Kypros (Festung)


Kypros (Festung)

Die Burg Kypros war zu Zeiten des jüdischen Königs Herodes des Großen (* 73 v. Chr., † 4 v. Chr.) eine oberhalb von Jericho gelegene Festungsanlage. Sie gehört in eine Reihe mit den anderen Wüstenfestungen auf der Westseite des Jordantales: Alexandreion, Dok und Hyrkania und war wie diese zum Teil auch palastartig ausgebaut.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Baustruktur

An der Südseite des Wadi el-Kelt (bei Jericho), ungefähr dort, wo die Quellflüsse aus den judäischen Bergen in das Jordantal münden, zwölf Kilometer nördlich von Qumran, liegen auf dem Gipfel des Tell el-Akaba die Ruinen einer Festungsanlage, die gewöhnlich mit der Burg Kypros identifiziert werden. Die herodianische Festung war auf den Ruinen einer aus der Zeit der hasmonäischen Könige stammenden Anlage erbaut. Bei Ausgrabungen kamen Repräsentationsräume, zwei Badehäuser sowie die Festungsmauern zu Tage.[1] In der Antike versorgten zwei Aquädukte diese Burg mit Wasser.[2] Wie die anderen herodianischen Festungen war auch die Burg Kypros so angelegt, dass von ihr aus zu mindestens einer anderen Festung Signale übermittelt werden konnten. Wie von den Festungen Herodeion, Machaerus und Dok war es von der Burg Kypros aus außerdem möglich, direkt Signale nach Jerusalem zu übermitteln.[3]

Geschichte und Funktion

Bei Jericho, das unter persischer Herrschaft ein Verwaltungszentrum war und nach der makedonischen Eroberung zu einem Privatbesitz Alexanders des Großen wurde (zwischen 336 und 323 v. Chr.), erbaute der seleukidische General Bakchides in der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. eine Reihe von Festungen gegen die Einfälle der Makkabäer.[4], darunter die Festungen Threx und Tauros, die 63 v. Chr. wahrscheinlich von dem römischen Feldherrn Pompeius bei der Eroberung Judäas zerstört wurden.[5]

Herodes der Große, dem stets ein großer Teil seiner jüdischen Untertanen in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber stand, musste sein junges Königtum, das er 40 v. Chr. aus den Händen des römischen Senats erhalten hatte, nicht nur gegen äußere, sondern auch gegen innere Feinde schützen.[6] Er ließ deshalb die früheren, bereits unter den Hasmonäern errichteten Festungen, die oft nur noch als Ruinen vorhanden waren, überall im Lande wieder aufbauen.

In Jericho, das er wegen des ausgesprochen milden Klimas schätzte, errichtete Herodes einen Palast als Winterresidenz. Eine der hier vorhandenen alten Festungen am Eingang des Wadi Qelt, möglicherweise die frühere Festung Tauros, wurde von Herodes neu aufgebaut und nach seiner Mutter Kypros genannt. Die Festung sollte vor allem die Winterresidenz und den Ort Jericho schützen sowie außerdem zur Überwachung der Handelswege östlich des Jordan bis zum Mittelmeerraum dienen.

Herodes pachtete die Oase Jericho ursprünglich von der ägyptischen Königin Kleopatra, die sie von Marcus Antonius als Geschenk erhalten hatte. Nach ihrem gemeinsamen Selbstmord 30 v. Chr. und der Machtübernahme durch Octavian erhielt Herodes von diesem die volle Kontrolle über Jericho und die Festung.

Als Herodes 4 v. Chr. in seiner Winterresidenz starb, überführte man seinen Leichnam in einem aufwändigen Totenzug in die Festung Herodeion.

Wasserversorgung

Die Wasserversorgung der Festung auf dem Tell el-Akaba wurde durch zwei Aquädukte sichergestellt. Das ältere Aquädukt, das einen Hügel westlich der Festung umrundete und das dort herabrinnende Regenwasser sammelte, stammte noch aus der hasmonäischen Zeit und war 1 km lang. Das zweite, von Herodes erbaute Aquädukt war 14 km lang und erreichte die Festung über eine monumentale Brücke[7] Zur Heranführung dieses Aquädukts, das eine ganzjährige Wasserversorgung ermöglichte, wurden von Herodes auf der Südseite des Wadi Qelt ein halbes Dutzend zusätzlicher Brücken und Tunnel erbaut. Das Wasser dieses Aquädukts versorgte nicht nur die Burg Kypros, sondern auch das königliche Landgut um die Winterresidenz herum mit Wasser. Für die Versorgung der Festung im Kriegsfall, wenn die Zuleitung von Wasser über das Aquädukt vom Feind unterbrochen werden konnte, ließ Herodes vier Zisternen in den Fels des Burgbergs schlagen, zwei auf der nordöstlichen und zwei auf der östlichen Seite. Es war eine der Aufgaben der Soldaten auf der Festung, dafür zu sorgen, dass diese Zisternen stets gut gefüllt waren. Dazu musste das Wasser mit Tier- oder Menschenkraft aus dem tiefergelegenen Aquädukt heraufgeholt werden.

