Claude Oscar Monet


Claude Oscar Monet
Claude Monet auf einer Aufnahme von Nadar aus dem Jahr 1899
Selbstbildnis, 1917, Musée d’Orsay in Paris

Claude Monet (* 14. November 1840 in Paris; † 5. Dezember 1926 in Giverny, auch Oscar-Claude Monet oder Claude Oscar Monet) war ein französischer Maler, dessen mittlere Schaffensperiode der Stilrichtung des Impressionismus zugeordnet wird. Das Frühwerk bis zur Mitte der 1860er-Jahre umfasste realistische Bilder, von denen Monet einige im Pariser Salon ausstellen durfte. Ende der 1860er-Jahre begann Claude Monet impressionistische Bilder zu malen. Ein Beispiel seiner Bilder dieser Schaffensphase ist die Hafenansicht Le Havres Impression, Sonnenaufgang, welches der gesamten Bewegung den Namen gab. So entfernte er sich vom durch die traditionellen Kunstakademien geprägten Zeitgeschmack, was seine finanzielle Situation verschlechterte. In den 1870er-Jahren beteiligte sich Monet an einigen der Impressionisten-Ausstellungen, an denen auch Künstler wie Pierre-Auguste Renoir oder Edgar Degas teilnahmen, und wurde vor allem vom Kunsthändler Durand-Ruel gefördert. Trotzdem blieb Monets finanzielle Situation bis in die 1890er-Jahre angespannt. In dieser Zeit entwickelte Monet das Konzept der Serie, in denen er ein Motiv in verschiedenen Lichtstimmungen malte. Daneben begann er in Giverny seinen berühmten Garten anzulegen, den er in der Folge auch als Motiv seiner Bilder nutzte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karikatur des Notars Léon Marchon, etwa 1855/1856, Art Institute of Chicago

Claude Monet wurde am 14. November 1840 in der Rue Lafitte 45 in Paris geboren. Er war der zweite Sohn von Claude Adolphe Monet und seiner Frau Louise Justine Aubrée. [1] Sein Vater besaß einen Kolonialwarenhandel, dessen wirtschaftliche Situation sich um 1845 so weit verschlechterte, dass die Familie nach Le Havre an die Mündung der Seine umzog, wo die Halbschwester des Vaters, Marie-Jeanne Lecadre, lebte. [2] Ihr Mann, Jacques Lecadre, war Kolonialwarengroßhändler und Schiffslieferant und bot Monets Vater Arbeit in seinem Handelskonzern. [3]Die Winter verbrachte die Familie Monets in ihrem Haus in Le Havre, die Sommer über hielt sie sich im Landhaus der Lecadres im Badeort Sainte-Adresse auf. Später zog er mit seiner Familie nach Baraqueville, wo sich die Familie aber nicht lange aufhielt, da Adolphe Monet aus beruflichen Gründen umziehen musste.

In Le Havre besuchte Claude Monet zwischen 1851 und 1857 das Städtische Gymnasium und erhielt dort Zeichenunterricht bei Jacques-François Ochard. Er lehnte die schulische Disziplin ab [4] und hielt sich stattdessen lieber auf den Klippen oder am Meer auf. [5] Im Unterricht fertigte Monet Karikaturen von Schülern und Lehrern an, die im Schaufenster des einzigen Rahmenhändlers in Le Havre ausgestellt wurden. Bereits im Alter von 15 Jahren war Claude Monet in der ganzen Stadt als Karikaturist bekannt. Er erhielt Aufträge, für die er Preise von 20 Francs erzielen konnte.[6]

Ausbildung

Neben seinen Karikaturen wurden im Schaufenster des Rahmenhändlers Seelandschaften des Malers Eugène Boudin ausgestellt. Claude Monet mochte diese Bilder nicht und lehnte es ab, Boudin auf Vermittlung des Rahmenhändlers hin kennenzulernen. Als er jedoch Boudin beim Betreten des Geschäftes nicht bemerkte, ergriff der Händler die Möglichkeit, Boudin Monet als den Zeichner der Karikaturen vorzustellen. Der Maler lobte das Talent Claude Monets, gab ihm jedoch auch den Rat, sich nicht mit dem Zeichnen zu begnügen und schlug ihm vor, Landschaften zu malen.

Nach dem Tod seiner Mutter am 28. Januar 1857 sorgte sich Monets Tante, welche selbst Hobbymalerin war und Kontakte zu Armand Gautier unterhielt, um den jungen Claude Monet. Nach dem Tod Jacques Lecadres übernahm Monets Vater dessen Geschäfte und zog mit seiner Familie in dessen Haus. In diesem Jahr entstand zudem Monets erstes Landschaftsgemälde und er beschloss Maler zu werden. Sein Vater stellte daraufhin beim Magistraten von Le Havre den Antrag auf ein Stipendium, der, wie auch ein zweiter Antrag im Folgejahr, abgelehnt wurde.[7] Trotzdem reiste Monet nach Paris, um die Ausstellung des Pariser Salon zu besuchen. Daneben nahm er Kontakt zu Künstlern wie Constant Troyon und Armand Gautier auf und arbeitete im Atelier des Malers Charles Montginot, welcher mit Boudin befreundet war. Während dieser Zeit erhielt Monet finanzielle Unterstützung durch seinen Vater. Daneben standen Claude Monet 2000 Francs zur Verfügung, die er mit seinen Karikaturen verdient hatte und die seine Tante für ihn verwaltete. Im Jahr 1860 verringerte sich die finanzielle Unterstützung durch seinen Vater, da er sich weigerte wie von seinen Eltern gewünscht in die École des Beaux-Arts einzutreten. Monet trat in die freie Malschule Académie Suisse ein, in der er sich vor allem mit Figurenstudien beschäftigte. Monet besuchte Ausstellungen der Künstlerkolonie Barbizon. Die Maler der Schule von Barbizon lehnten die verbreiteten idealisierenden Landschaftskompositionen ab und bevorzugten stattdessen Landschaftsbilder im Stil des Realismus. Außerdem hielt sich Claude Monet in der Brasserie des Martyrs auf, die ein Treffpunkt vieler moderner Künstler und Autoren war.

