Changeling


Changeling
Filmdaten
Deutscher Titel: Der fremde Sohn
Originaltitel: Changeling
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2008
Länge: ca. 140 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK ab 12
Stab
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: J. Michael Straczynski
Produktion: Brian Grazer,
Ron Howard,
Robert Lorenz
Musik: Clint Eastwood
Kamera: Tom Stern
Schnitt: Joel Cox
Besetzung
  • Angelina Jolie: Christine Collins
  • Michael Kelly: Detective Lester Ybarra
  • Jeffrey Donovan: Captain J.J. Jones
  • Jason Butler Harner: Gordon Northcott
  • Devon Conti: Arthur
  • Eddie Alderson: Sanford Clark
  • Gabriel Schwalenstocker: James Nesbitt
  • Jason Ciok: Joshua Bell
  • Kevin Glikmann: Orderly
  • Anthony Giangrande: Polizeichef
  • John Malkovich: Reverend Briegleb
  • Geoff Pierson: S.S. Hahn

Der fremde Sohn (Originaltitel: Changeling = Wechselbalg, Kuckuckskind) ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2008. Regie führte Clint Eastwood, das Drehbuch, basierend auf dem wahren Fall der „Wineville Chicken“-Morde, schrieb J. Michael Straczynski.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Los Angeles im Jahr 1928. An einem Samstagmorgen verlässt Christine Collins das Haus und geht zur Arbeit. Bei ihrer Rückkehr ist ihr Sohn Walter verschwunden.

Fünf Monate später wird ein neunjähriger Junge gefunden, der behauptet, Christines Sohn zu sein. Doch während die Polizei ihren Erfolg feiert, ist sich Christine sicher, dass dieser Junge nicht ihr Sohn ist. Bei ihren Bemühungen, diese Verwechslung zu beweisen, trifft sie bei der korrupten Polizei auf Widerstände. Weder die nicht übereinstimmenden Zahnbefunde noch, dass der neue Walter zehn Zentimeter kleiner ist, wird anerkannt: Die Polizei betrachtet den Fall als abgeschlossen. Christines vehemente Forderung, die Suche nach Walter fortzusetzen, bringt sie in große Schwierigkeiten: Von der Polizei als hysterisch und gefährlich abgestempelt, wird sie ohne weiteres in die psychiatrische Klinik eingewiesen.

Einzig der Pfarrer Briegleb steht ihr zur Seite. Es gelingt ihm, den Fall öffentlich zu machen und Christine aus der psychiatrischen Klinik zu holen. Zwischenzeitlich wird ein grausamer Massenmord an 20 Jungen in Wineville aufgedeckt, der Täter bald gefunden und verhaftet. Es kommt zu zwei Prozessen, an denen Christine beisitzt. Der Chef und ein leitender Mitarbeiter der Polizei von Los Angeles werden suspendiert und der Mörder zur Todesstrafe verurteilt.

Wenige Jahre später wird ein Junge gefunden, der unter den Gefangenen des Mörders war. Er erzählt, dass er mit Hilfe von Walter Collins fliehen konnte, allerdings nicht weiß, ob dieser noch lebt. Christine schöpft daraus Hoffnung und glaubt weiter an die Rückkehr ihres Sohnes.

Themen

Mit schamloser Dreistigkeit machen sich die Polizisten hier die Wirklichkeit gefügig, als wäre sie nur das Material eines Drehbuchs“, meinte epd Film.[1] Ähnlich sah es die Süddeutsche Zeitung, dass hier eine eigenmächtige Staatsbürokratie ihre eigene Realität schaffe, und stellte einen Bezug zum Realitätsverständnis der Bush-Regierung und Guantanamo her.[2]

Kritiken

Die deutschsprachige Filmkritik legte ein besonderes Augenmerk auf die schauspielerische Leistung Jolies. Manchen Kritikern fiel auf, dass sie zurückgenommen spielt,[3] Eastwood sie zum Glück an die Leine genommen habe.[4] Ein Teil der Kritik fand sie „ergreifend verletzlich“,[1] sie werfe sich mit Beben verursachender Energie in ihre Rolle, und die gespielte charakterliche Wandlung sei ein atemberaubendes Erlebnis.[5] Sie bringe hier die beste Leistung ihrer Laufbahn,[6][7] oder spiele oscarreif.[8] Demgegenüber lautete eine Einschätzung, sie könne ihren früheren grandiosen Leistungen keine neuen Facetten hinzufügen,[9] und sei gar dem absurden Schluss darstellerisch nicht gewachsen.[4] Von Malkovich heißt es, er spiele glänzend[7] oder „exaltiert wie immer“.[9] Ein anderes Urteil war, die Starpersona von Jolie wie von Malkovich sei zu groß und ablenkend für diese Rollen.[10]

