Oelheim


Oelheim
Oelheim (Edemissen)
Gemeinde Edemissen
Koordinaten: 52° 23′ N, 10° 14′ O52.38111111111110.23055555555664Koordinaten: 52° 22′ 52″ N, 10° 13′ 50″ O
Höhe: 64 m ü. NN
Postleitzahl: 31234
Vorwahl: 05176

Oelheim ist ein Ortsteil in der Gemeinde Edemissen im Landkreis Peine in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Ortsteil Oelheim liegt nördlich der Kreisstadt Peine zwischen den beiden Oberzentren Hannover und Braunschweig am Rande der Südheide.

Geschichte

Das Gebiet gehörte von 1532 bis 1885 zur Gografschaft Edemissen im Amt Meinersen und danach bis heute zum Landkreis Peine. Erst im Jahre 1881 erhielt der Wohnplatz seinen Namen „Ölheim“. Entscheidend für die Entstehung der Ortschaft wurde die Erdöllagerstätte, die sich auf verschiedene Schichten und Stufen der Erdformation verteilt und als „sekundäre Lagerstätte“ gilt. Bereits im 16. Jahrhundert werden Teerkuhlen genannt, die von den Bewohnern der Umgebung in gewisser Weise schon „ausgebeutet“ wurden. Im 18. Jahrhundert berichtete der damalige Pfarrer Johann Heinrich Pape, Edemissen auch von den „Theerkuhlen“ und dem „Oischer Fett“ (Oedesser Fett), wie es die Edemissener nannten. Der berühmte Königliche General-Feldmarschall Freyherr Cuno Josua von Bülow auf Gut Abbensen, hatte während des Krieges 1704 in Brabant, dieses Fett nachkommen lassen, eine „Arzney“ daraus verfertigt und seinen Männern gegen eine „wütende Seuche und erfrorene Glieder“ verabreicht. Aber auch in Edemissen und Umgebung schätzte man die heilsame Wirkung des „Oischer Fett“ für Mensch und Tier. 1928 ist ein Teil der Ortschaft zu Oedesse und ein anderer Teil zu Edemissen eingegliedert. 1965 erfolgte der Zusammenschluss der selbständigen Gemeinden Edemissen, Alvesse, Blumenhagen, Mödesse, Voigtholz-Ahlemissen und seit 1971 auch Oedesse zur Samtgemeinde Edemissen. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen kam es 1974 zur Bildung der Einheitsgemeinde Edemissen aus den Ortschaften der Samtgemeinde Edemissen und weiteren acht selbständigen Gemeinden.