Im April 1861 erhielt Claude Monet die Einberufung zum sieben Jahre umfassenden Militärdienst. Es bestand die Möglichkeit, sich vom Militärdienst für 2500 Francs freizukaufen. Dafür besaß Claude Monet jedoch nicht genug Geld, und seine Familie wollte die Summe nur stellen, wenn Monet dafür die Malerei aufgeben und das Geschäft in Le Havre übernehmen würde. Claude Monet entschied sich für die Malerei und wurde der Kavallerie in Algerien zugeteilt. Weil er an Typhus erkrankte, durfte er im Sommer des Jahres 1862 nach Le Havre zurückkehren. Dort lernte er den aus den Niederlanden stammenden Johan Barthold Jongkind kennen. Zusammen arbeiteten beide an Landschaftsstudien. Im November 1862 wurde Claude Monet von seiner Tante vom Militärdienst für die noch höhere Summe von 3000 Francs freigekauft, um ihm die letzten sechs Dienstjahre zu ersparen.[8] Sie wies ihm Auguste Toulmouche, der Genremaler und Ehemann der Cousine von Marie-Jeanne Lecadres war, als künstlerischen Betreuer zu. Dieser empfahl Monet den Eintritt in das Atelier von Charles Gleyre, in dem Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley und Frédéric Bazille ebenfalls eingeschrieben waren. Zusammen mit Bazille reiste Monet 1863 über Ostern nach Chailly in der Nähe von Barbizon und malte dort Landschaftsbilder, wie auch im Folgejahr. Er setzte darüber hinaus seine Studien bei Gleyre fort, bis dessen Atelier im Juli 1864 schloss. Den Sommer über malten Monet, Bazille, sowie Jongkind und Boudin, die später folgten, an der Kanalküste der Normandie. Monets Familie drohte ihm in Folge von Streitigkeiten mit der Einstellung der finanziellen Unterstützung, so dass er Bazille zum ersten Mal um Geld bat. Während des Studiums gab sich Monet bürgerlich, so trug er beispielsweise trotz seiner schwierigen finanziellen Situation Hemden mit Spitzenmanschetten, und wurde von seinen Mitstudenten als Dandy bezeichnet.[9]

Salon-Ausstellungen

1864 wurde ein Blumenstillleben von Claude Monet in der städtischen Kunstausstellung von Rouen ausgestellt. Daneben wurde Monet von Louis-Joseph-François Gaudibert mit dem Malen zweier Porträts beauftragt. Dieser Auftrag hatte für ihn eine besondere Bedeutung, weil auch Gaudiberts Sohn später Porträts in Auftrag gab und ihm darüber hinaus finanzielle Zuwendungen als Unterstützung zukommen ließ. Ende 1864 oder Anfang 1865 gründeten Claude Monet und Frédéric Bazille ein gemeinsames Atelier in Paris. Im Pariser Salon des Jahres 1865 durfte Monet zwei Seestücke zeigen. Diese beiden Bilder stießen auf positive Kritik, was Claude Monet dazu veranlasste, für die Salon-Ausstellung des Jahres 1866 ein monumentales Frühstück im Grünen zu planen, das er jedoch nicht fertigstellen konnte. Bei den Arbeiten an diesem Werk saß ihm Camille Doncieux Modell, mit der Monet eine Beziehung einging. Das Bild plante Monet in Anlehnung an das Frühstück im Grünen von Édouard Manet, welches durch dargestellten Nacktheit ohne mythologischen Hintergrund einen Skandal hervorrief, wobei Monet jedoch sein Bild eher konservativ und damit dem Massengeschmack entsprechend halten wollte. Monet bewunderte die Werke Manets, zu dem er seit 1866 engeren Kontakt hatte. Als er das geplante Bild für den Salon nicht fertigstellen konnte, malte er innerhalb von vier Tagen Camille im grünen Kleid, welches im Salon positiv aufgenommen wurde.

Claude Monet täuschte aufgrund seiner finanziellen Schwierigkeiten den Bruch mit Camille vor und näherte sich damit wieder seiner Familie an, von der er sich finanzielle Unterstützung erhoffte. So verbrachte er den Sommer 1867 bei seinen Eltern in Saint-Adresse, während die schwangere Camille weiterhin in Paris lebte und von Bazille versorgt wurde. Am 8. August 1867 brachte sie Monets ersten Sohn Jean zur Welt. Da er seine Geliebte und seinen Sohn nicht im Stich lassen wollte, kehrte Monet wieder nach Paris zurück.[10] Im selben Jahr wurde mit dem Bild Frauen im Garten erneut ein Werk Monets vom Salon abgelehnt. Um seinen Freund finanziell zu unterstützen, kaufte Bazille dieses Werk auf Raten und nahm ihn wieder in seinem Atelier auf. Die finanzielle Situation Claude Monets blieb schwierig, so dass er sich 1868 in Etretat und Fécamp aufhielt, wo er erneut Aufträge des Reeders Gaudibert erhielt. Daneben löste dieser gepfändete Bilder Monets aus. Ende des Jahres floh Monet vor seinen Gläubigern erneut nach Paris. 1870 wurde wieder ein von Monet beim Salon eingereichte Bild von der Jury abgelehnt. Am 26. Juni dieses Jahres heiratete Claude Monet die langjährige Geliebte Camille Doncieux. Durch seine Themenwahl und Malweise entfernte sich Monet immer weiter vom Salon und damit auch vom kommerziellen Erfolg.

Mit dem Beginn des Deutsch-Französischen Krieges im Juli 1870 verließ Claude Monet Frankreich und zog nach London, um der Einberufung in die Armee zu entgehen, während seine Freunde Bazille und Manet in den Krieg zogen. Am 28. November 1870 starb Bazille an der Front. Während seines London-Aufenthaltes lernte Claude Monet den Kunsthändler Paul Durand-Ruel kennen, sowie die Werke des englischen Landschaftsmalers William Turner, in dessen Bildern sich die Konturen im Licht auflösen. Am 17. Januar 1871 starb Monets Vater, so dass er eine kleine Erbschaft erhielt. Nach Ende des Krieges kehrte Monet im Herbst 1871 nach einem Umweg über Holland nach Frankreich zurück. Dort mietete er in Argenteuil ein Haus mit Garten. Mit dem Geld aus der Erbschaft und der Mitgift Camilles war der Familie erstmals das Leben in bürgerlichem Wohlstand möglich. Daneben kaufte 1872 Durand-Ruel mehrere Gemälde Monets. Dieser richtete sich ein Boot als Atelier ein und malte darauf am Ufer der Seine.