Zu Eastwoods Musik meint die Frankfurter Rundschau, ihr Wesen entspreche einer Litanei,[6] und der Tagesspiegel, sie dröhne fürchterlich.[5] Die Meinungen zu seiner Regie ähneln sich; der Film sei solide, aber ohne Überraschungen,[3] er inszeniere geradlinig,[7] ökonomisch,[1][4] hochkonzentriert[9] mit einem fokussierten Blick aufs Wichtigste.[6] Er lasse auch gefühlsmäßig frösteln,[1] erzähle „ungeschönt und brutal“,[8] beklemmend und erhaben. Der Zuschauer erfahre die Ausgrenzung der Heldin am eigenen Leib.[6] Für Spiegel Online jedoch bleibt das Mitgefühl des Zuschauers für die Hauptfigur auf der Strecke; die Hauptfigur sei einseitig durch ihr Leiden charakterisiert. Dennoch nennt diese Rezension den Film vielschichtig;[9] der taz zufolge ist er facettenreich und wächst zu epischem Format heran.[11] Mit zunehmender Spieldauer, so der Tagesspiegel, werde die Erzählung immer langatmiger und unplausibler.[5] Der Standard findet den Mittelteil am überzeugendsten, danach franse die Geschichte aus.[10]

Der Tagesspiegel war von der Dramaturgie nicht überzeugt, denn sie gehe zu hastig von einem Genre zu anderen.[5] Die vielen Volten durch die Genres, etwa radikal vom nostalgischem Mutterdrama zum Irrenhaus-Horror, sind noch weiteren Kritikern aufgefallen,[4] sie werten dies aber wohlwollend als permanentes Unterlaufen von Erwartungen, wobei die Wechsel vollkommen natürlich erschienen[2] und die Stile harmonisch zusammengeführt würden.[4] Die Neue Zürcher Zeitung bemängelte dafür eine zu deutliche Trennung in Gut und Böse.[3] Mehrere Besprechungen sehen Ähnlichkeiten mit Chinatown, L.A. Confidential und der Schwarzen Dahlie,[12] Spiegel Online erklärt den Fremden Sohn mit diesen Filmen für ebenbürtig.[9]

Auszeichnungen

Der Film konkurrierte bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2008 erfolglos um die Goldene Palme. Regisseur Clint Eastwood wurde gemeinsam mit der französischen Schauspielerin Catherine Deneuve (Un conte de Noël) mit einem Spezialpreis der Wettbewerbsjury geehrt. Der Film wurde dreifach für die Oscarverleihung 2009 nominiert, darunter Angelina Jolie in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin".

Hintergründe

Angelina Jolie am Set des Films

Das Projekt wurde seit Sommer 2006 vorbereitet, nach den ersten Planungen sollte Ron Howard Regie führen. Später wurde Clint Eastwood verpflichtet, dessen Unternehmen Malpaso und der dort beschäftigte Manager Robert Lorenz den Film mitproduzierten.[13]

Der Film wurde in Los Angeles, in Pasadena (Kalifornien) und in einigen anderen kalifornischen Orten gedreht.[14] Seine Weltpremiere fand auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2008 statt.[15] In Deutschland wurde der Film erstmals am 4. November 2008 auf dem 22. internationalen Filmfest in Braunschweig gezeigt. Der breite Kinostart war in den USA am 31. Oktober 2008 und in Deutschland am 22. Januar 2009.[16]

Weblinks

Literatur

Gespräche

  • Der Spiegel, Nr. 3/2009 vom 12. Januar 2009, S. 132, Gespräch mit Angelina Jolie: „Familie ist uns wichtiger als Film“

