ChessBase

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Das Unternehmen ChessBase mit Sitz in Hamburg wurde 1985 von dem Physiker Matthias Wüllenweber und dem Wissenschaftsjournalisten Frederic Friedel als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet und später in eine GmbH umgewandelt. Dritter Gesellschafter neben Wüllenweber und Friedel wurde der Hamburger Stützpunkttrainer Gisbert Jacoby.

Die Firma leitet sich ab vom gleichnamigen, von Matthias Wüllenweber entwickelten, Schachdatenbankprogramm ChessBase in Anlehnung an das zur damaligen Zeit populäre Datenbankprogramm dBase.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgeschichte und Programmentwicklung

Ausgangspunkt des Unternehmens war der Vertrieb des Schachdatenbankprogramms ChessBase, das in der Version 1.0 von Wüllenweber für den Atari ST entwickelt wurde. Ab Version 2.3 stand das ChessBase-Programm auch in einer von Mathias Feist entwickelten Version für das PC-Betriebssystem MS-DOS zur Verfügung. 1989 erschien parallel für den Atari und für PCs die Version ChessBase 3.0. Die Version 4.0, bei der in der DOS-Version das Schachprogramm Fritz unter der gleichen Oberfläche zur Analyse mitrechnen konnte, war die letzte Version, die auch für den Atari erschien.

Das Datenbankprogramm ChessBase wurde konzipiert, um die Züge von Schachpartien auf Rechnern zu erfassen, gegebenenfalls mit Varianten zu kommentieren und zu speichern. Hierfür hatte Wüllenweber ein spezielles Speicherformat entwickelt, das alle notwendigen Daten einer Partie (Spieler, Turnier, Turnierort, Datum, Notation, Variante, Bewertungszeichen etc.) in möglichst platzsparender Weise in einer Datei ablegt („CBF“-Format). Zur Recherche erlaubt das ChessBase-Programm systematischen Zugriff auf die Partien in der Datenbank nach verschiedenen Kriterien wie Spielername, Turnier, Variante oder einem Eröffnungsindex.

Die Entwicklung des ChessBase-Datenbankprogramms wurde zu Anfang maßgeblich von Garri Kasparow beeinflusst, der anlässlich eines Besuchs in Hamburg 1985 ChessBase erstmals besuchte und viele Vorschläge für die Weiterentwicklung machte.

Mit der Entwicklung der ersten Windows-Version ab 1994 wurde auch das Textformat „PGN“ unterstützt. Die Version Chessbase 6.0 führte 1996 ein erweitertes programmeigenes Datenbankformat („CBH“-Format) ein. Neben der eigentlichen Datenbank wurde auch die Programmoberfläche besonders nach der Portierung (Migration) sukzessive erweitert und erlaubt zahlreiche parallele Anwendungen, die weit über die Funktionen eines reinen Datenbankprogramms hinausgehen. So können neben dem bequemen Datenbankzugriff zur Analyse und Zugbestimmung unterschiedlichste Schach-Engines eingebunden werden, die nicht notwendigerweise aus dem eigenen Hause stammen.

Die aktuelle Version ChessBase 11 erschien im Oktober 2010. Seit 2007 ist eine eingeschränkte Version unter dem Namen ChessBase Light 2007 kostenfrei verfügbar. Sie kann durch den Kauf eines Aktivierungsschlüssels zur Vollversion ChessBase 9 freigeschaltet werden.

Verlagstätigkeit

Neben dem Vertrieb des Schachdatenbankprogramms betätigte sich das Unternehmen ChessBase auch mit der Erfassung und dem Vertrieb von Schachpartien. Diese wurden zunächst im „ChessBase Magazin“ auf Disketten verkauft, später folgte die Reihe „Turnierdiskette“. 1990 begann ChessBase zusammen mit Autoren Trainingsdisketten in der Reihe „Eröffnungsdiskette“ zu vermarkten.

1991 entwickelte Mathias Feist eine Bedienoberfläche für Schach-Engines, die zusammen mit der von dem Niederländer Frans Morsch programmierten Schach-Engine Quest unter dem Namen Fritz vertrieben wurde.