Impressionisten-Ausstellungen

1873 lernte Claude Monet in Argenteuil Gustave Caillebotte kennen, mit dem zusammen er beschloss, gemeinsame Ausstellungen zu veranstalten. Im Dezember wurde zu diesem Zweck die „Sociéte Anonyme Coopérative d' Artistes-Peintres, -Sculpteurs, -Graveurs, etc.“ gegründet. Dieser Gesellschaft schlossen sich auch die Künstler an, die später als Kern der Impressionisten gelten sollten.

Die erste Gruppen-Ausstellung fand 1874 im Atelier des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines in Paris statt. Angelehnt an den Titel des ausgestellten Werkes Impression - Sonnenaufgang, das Monet 1872 in Le Havre zusammen mit anderen Bildern angefertigt hatte, wurde diese Ausstellung abwertend durch den Kritiker Leroy in der Zeitschrift Le Charivari als „Die Ausstellung der Impressionisten“ bezeichnet. So wurde der Begriff des Impressionismus, der erst spöttisch von Kritikern, in der Folge auch von den Künstlern selbst verwandt wurde, durch dieses Bild Monets begründet. Die Ausstellung blieb weitgehend unbeachtet und die Gesellschaft wurde Ende 1874 aufgelöst. Erst 1876 fand die zweite Impressionisten-Ausstellung statt. In den Räumlichkeiten des Kunsthändlers Durand-Ruel stellte Claude Monet dabei 18 Werke aus. In diesem Jahr lernte Monet auch Ernest Hoschedé, einen Kaufhausbesitzer, kennen, welcher ihn mit dem Malen von Panelen für einen Saal im Schloss Rottenbourg beauftragte. Am 17. März 1878 wurde Monets zweiter Sohn Michel Monet geboren. Im Sommer dieses Jahres zog die Familie nach Vétheuil. Ihnen folgte dabei Alice Hoschedé mit ihren sechs Kindern, nachdem ihr Mann Konkurs anmelden musste. Am 5. September 1879 starb Monets erste Ehefrau Camille im Alter von 32 Jahren an den Folgen eines missglückten Schwangerschaftsabbruchs.[11]

1881 kaufte Durand-Ruel weitere Bilder Monets und unterstützte finanziell auch dessen 1882 durchgeführte Malreisen an die normannische Küste. Im Dezember 1881 zogen Claude Monet und Alice Hoschedé mit den Kindern zusammen nach Poissy. Die Ausstellung der Impressionisten von 1882 war die letzte, an der sich Claude Monet beteiligte, bevor die Ausstellungsreihe vier Jahre später mit der achten Ausstellung endete. Zu diesem Zeitpunkt wurde seine Abkehr von den anderen Impressionisten immer deutlicher, die ihm den Vorwurf machten, aus egoistischen Motiven heraus die Gruppe nicht mehr zu unterstützen. Monet bemühte sich, wieder im Salon auszustellen und eines seiner Bilder wurde nun auch von der Jury akzeptiert.

Giverny

Monet in seinem Garten. Im Hintergrund ist die japanische Brücke zu sehen.
Gartenweg zum Haus
Monet am Seerosenteich

Im folgenden Jahr, 1883, richtete Durand-Ruel eine Einzelausstellung mit Bildern Monets aus. Diese Ausstellung stieß auf positive Kritik, es kam jedoch nicht zu größeren Verkäufen. Trotzdem verbesserte sich die wirtschaftliche Situation Monets, nachdem sich zu Beginn der 1880er-Jahre der Markt für Werke der Impressionisten wieder belebt hatte. Claude Monet mietete das Haus in Giverny, in dessen Umgebung er in den Folgejahren seinen berühmten Garten anlegte, und zog dort mit seinen beiden Söhnen, sowie Alice Hoschedé und deren Kindern ein. Im Dezember reiste er gemeinsam mit Renoir an die französische Mittelmeerküste, von Januar bis April 1884 malte Monet an der Riviera. Zwei Jahre später folgte eine weitere Reise nach Holland. Im Herbst 1886 malte Monet in der Bretagne und lernte dort seinen späteren Biografen Gustave Geffroy kennen. Von Januar bis April 1888 malte Monet an der Côte d’Azur und reiste im Sommer des Jahres erneut nach London. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich lehnte er das Kreuz der Ehrenlegion ab. Im folgenden Jahr sammelte Claude Monet Geld, um der Witwe seines Freundes Manet das Gemälde Olympia abzukaufen und dem Louvre zu schenken. 1890 erwarb Monet außerdem das Haus in Giverny, welches er schon seit sieben Jahren bewohnt hatte, nachdem er sich seit Mitte der 1880er-Jahre durch regelmäßige Verkäufe in einer besseren finanziellen Situation befand. Durch weitere Zukäufe von Land erweiterte Claude Monet sein Grundstück immer weiter und investierte viel Geld in die Anlage seines Gartens. Dabei stieß er jedoch auf das Misstrauen der ansässigen Bauern, die durch die exotischen Pflanzen wie beispielsweise Tuberosen aus Mexiko Gefahren für ihr Land und Vieh befürchteten. Ende der 1880er-Jahre fand sich eine kleine Gruppe amerikanischer Maler in Giverny ein, um von Claude Monet zu lernen. Unter ihnen beispielsweise Theodore Robinson, der als einer der ersten amerikanischen Künstler den Impressionismus in seiner Kunst aufgriff. Zu den sogenannten „Givernisten“ pflegte Monet keinen engen Kontakt, da er nie die Rolle als Lehrer übernehmen wollte.

