Circe


Circe
Circe Offering the Cup to Odysseus, Gemälde von John William Waterhouse
Circe, Skulptur von Charles Gumery im Louvre

Kirke, Circe oder äußerst selten Zirze, ist eine Zauberin der griechischen Mythologie. Sie ist die Tochter des Sonnengottes Helios und der Okeanide Perse und die Schwester des Königs Aietes von Kolchis und der Pasiphaë. Medeia ist ihre Nichte.

Inhaltsverzeichnis

Kirke als mythische Figur

Kirke lebt auf der mit Erlen bewachsenen Insel Aiaia (übers.: „Klagen“) und sitzt dort auf einem von den Göttern geschaffenen Webstuhl. Alle Besucher der Insel verwandelt sie in Tiere, so dass dort unter anderem Löwen und Wölfe wohnen, die die Neuankömmlinge allerdings umschmeicheln – und damit selbst schon einen Hinweis auf die Gefährlichkeit der Verführungskünste Kirkes geben.

In der Odyssee – im Werk selbst wird sie von Homer als theá, also als Göttin, bezeichnet – wird im 10. Gesang von ihrer Beziehung zu Odysseus erzählt. Der Held „landet“ auf seiner Irrfahrt bei ihr, und sie verzaubert seine Gefährten mit Ausnahme des Eurylochos, der die Gefahr ahnt, in Schweine und hält den Helden selbst auf der Insel gefangen, vermutlich, weil sie nicht nur eine kleine Zauberin, sondern auch hässlich ist. Um gegen ihre Kunst gefeit zu sein, erhält Odysseus von Hermes das Kraut Moly und den Hinweis, Kirke schwören zu lassen, ihm nichts anzutun. Odysseus bleibt ein Jahr bei Kirke und erhält vor seiner Weiterreise von ihr wichtige Unterstützung für seine Heimkehr, indem sie ihm den Weg ins Reich des Hades weist, wo er die Toten befragen kann. Ebenso zeigt sie ihm die Möglichkeit auf, wie er dem Gesang der Sirenen unversehrt entkommen kann.

Nach einer anderen Erzählung der Italiker wird sie durch Odysseus die Mutter dreier Söhne: des Telegonos, des Agrios und des Latinus - wobei manche allerdings meinen, dass Latinus der Sohn der Kalypso und nicht der der Kirke war. Als Telegonos erwachsen war, schickte Kirke ihn, Odysseus zu suchen, der zu dieser Zeit schon nach Ithaka zurückgekehrt war. Bei seiner Ankunft begann Telegonos damit, die Insel zu plündern, in der Annahme, dass es sich um Kerkyra (Korfu) handele. Odysseus und Telemachos verteidigten ihre Stadt, wobei Telegonos unglücklicherweise seinen Vater mit dem Dorn eines Stachelrochens tötete. Er brachte den Körper nach Aiaia zurück und nahm Penelope, Odysseus Witwe, und Telemachos mit sich. Kirke machte sie unsterblich und heiratete Telemachos, während Telegonos Penelope zur Frau nahm, durch die er der Vater des Italus wurde.

Diese Geschichte wird in der Telegonie erzählt, einem frühgriechischen Epos, das lediglich in einer Zusammenfassung erhalten geblieben ist. Das Epos ist eine Fortsetzung der Odyssee und Eugamon (oder Eugammon) von Kyrene gewidmet. Varianten der Geschichte sind bei späteren Dichtern zu finden: als Tragödie Odysseus Akanthoplex von Sophokles (die ebenfalls verloren ist), in der Odysseus durch ein Orakel erfährt, dass er dazu verdammt sei, von seinem Sohn getötet zu werden. Er nimmt an, Telemachos sei gemeint, den er sofort auf eine nahegelegene Insel verbannt. Als Telegonos nach Ithaka kommt und sich dem Haus des Odysseus nähert, erlauben ihm die Wachen nicht, seinen Vater zu sehen; Odysseus kommt zu dem entstehenden Tumult hinzu, denkt Telemachos komme, und greift an. Im folgenden Kampf wird er von Telegonos getötet. Als Kirke dies erfährt, wirft sie Telegonos der Wildsau zum Fraß vor.

Auch die Argonauten landeten auf ihrer Rückkehr von der Eroberung des goldenen Vlieses an Kirkes Insel. Es wird aber auch erzählt, dass nur Iason und Medea auf Geheiß des Zeus zu Kirke gegangen seien, um sich für den Mord an Apsyrtos von ihrer Blutschuld reinigen zu lassen. Dies tat Kirke nur widerwillig und jagte sie dann davon.

Den Picus, der ihre Liebe verschmäht, verwandelte sie laut Ovids Metamorphosen (XIV,6) in einen Specht, und die Skylla erhielt ihre abscheuliche Gestalt, weil Glaukos Kirkes Hilfe zu ihrer Eroberung gesucht, diese sich aber selber in ihn verliebt hatte, so dass Skylla ihr im Wege gewesen war.

Wie bei allen Orten der Odyssee sind für Kirkes Insel zahlreiche hypothetische Lokalisierungen vorgeschlagen worden.

Bildende Kunst und Oper

In der bildenden Kunst finden sich zahlreiche Gestaltungen zu dem Kirke-Bild. Besonders herausragend auf griechischen Vasenbildern ist Kirke dargestellt, aber auch insbesondere die von mystischen Frauenbildern begeisterte Zeit um 1900 hat interessante Bilder zu Kirke erfunden. Hier sind u.a. zu nennen die Kirke - Bilder von Franz von Stuck, John William Waterhouse, Dante Gabriel Rossetti und Edward Burne-Jones. Es gibt mehrere Opern mit dem Kirke-Stoff. Nicht zuletzt uebersetzte Goethe eine anonymes italienisches Libretto (Musik von Pasquale Anfossi).

Wortableitung

Vom Wort Circe leitet sich der Begriff, jemanden „bezirzen“ (veraltende Schreibung „becircen“) – also bezaubern, mit Charme umgarnen, einwickeln – ab.

Sonstiges

In der Biochemie spricht man vom „Circe-Effekt“, wenn ein Enzym (elektrostatische) Anziehungskräfte nutzt, um das Substrat der Reaktion zur aktiven Tasche des Enzyms zu dirigieren.

In der Botanik wird die Gattung der Hexenkräuter in Ahnlehnung an Circe "Circaea" genannt.

Literatur

  • Michael Grant/John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten, München (dtv) 1980. ISBN 3-423-32508-9
  • Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen. Die Götter- und Menschheitsgeschichten, München (dtv) 1992. ISBN 3-423-30030-2
  • Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2003, ISBN 3-499-55404-6
  • Goethe, Johann Wolfgang von / Vulpius, Christian August: Circe. Oper mit der Musik von Pasquale Anfossi: Übersetzung und Bearbeitung des italienischen Librettos für das Weimarer Theater. Hrsg. v. Waltraud Maierhofer. Hannover: Wehrhahn, 2007. ISBN 978-3-86525-013-1.

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