Südtiroler Deutsch

Südtiroler Deutsch
Typisch zweisprachige Aufschrift in Südtirol mit amtlich verordneter, aber für Deutschsprachige unverständlicher, deutscher Übersetzung.
Typisch zweisprachige Aufschrift in Südtirol mit Grammatikfehler (Kohlern bei Bozen).

Südtiroler Deutsch ist eine Varietät des Deutschen und durch Interferenzen aus dem Italienischen bzw. Sprachkontakt geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung des Landes Südtirol

Seit der Zugehörigkeit Südtirols zu Italien sind hier sowohl die Voraussetzungen zur Herausbildung einer an geographisch-politischen Grenzen festzumachenden sprachlichen Sonderentwicklung als auch faktisch konstatierbare Südtirolismen gegeben, die definitionsgemäß tatsächlich auf Südtirol beschränkt sind und in Südtirol heute vom Großteil der Sprecher als standardsprachlich angesehen werden.

Bis zum Ersten Weltkrieg war das Gebiet des heute so benannten Südtirol (italienischer Verwaltungsbegriff: Provincia Autonoma di Bolzano - Alto Adige) Teil der Grafschaft Tirol, die auch große rein italienischsprachige Gebiete umfasste (sog. Welschtirol, heute Trentino) und seit dem Tod Margaretes von Maultasch durch Personalunion der neuen Tiroler Landesherren zum Habsburgerreich gehörte. In dieser Zeit war im deutschsprachigen Tirol das Hochdeutsche in seiner österreichischen Varietät Standardsprache, während in den Ämtern Welschtirols Standarditalienisch verwendet wurde.

Durch den Vertrag von Saint-Germain kam jedoch mit dem Trentino auch das überwiegend deutschsprachige Gebiet südlich des Alpenhauptkammes bis Salurn an Italien und wurde mit diesem zu einer mehrheitlich italienischsprachigen Verwaltungseinheit Governatorato della Venezia Tridentina, ab 1921 Provincia di Venezia Tridentina (weitgehend deckungsgleich mit der heutigen Region Trentino Alto Adige) vereint.

Unter Mussolini wurde der Versuch unternommen, Südtirol zu italianisieren bzw. an die italienische Kultur zu assimilieren, d.h. Orts- und Familiennamen wurden von Ettore Tolomei durch italienische, oft frei erfundene Namen ersetzt und die Zuwanderung von Italienern aus anderen Regionen gefördert. Dadurch entstand südlich von Bozen ein ausgedehntes Gewerbegebiet (Alu-Werke) und westlich der Talfer eine italienische Neustadt mit faschistischer Architektur (Siegesdenkmal, Corso della libertà). Eine Enteignung oder Vertreibung der Tiroler Volksgruppe, die in Südtirol zahlenmäßig immer die Mehrheit stellte und wirtschaftlich durch die einträgliche Landwirtschaft abgesichert war, bzw. eine ethnische Säuberung wurde von den italienischen Faschisten nicht betrieben oder geplant. Erst Hitler stellte in einem Abkommen mit Mussolini, in dem er das deutschsprachige Gebiet Italien zusprach, eine Umsiedlung an. Im Zuge dieser Option mussten die Südtiroler 1939 zwischen einem Verbleib in einem italianisierten Südtirol, in dem der Gebrauch der deutschen Muttersprache im öffentlichen Leben nicht mehr geduldet worden wäre, oder der Aussiedlung in die später von den Nazis im Zweiten Weltkrieg besetzten Ostgebiete wählen.

Die überwältigende Mehrheit der Südtiroler stimmte zwar für die Auswanderung, doch verließ wegen der Kriegswirren nur ein kleiner Teil tatsächlich Südtirol und wurde größtenteils in Südtiroler-Wohnsiedlungen in Österreich aufgefangen. Nach dem Weltkrieg kehrten viele der sog. Optanten dank des Gruber-De-Gasperi-Abkommens wieder nach Südtirol zurück, zumal sich Italien verpflichtete, den Optanten im Geiste der Aussöhnung wieder die italienische Staatsbürgerschaft zu verleihen, ohne die den bereits ausgewanderten Südtirolern eine Rückkehr nach Südtirol verwehrt geblieben und ohne die auch der Status der bis zum Kriegsende in Südtirol verbliebenen, aber für die Auswanderung optierenden Südtiroler unsicher gewesen wäre.

