard Wilhelm Roselius (* 2. Juni 1874 in Bremen; † 15. Mai 1943 in Berlin) war ein Kaffeehändler und Gründer der Firma Kaffee HAG. Als Mäzen förderte er Künstler wie Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger und baute die Böttcherstraße in Bremen als Kunstwerk auf.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Roselius war das zweite Kind des Bremer Kaufmanns und Kaffee-Importeurs Dietrich Friedrich Rennig Roselius (1843-1902). Sein Bruder war der Kaufmann Friedrich Roselius (1876–1941), seine Cousine war die Pädagogin Marie Roselius (1869–1951) und seine Tochter die Zeichnerin und Schriftstellerin Hildegard Roselius (1901–1963).

Er absolvierte von 1890 bis 1893 eine Lehre in der Kolonialwaren-Großhandlung Ernst Grothe in Hannover, ehe er 1894 in das väterliche Geschäft Roselius & Co. in Bremen eintrat. Einige Jahre später wurde er zum Teilhaber des Unternehmens, das zunächst neben Kaffee auch Kolonialwaren führte. Roselius junior weitete das Geschäft aus; 1901 wurde eine Filiale in London gegründet, 1902 eine weitere in Utrecht, 1903 folgte die Übernahme der Firma Friedrich Baur in Hamburg und 1905 die Gründung einer Zweigstelle in Wien.

Der Eingang zur Böttcherstraße

Als Roselius senior im Alter von 59 Jahren unerwartet starb, führten die Ärzte das vor allem auf starken Koffeingenuss zurück. Sein Sohn beschäftigte sich daraufhin intensiv mit der Wirkung von Kaffee und seiner Bestandteile auf die Gesundheit. Er entwickelte nach umfangreichen eigenen Forschungen ein Verfahren, um Kaffeebohnen das Koffein zu entziehen. Da sich der Bremer Kaffeehändler Christian Detlefsen ebenfalls mit diesem Thema beschäftigte, kam es ab 1904 zu einer Zusammenarbeit. Weil sich der Erfolg nicht gleich einstellte, gab Detlefsen jedoch wieder auf. So machte Roselius allein weiter und ließ sich 1906 sein Verfahren patentieren.

1917 wurde er zum Generalkonsul von Bulgarien mit Dienstsitz in Bremen ernannt.

Politisch konservativ stand Roselius dem Nationalsozialismus positiv gegenüber und unterstützte Hitler, den er 1922 privat in Bremen getroffen hatte. Das von ihm verfolgte völkisch-nordische Gedankengut mit seinem Glauben an den unersetzlichen Wert der nordisch-niederdeutschen Rasse unter dem Einfluss der Ideologen Julius Langbehn und Herman Wirth fand aber nur teilweise dessen Zustimmung.[1] Die Böttcherstraße sollte diese Ideenwelt veranschaulichen (Roselius: „Die Wiedererrichtung der Böttcherstraße ist ein Versuch, deutsch zu denken.“)

Roselius war Mitglied der nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht und förderndes Mitglied der SS.[2] Zwar erklärte Hitler auf dem Reichsparteitag am 9. September 1936, dass „der Nationalsozialismus diese Art von Böttcherstraßen-Kultur schärfstens“ ablehne,[3] dennoch war Roselius 1937 Ehrengast bei der Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen Kunst.[2]

Roselius war Mitglied der Stiftung Haus Seefahrt, der traditionellen exklusiven Organisation führender bremer Wirtschaftskreise und war Schaffer deren renommierter Schaffermahlzeit im Jahr 1930.[4]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Roselius’ Schrift [Erstes] Nordisches Thing [in der Böttcherstrasse zu Bremen] (1933/34) und das von ihm herausgegebene Fichte für heute. Aus den Schriften Johann Gottlieb Fichtes (1939) – beide erschienen im Angelsachsen-Verlag – in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[5][6]

Kaffee-Produktion

Büste Roselius’ in der Böttcherstraße

Gemeinsam mit anderen Bremer Großhändlern gründete Roselius am 21. Juni 1906 die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee HAG) mit einem Kapital von 1,5 Millionen Mark, die als erstes Unternehmen weltweit koffeinfreien Kaffee verkaufte. Die Produktion begann 1907 in neuen Produktionsstätten im Holzhafen Bremens. Schon in der Anfangszeit konnte die enorme Menge von 13.000 Pfund Kaffee täglich hergestellt werden.

1908 entstanden die ersten unverkennbaren Werbemotive für den Kaffee und plakative Werbeslogans, wie „Stahlharte Nerven durch Sport und Kaffee Hag“ oder „Immer unschädlich! Immer bekömmlich!“. „Kaffee HAG“ wurde als erster Kaffee bereits zu Stummfilmzeiten in Kinos beworben. Roselius setzte bei der Produktion der Kaffeesorte das Fließband noch vor Henry Ford in den USA ein. Im Laufe des Ersten Weltkrieges musste die Produktion eingestellt werden.

