Christopher Hitchens


Christopher Hitchens
Christopher Hitchens am 20. Januar 2007

Christopher Eric Hitchens (* 13. April 1949 in Portsmouth, England) ist ein US-amerikanischer[1] Autor, Publizist und Literaturkritiker britischer Herkunft.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Christopher Hitchens' Vater war Offizier der Royal Navy, seine Mutter war Mitglied beim Women's Royal Naval Service. Der Beruf des Vaters brachte es mit sich, dass Hitchens seine frühe Kindheit an verschiedenen Orten verbrachte, darunter Malta und Rosyth. Seine Mutter legte Wert auf eine Ausbildung, die ihrem Sohn den Zugang zur Oberschicht ermöglichen sollte. Daher besuchte er auf ihr Drängen schon früh ein Internat und schließlich die Ley School in Cambridge. 1967 schrieb er sich in das Balliol College in Oxford ein. Dort begann er sich in der politischen Linken zu engagieren, knüpfte jedoch Verbindungen zu Personen aus dem gesamten politischen Spektrum. 1970 schloss er sein Studium mit einem Bachelor in Philosophie, Politik und Wirtschaft ab und zog anschließend nach London, wo er für The Times Higher Education Supplement schrieb. Später arbeitete er für den New Statesman, den Daily Express und den Evening Standard. Nach einem Aufenthalt in New York zog er 1982 nach Washington, D.C.. Dort schrieb er eine Kolumne für die Zeitschrift The Nation.[2] Momentan schreibt Hitchens Kolumnen für Vanity Fair und für das Online-Magazin Slate.

Anfang Juni 2010 veröffentlichte Hitchens seine Memoiren.[3] Ende Juni 2010 wurde bei Hitchens ein Speiseröhrenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.[4]

Religion

Hitchens ist ein prominenter Vertreter des Atheismus und Antitheismus.

In seinem 2007 erschienenen Buch Der Herr ist kein Hirte. Wie Religion die Welt vergiftet fordert Hitchens die Befreiung von der „geistigen Sklaverei der Religion“. Der Glaube an einen Gott oder Götter steht für ihn auf tönernen Füßen. Für ihn ist die Religion unter anderem „gewaltsam, irrational, intolerant“, eine Mischung aus „Tribalismus und Bigotterie“ sowie feindselig gegen die Freiheit der Wissenschaft. Er vertritt in diesem Buch vier Hauptthesen, nämlich dass Religionen

  • in ihren Schöpfungsgeschichten über die Menschen und das Universum deren Ursprünge nachweislich verkehrt wiedergeben würden,
  • ein besonders stark ausgeprägt devotes Verhalten mit ebenso stark ausgeprägter Selbstbezogenheit paarten,
  • der Grund für riskante sexuelle Unterdrückung seien (vergleiche z. B. Genitalverstümmelung oder Kondomverbot trotz Aids),
  • auf Wunschdenken basierten.

Hitchens betrachtet die in Teilen der religiösen Rechten sich ausbreitende Skepsis gegenüber der Darwinschen Evolutionstheorie mit Argwohn. Er richtet sich vehement gegen die Versuche der Kreationisten, ihre pseudowissenschaftlichen Thesen im Biologieunterricht der öffentlichen Schulen zu etablieren.[5]

Bei einem Vortrag in der London Westminster Hall am 27. März 2007 lobte er den Atheisten Richard Dawkins und sagte, es sei gut, dass mit ihm zumindest ein „Extremist“ in puncto Atheismus anwesend sei. Während eines Vortrags in der Universität von Toronto am 15. November 2006 sagte Hitchens, man solle Religion der Lächerlichkeit preisgeben und ihr mit „Hass und Spott“ begegnen.[6]

Immer wieder erregte er Aufsehen mit scharfen Angriffen gegen Personen des religiösen Lebens. So bezeichnete er die katholische Ordensschwester Mutter Teresa in einem Zeitungsartikel als „Ghul von Kalkutta“. Er warf ihr Missionierungsbestreben und eine Verherrlichung des Leids vor. So habe sie in ihren Hospitälern den Einsatz von Schmerzmitteln untersagt, weil sie gemeint habe, die Patienten seien umso näher beim christlichen Gott, je mehr sie leiden.

Distanz von der Linken und Bewertung des Terrorismus

Hitchens, ein ehemaliger Trotzkist[7] und Kolumnist der linken Zeitschrift The Nation, hatte mit seinen investigativen Recherchen lange Zeit Beifall aus dem Lager der Linken erhalten, u.a. für sein 2001 veröffentlichtes Buch über den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, den er scharf kritisierte wegen dessen Mitverantwortung für die CIA-Aktivitäten in Chile, die sinnlose Ausdehnung des Vietnamkrieges und die Rolle der USA beim Völkermord in Osttimor. Hitchens begann sich jedoch allmählich von den Positionen der Linken zu distanzieren, besonders nachdem die Fatwa gegen seinen langjährigen Freund Salman Rushdie verhängt worden war. Nach dem 11. September verstärkte Hitchens seine Kritik an der Linken und stellte sich zur Überraschung seiner früheren Mitstreiter auf die Seite der Neokonservativen.[8][9]

Ein Grund für diesen Gesinnungswandel waren die Erklärungsversuche vieler Linker für den islamistischen Terrorismus. Hitchens übte scharfe Kritik an Versuchen, die Terroranschläge als Reaktion auf einen „strukturellen Imperialismus“ der USA zu deuten. Die Attentäter des 11. September seien vielmehr „Faschisten mit einem islamischen Gesicht[10]; dies dürfe nicht durch globalisierungskritische Formeln vergessen werden, in welchen die Täter zu Opfern stilisiert würden. Die Neue Linke habe als Ausdruck der Postmoderne einen relativistischen Charakter angenommen. The Nation verließ Hitchens im Streit, nachdem er Redakteuren und Lesern vorgeworfen hatte, den damaligen US-Justizminister John Ashcroft für eine größere Gefahr zu halten als Osama bin Laden.[11] Allerdings hat er seitdem immer wieder betont, dass sich seine Ansichten seitdem nicht wesentlich verändert haben. Vielmehr sieht er die Unterstützung des Irak-Kriegs gerade als zwingende Konsequenz aus seiner religionskritischen Haltung und seinem Bekenntnis zu einem „säkularen Humanismus“.

