Cicero-Affäre

Cicero-Affäre

Cicero ist ein in Deutschland monatlich erscheinendes politisches Magazin.

Cicero
Bild:Cicero Logo weiss.png
Beschreibung politisches Magazin
Verlag Ringier Publishing
Erstausgabe April 2004
Erscheinungsweise monatlich
Auflage
(IVW Q4/2008)
77.567 Exemplare
Chefredakteur Wolfram Weimer
Weblink www.cicero.de
ISSN 1613-4826

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Frühjahr 2004 wurde vom Journalisten Wolfram Weimer ein „Magazin für politische Kultur“ mit dem Ziel gegründet, ein Pendant in deutscher Sprache zu den großen US-Magazinen „The New Yorker“ und „The Atlantic Monthly“ zu etablieren. Cicero sollte zugleich das erste Politikmagazin aus Berlin werden. Finanziert wurde das Projekt vom Ringier-Verlag, der in der Schweiz die Boulevard-Zeitung Blick herausgibt.

Obwohl sich in Deutschland seit der Gründung des Nachrichtenmagazins Focus kein neues politisches Blatt auf dem Zeitschriftenmarkt mehr halten konnte und mit TransAtlantik ein ähnlich gelagerter Versuch in den 1980er Jahren schon einmal gescheitert war, hatte Cicero im zweiten Quartal 2007 eine verkaufte Auflage von 72.899 Exemplaren erreicht.[1]

Der Name des Magazins bezieht sich auf den römischen Schriftsteller und Politiker Marcus Tullius Cicero.

Politische Orientierung

Soweit sich im breiten Spektrum der veröffentlichten Autoren eine politische Linie erkennen lassen kann, ist Cicero in seiner Gesamtheit als wertkonservativ und wirtschaftsliberal einzuordnen. In der Debatte über die globale Erwärmung hat der Cicero, dessen Chefredakteur die Ergebnisse des Weltklimarats anzweifelt,[2] zahlreiche Klimawandel-Skeptiker zu Wort kommen lassen,[3] aber keinen einzigen Klimaforscher.

Neben bekannten Gastautoren (die Titelgeschichte der Erstausgabe verfasste der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, in der zweiten Ausgabe stammte sie von Martin Walser) arbeitet ein fester Kreis von Journalisten regelmäßig für das Blatt, darunter Maxim Biller, Wolfram Eilenberger, Wladimir Kaminer und Klaus Harpprecht. Herausgeber und Chefredakteur von Cicero ist Wolfram Weimer. Eine Zeit lang gab es eine Kolumne des deutschen Oscar-Gewinners Florian Henckel von Donnersmarck.

Durchsuchung (Ciceroaffäre)

Im September 2005 ließ die Staatsanwaltschaft Potsdam die Redaktionsräume des Magazins durchsuchen. Anlass war der Artikel „Der gefährlichste Mann der Welt“[4] im April-Heft, in dem der Journalist Bruno Schirra den jordanischen Terroristen Abu Musab az-Zarqawi porträtiert hatte und dabei Informationen aus vertraulichen Akten des Bundeskriminalamtes zitierte. Es handelte sich um einen ausführlichen Auswertungsbericht vom 6. September 2004 mit 125 Seiten und 392 Fußnoten. Die deutsche Presse kritisierte die Durchsuchung als Angriff auf den unabhängigen Journalismus, wobei Parallelen zur Spiegel-Affäre von 1962 gezogen wurden. Cicero-Chefredakteur Weimer und Schirra wurde Beihilfe zum Geheimnisverrat vorgeworfen. FDP, Die Grünen und PDS erwogen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu. Im Oktober 2005 fand darum eine Sondersitzung des Bundestagsinnenausschusses statt, bei der der politisch verantwortliche Bundesinnenminister Otto Schily in nicht-öffentlicher Sitzung zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung beziehen sollte, die wegen Verdachts des Geheimnisverrates initiierte Durchsuchung bei Cicero sei unverhältnismäßig gewesen.

Am 21. und 22. November 2006 verhandelte der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichtes in der Angelegenheit und urteilte am 27. Februar 2007, die Durchsuchung habe einen erheblichen Eingriff in die Pressefreiheit dargestellt. Sie sei daher verfassungswidrig gewesen (Cicero-Urteil, Az: 1 BvR 538/06). Dem Urteil zufolge reicht der bloße Verdacht nicht aus, dass ein Journalist Beihilfe zum Geheimnisverrat geleistet haben könnte, um die Räume einer Redaktion zu durchsuchen. Für einen solchen Eingriff in die Pressefreiheit müssten vielmehr konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass ein Geheimnisträger die Veröffentlichung geschützter Informationen bewirken wollte. Erst dann könne ein Journalist wegen Beihilfe verfolgt werden. Zudem seien Durchsuchungen dann unzulässig, wenn sie allein dazu dienten, die Identität eines Informanten zu ermitteln; dies sei bei Cicero der Fall gewesen. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts wurde von Kommentatoren als wichtiger Beitrag zum Schutz der Pressefreiheit in Deutschland gewertet. Von anderen Kommentatoren wurde jedoch auch Kritik an dieser Sichtweise geübt.[5]

Die Vorgänge erfuhren in den Medien breite Aufmerksamkeit als Ciceroaffäre.

Design

Der Cicero versucht, sich mit seinem literarischen Design von bunten Layouts mit Service- und Entertainmentcharakter abzusetzen, um Orientierung und Nachhaltigkeit zu vermitteln. An Kunst auf dem Cover und ein langes Editorial, das den Autoren gewidmet ist, schließen sich die vier Ressorts „Weltbühne“ (Außenpolitik), „Berliner Republik“ (Innenpolitik), „Kapital“ (Wirtschaft) und „Salon“ (Gesellschaft, Kultur) an. Das Magazin verwendet einen Rotton als Hausfarbe und großformatige, meist schwarz-weiß gedruckte Fotos und Karikaturen.

In regelmäßigen Abständen versucht Cicero außerdem durch Änderungen an speziellen Ausgaben Aufsehen zu erregen:

  • 2006 erschien eine Cicero-Nummer, bei der jeder einzelnen Ausgabe ein Gratis-Bestellschein beigelegt war, mit dem man einen zweiten Teil der Ausgabe bestellen konnte. Dadurch bestand diese Nummer aus zwei Heften, von denen man aber nur eines im Laden kaufen musste und konnte.
  • 2007 erschien eine Cicero-Auflage mit lauter individuellen Covern.
  • 2008/2009 erschien eine Cicero-Auflage in doppelter Größe (ca. 28 x 40 cm). Wie die doppelt-Ausgabe von 2006 wurde auch die „XXL-Ausgabe“ zum üblichen Preis verkauft.

Einzelnachweise

  1. Meldung bei Cicero.de
  2. Wolfram Weimer: Achtung, Achtung!, Cicero, März 2007
  3. Bruno Schirra: Der gefährlichste Mann der Welt, Cicero, April 2005, S. 24
  4. Robert Leicht: Es gibt keinen Fall »Cicero«, Die Zeit, 6. Oktober 2005

Weblinks


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