Shift (Fotografie)


Shift (Fotografie)
Shift-Objektiv

Shift oder Shiften ist eine Vorgehensweise in der Fotografie, mit der stürzende Linien direkt bei der Aufnahme korrigiert werden können.

Inhaltsverzeichnis

Ursache und Vermeidung

Die Ursache für stürzende Linien ist, dass die Filmebene (bzw. die Sensorebene) und das Motiv (bzw. die Motivebene, die keine stürzende Linien enthalten soll) nicht zueinander parallel ausgerichtet sind. Bei normalen Objektiven ist man bei stark asymmetrischen Motiven (z.B. Kirchturm vom Boden aus fotografieren) dazu gezwungen, um entweder das Motiv überhaupt aufnehmen zu können oder um nicht ein Großteil des Films/Sensors ungenutzt zu lassen. Die Auswahl des Bildausschnitts ist nur durch Verdrehen der Kamera möglich. Beim Shiften ist dies anders. Dort kann das Objektiv parallel zum Film/Sensor verschoben werden, um den Bildausschnitt zu wählen und ohne dabei die Projektion zu ändern. Die Perspektive ändert das Objektiv nicht. Diese ist durch die Position der Kamera (genauer: die Position der Eintrittspupille des Objektivs) durch die geradlinige Ausbreitung des Lichts vorgegeben.

Möglich ist ein Shiften im Kleinbildbereich durch spezielle Shift-Objektive (oder durch kombinierte Tilt-Shift-Objektive), im Großformatbereich durch Parallelverschiebung der Standarten[1]. In beiden Fällen muss das Objektiv einen vergrößerten Bildkreis haben, da nicht mehr die Bildmitte, sondern auch weiter außen liegende Bildbereich genutzt werden.

Bemerkungen:

  • Obwohl die Begriffe Perspektive und Projektion unterschiedliche Prozesse bei der Bildentstehung bezeichnen, werden beide Begriffe in der Praxis vermischt, zusammengefasst oder gar vertauscht.
  • Wie schon erwähnt, kann ein Shiften die Veränderungen der Perspektive durch einen ungünstigen Kamerastandpunkt nicht korrigieren. Bei stärkeren Shiften führt dies zwar zu Bildern ohne stürzende Linien, diese Bilder sehen trotzdem merkwürdig aus.

Anwendungen

Die Ausrichtung der Kamera legt die Objektebene fest, mit dem Shiften kann man dann den Bildmittelpunkt festlegen. Dadurch lassen sich verschiedene Probleme lösen:

  • Perspektivkorrekturen: Beseitigung stürzender Linien an hohen Bauwerken.
  • Seitliches Ausweichen: Wenn ein störendes Objekt (z. B. Mast) in der direkten Sichtlinie liegt, kann sich der Fotograf neben das Objekt stellen und die Projektion durch Shiften korrigieren, so dass diese Verschiebung nicht unmittelbar auffällt.
  • Änderung von Spiegelungen: Wenn sich der Fotograf oder ein unerwünschtes Objekt im Motiv spiegelt, kann durch Shiften die Position so verändert werden, dass sich eine vorteilhaftere Spiegelung im Motiv ergibt.
  • Panoramen: Bei der Aufnahme nimmt man das Motiv einmal in der einen Richtung geshiftet und dann in der anderen Richtung geshiftet auf, um sie dann zu einem Panorama zu kombinieren.

Technische Umsetzung

Für die Verarbeitung von Fotografien gibt es mehrere Möglichkeiten, die entzerrende Wirkung des Shiftens zu nutzen.

Bei der Aufnahme:

Hier muss das Objektiv einen ausreichend großen Bildkreis besitzen, damit die gesamte lichtempfindliche Fläche (Film/Sensor) auch in geshiftetem Zustand noch vollständig beleuchtet wird.

In der Nachbearbeitung:

  • In der analogen Fotografie kann der Effekt nachträglich beim Ausbelichten eines Bildes auf das Papier erzeugt werden. Dazu benötigt das Vergrößerungsgerät ein Shift-Objektiv.
  • Wenn die Bilder in elektronischer Form vorliegen, können stürzende Linien durch ein Bildbearbeitungsprogramm nachträglich korrigiert werden.
Trapezförmige Bildränder nach Perspektivekorrektur mit ShiftN

Bei der Nachbearbeitung sollten einige Punkte beachtet werden, damit die Ergebnisse möglichst nahe an die Leistung eines Spezialobjektivs bzw. der Kamera heranreichen:

  • Die Planung eines solchen Vorhabens schon bei der Aufnahme, damit beispielsweise unerwünschten Spiegelungen anders begegnet werden kann.
  • Ausreichenden Bildrand vorsehen, da nach der Entzerrung ein trapezformiges Bild entsteht, welches in der Regel beschnitten wird und dadurch einen Randverlust erfährt.
  • Ausreichende Auflösung bzw. geringere Ausgabeauflösung, da Stauchungen und Streckungen eines Bildes in der Regel mit Detail- und Schärfeverlusten verbunden sind.

Abgrenzung

In einigen Kameras und Videokameras wird zur Bildstabilisierung der Sensor oder ein Teil der Optik verschoben. Prinzipiell entspricht das Vorgehen und die Wirkung dem Shiften, die Verschiebungen sind allerdings relativ klein, so dass eine Begradigung von stürzenden Linien weder gewollt ist noch ersichtlich sein sollte.

Siehe auch

Referenzen

  1. http://foto-net.de/net/kameras/gross.html

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