1891 starb Ernest Hoschedé, so dass Claude Monet und dessen Witwe im Juli 1892 ihre Beziehung durch Heirat legitimierten. Im selben Jahr heiratete Monets Stieftochter Suzanne außerdem den Maler Theodore Butler, der zu den Givernisten gehörte. Monet reiste 1895 nach Norwegen und besuchte dort auch seinen Stiefsohn. In Giverny baute Claude Monet 1897 ein zweites Atelier, da er mehr Platz für seine Arbeiten benötigte. Daneben wurden auf der Biennale von Venedig 20 Werke Monets ausgestellt. Im Sommer desselben Jahres heiratete Monets Sohn Jean seine Stiefschwester, Blanche Hoschedé. 1899 und 1900 unternahm Claude Monet mehrere Reisen nach London. Zusammen mit Alice reiste Monet mit dem Auto nach Madrid, wo er die spanischen Meister studierte. In Giverny arbeitete er während dessen vor allem an den Seerosenbildern, war dabei jedoch nicht zufrieden. Deshalb verschob er 1906 mehrfach eine bei Durand-Ruel geplante Ausstellung.

Letzte Lebensjahre und Tod

Im Jahre 1908 zeigten sich erste Anzeichen von Monets Augenerkrankung. Zwischen September und Dezember des Jahres hielt er sich zusammen mit seiner Frau in Venedig auf. Dort malte er nicht nur, sondern studierte in Kirchen und Museen Werke von Künstlern wie Tizian und Paolo Veronese. Am 19. Mai 1911 verstarb auch Monets zweite Ehefrau Alice. Im folgenden Jahr verschlechterte sich sein Sehvermögen weiter und der doppelseitige graue Star wurde diagnostiziert. Daneben wurden 1912 mit großem Erfolg Monets Bilder von Venedig in der Galerie Bernheim-Jeune ausgestellt. Georges Clemenceau und weitere Freunde Monets schlugen diesem 1914 vor, Bilder der Seerosen-Serie dem französischen Staat zu schenken. Aber Monet, der schon früher Ehrenbekundungen des Staates ablehnte, ließ sich nicht zur Schenkung bewegen. Nach dem Tod seines Sohnes Jean Monet, übernahm dessen Witwe die Führung des Haushaltes in Giverny. Dort ließ Claude Monet 1915 ein drittes, größeres Atelier errichten, in dem er die Seerosendekorationen malte. Zum Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918 schenkte Monet dem französischen Staat acht seiner Seerosenbilder. 1921 überlegte er vom nachlassenden Augenlicht deprimiert die Schenkung zurückzuziehen. Im selben Jahr fand bei Durand-Ruel eine große Retrospektive mit Werken Monets statt. Erst 1922, auf Drängen seines Freundes Clemenceau hin, unterzeichnete Claude Monet einen notariell beglaubigten Vertrag über die Schenkung, die damit rechtsgültig wurde und womit die Bilder tatsächlich in den Besitz des Staates übergingen. In zwei Staroperationen erlangte Claude Monet 1923 sein Augenlicht wieder. Er begann wieder an seinen großen Seerosendekorationen zu malen, wurde jedoch von Depressionen behindert. Viele seiner Bilder der letzten Jahre zerstörte Monet selbst, weil er nicht wollte, dass nach seinem Tod nicht fertiggestellte Werke, sowie Skizzen und Versuche in den Kunsthandel gelangten wie es nach dem Tod Manets der Fall war. Am 5. Dezember 1926 starb Claude Monet in Giverny.

Werk

Das Frühwerk

Das Frühstück im Grünen, mittleres Fragment, 1865/1866, Musée d'Orsay in Paris
Frauen im Garten, 1866, Musée d'Orsay in Paris
Die Terrasse von Sainte-Adresse, 1867, Metropolitan Museum of Art in New York

Das Bild Das Frühstück im Grünen malte Monet 1865 und 1866, um es beim Salon einzureichen. Das Bild hatte ursprünglich eine Gesamtgröße von 4,20 × 6,50 Metern. Nachdem er das Bild aufgrund seiner Schulden seinem Hauswirt als Pfand überlassen musste, löste Monet es nach einigen Jahren wieder aus. Es wies jedoch große Feuchtigkeitsschäden auf und war teilweise verschimmelt. Er restaurierte das Bild, konnte jedoch nur zwei Partien wiederherstellen. Als Vorbild für dieses Werk diente Claude Monet das Frühstück im Grünen Manets aus dem Jahr 1863. Das Bild Manets zeigte eine nackte Frau zwischen zwei städtisch gekleideten Männern beim Picknick auf einer Waldlichtung und löste mit der nicht mythisch verknüpften Nacktheit einen Skandal aus. Claude Monet war von diesem Werk Manets begeistert und orientierte sich an diesem. Im Gegensatz zu Manets Bild sollte sein Frühstück im Grünen nicht allein im Atelier, sondern an der freien Luft entstehen. Ein weiterer Unterschied war der Verzicht auf Provokation, um sich dem Geschmack der Menge anzupassen, da Monet noch die Anerkennung im Salon suchte. Für die Figuren des Bildes saßen und standen eventuell [12] Monets Geliebte Camille und sein Freund Bazille im Wald von Fontainebleau Modell, was er in einer Vorstudie festhielt. [13] Diese übertrug er im Atelier in Paris etwa ab Oktober 1865 in das Großformat, musste aber kurz vor Beginn des Salons erkennen, dass er das Bild nicht rechtzeitig fertigstellen können würde. Das Bild Claude Monets zeigte in seiner ursprünglichen Form zwölf Personen, die in der aktuellsten Pariser Mode gekleidet sind, bei einem Picknick in einem Birkenwald. Das Hauptaugenmerk liegt auf den dargestellten Figuren, deren Verhalten Monet individuell wiedergab. Sie gruppieren sich um die weiße Picknickdecke, auf der die Speisen präsentiert werden. Claude Monet erschuf in dem Bild einen intimen Naturraum, in dem sich die Personen fern ab der städtischen Konventionen aufhalten. Diese Stimmung wird vor allem von dem Spiel von Licht und Schatten im Bild erzeugt.