Der Ölrausch

Hinweise auf ein Erdölvorkommen in der Umgebung von Edemissen vermuteten Fachleute im 19. Jahrhundert auf Grund von Berichten, in denen schon 1563/64 die Theerkuhlen erwähnt werden. Die erste Erdölbohrung in Edemissen-Oedesse im Jahre 1862, war zugleich die dritte Bohrung im Auftrag der Königlichen Hannoverschen Regierung und wurde durch Professor Georg Christian Konrad Hunäus durchgeführt. Sie erreichte eine Tiefe von 15 Meter und brachte nur eine geringe Ausbeute von wenigen Eimern voll Erdöl. Die abgedeckte Bohrung bestand bis in jüngster Zeit. Ein in Oedesse am Schwarzwasser im Jahre 1867 abgeteufter 10 Meter tiefer Schacht, explodierte beim Hantieren mit offenem Licht und ist dadurch zerstört worden. Die Belgische Firma B. Allemand zahlte 1872 an die Gemeindekasse 300,- Mark für Bohrberechtigungen in Edemissen. Im selben Jahr beginnt eine zweite Belgische Bohrfirma - Virginia - unter der Leitung von Professor Louis Harper (pseudonym für Hübotter, Sohn des Peiner Bürgermeisters) mit Bohrungen. Durch Zusammenschluss von drei Bremer Geschäftsleuten - E. Meyer, Dr. Wilkens und G. Kleissen - wurde 1876 das erste Bremer Petroleum-Bohrwerk gegründet. Ein Unfall im Herbst 1877 auf einer Edemisser Bohrstelle von Kleissen, bei der ein Oedesser Arbeiter seine Hand verliert, veranlassen den Amtshauptmann von Uslar-Gleichen, die Firmen zu Schadensersatz und Übernahme der Arzneimittelkosten zu verpflichten. Ab dieser Zeit waren die Arbeiter bei Betriebsunfällen finanziell absichert. Im August 1878 erbaute sich der Betriebsinspektor Hermann Meyer aus Bremen das erste Wohnhaus (Baracke) in Oelheim. Auf Grund seines Schriftwechsels mit dem Amt Meinersen wird die Namensgebung - Ölheim - eingeleitet. Immer wieder kommt es zu Sabotage auf Bohrungen des späteren „Ölheimer“ Gebietes, die von Edemisser und Oedesser unterstützt und gedeckt werden. Im Frühjahr 1879 geht die Wohnbaracke von Betriebsinspektor Hermann Meyer in Flammen auf. Die Edemisser Feuerwehr und der Ortsvorsteher erhielten einen Tadel, wegen unterlassener Hilfsleistung, vom Amt Meinersen. Am 1. Januar 1881 erhielt Ölheim offiziell seinen Ortsnamen. Die erste „Pipeline“ der Welt wird vom Ölfeld „Ölheim“ bis zur Raffinerie in Peine fertiggestellt. Als am 21. Juli 1881 die Bohrung „Mohr 3“ in Ölheim in 37,5 und 66 Meter, so gut eruptiv fündig wird, bricht ein „Ölrausch“ aus. Alle vorhandenen Fässer konnten die Ölmenge nicht aufnehmen. Es folgt ein Run auf Erdölaktien an der Börse. In Peine und Braunschweig erschien eine eigene Zeitung, die sich nur mit Ölheim befasste. In Sonderzügen trafen Touristen und Ölinteressierte Spekulanten in Peine ein, um von dort mit Pferdegespannen nach Ölheim gefahren zu werden. Im Herbst wird der Betrieb eines Straßen-Dampfwagens von Peine nach Ölheim aufgenommen. Ein hannoverscher Kaufmann wollte eine Eisenbahn-Verbindung Peine-Ölheim bauen lassen. Die Zahl der Firmen stieg auf 47 und die Belegschaft auf etwa 1500 Arbeiter. Ende des Jahres 1881 hat Ölheim auch seine eigene Gendarmeriestation. Im Frühjahr 1882 erlässt das Amt Meinersen die erste Tiefbohrverordnung. Der Probebetrieb mit dem Straßen-Dampfwagen muss auf Grund der schlechten Wegeverhältnisse abgebrochen werden. Im März-Mai 1883 kommt es zur gerichtlichen