Bis zum vollständigen Inkrafttreten des Autonomiestatutes prägten ethnische Spannungen und sichtbare Polizei- und Militärpräsenz weiterhin den Alltag in Südtirol (vgl. die sog. Bumser). Dank der weitreichenden Autonomie ist heute sowohl unter der deutschsprachigen Mehrheit wie auch unter der italienischsprachigen Minderheit eine hohe Akzeptanz des Status Quo anzunehmen, eine Loslösung Südtirols von Italien oder gar eine Rückkehr zu Österreich, das die SVP-Landeshauptleute immer wieder als ihr Vaterland bezeichnen, wird von keinen politischen Kräften betrieben, selbst anti-italienische Parteien fordern lediglich die Selbstbestimmung, wobei diese definitionsgemäß nicht unbedingt Eigenstaatlichkeit zu bedeuten hat.

Sprachliche Faktoren

Die Situation des Deutschen in Südtirol unterscheidet sich von jener der Nachbarländer und ähnelt in gewissem Sinne der Rolle der Mundart und dem Einfluss des Romanischen in der Schweiz:

  • fehlende Verstädterung: Der Großteil der Südtiroler lebt in Dörfern und Kleinststädten, selbst in der einzigen Großstadt, d.h. Bozen, erreicht der Anteil der deutschen Bevölkerung gerade einmal die Ausmaße einer Kleinstadt.
  • Lebendigkeit des Dialekts: In vielen Bereichen des täglichen Lebens dominiert die Mundart. An den Schulen pflegen Lehrer laut Umfragen allerdings mehr als etwa im österreichischen Bundesland Tirol die Hochsprache,[1] so dass von einer Diglossie gesprochen werden kann.
  • Distanz zur Schriftsprache: Die deutsche Standardsprache wird oft als fremd empfunden und Defizite im sprachlichen Ausdruck sogar der Gymnasiasten wurden im Auftrag der Südtiroler Landesregierung u.a. durch die Studie DESI wissenschaftlich nachgewiesen.[2]
  • Einfluss der italienischen Amtssprache: In weiten Bereichen des Alltags müssen Verwaltungsbedienstete ohne Dolmetsch-/ Übersetzungsausbildung laufend rasch italienische Texte ins Deutsche übertragen, wodurch Interferenzen unvermeidbar sind, zumal für umfangreiche Terminologie-Arbeit kaum Zeit bleibt und v.a. die vergleichbaren, in Österreich, Deutschland oder der Schweiz benutzten Ausdrücke in Südtirol unbekannt sind (vgl. deutschsprachige Texte zum Steuerrecht oder die Ausfüllhilfen zur Steuererklärung, die für Deutschsprachige ohne Kenntnis des italienischen Originals unverständlich bleiben). Viele der in aller Eile und ohne Sorgfalt geschaffenen Neologismen und Ausdrucksweisen werden mühelos in die Alltagssprache übernommen und gelten dann dank der Autorität der Behörde als richtig oder zumindest unverzichtbar. Das Italienische übt also auch im autonomen Südtirol weiterhin die Rolle eines nicht zu unterschätzenden Superstrats aus.

Interferenzen

Als typische Interferenzen aus dem Italienischen können gelten:

  • lexikalische Interferenzen: z.B. Identitätskarte (nach it. carta d'identità, vgl. Identitätskarte bzw. carte d'identité in der Schweiz) statt Personalausweis, Schulführungskraft (nach it. dirigente scolastico) statt Schulleiter (offizielle Bezeichnung in z.B. Österreich und Bayern) oder Direktor (Alltagswort für Schulleiter in Österreich und in einigen deutschen Bundesländern), Neologismen wie Stammrollenlehrer (nach it. insegnante di ruolo = verbeamteter Lehrer, zumindest mit unbefristetem Dienstvertrag), wobei hier auch von einem Sachspezifikum gesprochen werden kann. Als typisch für das Südtiroler Deutsch können jene amtssprachlichen Neologismen gelten, die durch sog. (im Amtsblatt von der Südtiroler Landesregierung veröffentlichte) Terminologische Verzeichnisse vorgeschrieben werden und sich als wortwörtliche Übersetzung verraten und nicht als Sachspezifikum gerechtfertigt erscheinen. Beispiel: In Italien fällt der Strafvollzug (Hafterleichterung, vorzeitige Entlassung usw.) in den Bereich eigener Gerichte, der sog. Tribunali di sorveglianza. Läge ein echtes Sachspezifikum vor, d.h. gäbe es keine vergleichbaren Einrichtungen in deutschsprachigen Ländern, ließe sich die wörtliche Übertragung Überwachungsgericht u.U. vertreten. In Deutschland existieren jedoch durchaus äquivalente Institutionen: die Strafvollzugskammern. Terminologisch richtig wäre also die Übersetzung des italienischen Ausdrucks mit Strafvollstreckungs- oder -vollzugskammer o.ä., zumal der Begriff Überwachungsgericht nicht nur nicht existiert und auch für Südtiroler Nicht-Juristen schlicht unverständlich ist, sondern bei Deutschsprachigen allgemein falsche Vorstellungen weckt, als entschiede ein Überwachungsgericht über Überwachungsmaßnahmen wie Abhörmaßnahmen u.dgl. In Südtirol wurden Hunderte Verwaltungsausdrücke amtlich geregelt, auch der Ausdruck Terminologisches Verzeichnis für it. Elenco terminologico ist selbst eine Interferenz.
  • semantische Interferenzen (Bedeutungsverschiebungen): didaktische Tätigkeit(en) (nach it. attività didattiche) neben dem deutschen Wort Unterricht in Wendungen wie: die Wiederholungsprüfungen müssen vor dem Beginn der didaktischen Tätigkeit abgeschlossen sein, die didaktische Tätigkeit endet Mitte Juni - die Interferenz liegt darin, dass didaktisch sich im Standarddeutschen immer auf die Didaktik, also die Wissenschaft vom Unterrichten, bezieht und nicht synonym mit Unterricht verwendet werden kann; Literat auch im Sinne von Latein-Deutschlehrer (nach it. materie letterarie); Gesuch anstelle des im Standarddeutschen allein möglichen Wortes Antrag: Gesuch impliziert im heutigen Standarddeutsch eine freie Ermessensentscheidung der Behörde oder einen Gnadenakt, wird daher nur noch in Wendungen wie Gnadengesuch benutzt - in Südtirol hingegen wird ausschließlich Gesuch benutzt, auch dann, wenn der Antragsteller einen Rechtsanspruch auf das Beantragte genießt und kein Ermessen oder Gnadenakt vorliegt: Versetzungsgesuch usw.
  • syntaktische Interferenzen: häufig begegnen Genitivattribute oder auch lange Genitivattribut-Reihen anstelle von Komposita oder Präpositionalausdrücken nach dem Vorbild der italienischen di/della/...-Ausdrücke: z.B. die Vergabe der Stellen der Zweitsprachlehrer der Grundschule statt: die Stellenvergabe für Zweitsprachenlehrer (= Deutschlehrer an italienischsprachigen Schulen) an Grundschulen. Auch die Wortbildung war im öffentlichen Bereich von Italianismen durchsetzt: mit der faschistischen Italianisierung wurden v.a. in Bozen unzählige Straßen und Plätze nach italienischen Städten benannt (via Trieste, via Venezia usw.), die nach dem Inkrafttreten der Autonomie als Trieststraße usw. wiedergegeben wurden, was der deutschen Wortbildung und dem Sprachgefühl krass widerspricht. In manchen deutschen Regionen wäre eine Adjektivableitung nötig (Beispiel: Badische Straße), in dem für Südtirol maßgeblichen süddeutschen Sprachraum wäre eine Ableitung auf -er die einzig übliche Bildung - vgl. die in Innsbruck aus politischen Gründen (zum Gedächntnis an die verlorenen Südtiroler Gebiete) umbenannten Bezeichnungen: Bozner Platz, Meraner Straße usw. In den letzten Jahren wurden jedoch in Bozen zahlreiche falsch gebildete Straßennamen nach dem -er-Muster amtlich korrigiert.
  • phraseologische/idiomatische Interferenzen: typisch Südtirolerisch ist die Verwendung der Präposition innerhalb auch mit Zeitpunkten, obwohl im Standarddeutschen innerhalb nur mit Zeitstrecken kombiniert werden kann (innerhalb zweier Tage, innerhalb von fünf Tagen), also z.B: das Gesuch (= der Antrag) muss innerhalb 31. Oktober eingereicht werden, wobei die italienische Konstruktion: entro il 31 ottobre falsch übertragen wurde.
  • phonetische Interferenzen: z.B. die Aussprache des Digraphs <<qu>> als ku̯ wie im Italienischen statt kv wie im Standarddeutschen; Lanthaler vermutet, diese erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingetretene Entwicklung gehe auf Volksschullehrerinnen zurück, die den Schülern im Schreibunterricht einschärften, qu dürfe nicht kw geschrieben werden, wobei das Italienische nur indirekt diese Ausspracheveränderung bewirkt hätte.

