City of Londonderry


City of Londonderry
Dieser Artikel behandelt die Stadt in Nordirland. Für das gleichnamige County siehe County Derry (Londonderry), für den Ort in New Hampshire Derry (New Hampshire).

Derry [ˈderɪ] (lt. von der Queen nicht bestätigtem Stadtratsbeschluss Derry City, vorher City of Londonderry; irisch Doire Cholm Chille [ˈderʲə ˌxoɫəm ˈxʲiɫʲə], „Eichenhain des (hl.) Columcille“, oder meist kurz Doire, „Eichenhain“) ist eine Stadt in Nordirland. Sie ist mit etwa 100.000 Einwohnern (Stand: 2008) die zweitgrößte Stadt Nordirlands (viertgrößte Irlands) und liegt in der Grafschaft (county) Derry (Londonderry) nahe der Grenze zur Republik Irland. Seit 1973 bildet Derry einen der insgesamt 26 Bezirke (engl. districts) Nordirlands.

Free-Derry-Wandbild zur Erinnerung an die Unruhen in der Bogside 1969 und in den 1970ern

Inhaltsverzeichnis

Etymologie des Stadtnamens

Im 17. Jahrhundert wurde die Bezeichnung City of Londonderry von den protestantischen Siedlern im Rahmen der Plantation of Ulster (siehe Geschichte Nordirlands und Plantations) zur Anerkennung der Spenden einiger Londoner Handelsorganisationen für den Aufbau der neuen Stadtbefestigung kreiert. Bereits damals wurde diese Bezeichnung wegen des als unlogisch empfundenen Zusatzes London zum alten irisch-gälischen Namen jedoch von den meisten Einwohnern abgelehnt und hat sich nicht im allgemeinen Sprachgebrauch gefestigt.

Vor den politischen Auseinandersetzungen des Nordirlandkonflikts Ende der 1960er Jahre bedeutete der Gebrauch von Derry oder Londonderry noch keine besondere politische Stellungnahme, und die meisten Bewohner (auch die protestantischen) hatten ohne Bedenken die alte Form Derry verwendet. Von den englandtreuen Unionisten (meist Protestanten) wird jedoch seitdem die Bezeichnung Londonderry bewusst bevorzugt, Derry von den nationalistischen (meist katholischen und irischstämmigen) Einwohnern. Seit den „Troubles“ hatten vor allem die Medien, die politisch neutral bleiben wollten, ein Problem. Insbesondere einige Radiosprecher, namentlich der Radioreporter Gerry Anderson, verwendeten fortan konsequent einen Schrägstrich (engl. stroke). Gesprochen hieß das dann Derry-Stroke-Londonderry. Als neutrale und im Alltag häufig – manchmal auch sarkastisch – benutzte Kurzform hat sich daher auch Stroke City durchgesetzt.

Neben „Derry“ bzw. „Londonderry“ und „Stroke City“ existieren im allgemeinen Sprachgebrauch noch weitere Namen für die Stadt, die meist vom politischen Hintergrund des Sprechers abhängen:

1. „Doire Cholm Chille“ [ˈderʲə ˌxoɫəm ˈxʲiɫʲə], „Eichenhain des (hl.) Columcille“, oder kurz „Doire“ („Eichenhain“)ist der ursprünglich irische Name der Stadt.

2. „The Maiden City“, die „jungfräuliche Stadt“, in Anspielung darauf, dass Derry trotz längerer Belagerungen nie eingenommen wurde. Die bedeutendste 105 Tage lang dauernde Belagerung durch Truppen des katholischen Königs James II., wird allgemein als „the Great Siege“ bezeichnet (siehe unten).

3. „The Walled City“, („die von Mauern umgebene Stadt“). Diese Bezeichnung verweist auf die bis heute erhaltene Stadtmauer.

4. „Foyle“, nach dem gleichnamigen Fluss, der durch Derry fließt.

Schließlich wurde Derry durch einen Beschluss des Stadtrates im Januar 2003 als offizielle Bezeichnung der Stadt festgelegt, diese Umbenennung wurde jedoch noch nicht von der Queen bestätigt. In der englischsprachigen Welt wird meist von Derry gesprochen, nur in Großbritannien fast durchgängig von Londonderry. Im Deutschen werden beide Stadtnamen verwendet.

