Chelifer cancroides


Chelifer cancroides
Bücherskorpion
Bücherskorpion (Chelifer cancroides)

Bücherskorpion (Chelifer cancroides)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones)
Überfamilie: Cheliferoidea
Familie: Cheliferidae
Gattung: Chelifer
Art: Bücherskorpion
Wissenschaftlicher Name
Chelifer cancroides
(Linnaeus, 1758)
Ein Artmerkmal ist die dünne Längslinie am Hinterleib
Die Pedipalpen-Scherenarme wirken überlang in Relation zum Körper

Der Bücherskorpion (Chelifer cancroides) ist der in Mitteleuropa wohl bekannteste Vertreter der Pseudoskorpione. Das nur wenige Millimeter große Tier kommt unter anderem auch in der Wohnumgebung des Menschen vor, wo es sich als Jäger von Staubläusen und Hausstaubmilben sehr nützlich macht. Für den Menschen ist der winzige Bücherskorpion völlig harmlos; menschliche Haut kann er mit seinen Scheren nicht durchdringen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Der Vorderkörper geht, wie bei allen Pseudoskorpionen, ohne eine Verschmälerung gleichmäßig in den Hinterkörper über. Die Körperlänge beträgt zwischen 2,5 und 4,5 mm; die Färbung ist ein helles bis dunkleres Braun. Die quergestreift aussehenden Rückenplatten des Hinterkörpers sind durch eine feine Längslinie in der Mitte geteilt. Während die Cheliceren (Mundwerkzeuge) nur als sehr kleine ungestielte Scheren entwickelt sind, stellen die Pedipalpen sehr lange Scherenarme dar. Dabei sind insbesondere die als Femur und Patella bezeichneten Gliedmaßenabschnitte deutlich länger als bei verwandten Arten. Neben den überlang wirkenden Scherenarmen verfügen Bücherskorpione über vier Laufbeinpaare, mit denen sie gleichgut vorwärts und rückwärts laufen können. Über der Basis der Pedipalpen liegt an jeder Körperseite ein kleines Punktauge. Die Geschlechter sind kaum zu unterscheiden.

Allein in Mitteleuropa kommen mehr als 100 Arten bzw. Unterarten von Pseudo- oder Afterskorpionen vor – davon in Deutschland 49, in der Schweiz 63 und in Österreich 69.[1] Einige dieser Spezies ähneln dem Bücherskorpion sehr im Verhalten und Aussehen (beispielsweise Dactylochelifer latreillei) und sind in der Regel nur von Spezialisten sicher bis zur genauen Art zu bestimmen.

Lebensraum und Lebensweise

Bücherskorpione bevorzugen eher trockene Örtlichkeiten und verstecken sich in engen Spalträumen. Man trifft sie unter der Rinde toter Kiefern, in Bienenstöcken, alten Vogelnestern und in menschlichen Behausungen an. Hier gehören beispielsweise lose Tapeten und verstaubte Bücher oder Akten zu ihren Aufenthaltsorten. Sie machen dort Jagd auf noch kleinere Tiere, etwa Bücher- und Staubläuse, Springschwänze, Bettwanzen sowie Milben. Die Beute wird mit den Pedipalpenscheren ergriffen und aus einer Giftdrüse in der Spitze des Scherenfingers wird etwas Gift injiziert. Dann wird das meist noch zappelnde Opfer zu den kleinen Cheliceren geführt und ein Loch in die Körperwand gebissen. Hierdurch wird Verdauungsflüssigkeit in die Beute gepumpt und diese anschließend ausgesaugt.

In die Cheliceren münden auch Spinndrüsen. Mit diesen werden fünf bis sieben Millimeter große Gespinstnester angefertigt, in die sich das Tier zur Ruhe und auch zur Überwinterung zurückzieht.

Der Bücherskorpion ist in Mitteleuropa zwar weit verbreitet, doch begegnet man nur gelegentlich einzelnen Exemplaren. Wahrscheinlich infolge von Verschleppung durch den Menschen kommt die Art weltweit vor. Häufiger tritt sie in Bibliotheken, Museen und Herbarien auf.

Einige verwandte Arten, unter anderem der noch kleinere Pseudoskorpion Lamprochernes nodosus, klammern sich oft an den Beinen von Fliegen fest und lassen sich auf diese Weise durch die Gegend transportieren (sogenannte Phoresie).

Fortpflanzung und Individualentwicklung

Zur Fortpflanzung führt das Männchen vor dem Weibchen einen Balztanz auf, um anschließend mit ihm zusammen vor- und zurückzutanzen, ohne dass sich beide berühren. Dann setzt das Männchen ein gestieltes Samenpaket (Spermatophore) auf den Untergrund ab, ergreift das Weibchen mit den Pedipalpen und zieht es darüber.

Die Eier trägt das Weibchen in einem aus Sekret gebildeten Brutbeutel an der Genitalöffnung unter dem Hinterleib mit sich herum und ernährt die Embryonen mittels einer körpereigenen Nährlösung. Die Eiablage erfolgt in speziell gesponnenen Brutkammern. Nach dem Schlüpfen benötigt der Nachwuchs drei Häutungen über verschiedene Nymphenstadien (Proto-, Deuto- und Tritonymphe) für seine Entwicklung zum fertigen Bücherskorpion. Dieser Prozess vollzieht sich innerhalb mehrerer Wochen.[2]

Quellen

Der Artikel beruht im Wesentlichen auf folgender Literatur:

  • Heiko Bellmann: Spinnen, Krebse, Tausendfüßer. Europäische Gliederfüßer (ohne Insekten). Steinbachs Naturführer, Mosaik-Verlag, München 1991. ISBN 3-570-06450-6

Darüber hinaus werden folgende Einzelnachweise aufgeführt:

  1. „Checkliste der Pseudoskorpione Mitteleuropas“ bei www.arages.de
  2. P. Appelhans: „Pseudoskorpione“. Übersicht bei www.natur-in-nrw.de

Weblinks


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