Im Internet-Magazin Slate erklärte Hitchens am 30. Mai 2011, das Versagen des Westens den serbischen Verbrechen während des Bosnien-Krieges entgegenzutreten, habe die „Gemetzel" verlängert. Selbst nach Dayton habe man Milosevic hinsichtlich des Kosovo Konzessionen angeboten, bis der Plan der ethnischen Säuberung der Albaner aus Kosovo und Mazedonien schließlich scheiterte. Hitchens verglich Mladic mit Demjanuk; anders als jener sei Mladic aber kein Befehlsempfänger, sondern der Organisator der Verbrechen gewesen.[12]

Haltung zum Irak-Krieg

Hitchens unterstützte den zweiten Irak-Krieg der USA. Er hielt ihn für gerechtfertigt, um die Werte des Säkularismus, des Feminismus und der liberalen Demokratie zu verteidigen. Er sah den Krieg als Konflikt zwischen säkularer Demokratie und „theokratischem Faschismus“ (bzw. „Faschismus mit einem islamischen Gesicht“). Deshalb wird er oft auch als „liberaler Falke“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang ist auch seine heftige Kritik an Michael Moore und dessen Film Fahrenheit 9/11 [13] zu sehen. Auch acht Jahre nach Kriegsbeginn behält Hitchens seine Meinung über den Krieg bei.[14][15] Dennoch wirft er der Bush-Regierung eine nachlässige Führung und Instrumentalisierung des Irak-Einsatzes vor und spricht sich für eine gerichtliche Verfolgung der Verantwortlichen aus.[16]

Weitere Tätigkeiten

Hitchens tritt oft in Talkshows auf und lieferte sich teilweise hitzige Debatten in Wort und Schrift mit so unterschiedlichen Vertretern des politischen Lebens wie Noam Chomsky, Charlton Heston, Norman Finkelstein, Al Sharpton, George Galloway und seinem jüngeren Bruder Peter Hitchens, der ebenfalls ein bekannter Publizist ist. Größere Aufmerksamkeit erlangte ein TV-Auftritt von Hitchens in der TV-Show Hannity&Colmes des konservativen Privatsenders Fox News Channel, in dem er heftig mit einem der beiden Moderatoren, Sean Hannity, aneinandergeriet. Anlass des Wortgefechts waren harte und zum Teil spöttische Kommentare von Hitchens über den am Vortag verstorbenen amerikanischen Fernsehprediger Jerry Falwell.[17] Aufsehen erregte Hitchens auch mit einem Selbstversuch, bei dem er sich (als Irakkriegsbefürworter) freiwillig dem so genannten Waterboarding unterzog. Diese Verhörpraktik geißelte er im Anschluss als Folter und widerspricht damit Darstellungen der Bush-Regierung.[18] Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2008 unterstützte er Barack Obama gegen John McCain.[19]

Zu Hitchens persönlichen Freunden und Weggefährten zählen unter anderem der Neokonservative Paul Wolfowitz und der irakische Politiker Ahmad Tschalabi. Hitchens ist auch ein Ehrenmitglied der National Secular Society, des wichtigsten Verbands der britischen Atheisten.[20]

Werke (Auswahl)

Hitchens hat über zwanzig Bücher als Einzelautor und weitere als Co-Autor veröffentlicht. Davon sind auf Deutsch erschienen:

Weblinks

 Commons: Christopher Hitchens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. "God Is Not Great" Christopher Hitchens talks about religion, politics, and becoming an American
  2. Christopher Hitchens in der Online-Version der Encyclopædia Britannica
  3. Christopher Hitchens: Hitch-22: A Memoir, Twelve 2010.
  4. Topic of Cancer
  5. Richard Gebhardt: Satanische Verse in God's own Country In: Jungle World, 26. Juli 2007
  6. http://richarddawkins.net/article,731,Free-Speech,Christopher-Hitchens
  7. Christopher Hitchens: George Galloway Is Gruesome, Not Gorgeous In: Slate, 13. September 2005: "He says that I am an ex-Trotskyist (true)"
  8. Interview mit Christopher Hitchens In: The Independent, 22. September 2004
  9. Christopher Hitchens: The End of Fukuyama In: Slate, 1. März 2006
  10. Christopher Hitchens: Defending Islamofascism In: Slate, 22. Oktober 2007
  11. Christopher Hitchens: Taking Sides In: The Nation, 26. September 2002
  12. Mladic the Monster. Our failure to respond to the Serbian atrocities prolonged the slaughter.
  13. Christopher Hitchens: Unfairenheit 9/11 In: Slate, 21. Juni 2004
  14. Christopher Hitchens: Did I get the Iraq war wrong? No, theaustralian.com, 20. März 2008
  15. Christopher Hitchens: The Iraq Effect, slate.com, 28. März 2011
  16. Noch eine zweite Flasche, Spiegel Online, 10. Oktober 2011
  17. Hitchens bei "Hannity&Colmes"
  18. Christopher Hitchens: Believe Me, It’s Torture In: Vanity Fair, August 2008
  19. Christopher Hitchens: Vote for Obama In: Slate, 13. Oktober 2008
  20. National Secular Society: Our Honorary Associates

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