Daneben treten im Südtiroler Deutsch Sprachformen auf, die nicht als Interferenz erklärbar sind, sich aber dennoch aus der besonderen Situation des Südtirolerischen erklären. So wird ähnlich wie in der Schweiz schriftlich als Relativpronomen meist das in Deutschland veraltete, im Mittelalter nach lateinischem Vorbild (qui/quae/quod) eingeführte und von Duden als papierenes Deutsch bezeichnete welcher/welche/welches benutzt, das aber im gesprochenen Deutsch in Südtirol kaum verwendet wird, also keineswegs der natürlichen Ausdrucksweise entspricht. Auch werden bestimmte, als politisch korrekt erfundene, Wörter wie z.B. das in der Schweiz gängige Lehrperson (statt Lehrkraft/Lehrkörper) benutzt. Oft ist eine für Mundartsprecher bezeichnende Unsicherheit der Grund für nicht-standardsprachliche Ausdrücke wie z.B. Einreichefrist mit unüblichem Fugen-e statt Abgabetermin o.ä. Andere Erscheinungen des Südtiroler Deutschen werden von Südtirolern selbst als mundartlich empfunden und sind in der Schriftsprache nicht anzutreffen, etwa das von vielen Nordtirolern als das Südtiroler Kennwort empfundene Pronomen: sell/semm bzw. verhaucht: hell (vermutlich aus der Amtssprache: < selbiger, selbigem) statt demonstrativem der/die/das, Beispiel: sell woas i nit für: «das weiß ich nicht».

Oft überschätzt wurde die Übernahme italienischer Wörter (Sachspezifika oder praktische Kurzwörter wie targa für "Kennzeichen/KFZ-Nummerntafel") und Interjektionen (Oschtia < it. ostia; magari usw.) in die Alltagssprache, die keine tiefergehende Beeinflussung des Sprachsystems an sich vermuten lassen und oft kurzlebig sind. In Stellenanzeigen fand sich etwa oft der Ausdruck militärfrei (für it. militesente), durch den der Bewerberkreis auf Männer mit abgeleistetem Militärdienst eingeschränkt wurde, der jedoch mit Abschaffung der Wehrpflicht ebenso schnell wieder verschwunden ist. Für Südtirol, obgleich nicht für das Deutsche in Südtirol, typisch ist auch die umgekehrte Beeinflussung. Italienische Aufschriften entsprechen häufig nicht den italienisch-standardsprachlichen, im eigentlichen Italien üblichen (vgl. attendere prego im Sinne des dt. Bitte warten! statt si prega di attendere oder un attimo). Da heute viele Italiener v.a. außerhalb der Großstadt Bozen einer starken Assimilierung an die (Süd-) Tiroler, d.h. deutschsprachige Kultur in Südtirol unterliegen und ihre Kinder vielfach in deutschsprachige Schulen schicken, um ihnen sozialen Anschluss und größere Arbeits-Chancen zu sichern, ist in bestimmten Bereichen mit dem Entstehen einer regelrechten Interlanguage zu rechnen.

