Charles Ghankay Taylor


Charles Ghankay Taylor

Charles Ghankay Taylor (* 28. Januar 1948 in Arthington bei Monrovia) war vom 2. August 1997 bis zum 11. August 2003 Präsident von Liberia. Er war ein bekannter Kriegsherr im liberianischen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren und wurde später zum Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit war jedoch durch Rebellion und regionale Konflikte geprägt und er wurde nach einem erneuten Bürgerkrieg gezwungen, ins Exil zu gehen.

Am 29. März 2006 wurde er im Grenzgebiet zwischen Kamerun und Nigeria festgenommen und in Sierra Leone inhaftiert. Nach dem Beschluss, den Prozess vor dem Sondergerichtshof für Sierra Leone aus Sicherheitsgründen nach Den Haag (Niederlande) zu verlegen, wurde Taylor am 20. Juni 2006 überstellt, wo er sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wird verantworten müssen. Der Prozess wurde am 4. Juni 2007 offiziell eröffnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Taylors Vater gehörte zu den Americo-Liberianern, der afro-amerikanischen Oberschicht; seine Mutter war eine Angehörige des Gola-Stammes. Taylor studierte von 1972 bis 1977 Wirtschaft am Bentley College in den USA. Er wurde vorübergehend verhaftet, nachdem er gedroht hatte, die liberianische Botschaft in New York zu übernehmen.

Er kehrte nach Liberia zurück und wurde vom Präsidenten Samuel Doe zum Leiter der General Services Agency ernannt. 1984 wurde er aufgrund des Vorwurfs der Veruntreuung in Massachusetts in den USA festgenommen, da Doe ihn beschuldigt hatte, fast eine Million US-Dollar aus dem Land geschleust zu haben. Taylor wurde im Gefängnis von Plymouth (Massachusetts) inhaftiert, von wo er im September 1985 fliehen konnte. Die Flucht fand unter mysteriösen Umständen statt. Es wird davon ausgegangen, dass er danach nach Libyen ging.[1]

Bürgerkrieg

Im Dezember 1989 initiierte er von der Elfenbeinküste aus einen bewaffneten Aufstand. Doe wurde schnell besiegt und im folgenden Jahr von einem Verbündeten Taylors, Yormie Johnson, zu Tode gefoltert. Das Ende der Regierung Does führte zur politischen Zersplitterung des Landes und großem Leid für die Bevölkerung. Mitte der 1990er spalteten sich Johnson und seine Unterstützer von Taylors Gruppe ab, eroberten Monrovia und verhinderten damit Taylors vollständigen Sieg.

Der Bürgerkrieg weitete sich zu einem ethnischen Konflikt aus, in dem sieben Gruppen versuchten, die Kontrolle über Liberias Rohstoffe (insbesondere Eisenerz, Holz und Gummi) zu gewinnen. Über 200.000 Menschen wurden getötet, und mehr als 1 Million verloren ihr Zuhause.

Präsidentschaft

Taylor wurde am 2. August 1997 Präsident Liberias, nachdem der Bürgerkrieg 1996 offiziell beendet worden war. Er wurde mit einer Mehrheit von 75 % der Stimmen gewählt. Die Wahl wurde von Beobachtern als frei und fair beurteilt, obwohl Taylors Sieg teilweise dem Glauben zugeschrieben wurde, dass er im Falle einer Wahlniederlage den Bürgerkrieg wieder aufleben lassen würde. Somit hätten viele Menschen ihn gewählt, um den Frieden zu bewahren.

Taylor unterstützte in den 1990er Jahre die Rebellengruppe Revolutionary United Front (RUF) in Sierra Leone, die mit unglaublicher Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen war, und ist deswegen beschuldigt worden, den Bürgerkrieg in Sierra Leone verlängert zu haben. Er hatte gute Kontakte zu Generälen der RUF, so auch zu General Sam Bockarie, auch bekannt als General Mosquito, der für Taylor einige illegale Operationen in Liberia und Sierra Leone durchführte. So wurde Taylor 2003, nachdem Sam Bockarie am 3. März 2003 vor dem Sondergerichtshof für Sierra Leone angeklagt worden ist, dazu gedrängt, den Kriegsverbrecher auszuliefern. Da er allerdings wusste, dass Bockarie ihn vor Gericht belasten würde, soll er die Auslieferung durch die Ermordung oder den Scheintod Bockaries verhindert haben. Es ist nicht geklärt, ob Bockarie auf Befehl Taylors getötet wurde oder ob dessen Tod nur vorgetäuscht wurde, da seine Leiche den Behörden nie übergeben wurde. Das Verfahren gegen Sam Bockarie wurde jedoch am 8. Dezember 2003 auf Entscheidung des Spezialgerichts für Sierra Leone eingestellt.