Am 25. Januar 2007 wurde ein vom Stadtrat von Derry eingeleitetes Verfahren zur offiziellen Umbenennung der Stadt vom High Court of Justice in erster Instanz mit der Begründung, dass eine rechtliche Grundlage für die Umbenennung fehle, abgewiesen.

Stadtwappen und Motto

Das Wappen von Derry bildet ein zweigeteilter Schild, unter dem das Motto „Vita, Veritas, Victoria“ steht.

Den oberen Bereich des Schildes (das sog. „Feld (Heraldik)“) bildet das Stadtwappen von London, das Georgskreuz (ein durchgezogenes, rotes Kreuz auf weißem Grund), mit einer goldenen irischen bzw. keltischen Harfe im Kreuzmittelpunkt und einem roten Schwert im linken oberen Viertel.

Der darunterliegende Schildteil des Wappens hat einen schwarzen Grund und zeigt ein goldenes menschliches Skelett, dass - den Kopf auf den rechten Arm gestützt - auf einem grünen, moosbewachsenen Stein sitzt sowie eine weiße Burg mit drei Türmen in der linken oberen Ecke. Die auf dem Wappen abgebildete Burg stellt aller Wahrscheinlichkeit nach die heute nur noch als Ruine bestehende Burg des Richard Og de Burgh, Earl of Ulster (Graf von Ulster) in Greencastle in der Nähe von Derry aus dem frühen 14. Jahrhundert dar. Über die Bedeutung des Skelettes im Wappen gibt es verschiedene Theorien. Die populärste und am meisten rezipierte Version ist, dass es sich bei dem Skelett um einen im Volksmund „Walter“ genannten Cousin von Richard de Burgh handelt, der von diesem lebendig eingemauert wurde. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um eine reine symbolhafte Darstellung handelt, die keiner konkreten Person zugeordnet werden kann.

Auf einem Banner unter dem Schild findet sich auf Latein das Motto „Vita, Veritas, Victoria“, also: „Leben, Wahrheit, Sieg“

Geschichte

Im 6. Jahrhundert erfolgte die Klostergründung durch den Heiligen Kolumban.

Ab April 1690 belagerten katholisch-jakobitische Truppen die Stadt, die Zufluchtsort der protestantischen Siedler war. Nach 105 Tagen wurde die Belagerung beendet indem ein Schiff mit Verpflegungen einen Damm auf dem Fluss Foyle durchbrach. Derry wurde schon 1618 in Londonderry umbenannt. Ab 1700 war Londonderry einer der wichtigen Häfen der Auswanderung von Iren in die USA. Im Zweiten Weltkrieg war es der westlichste Tiefwasserhafen der englischen Flotte.

Seit 1969 wird die Stadt durch die troubles erschüttert. Die Stadt war während des Nordirland-Konfliktes Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Anglikanern und Presbyterianern englischer und schottischer Abstammung (Protestanten (engl. unionists)) und den katholisch-irischstämmigen Bewohnern (Katholiken oder Republikaner). Siehe auch: Blutsonntag (Nordirland 1972)

Nach der Verwaltungsreform von 1973 bildet Derry eine der insgesamt 26 Districts (Unitary Authorities) Nordirlands. Seit 1998 gibt es eine friedliche Entwicklung nach dem Karfreitagsabkommen. 1984 hat sich der von der SDLP dominierte District von Londonderry County Borough Council in Derry City Council umbenannt.

Tourismus

Sehenswert ist die mittelalterliche Altstadt von Derry mit der 1,5 km langen und bis zu 8 m hohen, begehbaren Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert, die nahezu im Originalzustand (bis auf 3 später ergänzte Tore) erhalten ist und damit als besterhaltene in Großbritannien und Irland gilt. Auch befindet sich die größte anglikanische Kathedrale Nordirlands, St. Kolumban (engl. St. Columb's Cathedral), in der Stadt. Die Kathedrale wurde zwischen 1628 und 1633 erbaut und ist damit das älteste Gebäude der Stadt. Im 19. Jahrhundert wurde sie viktorianisch/neogotisch umgestaltet.