1866 malte Claude Monet mit den Frauen im Garten ein weiteres Figurenbild, das mehrere Personen zeigt. Im Gegensatz zum Frühstück im Grünen verzichtete Monet bei diesem Bild auf Vorstudien und deren Übertragung im Atelier. So begann er das 2,55 × 2,05 Meter große Bild direkt im Freien, musste es jedoch im Atelier in Honfleur beenden, weil er vor seinen Gläubigern fliehen musste. Um die oberen Partien des Bildes malen zu können, entwickelte Monet eine Vorrichtung, mit der er das Bild in ein ausgehobenes Erdloch absenken konnte. Die verwendeten Farben sind insgesamt heller als bei Monets früheren Werken, da er sie meist mit Weiß anmischte. Dazu kommt, dass an Stelle von modellierten Übergängen zunehmend eine rhythmische Aufteilung in kurze oder breite Pinselstriche, sowie Tupfen, tritt. Für die Frauen im Bild, bis auf die Frau am rechten Bildrand, stand und saß Camille erneut Modell. Die Position der Frauen bildete eine Dreiecks-Komposition, die leicht nach links verschoben ist. In diesem Bild wirken die Figuren jedoch nicht in die Natur eingebunden. Aus dem Bild heraus wird kein Anlass für die Zusammenkunft der Frauen, welche Blumen pflücken, ersichtlich und Monet stellt nicht deren Charakter dar. Das Bild fasziniert vor allem wegen der Licht-Schatten-Kontraste, vor allem dem über das Kleid der sitzenden Frau verlaufenden, welche es lebendig machen. Ebenfalls erzeugt das durch den Sonnenschirm gefilterte Licht in Kombination mit dem vom Kleid reflektierten Licht einen rosigen Glanz auf dem Gesicht der Frau.[14]

Das im Jahr 1867 entstandene Gemälde Die Terrasse am Meeresufer von Sainte-Adresse ist 98,1 × 129,9 Zentimeter groß und deutet den Wandel von Monets Malstils an. Es zeigt eine Terrasse direkt am Ufer des Meeres, von der aus die Figuren eine Regatta beobachten können. Der sitzende Mann im Vordergrund ist dabei der Vater Claude Monets. Das Bild wirkt schematisch, weil Monets Pinselführung nicht dieselbe Leichtigkeit besitzt wie bei seinen Pariser Werken oder denen, die später entstanden. Es geht jedoch in der Darstellung des Lichtes über seine bisherigen Werke hinaus, weil er die Schatten zum ersten Mal farbig malte. Außerdem wurden die Blumen im Garten von Monet mit strahlenderen Farben gemalt, als dies im Realismus die Regel war. Er verwendete reines Rot, welches durch weißes Licht und den Kontrast mit der Komplementärfarbe Grün besonders strahlend wirkte. Dabei bildet Claude Monet jedoch nicht ihre natürliche Form ab, sondern stellte ihre Blüten allein mit Farbtupfern dar. Dieses Bild ist nicht mehr klar einer Stilperiode Monets zuzuordnen, jedoch steht es dem realistischen Frühwerk aufgrund der schematischen Wirkung noch näher als den impressionistischen Werken. Daneben fand Monet mit diesem und dem im selben Jahr entstandenen Bild Blühender Garten in Sainte-Adresse zum Thema des Gartens, welches er in der Folge immer wieder aufgriff.

Hinwendung zum Impressionismus

Der Fluss/Am Ufer der Seine bei Bennecourt, 1868, Art Institute of Chicago
Impression, Sonnenaufgang, 1873, Musée Marmottan in Paris
Camille Monet auf dem Totenbett, 1879, Musée d’Orsay in Paris

Die sichtbare Wirklichkeit verliert in den Bildern der Impressionisten ihre Körperlichkeit und materiellen Qualitäten, und wird zum bloßen Erscheinung `Impression`. Nicht mehr das Wahrgenommene selber, sondern der Wahrnehmungsprozess kommt zu Darstellung. [15] Dabei werden mehrere Gestaltungsprinzipien verwandt:

Durch den Einsatz kühler und warmer Farben sowohl im Bildvorder- als auch Hintergrund wird die naturalistisch Luft- und Farbperspektive (vorne dunkel und scharf, und hinten hell und unscharf, sowie warme Töne im Vordergrund und kühle im Hintergrund) aufgegeben. Die reinste und vollendetste Gestalt findet diese Maltechnik im Spätwerk Monets ab 1890. [17]

Das Bild Der Fluss/Am Ufer der Seine bei Bennecourt, das Claude Monet im Jahre 1868 malte, gilt als eines seiner frühesten impressionistischen Werke. Im Vordergrund sitzt eine Frau am Ufer der Seine, an dem ein Boot liegt, unter Bäumen. Am gegenüberliegenden Ufer befindet sich eine Ortschaft, die sich zusammen mit der umliegenden Landschaft im Flusswasser spiegelt. Das Bild ist mit leichtem Pinselstrich gemalt, was beispielsweise an den gelben Punkten im Grün im Vordergrund ersichtlich ist. Die Bildkomposition ist diagonal. Die rechte, obere Hälfte des Bildes wird von den Bäumen und ihrem Blattwerk dominiert, die einen Sichtschutz für den Hintergrund bilden. Die linke, untere bietet den Blick in die Ferne. Der Bildvordergrund liegt im Schatten, während das andere Ufer im Sonnenlicht liegt. Die Spiegelung auf der Wasserfläche verwischt in der Zweidimensionalität die räumlichen Bezüge im Bild. Daneben erhält das Bild durch die Farbflächen, die sich trotz unterschiedlicher dargestellter Gegenstände kaum unterscheiden, einen besonderen Rhythmus. Somit ist das Wasser für Monet ein Mittel zur Abstraktion und ein Schritt in Richtung der abstrakten Malerei.[9]

Eines der wichtigsten Bilder des Impressionismus ist Monets Impression, Sonnenaufgang aus dem Jahr 1873, das dem Kunststil seinen Namen gab. Das Bild ist ein Seestück und zeigt den Hafen von Le Havre am Morgen. Im Hintergrund liegen Schiffe vor Anker, die im Nebel verschwinden. Im Vordergrund des Bildes sind drei kleinere Boote schemenhaft zu erkennen. Auf dem Wasser spiegelt sich das Licht der aufgehenden Sonne. Claude Monet malte den Großteil des Bildes mit leichtem Pinselstrich und Farben wie Blau und Violett, die Reflexion der Sonne auf dem Wasser malte er mit wenigen, kräftigen orangen Strichen. Als strukturierendes Element des Bildes dienen die Schiffe im Hintergrund, deren Masten und Umrisse trotz des Nebels lineare Strukturen schaffen. Das Bild ist flächig gemalt, so dass der Eindruck der räumlichen Distanz erst aufgrund der diagonal angeordneten kleinen Boote deutlich wird. Aufgrund der Skizzenhaftigkeit, geriet das Werk stark in die Kritik. Beispielsweise schrieb Louis Leroy: „Eine Tapete im Urzustand ist ausgearbeiteter als dieses Seestück.“[18] Außerdem bezeichnete Leroy in Anlehnung an dieses Bild die erste Gruppen-Ausstellung der „Sociéte Anonyme Coopérative d’Artistes-Peintres, -Sculpteurs, -Graveurs, etc.“ als „Ausstellung der Impressionisten“, was der gesamten Stilrichtung den Namen gab.

