Villa Klausener


Villa Klausener

Die Villa Klausener in Aachen, erbaut 1910, beherbergte eine Seiden- und Weißwaren-Manufaktur. Später wurde das Gebäude Sitz der Rheinisch-Westfälischen Disconto-Gesellschaft AG, der Dresdner Bank und seit 2010 der Commerzbank.

Villa Klausener, 1910 erbaut
Adressbuch Eintrag, Aachen 1910.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Bauherr Eugen Klausener war 1910 Inhaber der Firma Geschwister Kremers. 1910 wurde von dem Architekten Georg Frentzen die Villa für die Seiden- und Weißwaren-Manufaktur Kremers auf dem Theaterplatz / Kapuzinergraben 12–14 in Aachen im Auftrag von Eugen Klausener erbaut. Das Gebäude geht heute durch bis in die Elisabethstraße. 1910 befand sich die Firma auf dem Kapuzinergraben 8 und Elisabethstraße 9. Die Werkstätten für angewandte Kunst waren 1910 in der Hochstraße 54.[1]

Baubeschreibung

Villa Klausener ist ein plastisch durchgeformtes Gebäude in jugendstilhaftem Barock. Das Parterre ist in roh behauenen großen Quadersteinen, den Rustika gehalten. Das zweite und dritte Obergeschoss bildet anhand Geschoss übergreifender Pilaster eine Einheit.[2]

Frentzen hat sich Eduard Linses Villa Cassalette und bei der Einfassung des Giebelreliefs Palais Suermondt zum Vorbild genommen. Die rechte Achse hat er in dem zweiten und dritten Geschoss als Risalit-Apsis ausgebaut, auf der zweiten Etage mit dreifenstrig gestalteter Apsis und auf der dritten wird die Apsis zu einer Loggia mit drei Flachreliefs in der Brüstungszone.

Portal

Es handelt sich um ein fünfachsiges Haus mit linkem seitlichem, monumentalem Portal und heute rechtem kleinerem Eingang. Überdimensionale fackelförmige Reliefsäbe flankieren dieses Portal mit neobarock eingefasstem Giebel. Der dreiseitig ausgearbeitete kapitellförmige obere Abschluss dieser Stäbe ruht auf einem Löwenkopf. Das Dekro an den Seiten bildet eine Mäanderschlaufe, die einen Fruchtzweig dekoriert. Die vordere Ansicht schmückt ein glattes Füllelement. Den Giebelschmuck bilden zwei überlebensgroße Kuroi beziehungsweise Atlanten, welche die Giebellisene tragen. Sie flankieren entsprechend Michelangelos Grabfiguren der Medici-Kapelle halb sitzend und angelehnt das Giebelzentrum, indem sich heute eine Uhr befindet. Diese wird von einem Fruchtgehänge zu Dreiviertel umgeben. Unter der Uhr bildet ein Löwenkopf den Portalkämpfer. Der Linke Kouros, Sandalen tragend, hat als Attribute links neben sich einen schweren Holzbalken mit Winde bestehend aus der Scheibe und dem Seil, als Hinweis auf einen Flaschenzug mit dem die Tuche in die Speicher befördert wurden, ein großes Kontorbuch unter seinem rechten Arm und einen Geldbeutel in seiner Rechten. Der rechte Kouros befindet sich in einem Ährenfeld. Links neben sich ist ein Mühlstein abgebildet, in seiner Linken hält er eine Sichel. Seine Unterbeine und Füße sind restauriert und unbekleidet. Beide Atlanten sind von reichem Stoffwerk umgeben. Der rechte sitzt auf einem Pelz, der linke hat Atlasgewebe als attributives Umfeld. Die Stoffe verweisen auf die Seiden- und Weißwarenmanufaktur. Worauf sich die Attribute zur Mehlgewinnung beziehen, ist unklar. Ein weiterer Handelszweig oder die Deutung von Professor Albrecht Mann für Aachen als Kornkammer Karl's des Großen sind zwei Möglichkeiten. Das Portal reicht mit dem Giebelschmuck bis in die zweite Etage, der Beletage.

