Chirurg


Chirurg

Die Chirurgie (Aussprache: [kirʊrˈɡiː, çirʊrˈɡiː] beziehungsweise umgangssprachlich [ʃirurˈɡiː]; griechisch χειρουργική [τέχνη] - die Handwerkliche Kunst) ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Behandlung von Krankheiten und Verletzungen durch direkte, manuelle oder instrumentelle Einwirkung auf den Körper des Patienten (Operation) befasst. Das Wort Chirurgie ist aus zwei Teilwörtern zusammengesetzt, nämlich aus altgr. χείρ Hand und ἔργον Werk, Arbeit also wörtlich übersetzt ist ein Chirurg ein „Handarbeiter“.

Chirurgie umfasst die Schwerpunkte Gefäßchirurgie, Thoraxchirurgie, Unfallchirurgie, Neurochirurgie und Visceralchirurgie. Daneben gibt es noch die Allgemeinchirurgie, die mehrere der vorgenannten Schwerpunkte mit Hauptgewicht auf der Viszeralchirurgie vereint und häufige chirurgische Krankheitsbilder zum Gegenstand hat. Allerdings wird von mehreren Ärztekammern in Deutschland häufig die Abschaffung der Allgemeinchirurgie diskutiert.

Im deutschen Sprachraum sind Herzchirurgie, Neurochirurgie, Kinderchirurgie, Kieferchirurgie, Plastische Chirurgie/Schönheitsoperationen, Unfallchirurgie und Theoretische Chirurgie eigenständige Fachgebiete. Durch die verschiedenen Unterdisziplinen zieht sich die Methodik der minimalinvasiven Chirurgie; dabei werden Patienten, wenn möglich, ohne größere Schnitte operiert. Der Chirurg muss daher über einen Bildschirm operieren und kann lediglich Geräte von außen bedienen.

In der Chirurgie werden krankhafte Organe vollständig (Ektomie) oder teilweise (Resektion) entfernt. Verlegte Organsysteme werden wieder durchgängig gemacht. Es werden neue Organe oder Prothesen implantiert.

Der Begriff Chirurgie wird oft dazu verwendet, die Fachabteilung innerhalb eines Krankenhauses oder die spezielle Einzelklinik in einem Klinikum zu bezeichnen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Darstellung von chirurgischen Instrumenten an der Rückwand des Tempels zu Kom Ombo, Ägypten

Schon in der Steinzeit und der Antike lassen sich Kopf-Operationen nachweisen, welche die Menschen überlebt haben müssen. Dies kann man anhand der Knochenfunde beweisen. Chirurgische Eingriffe wurden schon bei den Ägyptern und Römern mit Werkzeugen durchgeführt, die speziell für die Chirurgie bestimmt waren. Über die Erfolge ist wenig bekannt. Die Blutstillung war sicherlich seit jeher ein besonderes Anliegen der chirurgische tätigen Menschen[1]. Bis zum Aufkommen der akademischen Medizin hat der Bader oder Wundarzt mit handwerklicher Ausbildung kleinere Operationen durchgeführt. Eine wichtige Rolle spielte die Chirurgie in den Kriegen. Wegen des fehlenden Wissens über Infektionsgefahren wurden die Instrumente und die Hände des Arztes oft nicht gereinigt. Die Kittel waren damals dunkel, damit man sie nicht so oft waschen musste. Die Folge waren Wundinfektionen gefolgt von Blutvergiftung (Sepsis) und Tod. Dies änderte sich langsam mit der Entdeckung der Ursache des Kindbettfiebers durch Ignaz Semmelweis. Eine wichtige Rolle für den Siegeszug der Chirurgie spielten Hygienemaßnahmen wie die Reinigung und nachfolgende Sterilisation von medizinischen Werkzeugen und Materialien und die Desinfektion.

Vor Einführung der Narkose (1846) hatte die Chirurgie wegen der hohen Schmerzen für den Patienten möglichst schnell zu arbeiten. Todesfälle durch Schmerz (Schock) waren nicht selten. Sir Robert Liston (1798-1847) amputierte aus Gewohnheit trotz zum ersten Mal eingesetzter Narkose (21. Dezember 1846) ein Bein in 28 Sekunden. Dies stellte damals eine normale Operationszeit dar, so wurde über den Leibarzt Napoleons berichtet, dass er über 200 Amputationen an einem Tag vornehmen konnte. Heute dauert eine Unterschenkelamputation vom Hautschnitt bis zum Ende der Hautnaht in der Regel zwischen 25-60 Minuten (je nach Übung des Operateurs).

Weiterbildung

Die Weiterbildung eines Arztes zum Facharzt für Chirurgie ist anspruchsvoll, da insbesondere Schnittfehler meist direkt zu Folgeschäden führen. Um dennoch möglichst schnell handwerkliche Praxis erlangen zu können, setzt man manchmal Kunstknochen bzw. Artefakte mit Knochen, Muskeln, Bändern und Sehnen ein.

Siehe auch

Literatur

  • Paul Ridder: Chirurgie und Anästhesie: Vom Handwerk zur Wissenschaft. Hirzel, Stuttgart 1993, ISBN 3-8047-1256-8 (Edition Universitas)
  • Knut Hæger: The illustrated History of Surgery. Starke, London 1992, ISBN 1-872457-00-2
  • Detlef Rüster: Alte Chirurgie: Von der Steinzeit bis zum 19. Jahrhundert. 4. Aufl. Verlag Gesundheit, Berlin 1999, ISBN 3-333-01029-1 (bis zur 3. Aufl. Nebentitel Legende und Wirklichkeit)
  • Jürgen Thorwald: Das Jahrhundert der Chirurgen. Droemer Knaur, München 1980, ISBN 3-426-03275-9

Einzelnachweise

  1. Walter von Brunn: Zur Geschichte der Blutstillung, Die medizinische Welt 9 (1935), S. 107f.

Weblinks


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