Karl Siegfried Bader


Karl Siegfried Bader

Karl Siegfried Bader (* 27. August 1905 in Waldau im Schwarzwald; † 13. September 1998 in Zürich) war ein deutscher Jurist und Rechtshistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bader war der Sohn eines Hauptlehrers und wuchs in Geisingen bei Donaueschingen in ländlicher Umgebung auf. 1924 legte er auf dem dortigen Gymnasium sein Abitur ab. Er studierte in Tübingen, Wien, Heidelberg und Freiburg im Breisgau; 1928 wurde er zum Doktor der Rechte promoviert. Anschließend arbeitete er einige Jahre im Justizdienst des Landes Baden, wurde aber schon 1933 infolge der politischen Verhältnisse entlassen. Daher eröffnete Bader in Freiburg eine Anwaltskanzlei; dabei engagierte es sich stark für Juden und andere vom NS-Staat Verfolgte. 1937 zog er sich von dieser politisch schwierigen Tätigkeit zurück. Von 1936 bis 1945 war Bader Leiter des Fürstlich-Fürstenbergischen Archivs in Donaueschingen. 1942 habilitierte er sich an der Universität Freiburg in Rechtsgeschichte und Kirchenrecht. Schon ein Jahr zuvor war er zum Militär einberufen worden, wo er als Schreiber und Verteidiger vor Militärgerichten tätig war. Im Juli 1945 kehrte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim. Noch im selben Jahr wurde er von der französischen Militärregierung zum Oberstaatsanwalt berufen. 1946 wurde er zum Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Freiburg befördert. In dieser Funktion führte er unter anderem die Anklage gegen die Brandstifter der Freiburger Synagoge und den Erzberger-Mörder Heinrich Tillessen.

Aus Enttäuschung über die Schwierigkeiten und Misserfolge bei der Strafverfolgung von NS-Tätern legte Bader 1951 sein Amt als Generalstaatsanwalt nieder. Er folgte stattdessen einem Ruf als Professor für Rechtsgeschichte an die Universität Mainz. 1953 übernahm er den Lehrstuhl für schweizerische und deutsche Rechtsgeschichte an der Universität Zürich. Dort blieb er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1975. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf Rechtsgeschichte und Landesgeschichte besonders des alemannischen Raums. Insgesamt hat Bader über 1.100 Veröffentlichungen zu Strafrecht, Rechts-, Verfassungs- und Landesgeschichte vorzuweisen. Er war Mitbegründer und Mitherausgeber der JuristenZeitung. Seit 1952 betreute er den Literaturteil der Germanistischen Abteilung der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Bader erhielt zahlreiche Ehrungen, u.a. das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg[1]; 1972 wurde er zum Dr. h.c. der Universität München ernannt. Er ist Ehrenbürger der Stadt Elzach und der Gemeinde Geisingen, wo er auch beigesetzt ist.

Werke (Auswahl)

  • Der deutsche Südwesten in seiner territorialstaatlichen Entwicklung, 1950
  • Studien zur Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Dorfes, 3 Bände, 1957-73
  • Ausgewählte Schriften zur Rechts- und Landesgeschichte, hrsg. von C. Schott und H. Maurer, 3 Bände, 1983-84
  • Deutsche Rechtsgeschichte. Land und Stadt, Bürger und Bauer im alten Europa, 1999 (mit G. Dilcher)

Einzelnachweise

  1. Staatsministerium Baden-Württemberg: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Liste der Ordensträger 1975–2009, Seite 20. Abgerufen am 13. März 2011

Literatur

  • Ferdinand Elsener, W. H. Ruoff (Hrsg.): Festschrift für Karl Siegfried Bader. Rechtsgeschichte, Rechtssprache, Rechtsarchäologie, rechtliche Volkskunde. Schulthess, Zürich 1965.
  • Walter Müller, Claudio Soliva (Hrsg.): Zwei Jahrzehnte Rechtsgeschichte an der Universität Zürich. Die Betreuung des Faches zur Zeit des Zürcher Ordinariats von Karl S. Bader (1953–1975). Schulthess, Zürich 1975, ISBN 3-7255-1664-2.
  • Clausdieter Schott: Karl Siegfried Bader 1905–1998. in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung. 119, 2002, ISSN 0323-4045, S. 1–14.
  • Angela Borgstedt: Karl Siegfried Baders Anwaltstätigkeit in der NS-Diktatur. In: Schau-ins-Land. 128, 2009, ISSN 1434-2766, S. 171–182.

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