Stilllegung der Erdölbetriebe in Ölheim. Das bei den Bohrungen ausgetretene Salzwasser darf nicht mehr ins „Schwarzwasser“, einem Nebenfluss der Fuhse geleitet werden. Es kommt zum Zusammenbruch vieler Firmen in Ölheim und in der Folge davon zum „Börsenkrach“. Viele Geldanleger und Spekulanten verlieren in kurzer Zeit ihr Vermögen. Von den ehemals etwa 1500 Arbeitern bleiben nur noch 20 Mann für Unterhaltungsarbeiten übrig. Im Herbst 1883 wird auch die Gendarmeriestation aufgelöst. Im Februar 1884 wird die gerichtliche Stilllegung der Ölfirmen in Ölheim aufgehoben und die Raffinerie der Ölheimer Petroleum Industrie in Ölheim nimmt kurz darauf den Betrieb auf. Doch für viele Firmen hatte der Stillstand zum Konkurs geführt. Von 47 Firmen waren nur noch 6 tätig. Im August 1884 erhält der Ort eine „Posthülfsstelle“. Die United Continental Oil Companie, London (UCOC) Betriebssitz Ölheim ist 1885 in Liquidation. Im Januar 1887 schließen sich in Ölheim tätige Firmen zu den „Vereinigten Deutschen Petroleum-Werken“ zusammen. Im Oktober 1887 ist die „Hamburger Petroleum-Companie Liquide“, daraus entsteht die „Theodor Arnemann Civilingenieur Hamburg“ und Bohrwerke „Schmieröl- und Petroleum-Brunnen Oedesse“. 1892 gibt die „Germania Petroleum-Bohrwerk AG Ölheim“ ihre Tätigkeit auf. Der Betrieb wird unter der Führung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Eduard Nordmann unter den Namen „Erdölwerke Dr. E. Nordmann AG“ weitergeführt. 1893 geht die „Mechanische Werkstatt Ölheim“ in Liquidation. Im Jahre 1896 erhält Ölheim auf Grund eigener Gasproduktion, Gasglühlicht mit Auer-Laternen. Im Jahre 1904 beginnt Anton Raky seine Bohrtätigkeit in Ölheim. Die Erdölwerke „Dr. E. Nordmann AG“ gründen im Jahre 1905 eine Unterstützungskasse für in Not geratene Betriebsangehörige. 1911 Verkauf der „Erdölwerke Dr. E. Nordmann AG“ an „Die Deutsche Mineralöl-Industrie-Gesellschaft“ in Wietze. Im Jahre 1916 wird die zu Ölheim gehörende Petroleum-Raffinerie in Peine von der Firma „Saigge & Cie“ an die „Ölwerke Julius Schindler“, Hamburg verkauft. 1917 werden wegen des Förderrückgangs die „Vereinigten Deutsche Petroleum Werke“ (VDPW) und die „Deutsche Mineralöl Industrie AG“ (DMIAG) an die „Deutsche Petroleum AG“ (DPAG) in Wietze verkauft. Im März 1925 beteiligt sich die Preussische Bergwerks- und Hütten AG (Preussag) Bohrverwaltung Schönebeck an den Anton Raky Tiefbohrungen im Forst Berkhöpen. Nach ersten Misserfolgen im Jahre 1928, steigen die Preussag bei Anton Raky wieder aus und kaufen den Betrieb dann 1930 zusammen mit der Wintershall, weil Raky in finanziellen Schwierigkeiten steckt. 1933 gründet die Preussag die „Gewerkschaft Florentine“, zwecks Aufsuchung von Erdöl im Berkhöpen und anderen Orten. im Jahre 1936 verlegt die „Deutsche Erdöl Aktiengesellschaft, Wietze“ (DEA) die Ölleitung von Ölheim entlang des Ölheimer Weges, Hermann-Löns-Straße, Bahndamm, bis zum Bahnhof Edemissen, Verladestation. Verlängerung der Erdölverträge zwischen der Preussag, Gemeinde Edemissen und Grundbesitzern im Jahre 1953. Im Frühjahr des Jahres 1956 werden die letzten Erdölbohrungen der Preussag in Ölheim verfüllt. Damit endet die Geschichte eines Erdölvorkommens, das sich mit seinem Ortsnamen unvergessen in die Geschichte eingeprägt hat.

