Tommy T.C. Carlsson


Tommy T.C. Carlsson

Tommy T.C. Carlsson (* 12. Juli 1958 in Långasjö, Gemeinde Emmaboda, Schweden) ist ein schwedischer Maler des Realismus in der besonderen Ausprägung der Trompe-l’œil-Malerei. Grundlage seiner Ölgemälde und Lithografien sind die Techniken der holländischen Stillleben-Maler des 17. Jahrhunderts. Er setzt diese ein, um der gegenständlichen Malerei auf eigene Weise Ausdruck zu geben. Sein persönlicher Stil, auch als „Modern Illusion Art“ bezeichnet, ist geprägt von Objekten, deren räumliche Wirkung sie zu verselbständigen scheint. Das umfangreiche Werk von Tommy T.C. Carlsson wurde seit 1981 bereits in über achtzig Ausstellungen gezeigt.

Tommy T.C. Carlsson im Sommer 2010

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Tommy Carlsson wurde 1958 in Långasjö, Schweden, geboren. Er wuchs mit seinem Bruder in der ländlichen Umgebung Südschwedens auf. Seine Eltern betrieben einen Kaufmannsladen, dessen Verkaufsraum Tommy Carlsson heute als Atelier nutzt. Die Provinz Småland erscheint in der Gegenwart als gepflegte Agrar- und Kulturlandschaft, bekannt durch Astrid Lindgren, die berühmten Glasbläsereien mit Künstlern wie Bertil Vallien und Ulrica Hydman-Vallien[1], Holzhandwerk, aber auch IKEA, das 1943 von Ingvar Kamprad in Småland gegründet wurde. Früher war Småland ein karges, felsiges Land, dem die Menschen dem steinigen Boden das Notwendigste zum Leben abringen mussten. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderte wegen der herrschenden Armut ein Viertel der schwedischen Bevölkerung nach Amerika aus, darunter auch Vorfahren von Tommy Carlsson. In Småland fand diese Auswanderungsbewegung ihren Ursprung, beschrieben unter anderem in dem Auswanderer-Epos des schwedischen Schriftstellers Vilhelm Moberg, einer Tetralogie, die von Jan Troell mit Liv Ullmann[2] und Max von Sydow in den Hauptrollen verfilmt wurde. Musikalisch wurde dieses Thema in dem Musical "Kristina från Duvemåla" der schwedischen Musiker und ehemaligen ABBA-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus verarbeitet.

Die Umgebung und die Geschichte der Menschen dieses Landes, ihre Naturverbundenheit und ihre Fähigkeit zu harter Arbeit prägten die Malerei von Tommy Carlsson besonders in den ersten zwei Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens. Hier hat er gelernt, zu sehen und wahrzunehmen. Er stellte Objekte des ländlichen Lebens und Arbeitens in den Mittelpunkt seiner Stillleben und malte Holzgeräte, die im 19. Jahrhundert zur Bearbeitung des kargen Bodens, aber auch zum Kampf von Bauern gegen Unterdrückung gedient hatten. Bereits 1974 erhielt Tommy Carlsson seine erste Auszeichnung. 1977 begann seine künstlerische Ausbildung an der Kunstschule Öland mit den Schwerpunkten Malerei, Zeichnen, Grafik und Skulptur. Beeinflusst vom Realismus, der seine ersten Werke prägte, setzte sich Carlsson mit dem Surrealismus auseinander. Er entschied sich jedoch für eine Darstellung seiner Objekte eng an der Realität, herausgehoben durch die Wahl und Zentrierung der Gegenstände, die Brillanz ihrer künstlerischen Abbildung und die freie Hintergrundgestaltung.

Tommy Carlsson nahm an verschiedenen Kunstwettbewerben teil und erhielt Preise und Auszeichnungen sowie ein Stipendium. Seit Beginn seines Schaffens verwendet er das Kürzel „T.C.“ als Signatur. Seit 1981 ist er an Gruppenausstellungen beteiligt, seit 1983 finden eigene Ausstellungen seiner Werke statt. Eine erste Ausstellung im Ausland fand 1990 in Deutschland (Hamburg) statt, mit großem Erfolg. Weitere Ausstellungen in Hamburg schlossen sich in den Folgejahren an, jeweils mit Unterstützung des langjährigen schwedischen Generalkonsuls in Hamburg, Leif H. Sjöström[3], sowie in 2009 seitens des schwedischen Honorarkonsuls in Hamburg, Leif A. Larsson.[4] 1996 folgte Carlsson einem Ruf des American Swedish Institute[5] nach Minneapolis, U.S.A. Der Schwerpunkt seiner künstlerischen Präsentation liegt unverändert in Schweden.