Zweite Etage

Aufgrund des Giebels entfällt vor dem linken Fenster die balkonartige Steinbrüstung, der französische Balkon, mit durchbrochenen Ornamenten, welche das zweite, dritte und vierte Fenster schmückt. Zudem betont eine Fensterbekrönung dieses Geschoss und der obere Fensterabschluss zum Oberlicht hin ist bogenförmig mit einem Muscheldekor gestaltet. Dagegen ist die fünfte, rechte Fensterachse der Apsis schlicht gehalten. Auf der dritten Etage verhält es sich umgekehrt.

Reliefs

Die drei Flachreliefs der Apsis-Loggia stellen von links nach rechts einen knieenden Kouros dar, der mit seiner Rechten eine Eisenstange ergreift, die außerhalb des Reliefs den unteren Abschluss bildet. Er kniet neben einem großen Wagenrad. In der Mitte ist ein halbfiguriger Kouros zu erkennen, der einen kantigen Holzbarren auf seiner Linken geschultert hat, seine rechte Hand ist vor einem Wellenmeer dargestellt. Im Hintergrund befindet sich ein Kahnbug. Das rechte Relief zeigt einen knieenden Kouros mit einem Spaten grabend. Diese Reliefs veranschaulichen die Transportmittel Karren und Schiff sowie die Ausgrabung für den Bau dieses Handelshauses.

Wappen

Der Außenwölbung der Apsis entspricht die Innenwölbung der übrigen vier Fensterachsen. Den oberen Abschluss der dritten Etage bilden fünf Wappengehänge, die zwischen den Fenstern vom Zahngesims herabfließen und gleichsam als Pilaster-Kapitelle fungieren. Von links nach rechts sind folgende Wappen dargestellt: Das linke Wappen besteht aus drei Kronen im oberen Schildfeld und den Zeichen für Hermelin im unteren. Es folgt der normale Wappenadler, als nächstes ein im linken Profil springender bezungter Löwe mit einem langen Anker. Das vierte wird gehalten. An jeder Seite sind drei Krallen zu erkennen. Das Bild bildet ein zweiturmiger Burgeingang mit Fallgitter. Das Wappen schmückt eine gezaddelte Helmdecke. Von dem fünften sind nur noch Bruchstücke des Ornaments erhalten.

Die Apsis geht in der vierten Etage in einen schmiedeeisern geschmückten Balkon über. Dem Architekten ist eine harmonische Verteilung der Schmuckelemente dieses Bauwerks gelungen.

Restaurierung

Das Gebäude weist zahlreiche Restaurierungsspuren auf, speziell die Kämpferzone in Parterre und das vierte Geschoss. Die restaurierten Muschel-Ornamente des stilisiert geschwungenen Mäanders des Parterres verdeutlichen, dass die Vorgaben übernommen wurden. Vier überdimensionale steinerne Türklopfer bilden den Kämpferschmuck dieser Zone. Das Dachgeschoss in Mezzanin-Stil und Zwillingsfenstern wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert. Die Wiederherstellung der kriegsbeschädigten Häuser Dresdner Bank auf dem Kapuzinergraben 12-14 und der Elisabethstraße 13-15 war die Aufgabe von Hans Königs im Auftrage des Kriegsschädenamtes der Stadt Aachen.

Denkmälerverzeichnis

1977 in dem Denkmälerverzeichnis des Landeskonservator Rheinland beschrieben als: „heute 5geschossiges Bankgebäude in 5 (geplant ursprünglich in 9) Achsen; Werksteinfassade mit neubarocken Schmuckformen; oberstes Stockwerk nach 1945 stark verändert.“[3]

Innenraum

Die Glasmalereien und Treppe der Inneneinrichtung von 1910 sind noch vorhanden. Über dem Haupteingang zeigt die Glasmalerei eine ruhende Gestalt mit einem behuften Fuß und langem Schwanz vor einer Landschaft mit Wasser. Vermutlich der Teufel vor den Aachener Quellen. Auf der zweiten Etage sind drei Fenster zur Halle in opaken Weißglas mit folgenden Monogrammen und Daten: 1872–DCA-1902; 1902–DCR-1905 und 1905–DCMR-1917.

