Stift Sinsheim


Stift Sinsheim
Stift Sinsheim
Stiftskirche
Tor mit Nebengebäude

Das Stift Sinsheim (die Bezeichnungen sind unterschiedlich, je nachdem welche Phase des Klosters bzw. Stiftes gemeint ist) war ein 1092 gegründetes Benediktinerkloster in Sinsheim das 1496 in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt wurde. Dieses Kollegiatstift wurde 1565 aufgehoben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Benediktinerkloster

Bischof Johann von Speyer gründete auf dem Michaelsberg in Sinsheim 1092 auf Eigengut ein Benediktinerkloster und besiedelte es mit Mönchen aus Siegburg, die auf dem dortigen Michaelsberg ein Kloster hatten. Um das im Bistum Worms gelegene Kloster auch seiner geistlichen Jurisdiktion zu unterstellen, tauschte Johann 1099 mit dem Wormser Bischof Gebiete aus. Im Jahr darauf übertrug er seine Stiftung der Speyerer Kirche und eximierte das Kloster von der Jurisdiktion des zuständigen Dekans und Archidiakons.

Der Besitz von Gütern im Kraich- und Elsenzgau sowie im Enzgau war die Grundlage für die weitere Entwicklung des Klosters. Die linksrheinischen Besitzungen des Klosters wurden zum größten Teil bald wieder abgestoßen. Zum Grundbesitz kamen noch Patronatsrechte. Um 1160 wurde die einzige Propstei, St. Ägidius in St. Ilgen, gegründet.

Dem Kloster war die freie Vogtwahl zugesichert worden. Um die Übergriffe der Vögte aus dem Geschlecht der Edlen von Wiesloch abzuwehren, erhielt das Kloster 1179 und 1186 päpstliche Schutzbriefe. 1362 gelangte die Vogtei endgültig an die Pfalzgrafschaft bei Rhein.

Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster in die Landkapitelorganisation des Bistums Speyer integriert und verlor dadurch einen Teil seiner Unabhängigkeit. Unter Abt Appel von Finsterloch war das Kloster noch an der benediktinischen Reformbewegung des frühen 15. Jahrhunderts beteiligt. Danach scheiterte in der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts der Versuch eine strengere Observanz durchzusetzen. Deshalb entschieden sich Abt Michael von Angelloch, der Prior und der Konvent des Klosters die Umwandlung in ein adeliges Säkularkanonikerstift vorzunehmen. Papst Alexander VI. erteilte 1496 dazu seine Zustimmung.

Ritterstift

Im Kollegiatstift, auch Ritterstift genannt, wurden Propstei und Dekanat für die Verwaltung eingerichtet und sieben Kanoniker- und zehn Vikarstellen geschaffen. Die Präpositur wurde nach dem Tod des Georg von Helmstatt abgeschafft.

Während des Bauernkriegs 1525 wurde das Stift geplündert und die Gebäude wurden beschädigt. Eine bischöfliche Visitation im Januar 1550 deckte auf, dass die Kleriker im Konkubinat lebten. Der Versuch des Pfalzgrafen Ottheinrichs, die Reformation im Stift einzuführen, scheiterte 1557 am Widerstand der Stiftsherren. Sein Nachfolger, Kurfürst Friedrich III., führte die Reformation 1565 gewaltsam durch und verwies die Kanoniker aus dem Stift.

Der Dekan Wernher Nothaft von Hohenberg begab sich in das Ritterstift Odenheim und die übrigen Kanoniker nach Worms zu ihrem Mitkanoniker, dem Bischof Dietrich von Bettendorff. Alle Bemühungen scheiterten, eine Wiederherstellung des Stiftes zu erreichen.

Gründungsgüter

Als Gründungsgüter können anhand der Quellen folgende Orte, aus dem Besitz der Zeisolf-Wolframschen Familie, genannt werden: Sinsheim mit Markt, Niedergericht, Zehnt und Zoll. Weiter Asbach, Dagelvingon, Dürrmenz, Enzberg, Insultheimer Hof, Kieselbronn, Lienzingen, Menzingen, Reichartshausen, Steinsfurt und Zaisersweiher.