1987 heiratete Tommy Carlsson Anna Ståhl. Sie haben zusammen zwei Kinder, geboren 1989 und 1995. 1999 trennten sich Tommy Carlsson und Anna. Seit einigen Jahren lebt Tommy Carlsson nicht nur in Småland, sondern zeitweise auch in Stockholm mit seiner Partnerin Larissa Stenlander, einer Künstlerin. Carlssons Atelier befindet sich unverändert in Långasjö in seinem Elternhaus, er nutzt die Ruhe der heimatlichen Umgebung, um sie als wesentliches Element in seinen Werken erlebbar zu machen. Die Dynamik Stockholms nutzt er als kreative Bereicherung und Impulsgeber für neue Motive und Gestaltungsformen.

Werk

Tommy T.C. Carlsson erhielt schon mit 16 Jahren mit dem Preis des Emmaboda Kunstvereins seine erste Auszeichnung. Die künstlerische Grundausbildung erfolgte an der Kunstschule Öland in den Gebieten Malerei, Grafik, Zeichnung und Skulptur. Von Beginn an widmete Tommy Carlsson sich der Stillleben-Malerei. Er perfektionierte seine Maltechnik auf der Grundlage des Schaffens holländischer Maler des 17. Jahrhunderts und schuf so die Basis für das Erlebnis der dreidimensionalen Wirkung seiner Ölgemälde. Dabei variierte er in den ersten Jahren die Objekte und Motive, bis sich Glasobjekte, Emaillebehältnisse, Blechgefäße, Früchte und Gemüse als Schwerpunkte herausbildeten. Diese wurden oft auf Holztischen und -stühlen, teilweise auf freiem Untergrund und vor zunehmend verschwimmenden Hintergründen präsentiert.

Carlsson experimentierte mit Licht und Schatten und wagte sich an schwierige Details wie spiegelndes Glas, reflektierendes Metall sowie Flüssigkeiten, Eidotter und deren Ausbildung in Tropfen. Gleichzeitig studierte er die Eigenschaften der von ihm verwendeten Farben, ihre Wirkung bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen und den Einfluss von Licht und Alter, um sicherzustellen, dass ein gewünschter Effekt nicht nur im Augenblick der Erschaffung des Gemäldes eintritt, sondern auch über die Zeit erhalten bleibt.

Auf Basis dieser handwerklichen Perfektion veränderte Tommy Carlsson die Motive, ließ sie nicht mehr auf Hintergründen erscheinen, sondern machte sie zu Objekten. Die Leinwand selbst mit ihrer Oberfläche und ihren Seiten wird zum Objekt, zur Holzplatte, zum Schrank, zur Tür, zum Blechkasten, zur Metallplatte. Allen haften Zeichen des Gebrauchs, quasi Spuren des Lebens an, seien es Kratzer, Schrammen, Rost, Dellen oder Fingerabdrücke. Auf diese Weise sollen Objekte lebendig werden durch die Einflüsse, die das Leben, die Benutzung und die Zeit an ihnen hinterlassen haben.

Tommy Carlssons Ziel ist es, die Phantasie des Betrachters anzuregen. Diesem bleibt es überlassen, das Bild seine Geschichte erzählen zu lassen oder selbst darin eine Geschichte zu entdecken. Die Motivwahl lässt es zu, darin Symbole zu sehen und sie in ihrer Aussage zu interpretieren. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, denn die gewollte Plastizität der Werke täuscht das Auge des Betrachters. Sie soll ihn irritieren, ihn veranlassen, andere Positionen der Inaugenscheinnahme einzunehmen, um eine vermeintliche Realität und Wahrheit zu entdecken. Carlsson überschreitet gewollt die Grenze zur Trompe-l’œil-Malerei und nimmt die historischen Traditionen auf, eine nicht vorhandene Räumlichkeit vorzutäuschen und Illusionen aufzubauen.

Neben dem deutlichen Schwerpunkt der Malerei in Öl, das als Werkstoff besondere Voraussetzungen bietet, naturalistische Wirkungen von Motiven zu ermöglichen, hat Tommy T.C. Carlsson auch verschiedene Lithografien erstellt, sämtlich nach dem Vorbild eigener Ölgemälde. Auch hier gelingt ihm die plastische, realistische Gestaltung.