1879 malte Claude Monet das Bild Camille Monet auf dem Totenbett, nachdem seine Frau an den Folgen einer missglückten Abtreibung gestorben war. Das Bild zeigt die gerade verstorbene Camille mit einem auf ihre Brust gelegten Blumenstrauß, wobei vor allem ihr fahles Gesicht zu erkennen ist. Die Gesichtszüge sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Das Gesicht ist vom Raum losgelöst und scheint in den Kissen des Bettes zu versinken. Von der Seite her fällt das erste Sonnenlicht des Morgens auf das Bett. Trotzdem bleibt das Bild aufgrund der gewählten Farben in der Wirkung kühl. Der Pinselstrich Monets ist ungeordnet, kraftvoll, aber auch zart, vor allem in der Gesichtspartie, was ein Zeichen der Gemütsverfassung Monets zu diesem Zeitpunkt ist. Ein Impuls dieses Bild zu Malen waren für Monet die variierenden Schattierungen und Tönung auf dem Gesicht der Toten. Vor allem die Abfolge der violetten Töne während der Totenstarre übte auf Monet eine besondere Faszination aus. Im Kontrast zwischen dem Licht des Morgens und der Kühle des Todes liegt die Stimmung des Momentes, die Monet im Bild festhielt.

Monet und die Moderne

Bahnhof Saint Lazare in Paris, Ankunft eines Zuges, 1877, Fogg Art Museum in Cambridge (Massachusetts)
La Japonaise (Camille im japanischen Kostüm), 1875, Museum of Fine Arts in Boston

Claude Monet behandelte in seinen frühen Werken mehrmals die Moderne. So malte er mehrere Bilder mit Bezug zur Eisenbahn, in denen die Faszination der modernen Technik deutlich wurde. In der Eisenbahn fand Monet industrielle Entwicklung, Fortschritt und Schnelligkeit symbolisch vereint. Dies wird schon in dem Bild Die Eisenbahnbrücke von Argenteuil aus dem Jahr 1873 gezeigt, welche ein Monument der neuen Zeit darstellte. Besonders gut zu erkennen ist diese Symbolik der Eisenbahn in den Bildern vom Bahnhof Saint-Lazare, die Monet 1877 malte. Laut Pierre-Auguste Renoir erhielt Monet die Erlaubnis, im Bahnhof zu malen, vom Direktor der Eisenbahnlinie West, nachdem er fein gekleidet erklärte, er sei Maler und habe sich nach langem Überlegen dazu entschieden, dessen Bahnhof als Motiv zu wählen. Er hinterließ einen solchen Eindruck, dass für ihn Züge angehalten, mit besonders viel Kohle befeuert, um genug Dampf zu erzeugen, und Bahnsteige gesperrt wurden. Monet malte mehrere Studien aus verschiedenen Ecken des Bahnhofes. Die Komposition der Bilder ist stark von den linearen Strukturen des Ingenieurbaus geprägt. Das einfallende Sonnenlicht in Kombination mit dem Rauch und Dampf der Eisenbahnen machten diese Strukturen besonders wirksam. In der dadurch hervorgerufenen Stimmung erscheint der Bahnhof als „Kathedrale des technischen Zeitalters“.[19]

Bereits 1875 griff Claude Monet den Japonismus auf. Japan hatte sich erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts dem Westen geöffnet. Die japanische Kunst und Kultur wurden nun auch in Europa einer breiteren Masse bekannt. Der Japonismus wurde eine Modeerscheinung, vor allem in den westlichen Metropolen. Seit seiner Reise nach Holland 1871 sammelte Claude Monet japanische Holzschnitte, die ihm oft als Vorbilder für Bildkompositionen dienten. So weist zum Beispiel das Bild Die Kohleträger ein von der Bildmitte verschobenes Hauptmotiv und eine gitterartige Struktur des Motivs auf. Das Bildmotiv erstreckt sich in einer regelmäßigen Aneinanderreihung bis weit in den Bildhintergrund. Das Bild mit dem stärksten Japanbezug, das von Monet gemalt wurde, ist La Japonaise (Camille im japanischen Kostüm). Es zeigt Camille in einer japanischen Robe, die mit plastischen Stickereien verziert ist. Sie wendet ihr Gesicht dem Betrachter des Bildes zu und schaut ihm in die Augen. Dabei fächelt sie sich mit einem Fächer Luft zu. Dieser wird im Bildhintergrund erneut aufgegriffen, der zwölf Fächer unregelmäßig an einer Wand angeordnet zeigt. Das Bild ist zwar hell und farbenfroh, jedoch in seiner Geschlossenheit den damaligen Konventionen entsprechend. Der Raum lässt ohne Einrichtung die für Monet typische Atmosphäre vermissen. Daneben gibt es weitere Zugeständnisse an das Publikum mit den Farben der Tricolore, die im Fächer in Camilles Hand aufgegriffen werden. Auch die blonde Perücke Camilles ist ein Bruch mit dem japanischen Stil. Aufgrund der Anpassung des Bildes an den Geschmack des Publikums konnte es auf der zweiten Impressionistenausstellung für den relativ hohen Preis von 2000 Francs verkauft werden. Monet selbst lehnte dieses Bild später ab. Dazu sagte er: „[...] es war Schund, denn es war nichts weiter als eine Laune.“[20]

Die Getreideschober-, Pappeln- und Kathedralenserien

Schon früh begann Claude Monet damit, ein Motiv in verschiedenen Lichtsituationen und Stimmungen festzuhalten. So malte er beispielsweise eine Ansicht von Vétheuil zwei Mal vom selben Standpunkt aus, wobei es einmal nebelig und einmal sonnig war. Auf mehreren Reisen an die normannische Küste im Jahre 1882 malte Monet mehrere Bilder mit dem Titel Hütte des Zollwärters in Varengeville. Dabei wählte er verschiedene Blickwinkel und malte zu verschiedenen Tageszeiten. An den Bildern der Zollwärter-Hütte wird die Entwicklung Monets hin zur Serie deutlich. In den Serien, deren Motive Getreideschober, Pappeln und die Kathedrale von Rouen sind, untersuchte Monet das Licht und seine Wirkungen, der eigentliche Bildgegenstand tritt dabei weitestgehend in den Hintergrund.