Klosterkirche St. Michael

Die dem Erzengel Michael geweihte Klosterkirche des Mittelalters war eine dreischiffige Basilika mit drei Apsiden. Heute steht nur noch das Mittelschiff bis zur Vierung. In den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts wurde der bis heute erhaltene Turm als Westabschluss des südlichen Seitenschiffes erbaut. Zu dieser Zeit wurde auch der spätgotische Lettner errichtet. Die Gebäude des Stifts dienten nach 1565 als Wohnung für den Verwalters und die Kirche wurde als Scheune genutzt. Der Rhein-Neckar-Kreis ließ die Kirche 2011 für 1,5 Millionen Euro restaurieren und zu einem Kulturzentrum umbauen.[1]

Spätere Nutzung

1887 wurden die Gebäude vom Verein zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder in Baden der Evangelischen Stiftsschaffnerei (Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe) abgekauft und danach umgebaut. Am 10. November 1889 wurde das Heim eingeweiht, das für 60 Jungen Platz hatte. Ab 1921 wurde das Heim vom badischen Staat übernommen und bekam die Bezeichnung Badische Fürsorgeerziehungsanstalt. Seit 1966 war der Landeswohlfahrtsverband Baden der Träger des Hauses, das sich nun Landesjugendheim Stift Sunnisheim nannte. Im Zuge der Verwaltungsreform in Baden-Württemberg ging die Trägerschaft 2005 vom Landeswohlfahrtsverband auf den Rhein-Neckar-Kreis über.[2] Das Stift Sunnisheim wird in der Rechtsform einer gGmbH geführt.[3]

Äbte

  • Godefridus: 1092
  • Drudo: bis 1098
  • Adalgerus: 1098 bis 1133
  • Eggehardus: 1133 bis 1158
  • Wetzlo: 1158
  • Johannes: 1158 bis 1170
  • Wolframus: 1170
  • Heinricus: 1170 bis 1196
  • Cunradus: 1202, 1214
  • Wolframus: 1222
  • Waltherus: 1234, 1235
  • Wolframus: 1237
  • Vollandus: 1270, 1274
  • Dieter von Urbach: 1286
  • Conrad: 1316, 1327
  • Eberhard von Gemmingen: 1335, 1365
  • Diether von Urbach: 1380, 1395
  • Siffrit: 1403
  • Friedrich von Venningen: 1406, 1409
  • Appel von Finsterloch: 1414, 1426
  • Sifrit von Venningen: 1429, 1461
  • Burkhard von Weiler: 1467 bis 1468
  • Ulrich von Finsterloch († 29. Juni 1479): nach 1472
  • Michael von Angelloch: ab 1496 (erster Propst)

Weblinks

Literatur

  • Karl Wilhelmi: Die Auflösung des adeligen Collegiat-Stiftes Sintzheim nach den Annales Sinshemienses und meistens noch ungedruckten Pergamenten, Copial-Büchern und Acten. In: Schriften des Alterthums-Vereins für das Großherzogtum Baden zu Baden und seines Filial-Vereines der historischen Section des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte zu Donaueschingen 1 (1846) 258–313. [nicht ausgewertet]
  • Karl Wilhelmi: Geschichte der vormaligen freien adeligen Benediktiner-Abtei Sunnesheim (Dreizehnter Jahresbericht an die Mitglieder der Sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmale der Vorzeit). Sinsheim 1851. [nicht ausgewertet]
  • Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 14, 1862, S. 332
  • Friedrich Bischoff: Zur baulichen Entwicklung des Sinsheimer Stiftes. Versuch einer Bestandsaufnahme der letzten 30 Jahre. In: Kraichgau. Heimatforschung im Landkreis Sinsheim unter Berücksichtigung seiner unmittelbaren Nachbargebiete. Folge 1, 1968, hrsg. vom Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Landkreis und vom Landratsamt Sinsheim, S. 141–143
  • Friedrich Bischoff: Von der Rettungsanstalt zum Landesjugendheim Stift Sunnisheim. In: Kraichgau. Heimatforschung im Landkreis Sinsheim unter Berücksichtigung seiner unmittelbaren Nachbargebiete. Folge 2, 1970, hrsg. vom Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Landkreis und vom Landratsamt Sinsheim, S. 211–212
  • Franz Gehrig: Siegel der Abtei Sunnisheim. In: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung. Folge 4, 1974/75, hrsg. vom Heimatverein Kraichgau, S. 198–201
  • Josef Semmler: Zur Frühgeschichte des Klosters Sinsheim. In: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung. Folge 6, 1979, hrsg. vom Heimatverein Kraichgau, S. 101–111

Quellen

  1. Neues Kulturzentrum des Kreises eingeweiht
  2. Neues Kulturzentrum des Kreises eingeweiht
  3. Jugendeinrichtung Stift Sunnisheim gGmbH
49.2559848.882157

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