Taylor wurde während seiner Herrschaft von westlichen Regierungen und Medien kritisiert. Ein UN-Bericht warf ihm den Handel mit Blutdiamanten vor.

Taylor ist Baptistenprediger und begründete seine Herrschaft mehrfach mit dem Verweis auf das Christentum. (Beispielsweise erklärte er 2002 Jesus zum Präsidenten Liberias.) Mehrere evangelikale Gruppen in den USA unterstützten ihn während seiner Präsidentschaft. Besonders Pat Robertson tat sich hierbei hervor. Zum einen investierte er in die Diamantenproduktion des Landes, zum anderen kritisierte er die USA, die Taylor stürzten. Robertson erklärte, dass dies zu einem Erstarken des Islams in Liberia führen würde.

Rebellion

1999 begann eine Rebellion vom Norden Liberias aus, die von einer Gruppe, die sich Liberians United for Reconciliation and Democracy (LURD) nannte, angeführt wurde. Diese wurden des Öfteren der Grausamkeit beschuldigt, und sie scheint verbündet mit oder kontrolliert von der Regierung des Nachbarstaates Guinea gewesen zu sein, der ein Verbündeter der Vereinigten Staaten ist.

Anfang 2003, als LURD die Kontrolle Nordliberias festigen konnte, formte sich in Südliberia eine weitere Rebellenorganisation, das Movement for Democracy in Liberia, welche durch die Regierung der Elfenbeinküste unterstützt wurde, und konnte schnell Erfolge erzielen. Im Sommer 2003 kontrollierte Taylor weniger als ein Drittel des Landes.

Im Juni 2003 stellten die Vereinten Nationen einen Haftbefehl auf Grund von Kriegsverbrechen gegen Taylor aus. Die UN beschuldigte ihn, die RUF-Rebellen in Sierra Leone, welche für eine große Bandbreite von Verbrechen verantwortlich waren, aufgebaut und unterstützt zu haben.

Die Anklage wurde während Taylors offiziellem Besuch von Ghana ausgestellt. Mit der Unterstützung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki und gegen das Drängen des Präsidenten von Sierra Leone, Ahmad Tejan Kabbah, war es der ghanaischen Polizei nicht möglich, Taylor zu verhaften, der anschließend nach Monrovia zurückkehrte.

Während seiner Abwesenheit während der Friedensgespräche in Ghana, drängten die USA den Vizepräsidenten Moses Blah, die Macht zu ergreifen. Bei seiner Rückkehr entließ Taylor Blah aus seinem Amt, um ihn aber nur einige Tage später wieder zu berufen. Währenddessen begann die LURD Monrovia zu belagern und es gab viele blutige Kämpfe, während die Regierungstruppen die Versuche der Rebellen verhinderten, die Stadt einzunehmen. Durch die Aussage von US-Präsident George W. Bush, Taylor müsse Liberia bis Juli 2003 verlassen, wurde der Druck auf ihn noch weiter erhöht.

Rücktritt und Exil

Taylor bestand darauf, nur zurückzutreten, wenn amerikanische Friedenstruppen in Liberia stationiert würden. Nigeria sandte ebenfalls eine größere Friedenstruppe in das Land und der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo bot Taylor Exil in seinem Land an. Am 6. August wurden weniger als ein Dutzend U.S.-Marines entsandt, um die Friedenstruppen zu unterstützen.

Am 10. August erklärte Taylor in einer nationalen Fernsehansprache, dass er am folgenden Tage zurücktreten und die Verantwortung an den Vizepräsidenten Moses Blah übergeben werde. Er kritisierte die Vereinten Nationen scharf und sagte, dass das Beharren der Bush-Regierung darauf, dass er Liberia verlassen müsse, eine dumme Politik sei und es Liberia schaden würde.

