Schloss Groß Leuthen


Schloss Groß Leuthen
Das Schloss um 1860, noch ohne Wohnturm (Farblithographie)
Das Schloss vom Groß Leuthener See aus gesehen

Das Schloss Groß Leuthen ist ein Wasserschloss im Spreewald (südöstliches Brandenburg). Es liegt in Groß Leuthen am Ufer des Groß Leuthener Sees, 15 Kilometer nordöstlich von Lübben. In seinen ältesten Teilen stammt es aus dem Mittelalter. Der überwiegende Teil der Bausubstanz besteht aus einem Renaissancebau mit Treppenturm und einem im Stil des Historismus von Bodo Ebhardt erbauten Wohnturm von 1913.

Geschichte

1368 wurde Leuthen mit „Tammo von deme Luthen“ erstmals erwähnt. Es gehörte damals noch zur Burggrafschaft Lübben. Im Verlauf des Mittelalters bildete sich ein eigener Herrschaftsbereich heraus, zu dem im 16. Jahrhundert die Dörfer Groß Leuthen, Bückchen, Dollgen, Guhlen, Klein Leine, Klein Leuthen und Ressen gehörten.

Nach mehrfachem Besitzerwechsel erwarb 1517 Wilhelm Schenk von Landsberg Groß Leuthen. Sein Nachfahren Carl Albrecht Schenk von Landsberg und dessen Bruder Ludwig Alexander auf Teupitz starben 1721 ohne Kinder.

1779 war Gräfin Podewils, Tochter Heinrich Graf von Podewils, Eigentümerin des Schlosses. Sie war viermal verheiratet, zunächst mit dem Legationsrat von Marschall, dann mit Graf Haeseler, anschließend mit dem Offizier Emanuel Friedrich von Bredow und schließlich mit Generalleutnant Graf Johann Ludwig von Hordt, der Tafelrundengefährte Friedrich des Großen und Kommandant der Zitadelle Spandau war. Obgleich Groß Leuthen nur als Nebengut betrieben wurde, kam die Gräfin häufig. Nach ihrem Tod erbte ihr Sohn aus zweiter Ehe, August Ferdinand von Haeseler, das Schloss und starb dort 1838. Später kam das Schloss in Eigentum des Grafen von Gutzmerow, der unter anderem Kammerherr der Königin bzw. Kaiserin Augusta war.

1906 erwarb der Berliner Chemiefabrikant Johann Abraham von Wülfing, der durch weltweit exportierte Milchzucker- und Milcheiweiß-Produkte, darunter den Muttermilchersatz „Albulactin“ vermögend geworden war, das Schloss. Er entstammte aus einer alten Kaufmanns- und Beamtenfamilie aus Barmen und erhoffte sich durch den Erwerb des alten Rittergutes einen Adelsbrief. 1908 wurde daraufhin durch Wilhelm II. ein Adelsbrief ausgestellt. Es folgte ein aufwändiger Umbau des Schlosses durch den Architekten Bodo Ebhardt aus Berlin-Grunewald. Nach der Restaurierung des alten Schlosses, entwarf Ebhardt einen vielgestaltigen Anbau mit neuer Eingangshalle, Gesellschaftsräumen, Landungstreppe am See, großer Terrasse und dem charakteristischen sechsgeschossigem Wohnturm. 1927 starb von Johann Abraham von Wülfing, sein Sohn Rudolf erbte den Besitz.

1945 wurde Rudolf von Wülfing unter der sowjetischen Militäradministration enteignet und vertrieben. In den Folgejahren wurde das Anwesen zunächst als Waisenhaus und später als „Spezialkinderheim, einer Vorstufe des Jugendwerkhofs, genutzt.

Nach der Wende wurde die Stiftung Großes Militärwaisenhaus Eigentümer des Schlosses, konnte aber die notwendigen Reparaturen nicht durchführen. 1999 bis 2006 wurde das Schloss für die Kunstausstellung „Rohkunstbau“ genutzt und 2007 privat weiterveräußert.

Literatur

  • Hans Walter: Die Standesherrschaft Leuthen und ihre Besitzer. In: Lübbener Kreiskalender 1915. S. 35–49 (Digitalisat)
  • Gregor Geismeier: Groß-Leuthen. Adel verpflichtet. In: Die Mark Brandenburg. Heft 21: Schlösser ohne Adel in der Mark Brandenburg. Lucie Großer Verlag, Berlin 1996, S. 8–12
  • Der Märkische Bote - Lausitzer Heimatzeitung. Ausgabe 16, Cottbus, August 2002 (Digitalisat)

Weblinks

 Commons: Schloss Groß Leuthen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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