Rorschacher Sandstein


Rorschacher Sandstein

Rorschacher Sandstein ist ein Sandstein, der in der Region um Rorschach (Schweiz) vorkommt und dort heute noch abgebaut wird. Dieser Stein gehört zu den Sedimentgesteinen und wird auch als Plattensandstein bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Im Miozän, der Zeitspanne zwischen 26 Millionen und 7 Millionen Jahren vor unserer Zeit, war der Bodenseeraum von einem seichten Meer bedeckt, ähnlich der heutigen Adria. Das Appenzellerland war eine Küstenebene, vergleichbar der heutigen Poebene. Urweltliche Säugetiere wie die hornlosen Vorfahren der Nashörner und heute ausgestorbene Rüsseltiere durchstreiften subtropische Auenwälder und Savannen. In das untiefe Molassemeer ergossen sich die „Ur-Bregenzer Ach“ und „Ur-Rhein“, die an der Küste zwei geröllreiche Deltas aufbauten. Dazwischen lag im heutigen Raum Staad - St. Gallen in einer Bucht ein Sandstrand, entstanden aus dem Abrieb von Gesteinen der noch werdenden jungen Alpen.

Gegen Ende des Miozäns begann die letzte Gebirgsbildungsphase der Alpen. Durch den starken Schub der afrikanischen Platte von Süden her wurden die Sandsteinvorkommen im Bodenseeraum schiefgestellt und gehoben. Im Raum Rorschach - Staad - Thal werden sie bereits seit über 600 Jahren als "Rorschacher Sandstein" abgebaut.

Geschichte

Aus diesem Material wurden im Verlaufe der Jahrhunderte im Bodenseeraum einige bedeutende historische Bauwerke errichtet, u. a. das Münster von Konstanz (aus dem 11.-16. Jahrhundert), Teile des Munot in Schaffhausen (Stadtbefestigung aus dem 16. Jahrhundert), der Hafen von Rorschach (im 15. Jahrhundert von Abt Ulrich Rösch ausgebaut, im 18. Jahrhundert der grösste Kornmarkt der Schweiz), der Hafen von Lindau sowie eine grosse Zahl von Häusern in Meersburg. Dazu kommen heute moderne Bauwerke, wie z.B. die Brunnenanlage vor der Norddeutschen Genossenschaftsbank in Hannover oder die Treppenanlage vor der Universität Zürich-Irchel.

Verwendung

In der heutigen Zeit wird der Rorschacher Sandstein verwendet für Gartengestaltungen (Trockenmauern, Treppen und Aussenbeläge), Fassadenverkleidungen (vorgehängte Fassadenplatten, Fassadenmauerwerke), Renovationen (Fenstereinfassungen, Stockgurte, Säulen) und den Innenausbau (Bodenbeläge, Treppenverkleidungen, Cheminée-Verkleidungen). Aufgrund seine feinkörnigen, gleichmässigen Struktur eignet er sich auch für Bildhauerarbeiten.

Petrografie

Der Rorschacher Sandstein ist ein Feinsandstein (Korngrösse < 0.5 mm) von sehr regelmässiger grauer Farbe und gleichmässiger Struktur. Das Gestein besteht aus Quarz, Hellglimmer, Glaukonit, Carbonat, Perigoklas, Alkalifeldspat, Dunkelglimmer und Chlorit. Der Quarzgehalt ist ca. 30-40 Vol. %. Die Lagerrichtung der Schichtung ist schwach erkennbar.

Druckfestigkeit Biegefestigkeit Offene Porosität Rohdichte Wasseraufnahme
ca. 100 N/mm² ca. 10 N/mm² ca. 7 Vol. % ca. 2.5 g/cm³ ca. 6 Vol. %
DIN EN 1926: 2006 DIN EN 12372: 2006 DIN EN 1936: 2006 DIN EN 1936: 2006 DIN EN 13755: 2008

Der Rorschacher Sandstein ist, in der Werksteinqualität, frostbeständig.

Quellen

  • F. de Quervain: Die nutzbaren Gesteine der Schweiz. Kümmerly & Frei, Bern 1969
  • LGA, D-97082 Würzburg, materialtechnische Untersuchung
  • Bärlocher Steinbruch & Steinhauerei AG, CH-9422 Staad

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