Am 11. August trat Taylor zurück, und Moses Blah übernahm bis zur Bildung einer Übergangsregierung am 14. Oktober sein Amt. Bei der Amtsübergabe waren der ghanaische Präsident John Agyekum Kufuor, der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki und der mosambikanische Präsident Joaquim Chissano anwesend. Taylor ging nach Nigeria ins Exil. Die dortige Regierung stellte ihm und seiner Gefolgschaft Unterkünfte in Calabar.

Im November 2003 setzte der US-Senat ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar auf Taylor aus. Während die Friedensvereinbarung Taylor ein sicheres Exil in Nigeria garantierte, forderte sie von ihm, nicht zu versuchen, liberianische Politiker zu beeinflussen. Kritiker warfen ihm vor, dass er sich an diesen Teil der Vereinbarung nicht gehalten habe. Am 4. Dezember stellte Interpol einen internationalen Haftbefehl aus. Taylor war ab diesem Zeitpunkt auf der Liste der von Interpol am meisten gesuchten Verbrecher aufgeführt als möglicherweise gefährlich; er wird gesucht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Bruch der Genfer Konventionen. Nigeria gab daraufhin bekannt, dass es Taylor nicht ausliefern werde, solange Liberia ihm nicht den Prozess machen wolle.

Am 6. März 2004 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf, der vorsah, sämtliches Vermögen Taylors und das seiner Freunde und Verbündeten einzufrieren.

Verhaftung

Die Regierung Liberias, unter Führung der im Januar neu gewählten Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, forderte am 18. März 2006 von der nigerianischen Regierung offiziell die Auslieferung Taylors, welche diese am 25. März zusagte. Seit dem 28. März war er flüchtig, wurde aber einen Tag später im Grenzgebiet von Nigeria zu Kamerun von der Polizei gefasst. Mit einem Diplomatenpass war es ihm bereits gelungen, die Grenzkontrolle unbehelligt zu passieren, als Zollbeamte wegen Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe seinen Geländewagen auf mitgeführte Geflügelprodukte überprüften. Als sie Koffer voller US-Dollar fanden, nahmen sie ihn fest und übergaben ihn den Grenzsoldaten. Er wurde im Spezialgefängnis des Sondergerichtshof für Sierra Leone inhaftiert. Die Anklage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit umfasst elf Punkte, darunter mehrere Morde, den Einsatz von Kindersoldaten, die Terrorisierung der Zivilbevölkerung sowie sexuelle Gewalt, Verstümmelungen, Plünderungen und Angriffe auf UN-Mitarbeiter.

Nach der Verlesung der Anklage, bei der Taylor auf unschuldig plädierte, wünschte der Sondergerichtshof aus Sicherheitsgründen eine Verlegung des Prozesses nach Den Haag. Nachdem die niederländische Regierung ihr Einverständnis gegeben hatte und eine entsprechende Resolution des UN-Sicherheitsrates verabschiedet worden war, wurde Taylor am 20. Juni von Sierra Leone nach Den Haag überstellt und in der dortigen United Nations Detention Unit untergebracht, wo der Sondergerichtshof Räumlichkeiten des Internationalen Strafgerichtshofs nutzen wird. Der Prozess wurde am 4. Juni 2007 offiziell eröffnet. Taylor weigerte sich jedoch, seine Zelle zu verlassen und vor dem Gerichtshof zu erscheinen, da er, wie er der vorsitzenden Richterin Julia Sebutinde aus Uganda ausrichten ließ, kein faires Verfahren zu erwarten habe. Zudem entzog er seinem Anwalt auch noch sein Mandat. Der Prozess wurde im Juli 2007 unterbrochen, am 8.Januar 2008 jedoch wieder fortgesetzt.

Familie

Charles Taylors Sohn Charles Taylor junior (mit bürgerlichem Namen Charles McArthur Emmanuel) wurde wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen während des Rebellenaufstandes 2006 auf dem Flughafen Miami festgenommen und am 31. Oktober 2008 für schuldig befunden.

Quellen

  1. The nine lives of Charles Taylor - The Guardian

Weblinks


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