1890 begann Claude Monet die Serie von Bildern, welche mit Heu abgedeckte Getreideschober zum Motiv hat. Die Schober fielen ihm bei einem Spaziergang über benachbarte Felder auf und er begann sofort damit, sie zu malen. Er hielt viele verschiedene Lichtverhältnisse fest und bearbeitete die Bilder in seinem Atelier nach. Das Motiv der Getreideschober ist sehr einfach und wurde durch Monet nur leicht variiert, indem er den Abstand zum Objekt veränderte oder einen Weiteren hinzufügte. Trotzdem steht immer der kompakte Schober im Zentrum des Bildes, der jedoch aufgrund veränderter Licht- und Umgebungsbedingungen auf jedem Bild anders wirkt. So wirken die Getreideschober-Bilder, die Monet im Winter malte, mit den verwendeten blauen Farben im Gegensatz zum Bild, das einen Schober im Sonnenuntergang zeigt und von der Farbe Rot dominiert wird, recht kühl. Dabei blieb der Natureindruck der Ausgangspunkt des Bildes. Er wurde aber durch die Vorstellung Monets ergänzt und weiter herausgearbeitet.

Neben der Getreideschober-Serie malte Monet zur selben Zeit 23 Bilder, welche eine Pappelallee am rechten Ufer der Epte bei Limetz zeigen. Dieses Motiv war für Claude Monet mit seinem Atelier-Boot leicht zu erreichen. Kurz nachdem er dieses Motiv gefunden hatte, standen die Bäume zur Versteigerung. Er bat die Gemeinde um Aufschub, diese lehnte jedoch ab. Er erstattete dem Käufer, einem Holzhändler, die Differenz zwischen der Versteigerungssumme und seinen Preisvorstellungen und erreichte damit eine Verzögerung. Auch das Motiv der Pappeln zeigte er bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen verschiedener Tages- und Jahreszeiten. Im Gegensatz zu den Schober-Bildern verwendete Claude Monet für die Pappel-Serie eine andere Bildkomposition. Die Schober sind ein kompaktes Element, welches sich zentral im Bild befindet. Stattdessen strukturieren die Pappeln und ihre Spiegelungen im Wasser die Bilder in der Senkrechten, und zeigen mit dem waagerechten Ufer Monets Willen zur linearen Komposition dieser Bilder. Beim Malen dieser Serie verwendete Monet oft die Komplementärfarbenpaare Blau-Violett und Gelb-Orange, die er in kleinen Tupfern auftrug. Insgesamt arbeitete Claude Monet immer mehr mit Farbharmonien, die er fein abstimmte. 1892 präsentierte Durand-Ruel 15 der Arbeiten. Es war das erste Mal, dass eine Bilderserie ohne weitere Werke ausgestellt wurde. Wie schon die Getreideschober-Bilder stießen die Bilder der Pappelallee auf positive Kritik.

Mit seiner Bilderserie Kathedrale von Rouen, die zwischen 1892 und 1894 entstand, gelang Claude Monet der endgültige Durchbruch. Im Vorfrühling der Jahre 1892 und 1893 malte Monet von fünf nur geringfügig unterschiedlichen Positionen aus die Westfassade der Kathedrale. Dabei nimmt die Fassade auf 30 Gemälden annähernd die gesamte Leinwand ein, während drei Bilder kleinere Ausschnitte zeigen. Die extreme Nähe zum Motiv und der begrenzte Bildausschnitt waren eine Neuerung zur Zeit Monets. Es fehlt die Distanz zwischen Maler und Objekt. Monet bildete jedoch nicht die Architektur an sich ab, sondern ihre Wirkung in verschiedenen Lichtverhältnissen. Diese Lichtunterschiede werden in den verschiedenen Farben und Farbharmonien der Bilder deutlich. 1894 überarbeitete Monet die Bilder dieser Serie im Atelier, wobei er die unterschiedliche Stimmung abbildenden Werke gleichzeitig bearbeitete und keines abgab, bevor die komplette Serie fertiggestellt war. Die Bilder der Serie Kathedrale von Rouen bestätigten Monets künstlerischen Durchbruch.

Reisebilder

Bordighera, 1884, Art Institute of Chicago
Das Parlament von London, 1904, Musée d’Orsay in Paris
Abendstimmung in Venedig, 1908, Bridgestone Museum of Art in Tokio
Palazzo Dario in Venedig

Claude Monet unternahm während seines Lebens mehrere Reisen an die französische Kanalküste, die französische Mittelmeerküste, nach Norwegen, London und Venedig. Besonders die Erfindung der Eisenbahn und die mit ihr verbundenen Zugverbindungen ermöglichten schnellere und billigere Reisen, so dass Monet es sich leisten konnte, mehrmals innerhalb Frankreichs zu reisen. Dabei war er immer mit seinen Malutensilien unterwegs und malte an den besuchten Orten.