Kritikenspiegel

  • Cinema Nr. 1/ 2009, S. 36-38, Kritik von Jochen Schütze (Hochdaumen für ein „Meisterwerk“; Jolie war noch nie überzeugender)
  • epd Film Nr. 1/ 2009, S. 44-45, von Anke Sterneborg (4 von 5 Sternen; Regie und Jolie lobend erwähnt)
  • Brigitte, Nr. 3 vom 14. Januar 2009, S. 92, von Andrea Benda („ungeschönt und brutal“, Jolie oscarreif)
  • Frankfurter Rundschau, 22. Januar 2009, S. 33, von Daniel Kothenschulte: Eine stumme Predigt („Meisterstück“; fokussiert und beklemmend, Jolie gut wie noch nie)
  • Kronen Zeitung vom 22. Jänner 2009, Kritik von Christina Krisch („ein weiteres Meisterwerk von Eastwood“; komplex, fesselnd und fordernd, Jolie in einer ihrer besten Rollen)
  • Neue Zürcher Zeitung, 22. Januar 2009, S. 41, Kurzkritik von Christoph Egger (solide, aber ohne Überraschungen)
  • Oberösterreichische Nachrichten vom 24. Januar 2009, Kritik von Julia Evers (kein Meisterwerk; nicht gebrochene Klischees, unklare Motivationen)
  • Die Presse, 22. Januar 2009 (perfekt inszeniert, Jolie mit bisher bester Leistung)
  • Spiegel Online, 20. Mai 2008, Kritik in Cannes-Tagebuch von Andreas Borcholte: Übermama Jolie gegen Täubchen Paltrow (gemischt; vielschichtig, hochkonzentriert und visuell perfekt, aber Heldin lässt kalt)
  • Süddeutsche Zeitung, 21. Januar 2009, S. 11, von Tobias Kniebe (positiv)
  • Der Standard, 21. Januar 2009, S. 24, von Isabella Reicher: Eine Frau, die gegen eine Stadt aufbegehrt (fehlbesetzt, nur mittlerer Filmteil überzeugt, bietet aber noch genug Interessantes)
  • Der Tagesspiegel, 22. Januar 2009, S. 27, von Christina Tilmann: Allein mit der Wahrheit (eher negativ; Jolie ein Erlebnis, Dramaturgie und Musik missraten)
  • taz, 22. Januar 2009, S. 15, von Bert Rebhandl: Unglückliche Familienzusammenführung (eher positiv; eine große, epische Geschichte)
  • Die Welt, 20. Januar 2009, S. 25, von Hanns-Georg Rodek: Dies ist nicht mein Kind (eher positiv)

Einzelnachweise

  1. a b c d epd Film Nr. 1/ 2009, S. 44-45, von Anke Sterneborg
  2. a b Süddeutsche Zeitung, 21. Januar 2009, S. 11, von Tobias Kniebe
  3. a b c Neue Zürcher Zeitung, 200, von , S. :
  4. a b c d e Die Welt, 20. Januar 2009, S. 25, von Hanns-Georg Rodek: Dies ist nicht mein Kind
  5. a b c d Der Tagesspiegel, 22. Januar 2009, S. 27, von Christina Tilmann: Allein mit der Wahrheit
  6. a b c d Frankfurter Rundschau, 22. Januar 2009, S. 33, von Daniel Kothenschulte: Eine stumme Predigt
  7. a b c Cinema Nr. 1/ 2009, S. 36-38, von Jochen Schütze
  8. a b Brigitte, Nr. 3 vom 14. Januar 2009, S. 92, von Andrea Benda
  9. a b c d e Spiegel Online, 20. Mai 2008, von Andreas Borcholte: Übermama Jolie gegen Täubchen Paltrow
  10. a b Der Standard, 21. Januar 2009, S. 24, von Isabella Reicher: Eine Frau, die gegen eine Stadt aufbegehrt
  11. taz, 22. Januar 2009, S. 15, von Bert Rebhandl: Unglückliche Familienzusammenführung
  12. Cinema Nr. 1/ 2009, S. 36-38; epd Film Nr. 1/ 2009, S. 44-45; Spiegel Online, 20. Mai 2008; Der Standard, 21. Januar 2009, S. 24; Die Welt, 20. Januar 2009, S. 25
  13. Bericht in der Variety vom 8. März 2007, abgerufen am 16. Mai 2008
  14. IMDb: Filming locations for Changeling, abgerufen am 16. Mai 2008
  15. Bericht in der Variety vom 22. April 2008, abgerufen am 16. Mai 2008
  16. IMDb: Release dates for Changeling, abgerufen am 26. Januar 2009


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