Rotrückenspinne

Rotrückenspinne
Rotrückenspinne
Rotrückenspinne, Weibchen

Rotrückenspinne, Weibchen

Systematik
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Echte Witwen (Latrodectus)
Art: Rotrückenspinne
Wissenschaftlicher Name
Latrodectus hasselti
Thorell, 1870
Eine weibliche Rotrückenspinne mit gefangener Eidechse
Rotrückenspinne, Männchen

Die Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti) ist eine ursprünglich in Australien beheimatete Haubennetzspinne (Kugelspinne). Sie gehört zur Gattung der Echten Witwen. Das Artepitheton hasselti im wissenschaftlichen Namen ehrt den niederländischen Toxikologen Alexander Willem Michiel van Hasselt (1814–1902).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Weibchen erreicht eine Länge von 10 bis 12 mm, die Männchen sind mit 3 bis 4 mm deutlich kleiner. Die Körperfarbe der weiblichen Tiere ist schwarz mit einem auffälligen roten, manchmal unterbrochenen Streifen auf der Oberseite des runden Hinterleibes (Opisthosoma). Auf der Unterseite tragen sie eine aus zwei verschmolzenen Dreiecken bestehende Zeichnung, ähnlich einer Sanduhr. Juvenile Tiere haben zusätzlich weiße Flecken. Bei den Männchen ist der oberseits liegende Streifen oft weniger ausgeprägt. Ihr Körper ist hellbraun mit weißen Flecken auf der Oberseite des Hinterleibes. Der Sanduhr-ähnliche Streifen auf der Unterseite ist blasser.

Vorkommen

Die Rotrückenspinne ist in Australien heimisch. Durch den internationalen Handel wurde sie jedoch auch auf anderen Kontinenten als Neozoon eingeschleppt. Sie kommt, importiert, auch im Südosten Asiens und in Neuseeland vor.[1] In Japan wurde die Art 1995 eingeschleppt. Sie konnte sich trotz intensiver Bekämpfung in Kansai, in der Nähe der Großstadt Osaka etablieren.

Auch in Belgien und Dänemark sind Exemplare der Rotrückenspinne eingeschleppt worden, sie konnten sich jedoch wegen ihrer geringen Anzahl und wahrscheinlich auch wegen der klimatischen Gegebenheiten nicht verbreiten.[2]

Lebensweise

Rotrückenspinnen ernähren sich üblicherweise von Insekten, aber auch Tiere wie kleine Eidechsen, die sich im Netz verfangen, können zur Beute zählen. Weibchen stehlen auch Beute aus dem Netz anderer Spinnen.[3]

Das Weibchen nutzt ein Aminosäurederivat als Pheromon, um Männchen anzulocken.[4] Es kann Sperma speichern und damit über einen Zeitraum von zwei Jahren Eier befruchten. Etwa 50 bis 300 Eier werden in einen Kokon eingesponnen. Die kannibalischen Jungtiere schlüpfen nach zwei bis vier Wochen. Im Labor können in 16 Wochen zehn Eikokons mit bis zu 2500 Jungtieren hervorgebracht werden. In Neuseeland ist Hybridisierung von L. hasselti mit L. katipo möglich.[1]

Bei der Art ist sexueller, post-kopulatorischer Kannibalismus zu beobachten.[5] Die Männchen positionieren ihren Hinterleib durch einen „Begattungs-Salto“ über den Kieferklauen der Weibchen. 65 Prozent der Männchen werden während der Paarung verletzt, 12,5 Prozent sterben nach der ersten Kopulation. Männchen, die die erste Begattung überleben und sich ein zweites Mal mit dem Weibchen paaren, können ihr Sperma in beide Samentaschen abgeben und sich so erfolgreicher fortpflanzen.[6]

Die Mitschuld des Männchens am Kannibalismus durch den Opfer-Salto bringt diesem Vorteile bei der Fortpflanzung und der Weitergabe der eigenen Gene: Kannibalisierte Männchen paaren sich länger und befruchten doppelt so viele Eier. Weibchen, die den Partner während der Kopulation gefressen haben, sind weniger geneigt, sich mit nachfolgenden Männchen noch einmal zu paaren.[7]

Bissunfälle und Giftigkeit

Die Art ist nicht aggressiv. Die männlichen Tiere sind harmlos, für den Menschen gefährlich sind nur die Weibchen. Der Biss selbst ist kaum zu spüren, der darauf folgende charakteristische Abdominalschmerz wird als „unerträglich“ beschrieben. Die Hauptkomponente des Giftes, das Alpha-Latrotoxin, führt zu Krämpfen und Schmerzen. Die Symptome dauern etwa zwölf Stunden an und klingen dann ab. Lebensgefahr besteht, wenn durch die auftretenden Lähmungserscheinungen das Atemzentrum betroffen ist.[8]

Es wird geschätzt, dass in Australien jährlich 5.000 bis 10.000 Bisse vorkommen,[2] viele davon in die männlichen Genitalien, da die Weibchen ihre Netze auch in Außentoiletten bauen.[9] Bisse der Rotrückenspinne sind die häufigste Ursache für die Verabreichung von Antivenom in Australien (300- bis 400-mal im Jahr).[10]

Einzelnachweise

  1. a b MAF BIOSECURITY PEST RISK ASSESSMENT: Spiders Associated With Table Grapes From United States of America (State of California), Australia, Mexico and Chile Text, PDF, bei www.biosecurity.govt.nz (englisch, abgerufen am 14. Februar 2010)
  2. a b Peter Jäger: Latrodectus mactans nach Deutschland eingeschleppt Arachnol. Mitt. 37:35-38 Text, PDF, bei www.senckenberg.de (abgerufen am 14. Februar 2010)
  3. Redback-Spider auf den Seiten des Australian Museum (englisch, abgerufen am 14. Februar 2010)
  4. Elena Jerhot, Jeffrey A. Stoltz, Maydianne C. B. Andrade, Stefan Schulz: Acylierte Serinderivate: eine einzigartige Klasse von Arthropoden-Pheromonen der Australischen Rotrückenspinne Latrodectus hasselti Published Online: Feb 9 2010 Abstract bei wiley interscience (abgerufen am 14. Februar 2010)
  5. Stefan H. Nessler: Sexueller Kannibalismus Begriffe und Definitionen bei stefan-nessler.de (abgerufen am 17. Februar 2010)
  6. Maydianne C. B. Andrade, Lei Gu und Jeffrey A. Stoltz: Novel male trait prolongs survival in suicidal mating. Biol. Lett. (2005) 1, 276–279 Volltext PDF und HTML bei rsbl.royalsocietypublishing.org englisch, abgerufen am 21. Februar 2010)
  7. Kenwyn Blake Suttle: The Evolution of Sexual Cannibalism Artikel bei ib.berkeley.edu (englisch, abgerufen am 22. März 2010)
  8. Tobias Dörr: Latrodectus spec. oder die Schwarze Witwe Artikel bei www.fsbio-hannover.de (abgerufen am 14. Februar 2010)
  9. Ion Staunton, John Gerozisis: Urban Pest Management in Australia Univ of New South Wales P 2008: S. 219. Leseprobe bei books.google.de (englisch, abgerufen am 17. Februar 2010)
  10. Derek S. Wheeler, Hector R. Wong, Thomas P. Shanley: Pediatric critical care medicine: basic science and clinical evidence Springer 2007: S. 1699. Leseprobe bei books.google.de (englisch, abgerufen am 27. Februar 2010)

Weblinks


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