Waltersbad

Mit dem Ölrausch kamen viele Menschen in die Edemisser Gegend. Anfänglich fanden sie noch Unterkunft in den Peiner Gasthöfen und Hotels, die aber bald vollkommen überfüllt waren. Die Deutsche Petroleum Bohrgesellschaft Bremen, erbaute das erste „Hotel“ in Ölheim. Es bestand aber nur aus einer Baracke und wurde „Hotel Neu Pensylvanien“ genannt und später durch einen festen Steinbau ersetzt. Das zweite Hotel baute die Ölheimer Petroleum Industrie Gesellschaft und verpachtete es an einen Hotelier. Das dritte Hotel in Ölheim, baute der bereits in Ölheim als Bauunternehmer für rheinische Unternehmen tätige Gustav Walter aus Köln. In mehreren Etappen baute Walter auf eigene Rechnung ein Bürogebäude, Wohnhaus und Hotel. Als Verwalter seiner Liegenschaften in Ölheim setzte Gustav Walter seinen Bruder Emil ein, der ihn auf allen seinen Stationen begleitete und unterstützte. Als im Mai 1883 die Ölheimer Bohrwerke gerichtlich stillgelegt wurden, war auch ein rapider Rückgang der Besucher zu verzeichnen, eine Auswirkung die auch Hotel Walter hart traf. Ab 1884 durfte mit Auflagen, die Erdölförderung wieder aufgenommen werden. Es war aber nicht mehr die Zeit wie vorher. Emil Walter übernahm von Bruder Gustav den gesamten Komplex und führte ihn in eigener Regie weiter. Mitte Juni 1885 kaufte er noch weitere Grundstücke von der Ölheimer Petroleum Industrie Gesellschaft (OPIG) Adolf Mohr dazu, die Grundstücke von der Rheinisch-Westphälischen Bohrgesellschaft übernommen hatten. Auf dem einen Grundstück, nahe dem Haus, befand sich eine offene, nicht fündige, 210 Meter tiefe Bohrung von 1881. Emil Walter und der Direktor der OPIG, Stellwage, waren gute bekannte und beide hatten mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der eine brauchte Gäste und der andere suchte eine Möglichkeit, das bei den Bohrungen anfallende Salzwasser (Salzlauge) loszuwerden. Aus dieser Not heraus entstand die Idee, die Salzlauge wieder in der Erde zu versenken, eine auch heute noch gebräuchliche Technik. Nach vielen zu überwindenden Schwierigkeiten, (die Edemisser Gemeinde und auch Landwirte aus Edemissen und Oedesse waren überhaupt nicht begeistert) konnte das Vorhaben letztendlich realisiert werden. Schon Ende 1885 war der Badebetrieb aufgenommen. Da Emil Walter für seinen Badebetrieb auch überregional Werbung machte, musste er einen amtlichen Nachweis über die Wassergüte liefern. Die Analyse fiel so hervorragend aus, dass Walter die Quelle nach dem Vornamen dreier Familienangehöriger „Marienquelle“ und die gesamte Einrichtung nach seinem Familiennamen „Waltersbad“ nannte. Obwohl Walter sehr viel Werbung machte, blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen. Es waren vorwiegend Besucher aus der Umgebung und aus Peine, die das Bad besuchten. Ende Mai 1894 brannte es im Waltersbad. Es wurde Brandstiftung vermutet, konnte aber nicht bewiesen werden. Walter war gut versichert. Ein Aufbau der Anlage wie in früherer Zeit, fand nicht statt. Während der Aufbauphase und zum eigenen Unterhalt übernahm Walter von 1894 bis 1896 die Restauration und das Hotel „Neu Pensylvanien“. Da der Badebetrieb in den Folgejahren mehr schlecht als recht lief, gab Walter ihn ganz auf und beschränkte sich auf die Restauration. Ein weiteres Feuer im Jahre 1904 bedeutete das „Aus“ für Waltersbad. Das Feuer war auf Brandstiftung zurückzuführen. Im Jahre 1906 verkaufte Walter den komplex und verstarb 1907.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1885 69
1895 36
1905 50

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Haus der Naturfreunde Peine seit 1959 in Oelheim
  • Oel- und Salzpfad (Informationen hierzu im Rathaus der Gemeinde Edemissen)

Vereinswesen

  • Naturfreunde Peine (Ortsgruppe der Naturfreunde Deutschlands)

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Es gibt eine Busverbindung nach Edemissen und Peine. Die Autobahnanschlüsse Peine, Watenbüttel-Braunschweig und Hämelerwald sind für Berufspendler eine Anbindung an Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und Hannover. Die Bahnhöfe Peine, Dedenhausen und Hämelerwald sind auch für Bahnreisende erreichbar.

Bildung

Neben Kindergärten sind heute in Edemissen Grundschule (in drei Ortsteilen auch verlässliche Grundschule), Hauptschule und Realschule. In Peine sind weiterführende Schulen wie Gymnasium und Berufsbildende Schule eingerichtet.

Religion

Der Ortsteil Oelheim gehört zum Kirchspiel der Martin-Luther-Kirchengemeinde Edemissen im Kirchenkreis Peine.

Literatur

  • Verein der Heimatgeschichte Edemissen e.V.: Die Gemeinde Edemissen, Sutton 2007. ISBN 978-3-86680-202-5
  • Jürgen Dieckhoff: Edemissen - Wohlfühlgemeinde, Gemeinde Edemissen 1999
  • Karl Zeinart : Edemisser Geschichte, Heft 5a, Selbstverlag 2003
  • Karl Zeinart : Edemisser Geschichte, Heft 4, Selbstverlag 2001
  • Karl Zeinart : Edemisser Geschichte, Heft 3b, 3c, Selbstverlag 2000
  • Karl Zeinart : Edemisser Geschichte, Heft 2, 3a, Selbstverlag 1999
  • Karl Zeinart : Edemisser Geschichte, Heft 1, Selbstverlag 1998

Weblinks


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