Lesnoi (Kaliningrad, Selenogradsk)


Lesnoi (Kaliningrad, Selenogradsk)
Siedlung
Lesnoi/Sarkau
Лесной
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Selenogradsk
Frühere Namen Sarkau (bis 1946)
Höhe des Zentrums m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40150
Postleitzahl 238534
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 215 818 001
Geographische Lage
Koordinaten 55° 1′ N, 20° 37′ O55.012520.6166666666675Koordinaten: 55° 0′ 45″ N, 20° 37′ 0″ O
Lesnoi (Kaliningrad, Selenogradsk) (Russland)
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Lage in Russland
Lesnoi (Kaliningrad, Selenogradsk) (Oblast Kaliningrad)
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Oblast Kaliningrad

Lesnoi (russisch Лесной, etwa „Walddorf“; bis 1946 deutsch Sarkau; prußisch Sarkaw, litauisch Šarkuva) ist ein Dorf im Rajon Selenogradsk der Oblast Kaliningrad (Russland). Es hat etwa 500 Einwohner und liegt auf der Kurischen Nehrung, an der mit etwa 350 m schmalsten Stelle der Nehrung.

Inhaltsverzeichnis

Politische Zugehörigkeit

Lesnoi gehört heute zum Rajon Selenogradsk der Oblast Kaliningrad. Bis 1939 gehörte das Dorf dem Kreis Fischhausen (heute Primorsk) an; von 1939 bis 1945 dem Landkreis Samland, der am 1. April 1939 aus den beiden Kreisen Fischhausen und Königsberg-Land gebildet wurde. 1939 zählte Sarkau 705 Einwohner.

Geschichte

Sarkau (von prußisch sarke für Elster) ist vermutlich eine der ältesten Siedlungsstätten auf der Nehrung (Kurische Gräberfelder auf Sarkauer Gebiet). Die erste geschichtliche Erwähnung findet sich 1362 im Preußischen Urkundenbuch. 1408 wird ein Gasthaus an der Poststraße nach Memel/Klaipėda erwähnt. Der Vogelbestand war sehr groß. Ein Privileg aus dem Jahre 1656 besagt, dass für einen Vogelherd, Krähen- und Drosselfang, jährlich der Zins von 1 Taler und 6 Groschen entrichtet werden musste. Die Bevölkerung der Nehrung besserte ihren Speiseplan durch den Verzehr von Schwarzvögeln auf, die ähnlich wie Täubchen schmecken sollen. Die Vögel wurden mit Netzen gefangen und mit einem Biss in den Kopf kurz und schmerzlos getötet. Deshalb wurden die Sarkauer „Krähenbeißer“ (Krajebieter) genannt. Die Fangzeit dauerte von Oktober bis Dezember, das Fangergebnis betrug 60–100 Stück pro Tag, überwiegend Nebelkrähen. Später wurden die Krähen nicht nur zur Bereicherung des eigenen Speisezettels verwendet, sondern auch von den Sarkauern auf dem Markt in Cranz und Königsberg angeboten sowie an Hotels und Gaststätten verkauft, teilweise als Krähen, aber auch unter Bezeichnungen wie „Nehrungstauben“ oder „Sarkaugänse“.

Seit der Zeit der deutschen Ordensritter gab es im Sarkauer Gebiet (Försterei Grenz) bis weit ins 18. Jahrhundert eine berühmte Falknerei, die Jagdfalken an viele europäische Höfe lieferte. Genauere Zahlen über die Geschichte liegen seit etwa 1531/1532 mit der Schaakener Amtsrechnung vor. Danach wohnten im Ort Sarkau der Gastwirt sowie 35 Fischer und 12 Insten (Halbfischer). Im Jahre 1569 weist die Amtsrechnung 2 Krüger (Gastwirte), 32 Fischer und 19 Halbfischer aus. Ab etwa 1570 machten sich erste Anzeichen einer Versandung durch Wanderdünen bemerkbar und der Ort wurde, wie viele andere Orte auf der Nehrung verlegt. Das alte Sarkau lag etwa 1,5 km nördlich der heutigen Ortslage.