Malstil

Die Ölgemälde Tommy T.C. Carlssons fügen sich in eine lange Historie realistischer, naturalistischer und illusionistischer Kunstwerke ein, die bereits im Altertum begann. In der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts wurde die Darstellung von Stillleben mit anspruchsvollsten Motiven im Mittelpunkt eines Werkes oder als Sujet einer größeren Komposition perfektioniert.[6] Tommy Carlsson hat die dieser Kunstrichtung zugrunde liegende Maltechnik mit zahlreichen übereinander liegenden Farbschichten adaptiert. Zunächst wandte er diese Technik auf Objekte an, die - ähnlich früheren Stillleben – auf Flächen arrangiert wurden. Zunehmend konzentrierte er sich auf die Objekte selbst und verzichtet nun auf Hintergründe oder macht die Wand, auf der seine Gemälde hängen, zum Hintergrund seiner Objekte. Anders als in der seit Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten Objektkunst erklärt Carlsson nicht existierende Gegenstände zum Kunstobjekt, sondern schafft mit Leinwand und Ölfarbe Gemälde, die - und deren Motive - als eigenständige Gegenstände erscheinen.

Tommy Carlsson versteht sich als moderner Vertreter der Trompe-l’œil-Malerei, die im 17. Jahrhundert mit niederländischen Gemälden einen Höhepunkt erfuhr und auch von schwedischen Künstlern aufgegriffen wurde[7][8], seitdem aber immer wieder und bis heute[9][10] die jeweils aktuelle Kunstszene belebt. Die Täuschung des Betrachters findet bei Carlsson vielfältig und auf verschiedenen Ebenen statt. Schon die Leinwand selbst wird zum Werkstoff, zum Untergrund, wandelt sich zu einem anderen, gewollten Material. Die Spuren darauf erhöhen die Täuschung, sie schaffen die Illusion des Alters und der Abnutzung. Öffnungen erscheinen real, laden ein, hinein und hindurch zu schauen. Gegenstände scheinen greifbar zu sein. Illusion und Wirklichkeit konkurrieren miteinander.

Eine besondere Rolle spielt in den Werken von Tommy T.C. Carlsson der Humor. Wie ein Humorist jedes Wort bewusst wählt, bleibt in den Gemälden von Carlsson nichts dem Zufall überlassen. Es liegt beim Betrachter, die relevanten Details zu entdecken, die Aufschrift auf dem Bleistift, die Notiz auf dem an die Holzwand angepinnten Blatt, den Tropfen am Glas, die Kombination auf dem abgerissenen Zettel am Safe.

Auszeichnungen

  • 1974: Preis des Emmaboda Kunstvereins
  • 1983: Spezialpreis im Wettbewerb “Young Artists in Sweden”
  • 1984: Stipendium der Kommune Emmaboda
  • 1988: Zweiter Preis im Wettbewerb “Vecko Revyn – Dekorima”

Ausstellungen

Gruppenausstellungen

  • Diverse Gruppenausstellungen seit 1981
  • Regelmäßige Ausstellungen in den Galerien Knud Grothe, Charlottenlund (Dänemark), Gallery Stenlander, Stockholm (Schweden) und Ekerum Art Gallery, Öland (Schweden)
  • Beteiligung an der Art Fair Stockholm (2000 bis 2005) und der Art Fair Sollentuna (Schweden, 2006 – 2008
  • Beteiligung an der Hamburg Art Week 2011

Einzelausstellungen

  • Über 50 eigene Ausstellungen seit 1983
  • Seit 2000 verschiedene Einzelausstellungen, unter anderem in den schwedischen Galerien Nykvarn (Enköping), Ur (Stockholm), S (Uppsala), Art Now (Göteborg), R (Linköping), Bergström (Båstad) und Ekerum (Öland)
  • Ausstellungen in Hamburg in den Jahren 1990, 1992, 1993, 1994, 1997, 2001 und 2009
  • 1996 Ausstellung in „The American Swedish Institute“, Minneapolis (U.S.A.)
  • Seit 2008 ART T.C. Online-Galerie, Hamburg

