Will Hay

Will Hay

William „Will“ Thomson Hay (* 6. Dezember 1888 in Stockton-on-Tees; † 18. April 1949 in London) war ein britischer Schauspieler, Bühnenkomiker, Gelegenheitsregisseur, Pilot und Astronom, ein überaus populärer Varieté- und Unterhaltungskünstler der Vorkriegszeit mit kurzzeitiger Starkarriere beim Film der 30er und frühen 40er Jahre.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken als Entertainer

Hay wuchs in London und im Großraum Manchester auf und erhielt, ganz in der Familientradition, eine Ausbildung im Ingenieurswesen. Nebenbei erlernte er auf Wunsch des Vaters ein Instrument (Hay wählte die Geige), mit dem er auf Partys und im Rahmen von Privatkonzerten aufspielte. Sein erstes Geld verdiente Hay als Buchhalter und, die Tradition des Vaters aufgreifend, im Bereich Maschinenbau.

Schließlich entdeckte er sein Talent für kleine Showeinlagen und humoristische Geschichten und debütierte 1909 mit einem Lehrersketch auf der Bühne. Seine Auftritte als Lehrer - eine seiner Schwestern war Lehrerin in Schottland und pflegte die Familie mit witzigen Anekdoten aus dem Schulalltag zu amüsieren - sollten sowohl auf der Bühne (Music Halls) als später auch im Film die größten Lacher erzielen. Hay tingelte in den Folgejahrzehnten mit zum Teil skurrilen Bühnentruppen durch die Lande, darunter eine schwarze Minstrelshow und auch die Formation von Fred Karno (einem frühen Förderer Charlie Chaplins). Als Music Hall-Größe etabliert, führten ihn Tourneen rund um die Welt (1923/24) sowie 1927 in die USA und 1928/29 nach Südafrika. Sein Publikum bestand aus Buren (in Südafrika) und Schäfern (in Australien), Maoris (in Neuseeland), Trappern (in Kanada) und Cowboys (in den USA).[1]

Hay stieß erst spät zum Film. Seine Komödien, in denen er häufig giftige Unsympathen, fiese Katzbuckler und autoritäre Wichtigtuer aber auch immer wieder leicht vertrottelte Allerweltsbriten verkörperte, wurden anfänglich meist von Walter C. Mycroft oder Michael Balcon produziert und ab 1936 überwiegend von Marcel Varnel inszeniert. Seine im Januar 1937 angelaufene Komödie Good Morning, Boys wurde der kommerziell erfolgreichste Film des Jahres 1937. Erzählt wird dort die Geschichte vom Lehrer Dr. Twist, der während einer Reise nach Paris zusammen mit sieben seiner Schüler - einer von ihnen, ein Klassenarbeitsschummler, wurde von Hays tatsächlichem Sohn Will Hay jr. verkörpert - die Mona Lisa vor einem falschen achten Schüler rettet, der sich als entflohener Strafgefangener entpuppt. Die letzten drei Filmlustspiele Anfang der 40er Jahre, in denen er jeweils die Hauptrolle übernommen hatte, inszenierte er zusammen mit dem Regie-Neuling Basil Dearden. Mit der schwarzen Komödie My Learned Friend, von Kritikern bisweilen als sein bester Film bezeichnet, beendete er seine nur zehn Jahre währende Karriere vor der Kamera.

1942 meldete sich Will Hay zur Marine (Royal Navy Volunteer Reserve, wo er den Rang eines Sub-Lieutenant bekleidete); dies bedeutete zugleich das Ende seiner Filmkarriere. Er blieb aber dem Rundfunk verbunden. Seit dem August 1944 wurde wöchentlich ein halbstündiges Will Hay-Programm live aus dem Paris Cinema beim Piccadilly Circus übertragen.

An Krebs erkrankt, zog er sich schließlich ins Privatleben zurück. Seit seinem Schlaganfall im Jahre 1947 war Hay gelähmt und konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben.

Andere Aktivitäten

Der begeisterte Freizeitastronom errichtete ein eigenes Observatorium und verfasste 1935 ein für Laien leicht lesbares Buch unter dem Titel ‘Through My Telescope’. Hay machte sich auch einen Namen als Hobbypilot. Bereits im Jahre 1910 besaß er ein (selbstgefertigtes) Segelflugzeug. Später nahm er an diversen Flugwettbewerben teil, den Sieg des King’s Cup von 1928 verpasste er nur knapp. Seine Kenntnisse in Astronomie und Fliegerei konnte er in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs als Lehrkraft (Astronomie und Navigation) beim britischen Sea Cadet Corps anwenden.

Hay galt auch als Sprachkünstler. Neben Englisch sprach er gleichfalls Deutsch, Italienisch, Französisch, Latein, Norwegisch und Afrikaans fließend.

Filmografie

  • 1933: Know Your Apples (Kurzfilm)
  • 1934: Those Were the Days
  • 1934: Radio Parade of 1935
  • 1934: Dandy Dick (auch Drehbuchmitarbeit)
  • 1935: Boys Will be Boys (auch Drehbuchmitarbeit)
  • 1936: Where There’s a Will (auch Drehbuchmitarbeit)
  • 1936: Windbag the Sailor
  • 1936: Good Morning, Boys
  • 1937: Otto, zieh die Bremse an (Oh, Mr. Porter)
  • 1938: Convict 99
  • 1938: Hey Hey USA
  • 1938: Old Bones of the River
  • 1939: Ask a Policeman
  • 1939: Where’s That Fire?
  • 1940: The Ghost of St. Michael’s
  • 1941: The Black Sheep of Whitehall (auch Co-Regie)
  • 1941: Die Blockade (The Big Blockade)
  • 1942: The Goose Steps Out (auch Co-Regie)
  • 1943: My Learned Friend (auch Co-Regie)

Anmerkung

  1. Boy's Cinema Annual 1938, S. 22

Literatur

  • Boy's Cinema Annual 1938, Issued from The Fleetway House, Farringdon Street, London, E.C.4. S. 21-24

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