Roselius stieg von 1919 bis 1922 kurzzeitig in die Holzindustrie ein. Um den Abfluss der Patente und Rechte an dem von Fritz Pfleumer und seinem Bruder Hermann entdeckten Lignostone gemäß Versailler Friedensvertrag zu verhindern, finanzierte und gründete er in Holland eine Lignostone-Fabrik auf Lizenzbasis. Bereits kurz danach übernahm Hermann Röchling alle Aktivitäten zu Lignostone, die heute von der Röchling Engineering Plastics mit Sitz in Haren (Ems) betrieben werden.

Ab 1922 wurde wieder Kaffee HAG produziert, aber erst 1926 konnte die Produktionsleistung der Vorkriegszeit erreicht werden.

1929 kam als zweites Produkt das Kakaopulver Kaba hinzu und Kaffee HAG bekam als Erkennungszeichen das „rote Herz“ auf die Verpackung. In Kriegszeiten gab es für die Soldaten heiße „Hag-Cola“. Ab 1950 kommt die Kaffeemarke Onko mit in das Sortiment.

Im Jahre 1979 verkaufte Roselius’ Sohn die Firma Kaffee HAG an das US-amerikanische Unternehmen General Foods Corporation, heute Kraft Foods.

Öffentlichkeitsarbeit

Kaffee-HAG-Dose

Um die neue Kaffeemarke Kaffee HAG national und international bekannt zu machen, setzte Roselius früh auf umfangreiche Werbung, als das noch bei der übrigen Kaufmannschaft Bremens verpönt war. Als eigene Marke wurde der Kaffee in einer einheitlichen Verpackung verkauft und hatte sein eigenes Markenzeichen, einen roten Rettungsring, entworfen von Wilhelm Christoph Eduard Scotland in Zusammenarbeit mit Otto Haupt. Er sollte die Rettung vor gesundheitlichen Schäden symbolisieren. Zur Vermarktung gehörte auch die Verbindung zur Kunst. So wurde der Aufbau der Böttcherstraße auch als Reklame durch seine Firma Kaffee HAG finanziert.

Im Rahmen der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit für seine Firma gab Roselius ab 1913 unter anderem auch Wappenzeichnungen als Sammlermarken heraus, die Reklamemarken genannt wurden. Für die Marken des Heraldikers Otto Hupp gab es auch entsprechende Sammelalben. Später wurden auch Alben in anderen europäischen Ländern ausgegeben.[7]

Ehrungen

  • Die Ludwig-Roselius-Allee in Bremen (durch die Stadtteile Vahr, Sebaldsbrück und Osterholz) wurde nach ihm benannt.
  • In der Böttcherstraße in Bremen wurde 1922 eine Büste von ihm ausgestellt.

Literatur

  • Rotes Herz & brauner Trunk – 50 Jahre Hag. Bremen 1956.
  • 100 Jahre Kaffee Hag – Geschichte einer Marke. Edition Temmen, Juni 2006.
  • Nicola Vetter: Ludwig Roselius: Ein Pionier der deutschen Öffentlichkeitsarbeit. Hauschild, Bremen 2002, ISBN 3-89757-157-9.
  • Arn Stromeyer: Parsifal in Bremen. Richard Wagner, Ludwig Roselius und die Böttcherstrasse. VDG, Weimar 2002, ISBN 3-89739-263-1.
  • Tankred Dorst: "Künstler. Ein Stück." Suhrkamp Verlag KG, 10/2007. ISBN 978-3-518-12515-1.
  • Dieter Pfliegensdörfer: Ludwig Roselius ... wie ihn keiner kennt. Impressionen aus dem Leben eines - gar nicht so ehrbaren - Bremer Großkaufmanns. Eine Szenische Dokumentation. Werkstattberichte des Forschungsschwerpunkts Arbeit und Bildung Universität Bremen  Band 5.  Peter Alheit (Hrsg.), Universität Bremen Druckschriftenlager, Bremen 1987.
  • Hildegard Roselius: Ludwig Roselius und sein kulturelles Werk. Westermann, Braunschweig 1965.
  • Ludwig Roselius Briefe H. M: Hauschild, Bremen 1919

Weblinks

 Commons: Ludwig Roselius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Nach Ernst Klees Kulturlexikon zum Dritten Reich, S. 497, war Roselius ein Förderer von Wirth.
  2. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 497.
  3. Zitat bei Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich, S. 497.
  4. Weser-Zeitung: Die Schaffermahlzeit 1930. Ausgabe vom 14. Februar 1930, Mikrofilmsammlung SuUB.
  5. http://www.polunbi.de/bibliothek/1947-nslit-f.html
  6. http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-t.html
  7. siehe auch Artikel Coffee Hag albums, nl:Koffie Hag-albums und pl:Albumy Coffee Hag

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