Rezeption

In den Werken von Tommy T.C. Carlsson treffen verschiedene Kunststile vergangener Epochen und der Gegenwart zusammen. Die Bezüge zum Realismus als einer Kunst auf der Basis sichtbarer Dinge sind unverkennbar, der Detailnaturalismus in der Darstellung wird in Carlssons Werken zum unbedingten Anspruch, was durchaus kritisch gesehen werden kann. Damit berührt Tommy Carlsson die Grenze zum Fotorealismus und in Teilen zur Pop Art und setzt Stilelemente des Hyperrealismus ein, bleibt aber eigenständig, indem er seine Werke zu selbständigen Objekten macht. Trompe-l’œil trifft seinen Stil am treffendsten und stellt sein Werk damit in eine Tradition, die bis in die Moderne reicht, wie aktuelle Ausstellungen beweisen[11][12][13]. Die symbolischen Bezüge seiner Arbeiten verbinden seine Werke mit Elementen des Symbolismus, der seinerseits in den Surrealismus mündete. Daneben stehen heute die Illusionen erzeugenden modernen Medien. So erscheint der Begriff „Modern Illusion Art“ als authentische Beschreibung des Gesamtwerks von Tommy T.C. Carlsson.

Literatur

  • Bärbel Hedinger: Täuschend echt. Illusion und Wirklichkeit in der Kunst, München 2010, ISBN 978-3-7774-2431-6
  • Astrid Lindgren: Das entschwundene Land, Hamburg 1977, ISBN 3-7891-1940-7
  • Astrid Lindgren, Margareta Strömstedt, Jan-Hugo Normann: Mein Småland, Hamburg 1988, ISBN 3-7891-6039-3
  • Mereth Lindgren, Louise Lyberg, Birgitta Sandström, Anna Greta Wahlberg: Svensk Konsthistoria, Kristianstad 2002, ISBN 91-87896-52-4
  • Vilhelm Moberg: Der Roman von den Auswanderern, Band 1: Die Auswanderer, Frankfurt am Main und Wien 1992, ISBN 3-7632-3631-7
  • Vilhelm Moberg: Der Roman von den Auswanderern, Band 2: In der Neuen Welt, Frankfurt am Main und Wien 1992, ISBN 3-7632-3632-5
  • Vilhelm Moberg: Der Roman von den Auswanderern, Band 3: Die Siedler, Frankfurt am Main und Wien 1994, ISBN 3-7632-3633-3
  • Vilhelm Moberg: Der Roman von den Auswanderern, Band 4: Der letzte Brief nach Schweden, Frankfurt am Main und Wien 1995, ISBN 3-7632-3634-1
  • Karen Sidén: LURA ÖGAT Fem seklers bländverk, Stockholm 2008, ISBN 978-91-7100-776-6
  • Martina Sitt, Hubertus Gaßner (Hrsg.): Stilleben aus fünf Jahrhunderten, München 2008, ISBN 978-3-7774-4195-5
  • Renate Trnek: Die holländischen Gemälde des 17. Jahrhunderts, Wien, Köln, Weimar, Böhlau 1992, ISBN 3-205-05408-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe http://www.ulricahydmanvallien.com/
  2. Liv Ullmann: „Szenen eines Lebens“, S. 271 und 272
  3. [1]
  4. [2]
  5. [3]
  6. z.B. als Trompe-l’oeil-Maler: Samuel van Hoogstraten, 1627-1678, in: Die holländischen Gemälde des 17. Jahrhunderts, S. 235 ff
  7. vgl. z.B. Johann Klopper, Christian Thum, in: Svensk Konsthistoria, S. 249 und 250
  8. vgl. z.B. Lars Henning Boman, Carl Hofverberg, Hindric Sebastian Sommar, Theodor Lundh, in: Lura ögat, S. 27, 28, 29, 30, 32
  9. z.B. Ylva Ogland, geb. 1974, und Philip von Schantz, 1992-1998, in: Lura ögat, S. 19, 42, 42
  10. z.B. Gerhard Richter, geb. 1932, und Thomas Demand, geb. 1964, in: Täuschend echt. Illusion und Wirklichkeit in der Kunst, S. 179, 203 und 205
  11. Ausstellung „Lura ögat“, Nationalmuseum Stockholm, 2008/2009
  12. Ausstellung „Täuschend echt. Illusion und Wirklichkeit in der Kunst“, Bucerius Kunst Forum Hamburg, 2010
  13. Ausstellung „Stilleben aus fünf Jahrhunderten“, Hamburger Kunsthalle, 2008

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