Ebenfalls sehr sehenswert ist das 2006 neu eröffnete und mehrfach ausgezeichnete Tower Museum, in dem ausführlich die wechselhafte Geschichte der Stadt dargestellt wird und das einen weiteren Schwerpunkt auf der Geschichte der spanische Armada hat. Anhand von vielen Artefakten aus der im September 1588 in der Kinnagoe Bay (County Donegal) unweit von Derry gesunkenen und 1971 von Tauchern des „City of Derry Sub-Aqua Club“ wiederentdeckten spanischen Galeone „La Trinidad Valencera“, einem der größten Schiffe der Armada, wird die Geschichte des Angriffs der Armada auf England und ihrem Rückzug über Schottland und Irland erklärt.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Guildhall (historisches Rathaus gegenüber dem Tower Museum mit kunstvollen Glasfenstern, die die Geschichte der Stadt von ihrer Gründung bis zu den „Troubles“ darstellen)
  • Bloody Sunday Monument
  • Amelia Earhart-Center, Ballyarnett County Park, nördlich der Stadt
  • Grianan of Aileach, ein Ringfort der Könige von Ulster aus dem 10. Jh, nördlich der Stadt im County Donegal
  • The People's Gallery in der Bogside, einem überwiegend katholischen Stadtteil Derrys . Hier finden sich mehrere großflächige Wandbilder (sog. „Murals“), die an die Bürgerrechtsbewegung, den Bloody Sunday und Ereignisse aus der Zeit des Bürgerkrieges, „The Troubles“ erinnern.

Verkehr

Sport

Derry ist die Heimat des 1928 gegründeten Fußballclubs Derry City Football Club (Derry City FC). Der Verein ist die einzige nordirische Mannschaft, die in der League of Ireland (der Oberliga der Republik Irland) spielt und dort sehr erfolgreich ist. Unter anderem wurde die Mannschaft mehrfach Meister (1989 und 1997), Pokalsieger (1989, 1995, 2002, 2006) und Ligapokalsieger (1989, 1991, 1992, 1994, 2000, 2005, 2006). Das Heimstadion des Clubs ist das Brandywell Stadium. Wegen ihrer in den Vereinsfarben rot-weiß gestreiften Trikots wird die Mannschaft in Derry auch als die „red and white army“ oder die „candystripes“ bezeichnet. Erstere resultiert aus der für Nordirland typischen selbstironischen Betrachtungsweise des Bürgerkriegs mit seinen vielen verschiedenen „Armys“ und „Forces“, „candystripes“ bezieht sich auf eine populäre rot-weiß gestreifte Bonbonsorte.

Musik

Musik spielt in der öffentlichen Kultur von Derry - wie auch in vielen anderen irischen Städten - eine große Rolle und eine ganze Reihe von international bekannten Künstlern und Gruppen stammt aus Derry. Darunter sind unter anderem:

  • Dana (Gewinnerin des Eurovision Song Contest/ Grand Prix Eurovision von 1970)
  • Nadine Coyle (Sängerin von „Girls Aloud“)
  • Peter Cunnah (Sänger von „D:ream“)
  • Phil Coulter
  • The Undertones
  • Neil Hannon (Sänger von „The Divine Comedy“)
  • Josef Locke (Tenor, der in den 1940er und 50er Jahren in England, Irland und Amerika sehr beliebt war)
  • Johnny McCauley (Sänger/Songwriter, Erfinder des Musikstils „Country 'n' Irish“)
  • Feargal Sharkey (bis 1983 Sänger von „The Undertones“ und später Solo mit Hits wie „A Good Heart“ erfolgreich)

Darüber hinaus gibt es alljährlich zahlreiche Musik-Events und Festivals wie z.B. das „City of Derry Jazz and Big Band Festival“ im April oder das „Celtronic“ (electronic dance festival) im Juni.

Lieder über Derry/ Londonderry:

Derry wird in mehreren bekannten Liedern besungen oder erwähnt. Die bekanntesten Beispiele sind die (inoffizielle) Nationalhymne Nordirlands, „Londonderry Air/ Danny Boy“, Bobby Sands' „Back Home In Derry“, Phil Coulters „The Town I Loved So Well“ und „Sunrise” von „The Divine Comedy”.

Persönlichkeiten

Weblinks

55-7.33333333333337Koordinaten: 55° 0′ N, 7° 20′ W


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