Rheingold (Goldwäsche)


Rheingold (Goldwäsche)
Die Gewinnung von Rheingold bei Karlsruhe

Rheingold bezeichnet das Gold, das im Fluss Rhein früher gewaschen wurde und zum Teil noch gewaschen wird.

Das Rheingold gelangt durch Verwitterung des Grundgebirges von Südschwarzwald und Alpen aus dortigen Lagerstätten von Berggold mit ca. 96 % Gold und 4 % Silber in den Hochrhein. Der Haupteil des Eintrags erfolgt durch Aare und Reuss. Das Auswaschen lohnte sich erst ab der Aaremündung bei Waldshut-Tiengen. Bei abnehmender Fließgeschwindigkeit setzen sich zunächst größere Goldpartikel und schließlich Goldflitter wieder im Flussschotter ab. Im Oberrhein sind daher bis zum Durchbruch durch das Rheinische Schiefergebirge Goldgehalte von 0,1 bis 20 Milligramm je Kubikmeter Rheinschotter vorhanden. Die wirtschaftliche Gewinnung dieses Goldes als Nebenprodukt des Kiessandabbaus ist schwierig und wurde erstmals erfolglos von 1939 bis 1943 mit dem Schwimmbagger Rheingold versucht. Derzeit erfolgt eine Gewinnung im Kieswerk Rheinzabern der Holcim-Gruppe, wo bei besonderer Vermarktung als Rheingold mit um ein Mehrfaches höherem Preis Wirtschaftlichkeit erreicht wird.

Bis zur 1817 bis 1866 durch Johann Gottfried Tulla vorgenommenen Rheinbegradigung reicherte sich das Gold immer wieder nach Hochwässern in Flussseifen von maximal zehn bis 20 Zentimeter Mächtigkeit und 200 bis 300 Quadratmeter Fläche an, wo es bei ungefähr um das Tausendfache erhöhten Gehalten von 0,25 bis 0,45 Gramm je Tonne durch Goldwaschen wirtschaftlich gewinnbar war. Bereits die Kelten wuschen Gold für Regenbogenschüsselchen aus diesen Seifen, später Römer und Germanen. Ihren Höhepunkt erreichten die Ausbeuten während der Arbeiten zur Rheinbegradigung durch die hierdurch ausgelösten umfangreichen Umlagerungen: 1831 wurden in Baden 13 und in der bayerischen Pfalz fünf Kilogramm Rheingold abgeliefert. Es bestand zwar eine Ablieferungspflicht, wegen der gegenüber den Marktpreisen niedrigen Vergütung rechnen Historiker jedoch mit erheblichem Schwarzhandel und mit einer Gesamtgewinnung vom Dreifachen der Ablieferung. Der Abschluss der Rheinregulierung beendete jedoch auch die hochwasserbedingten Umlagerungen. Der Bedeutungsverlust des Nebenproduktes Streusand zu Schreibzwecken kam hinzu. Die Goldwäscherei im Rhein kam zum Erliegen: 1860 wurden in Bayern gerade noch 56 Gramm abgeliefert, in Baden letztmalig 1874 90 Gramm. 1863 gab der bayrische Staat sein Goldregal auf. Letzter Goldwäscher war Johann Ganniger, der bei Speyer und Philippsburg arbeitete. Normalerweise wurden am Tag in neun Arbeitsstunden vier Tonnen Sand gewaschen und erbrachten ein Gramm Gold. Johann Ganningers Waschbank mit allen Zusatzgeräten wird im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt.[1]

Heute liegt das Gewicht der Rheingold-Flitterchen bei durchschnittlich 0,006 Milligramm, so dass also rund 165.000 Stück ein volles Gramm erbrächten. Es finden sich aber auch körnige, plattige und drahtähnliche Teilchen bis zu 10 Milligramm, sogenanntes „grobes Gold“. Vereinzelt kommen kleine Goldkristalle von etwa 2,3 Milligramm vor. 1849 fand man im Bereich der Ill bei Straßburg ein Geröll, bestehend aus Quarz, ungefähr in Form und Größe eines Hühnereies, das stolze 17 Gramm Gold enthielt.[2]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Kauer: Vier Tonnen Sand für ein Gramm Gold bewegt, in Die Rheinpfalz vom 21. August 2009, 02 LSPE
  2. Franz Kirchheimer: Das Rheingold. In: Der Aufschluß Heft 7/8, 1969 gefunden hier [1]

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