Außer dem Schachprogramm Fritz vertreibt oder vertrieb ChessBase als Schachverlag weitere Schachprogramme, darunter u. a. HIARCS, Junior, Shredder, Chess Tiger, ZapChess und Rybka in verschiedenen Versionen.

Fritz-Schachserver

Im September 2001 ging ChessBase mit einem eigenen Schachserver online. Dieser löste bald nach Einführung den Marktführer Internet Chess Club in Bezug auf die Besucherzahlen als größten kommerziellen Schachserver ab. 2006 waren bei ChessBase über 200.000 Mitglieder angemeldet. Auf dem Fritz-Schachserver können Menschen gegen andere Schachspieler über das Internet Schach spielen. Es ist aber auch möglich, Computer gegeneinander spielen zu lassen. Der Fritz-Schachserver erlaubt außerdem interaktiven Unterricht und zahlreiche Spezialschachvarianten. Fast täglich werden dort zudem die Partien aus laufenden Großmeisterturniere, Weltmeisterschaften oder Wettkämpfen live gezeigt und von den Besuchern im Chat diskutiert.

Multimedia

Für den Fritz-Schachserver und die Trainingsreihe „Fritztrainer“ entwickelte ChessBase das Chess Media System. Mit diesem können Audio- oder Videoaufnahmen synchron zum Partieverlauf abgespielt werden. Damit wurden zahlreiche Lehrvideos produziert, darunter von Garri Kasparow, Wladimir Kramnik, Viswanathan Anand, Viktor Kortschnoi, Rustam Kasimjanov, Alexei Schirow, Adrian Mihalčišin, Daniel King, Andrew Martin, Jacob Aagaard, Helmut Pfleger, Thomas Luther und Eva Moser.

Lernprogramm für Kinder und Jugendliche

Seit 2003 erscheint das Schach-Lernprogramm „Fritz & Fertig“ – bis Anfang 2009 in vier aufeinander aufbauende Folgen. Hiermit werden Kinder spielerisch in das Schachspiel eingeführt.

Weitere Verlagsprogramme

1994 hatte Matthias Wüllenweber ein Physiksimulationsprogramm entwickelt, das unter dem Namen „Albert Physik interaktiv“ vom Springer-Verlag vertrieben wird.

Im Oktober 2007 erschien mit Ludwig auch eine Musiksoftware, die für sich in Anspruch nimmt, selbständig komplexe Musiktitel verschiedener Stilrichtungen zu komponieren und arrangieren.[1] Ludwig soll auch als virtueller Musiklehrer für diverse Instrumente und Chorgesang sowie als Begleitband dienen können. Zum Komponieren nutzt es ein Baumsuchverfahren, wie es auch in der Schachsoftware Fritz zum Einsatz kommt. Die Arrangements zu den von der Software komponierten Melodien werden anhand einer Skriptsprache generiert. Georg Mondwurf, Lehrbeauftragter für Musikdidaktik an der Universität Oldenburg, bemerkte: „Dass „Ludwig“ gute Möglichkeiten bietet, Gesang und Instrumentalspiel – ja sogar Improvisation zu trainieren, wurde bereits erwähnt. Dennoch: Während „Ludwig“ als Komponist schon heute restlos überzeugen kann, bleiben seine Fähigkeiten als Instrumentallehrer in dieser Version eher eine interessante Dreingabe, die einen seriösen Instrumentalunterricht kaum ersetzen werden.[2]

Die Homepage von ChessBase wird täglich aktualisiert und bietet in drei Sprachen (deutsch, englisch, spanisch) aktuelle Schachnachrichten. Außerdem steht eine kostenlose Online-Partiendatenbank mit über vier Millionen Schachpartien sowie ein Spielerlexikon mit Namen und Fotos von Tausenden von Schachspielern zur Verfügung.

Weblinks

Fußnoten

  1. Fritz gegen Bach. In: DER SPIEGEL 29/2007. 16. Juli 2007, abgerufen am 21. März 2011.
  2. Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V.: Stefan Michaelis: Nach drei Klicks die Tür zur Musik geöffnet

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