Richard Marshal, 3. Earl of Pembroke

Richard Marshal, 3. Earl of Pembroke

Richard Marshal, 3. Earl of Pembroke (* in den frühen 1190er; † 16. April 1234 in Kilkenny), war ein englischer Peer und Lord Marshal. Er war der zweite Sohn von William Marshal (Guillaume le Maréchal) und der Isabelle de Clare, einer Tochter des „Strongbow“ de Clare.

Leben

Richard nahm 1214 als Ritter in der Kampagne König Johanns im Poitou teil, die mit einer Niederlage gegen den französischen Kronprinzen Ludwig (VIII.) bei Roche-aux-Moines endete. Beim Tod seines Vaters (Mai 1219), der seit 1216 als Regent Englands amtiert hatte, war er am Hof König Philipps II. August in Paris um dort Gebietsrestitutionen seitens der französischen Krone an die Familie Marshal in der Normandie zu verhandeln. Als Herr von Longueville und Orbec war Richard ein Angehöriger der französischen Nobilität. Um das Jahr 1222 heiratete er Gervaise de Dinan († um 1235/41), Erbtochter von Alain de Dinan, durch die er in den Besitz einiger Burgen in der Bretagne gelangte. 1226 erhielt er die Einladung zur Krönung König Ludwigs IX. (Saint Louis) in Reims. Während des Aufstandes der Barone gegen die Regentin Blanka von Kastilien (1226-1231) schien sich Richard neutral verhalten zu haben, wenngleich seine Burg Dinan im Mai 1230 von König Heinrich III. von England besetzt wurde, welcher den rebellierenden Peter Mauclerc unterstützt hatte.

Zu Ostern 1231 starb Richards älterer Bruder, William Marshal, ohne Nachkommen in England. König Heinrich III. beabsichtigte die ausgedehnten Besitzungen der Marshal-Familie einzuziehen und verweigerte Richard die Einreise in England. Ihm gelang dennoch die Inbesitznahme des Pembrokeshire und mit der Unterstützung Huberts de Burgh erlangte er im August 1231 die Anerkennung seitens des Königs als Earl of Pembroke und Lord of Leinster.

Schlacht von Monmouth 1233: Richard Marshal stößt im Zweikampf den Ritter Baldwin de Guisnes aus dem Sattel. (zeitgenössische Darstellung aus der Chronica Majora des Matthäus Paris)

Bedingt durch den Sturz Huberts de Burgh avancierte Richard in den folgenden Jahren zum Führer des anglo-normannischen Adels gegen die wachsende Dominanz zugezogener „poitevinischer“ Adliger um Peter des Roches, Bischof von Winchester, und dessen Neffen Peter de Rivaux am königlichen Hof. Nachdem mehrere seiner Gefolgsleute förmlich enteignet wurden lehnte sich Richard im Jahr 1233 offen gegen die königliche Autorität auf. Von seiner Schwester Isabel gewarnt schlug er die Teilnahme an einem vom König einberaumten Friedenskonzil in Westminster aus, wo er tatsächlich gefangen genommen werden sollte, und floh nach Wales, wo er sich mit Llywelyn ab Iorwerth verbündete und im Oktober 1233 Glamorgan belagerte. Dafür erklärte ihn der König seines Besitzes verlustig ohne dabei aber die Versammlung der Barone angehört zu haben, was einen Bruch der Bestimmungen der Magna Charta bedeutete. Am 11. November schlug Richard bei Grosmont eine königliche Streitmacht zurück und lieferte sich am 25. November bei Monmouth ein blutiges Gefecht. Im Frühjahr 1234 durchzog er Shropshire und brannte Shrewsbury nieder. Richards Revolte hatte insofern Erfolg, als sich im Februar 1234 englische und walisische Kirchenführer unter Edmund Rich, erwählter Erzbischof von Canterbury, in den Konflikt einschalteten und König Heinrich III. dazu drängten, die „Poiteviner“ vom Hof zu verbannen, deren Macht somit gebrochen wurde.

Peter des Roches konnte allerdings noch mittels fingierter Briefe, die er mit dem Namen des Königs zeichnete, die königstreuen Barone Irlands dazu bringen, das Land der Marshal auf der Insel zu verwüsten. Richard setzte darauf mit seinen Truppen auf Irland über um die Situation zu retten, aber am 1. April 1234 erlitt er in der Schlacht auf dem Feld von Curragh eine vernichtende Niederlage. Er starb wenige Tage später auf der Burg von Kilkenny an den Wunden die er davongetragen hatte. Obwohl er gegen den König revoltiert hatte, wurde ihm in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung ein positives Andenken zuteil, als Widersacher ausländischer Einflüsse in England. Sowohl von Roger von Wendover als auch von Matthäus Paris wurde er als die „Blüte der Ritterschaft ihrer Zeit“ beschrieben, sein Tod war der eines Helden.

Richard Marshal wurde im Franziskanerkonvent von Kilkenny bestattet und da er keine Kinder hatte folgte ihm sein Bruder Gilbert Marshal im Familienbesitz in England und Irland als Erbe nach. Die Besitzungen in der Normandie und der Bretagne wurden hingegen von der französischen Krone eingezogen, wodurch die Marshal-Familie ihre Verbindung zum normannischen Stammland verlor.

Literatur

  • B. Wilkinson: The council and the crisis of 1233-1234 in: Bulletin of the John Rylands University Library, 27 (1942-1943)
  • R. F. Walker: The supporters of Richard Marshal, earl of Pembroke, in the rebellion of 1233-1234 in: Welsh History Review/Cylchgrawn Hanes Cymru, 17 (1994-95)
  • N. Vincent: Peter des Roches: an alien in English politics, 1205-1238 in: Cambridge Studies in Medieval Life and Thought, 31 (1996)


Vorgänger Amt Nachfolger
William Marshal Earl of Pembroke
Marshal of England

1231–1234
Gilbert Marshal

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