siehe auch

Auswahlbibliographie

  • AUFSCHNAITER, Werner von. Sprachkontaktbedingte Besonderheiten der deutschen Gesetzes- und Amtssprache in Südtirol. In: Germanistische Mitteilungen, 16 (1982), S. 83-8.
  • BAUER, Roland. Deutsch als Amtssprache in Südtirol. In: Terminologie et tradtition. Hg. W. Osterheld. S. 63-84. Luxembourg: Office des publications officielles des communautés europeénnes. 1994.
  • EGGER, Kurt. Die Vielfalt der sprachlichen Ausdrucksmittel in der Umgangssprache von Schülern in Bozen. In: Vielfalt des Deutschen. Festschrift für Werner Besch, S. 653-63. Frankfurt a.M., 1993.
  • KRAMER, Johannes. Deutsch und Italienisch in Südtirol. Heidelberg: Winter, 1981.
  • LANTHALER, Franz und Annemarie Saxalber. Die deutsche Standardsprache in Südtirol. In: Österreichisches Deutsch. Linguistische, sozialpsychologische und sprachpolitische Aspekte einer nationalen Variante des Deutschen. Hg. Rudolf Muhr, Richard Schrodt und Peter Wiesinger. S. 287-304. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 1995.
  • MOSER Hans und Oskar Putzer. Hg. Zur Situation des Deutschen in Südtirol. Sprachwissenschaftliche Beiträge zu den Fragen von Sprachnorm und Sprachkontakt. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft – Germanistische Reihe, Band 13. Innsbruck, 1982.
  • PERNSTICH, Karin. Der italienische Einfluss auf die deutsche Sprache in Südtirol, dargestellt an der Südtiroler Presse. Schriften zur deutschen Sprache in Österreich, Band 11. Wien: Braumüller, 1984.
  • RIEDMANN, Gerhard. Die Besonderheiten der deutschen Schriftsprache in Südtirol. Duden Beiträge 39. Mannheim: Bibliographisches Institut, 1972.
  • RIEDMANN, Gerhard. Bemerkungen zur deutschen Gegenwartssprache in Südtirol. In: Standardsprache und Dialekt in mehrsprachigen Gebieten Europas. Hg. P. Sture Ureland. Linguistische Arbeiten, Band 82. Tübingen, 1979.

Anmerkungen

  1. Nadia Auer und Verena Fauster (Forum Schule heute, ohne Datum, abgerufen am 22. Oktober 2011): Hochsprache und Dialekt im Unterricht
  2. DESI wurde zusammen mit der ersten regionalen Auswertung der PISA-Studie in Südtirol 2003 durchgeführt, allerdings so wie auch PISA irregulär: ein Drittel der (schlechten) Schüler wurden von vornherein von der Teilnahme ausgeschlossen und der gesamte Englisch-Testteil wurde wegen angeblicher Benachteiligung der Südtiroler Schüler, die als erste Fremdsprache Italienisch lernen, nicht durchgeführt. Das DESI-Südtirol-Ergebnis liest sich nüchtern: am Wortfeld Bahnhof scheiterten alle Schüler, kein einziger konnte beispielsweise ein Stellwerk als solches benennen. Die bundesdeutschen Testexperten sprachen mit Rücksicht auf ihre offiziellen Auftraggeber wohlwollend von item bias und ignorierten die signifikanten sprachlichen Defizite – Aufgaben, in denen Südtiroler Schüler grundsätzlich schlecht abschnitten, wurden kurzerhand vor der Auswertung ausgeschlossen. Trotz dieser schönenden Faktoren fiel das Ergebnis eindeutig aus: im Wortschatztest erreichten nur 14% der Südtiroler Gymnasiasten die höchste Leistungsgruppe, der in Deutschland fast die Hälfte (!) der Fünfzehnjährigen angehört, umgekehrt lag ein Viertel (!) der Südtiroler Gymnasiasten in der allerschlechtesten Gruppe, die in Deutschland trotz aller Migrationsprobleme nur 7% ausmacht. Siehe den Offiziellen Schlussbericht der deutschen DESI-Projektgruppe auf der Homepage des PI: http://www.schule.suedtirol.it/pi/publikation/Desi.htm. Ergebnis des Wortschatztests (22,6 gegenüber 7,6% unter schlechtester Gruppe A, 44,2 vs. 14,2% in bester Gruppe C): S. 36; Ausschluss der Berufsbildung (= 30%!!): S. 7; Item-Bias: «Brötchen» nicht gekannt, S. 12; DIF-Analysen (Differential Item Functioning), bei Wortfeld Bahnhof völlig versagt, S. 17.

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