Insgesamt stellten mehrere Aquädukte in einer Gesamtlänge von 34 km die Wasserversorgung von Jericho sicher.[8]

Anmerkungen

  1. Vgl. James F. Strange: The Art and Archaeology of Ancient Judaism. In: Jacob Neusner (Hrsg.): Judaism in Late Antiquity. Teil 1: The Literary and Archaeological Sources. Verlag E. J. Brill, Leiden, Köln, New York 1995, S. 85; siehe auch dort den Grundriss der Anlage: [1]
  2. Zur Lage von Kypros siehe auch die Zeichnung bei Hanan Eshel, Aqueducts in the Copper Scroll. In: George J. Brooke/Philip R. Davies (Hrsg.): Copper Scroll Studies. Verlag T & T International, London und New York 2004. S. 93.
  3. Vgl. Joe E. Lunceford: Herodian Fortresses. In: Watson E. Mills (Hrsg.): Mercer Dictionary of the Bible. Mercer University Press, Macon, Georgia (USA) 1997, ISBN 0-86554-373-9, S. 377 f.
  4. Vgl. 1 Makk 9,50 EU.
  5. Vgl. Joe E. Lunceford: Herodian Fortresses. In: Watson E. Mills (Hrsg.): Mercer Dictionary of the Bible. Mercer University Press, Macon, Georgia (USA) 1997, ISBN 0-86554-373-9, S. 377.
  6. Vgl. Abraham Schalit: König Herodes: der Mann und sein Werk. Verlag De Gruyter, New York und Berlin, 2. Auflage 2001, S. 340.
  7. Vgl. die Zeichnungen bei Hanan Eshel, Aqueducts in the Copper Scroll. In: George J. Brooke/Philip R. Davies (Hg.): Copper Scroll Studies. Verlag T & T International, London und New York 2004, S. 97, 98 und 99.
  8. Vgl. Hanan Eshel: Aqueducts in the Copper Scroll. In: George J. Brooke/Philip R. Davies (Hg.): Copper Scroll Studies. Verlag T & T International, London und New York 2004, S. 97–100.

Quellen

  • Bibel: Altes Testament, Makkabäer Buch 1.
  • Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. (Antiquitates Iudaicae). Fourier Verlag, Wiesbaden o. J.
  • Flavius Josephus: Der jüdische Krieg. (De bello Iudaico). Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2. Aufl. 1982.

Literatur

  • Hanan Eshel: Aqueducts in the Copper Scroll. In: George J. Brooke/Philip R. Davies (Hrsg.): Copper Scroll Studies. Verlag T & T International, London/New York 2004, ISBN 0-567-08456-6, S. 92–107.
  • Günther Garbrecht, Ehud Netzer: Die Wasserversorgung geschichtlicher Wüstenfestungen am Jordantal. In: Wiel Dierx, Günther Garbrecht: Wasser im Heiligen Land. Biblische Zeugnisse und archäologische Forschungen. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2001, ISBN 3-8053-2721-8, S. 222–239.
  • Jerome Murphy-O'Connor: The Holy Land: An Oxford Archaeological Guide from Earliest Times to 1700. Oxford University Press, ISBN 0-19-288013-6, S. 289–291.
  • Abraham Schalit: König Herodes: der Mann und sein Werk. 2. Auflage, Verlag De Gruyter, New York/Berlin 2001, ISBN 3-11-017036-1.
  • James F. Strange: The Art and Archaeology of Ancient Judaism. In: Jacob Neusner (Hrsg.): Judaism in Late Antiquity. Teil 1: The Literary and Archaeological Sources. Verlag E. J. Brill, Leiden/Köln/New York 1995, ISBN 90-04-10129-2, S. 64–116.
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