Eugen Klausener

Abstammend von der im 18. Jahrhundert aus Flirsch nach Burtscheid ausgewanderten Familie Klausener war Eugen Klausener (* 30. Oktober 1855 in Aachen] der Sohn von Friedrich Klausener und der Wilhelmine Kremers. Seine Mutter war zusammen mit einer Frau Roderburg Teilhaberin der Firma Geschwister Kremer[4]. 1858, 1868 und 1877 befand sich das „Manufactur-und Modewaaren“-Geschäft der Geschwister Kremers in der Großkölnstraße 30. Die Firma war seit spätestens 1868 Hoflieferant Ihrer Majestät der Königin Augusta von Preußen. Eugen Klauseners Bruder, der Burtscheider Bürgermeister Alfons Klausener war Prokurist der Firma Geschwister Kremers.

Eugen Klausener selbst war bis zum Ersten Weltkrieg im Aachener Tuchhandel tätig. Die Tuche wurden in England aufgewertet. Eugen Klausener wohnte um 1900 in der Kurbrunnenstraße 5, spätestens ab 1905 in der Villa Steinebrück. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er mit seiner Familie in die Neustraße 23. Familie Eugen Klausener war mit Familie Ferdinand Joseph Laaf befreundet. Eugen Klausener hatte vier Kinder: Maria (verheiratete Gastner in Wien), Fritz (gefallen im Ersten Weltkrieg), Vera (* 1896)[5] und Stephani verheiratet mit dem Augenarzt Dr. Stute vom Gut Hasselholz.

Für Eduard Philipp Arnolds Buch Das Altaachener Wohnhaus stellte Eugen Klausener dem Verfasser seine Couven-Sammlung über Johann Joseph Couven und Jakob Couven zur Verfügung. Zu dieser Sammlung gehört ein Pagodenplan von Johann Joseph Couven. Das einzige Resultat der Chinoiserie-Mode Strömung in Aachen.[6] Eugen Klausener verstarb nach 1936.[7]

Literatur

  • Rosa-Marita Schrouff: Das Porträt von Henry Lamberz. epubli, Berlin 2011.

Einzelnachweise

  1. Seit spätestens 1899 war die Firma auf dem Kapuzinergraben 8. Adressbuch Aachen. 1899; 1910.
  2. Albrecht Mann: Unser Aachen heute. Aachens Architektur im Stilwandel des 20. Jahrhunderts. Helios, Aachen / Belgien 1998, S. 18; s.a. Nekrolog Georg Frentzen von Prof. Dr. Max Schmid-Burgk in: Echo der Gegenwart vom 5. Januar 1924, Nr. 4, 1. Blatt, Katalog von Joseph Lambertz.
  3. „Landeskonservator Rheinland. Denkmälerverzeichnis. 1.1 Aachen Innenstadt mit Frankenberger Viertel.“ Unter Mitwirkung von Hans Königs, bearb. v. Volker Osteneck. Rheinland Verlag Köln, 1977, S.28.
  4. Adressbuch Aachen der betr. Jahre.
  5. Vera Klausener wohnte 1949 in Aachen Yorkstr. 18. Sie verstarb im Lourdesheim. Adressbuch Aachen. 1949
  6. Aachener Beiträge für Baugeschichte und Heimatkunst Im Auftrage des wissenschaftlichen Ausschusses des Aachener Geschichtsvereins herausgegeben Archivdirektor Albert Huyskens, außerordentlicher Professor der Technischen Hochschule Aachen. Heft 2 Das Altaachener Wohnhaus von Professor E. Ph. Arnold, Studienrat der Staatlichen Baugewerkschule Aachen, Architekt B.D.A. Aachener Geschichtsverein, Aachen 1930, S.III, 244; Die Zeichnungen befanden sich auf dem Dachboden Neustraße 139 zus.mit Burtscheider Archivalien. Eugen Klausener ermöglichte der Stadt Aachen den Ankauf des Konvoluts. ZAGV, 21, 1899, S.262; Anke Kappler: Johann Jospeh Couven (1701-1763) Architekturentwürfe für Stadt, Adel und Kirche. Landschaftsverband Rheinland Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2009, S.44, Anm.168.
  7. 1936 wohnte Eugen Klausener als Rentner in der Neustraße 23. – Adressbuch Aachen 1936.
50.7734066.095633

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