Versandung und Pest waren die größten Plagen, welche die Nehrung heimsuchten. Auf Grund der zunehmenden Verarmung wurde den Sarkauern Fischern das Privileg erteilt, im gesamten Kurischen Haff zu fischen. Andere Fischerdörfer durften nur in ausgewiesenen Teilen des Haffs fischen. Über die Einhaltung der Fischereirechte wachte der örtliche Fischmeister. Der Fischfang in den Dörfern der Kurischen Nehrung wurde überwiegend im Haff, aber auch in der Ostsee ausgeübt. Sarkau hatte wegen der hier besonders schmalen Nehrung als einziges Dorf sowohl einen Haff- wie einen Seestrand unmittelbar am Ort. In der Ostsee wurden hauptsächlich Flundern und Steinbutt gefangen, aber Sarkau wies auch einen bedeutenden Dorsch- und Lachsfang auf.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden die Sarkauer Fischer Nomadenfischer. Sie verließen im Frühjahr ihren Ort und siedelten den Sommer über an Orten, wo die Fischerei guten Fang versprach. Erst gut 100 Jahre später mit dem aufkeimenden Tourismus wurden die Fischer aus Sarkau wieder sesshaft.

1811 begann zwischen Cranz und Sarkau die Wiederaufforstung der Nehrung zum Schutz gegen die Wanderdünen durch den dänischen Forstmeister Sören Björn.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1924 verunglückten in einem heftigen Sturm 13 Sarkauer Fischer in der Ostsee. Bei der Größe des Ortes verloren bei dieser Tragödie zahlreiche Familien ihre Väter und Söhne als Ernährer. Im gesamten Deutschen Reich wurde für die Sarkauer Familien gesammelt und ein Hilfswerk eingerichtet, das den Hinterbliebenen eine bescheidene Rente auszahlen konnte. In Erinnerung an dieses Unglück wurde 10 Jahre später im Jahre 1934 das Sarkauer Fischerdenkmal eingeweiht, das sich in der Mitte des Ortes auf der Dorfstraße befand. Es existiert heute nicht mehr.

Bis 1945 blieb Sarkau ein Fischerdorf mit kleinem Kur- und Badebetrieb. Geschätzt waren vor allem geräucherte Flundern aus den zahlreichen Räuchergruben des Ortes. Diese erhielten ihre besondere Räuchernote durch Zugabe von Kiefernzapfen zum Räuchern. Mit der Zugehörigkeit zur RSFSR 1945 wurde der Ortsname in Lesnoi geändert. Seit den 1990er Jahren entstehen hier viele Ferienhäuser und Datschen.

Sehenswürdigkeiten

Heute verfügt Lesnoi wieder über einen bescheidenen, überwiegend russischen Tourismus. Im Ort liegt das Hotel Kurschskaja Kosa sowie im alten Schulhaus ein Büro für Ökotourismus. Etwa zwei Kilometer nördlich liegt an der Haffseite ein Heimat- bzw. Nehrungsmuseum. An der Haffseite hat eine russische Bank ein mondänes Gästehaus gebaut.

Literatur

  • A. D. Beljaewa, V. L. Beljaewa: Blick in die Vergangenheit der Kurischen Nehrung, KGT, Kaliningrad 2004, ISBN 5-87869-121-3
  • Blažiene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag, Stuttgart 2000
  • Gerullis, G.: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922
  • Hermanowski, Georg: Ostpreußen Lexikon, Adam Kraft Verlag, Mannheim 1980
  • Mittelstaedt, Hans-Heinrich: Geschichte der Familie Epha (1641-1970), Hamburg 1979
  • Mortensen, H. u. G.: Die Besiedlung des nördlichen Ostpreußen bis zum Beginn des 17. Jh., in Deutschland und der Osten. Die preußisch-deutsche Siedlung am Westrand der Großen Wildnis um 1400, Bd.8, Leipzig 1937
  • Pietsch, Richard (künstlerischer Entwurf und Text): Bildkarte rund um das Kurische Haff', Heimat-Buchdienst Georg Banszerus, Höxter, Herstellung: Neue Stalling, Oldenburg
  • Pietsch, Richard: Fischerleben auf der Kurischen Nehrung dargestellt in kurischer und deutscher Sprache, Verlag Ulrich Camen Berlin 1982

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