Marie Kundt


Marie Kundt

Marie Julia Berta Emma Kundt (* 4. Februar 1870 in Neustrelitz; † 2. April 1932 in Berlin) war eine deutsche Fotografin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Marie Kundt war die Tochter eines Offiziers und die Nichte von August Kundt, dem Lehrer von Wilhelm Conrad Röntgen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Zeichen- und Handarbeitslehrerin. Ab 1890 war sie Schülerin an der Photographischen Lehranstalt des Lette-Vereins, ab 1891 war sie dort Assistentin und wurde schließlich 1913 Direktorin, als Nachfolgerin von Dankmar Schultz-Hencke. Sie blieb Direktorin bis 1932. Marie Kundt war damit die erste Frau, der eine höhere Fachschule für männliche und weibliche Schüler unterstellt war. Sie war wesentlich an der Entwicklung der Ausbildungen und der Berufsbilder der Technischen Assistentinnen in der Medizin und der Metallografie beteiligt. Marie Kundt arbeitete außerdem mit vielen Firmen und wissenschaftlichen Institutionen zusammen, u.a. mit Hans Virchow von der Berliner Charité an Visualisierungsmöglichkeiten in den Bereichen Anatomie und Physiologie.

1912 bestand Marie Kundt ihre Meisterprüfung, die sie zur Ausbildung von Fotografen befähigte. In vielen Vorträgen und Artikeln, deren Manuskripte im Archiv des Lette-Vereins erhalten sind, ist ihr Fachwissen und ihre engagierte und kundige Sicht auf den fotografischen Beruf festgehalten. 1895 gründete Marie Kundt den „Club der ehemaligen Schülerinnen der Photographischen Lehranstalt“ – ein Netzwerk von Fachfrauen, die weltweit Kontakt hielten, regelmäßige Fortbildungen organisierten und sich für die Berufsentwicklung einsetzten. 1919 entstand aus den Reihen des „Clubs“ der erste Berufsverband der Technischen Assistentinnen BOTAWI „Bund der Organisationen Technischer Assitentinnen“, dem Marie Kundt bis 1929 vorstand.

1930 wurde der BOTAWI in den REVETA „Reichsverband der Technischen Assistentinnen“ übergeführt, den Marie Kundt gemeinsam mit Theresa Lang-Brumann gegründet hatte. Über die Berufsverbände konnten wichtige Entwicklungen und Entscheidungen zum Strahlenschutz, zur Tariffähigkeit und zur klaren Einordnung des Berufsbildes vorangetrieben werden. Die erste gesetzliche Regelung zur Ausbildung der MTA erfolgte 1921 in Preußen.

Werke

  • Die technische Assistentin an medizinischen Instituten. F. Enke, Stuttgart 1928

Literatur

  • Doris Obschernitzki: Der Frau ihre Arbeit! Lette-Verein: zur Geschichte einer Berliner Institution 1866–1986. Berlin 1987, ISBN 3-926175-06-0.
  • Marie Kundt / Hrsg. Club 1895 e.V.. - Berlin 1932. - 23 S.
  • Marie Kundt zum Gedächtnis. - in: Zeitschrift REVETA. - (1932) H. 4

Weblinks


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