Im Dezember 1883 unternahm Monet zusammen mit Renoir eine Reise in den Süden Frankreichs. Anfang 1884 kehrte Monet allein ans Mittelmeer bei Bordighera zurück. Auf dieser Reise entstand zum Beispiel das Bild Bordighera, welches den typischen Stil dieser Bilder aufweist. Im Vordergrund des Bildes befinden sich arabeskenartig verdrehte Bäume. Im zum Meer hin tiefer liegenden Hintergrund ist die Ortschaft zu erkennen. Monet verwendet Farben wie Rosa, Orange, Ultramarin und Türkisblau, die er vorher kaum benutzt hatte. So ist auf diesem Bild das strahlende Blau des Meeres besonders auffällig. Monet sagte über die Darstellung dieser Farben, „man brauchte auf seiner Palette Diamanten und Edelsteine“. Insgesamt brachte Monet von seinem Mittelmeeraufenthalt etwa 50 Bilder mit zurück, von denen er die meisten erst im Atelier vollendete.

Claude Monet reiste mehrmals nach London, wo er sich schon 1870/1871 aufgehalten hatte. Während seiner Malreise 1900 in die britische Hauptstadt begann Monet vom Hotel Savoy und vom St. Thomas Hospitals aus eine Serie von Bildern des Parlaments von London und der Waterloo Bridge. Mit insgesamt über 100 London-Bildern ist dies nach den Seerosenbildern die umfangreichste Serie Monets. Er malte dabei auf mehreren Leinwänden gleichzeitig, um die verschiedenen und wechselnden Lichtstimmungen festzuhalten. Dabei skizzierte er meist nur und malte Anfänge, die dann im Atelier weiter ausgearbeitet wurden. Erstaunlich dabei ist, dass Claude Monet nach 20 Jahren wieder Motive aus der Großstadt malte. Das Bild aus der Serie Das Parlament von London aus dem Jahr 1904 zeigt das Gebäude in einer gedrückten Atmosphäre. Es dominieren dunkle Farbtöne und die Umrisse des Gebäudes treten scharf hervor. Im Kontrast dazu steht die orange-rote Sonne, deren Licht sich auf der Themse spiegelt. Wieder, wie schon bei der Bilderserie der Kathedrale von Rouen, malt Monet nicht die neugotische Architektur des Gebäudes, sondern allein seine Wirkung im Licht. Da Monet das Parlamentsgebäude meist im Gegenlicht malte, zeigt dieses Bild wahrscheinlich die Abenddämmerung. Dabei änderten sich die Lichtverhältnisse sehr schnell. Auf die London-Bilder reagierte die Kritik sehr positiv und sie konnten zu hohen Preisen verkauft werden.

Die Bilder, die Claude Monet 1908 in Venedig malte, erreichen einen Abstraktionsgrad in den Farbteppichen, der nicht mehr der Augenblickmalerei des Impressionismus entspricht. Er studierte die Atmosphäre der Stadt und hielt sie erst für nicht abbildbar, begann dann jedoch enthusiastisch zu malen. So entstand beispielsweise die Abendstimmung in Venedig, welche die Kirche San Giorgio Maggiore im Licht der untergehenden Sonne zeigt. Im Wasser spiegeln sich der Kirchturm und das Licht der Sonne. Mit der Pinselführung deutete Monet die Wellenbewegung des Wassers plastisch an. Am oberen Bildrand dominiert die Farbe blau, während in Richtung Horizont immer mehr gelbe und rote Farbtöne hervortreten und dominieren. Diese Farben der Venedig-Bilder, wie auch bei diesem, leuchten stark, sind jedoch nicht die Abbildung des Orginalmotives. Mehrere Male ist auch der Palazzo Dario in Venedig sein Motiv. Monet malte den Palazzo immer aus der gleichen Perspektive, jedoch bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Claude Monet begann viele Gemälde in Venedig und überarbeitete sie manchmal jahrelang noch im Atelier. Zum Teil beginnt er die Bilder noch einmal von Neuem. Damit spielt die Erinnerung an das Motiv und Empfindung eine größere Rolle ein, als das ursprüngliche Motiv. Seine Werke aus Venedig wurden erneut von den Kritikern lobend aufgenommen. So wurden die Bilder beispielsweise als „farbig schillernde Ferien“ bezeichnet.

Seerosenbilder und der Garten von Giverny

Weg im Garten des Künstlers, 1901/1902, Österreichische Galerie in Wien
Seerosen, 1906, Art Institute of Chicago
Seerosen, etwa 1915, Neue Pinakothek München
Die japanische Brücke, etwa 1899, National Gallery in London

Seine letzten 30 Lebens- und Schaffensjahre beschäftigte sich Monet hauptsächlich mit der Anlage und Gestaltung seines Gartens in Giverny, der sich in den clos normand genannten Ziergarten und den sogenannten jardin d’eau oder Wassergarten mit seinem Seerosenteich untergliedert. Beide dienten ihm häufig als Motiv für seine Gemälde. Er kaufte exotische Pflanzen, die zum Teil erst wenige Jahre in Frankreich bekannt waren, und komponierte das Farbzusammenspiel der Blüten.

Das Bild Weg im Garten des Künstlers, das 1901 und 1902 entstand, ist Teil einer Reihe annähernd quadratischer Bilder vom selben Motiv. Es zeigt einen zum Haus führenden Weg durch den Garten. Das Haus im Hintergrund befindet sich in der Mitte der Blickachse, ist jedoch aufgrund der Pflanzenfülle nur schwach zu erkennen. Der Weg wird von Kletterrosen überrankt, was ihm den Namen „Rosenweg“ eintrug, und von Rabatten begrenzt. Besonders dominant tritt die violette Blütenfarbe aus diesen Beeten hervor, während die obere Bildhälfte von der Farbe Rot dominiert wird. Auf dem Weg treten dunkel die von den rankenden Rosen geworfenen Schatten stark hervor. Das Bild ist symmetrisch aufgebaut, wirkt jedoch aufgrund der Farbfülle nicht streng.

Monet beschäftigte einen Gärtner allein zur Pflege der Seerosen im Wassergarten. Der Teich ist neben den Seerosen von Seegras und Algen belebt, während am Ufer Schilf, Iris und Trauerweiden wachsen. Claude Monet gab die großen Landschaftskompositionen auf und fokussierte auf die Teilansicht. Er konzentrierte sich auf Ausschnitte der Wasseroberfläche. Die abgebildeten Wasserlandschaften haben keinen Horizont mehr, so taucht der Himmel nicht mehr am oberen Bildrand auf. Nur noch als Spiegelung erscheint der Himmel im Bild, wie auch Bäume. Deshalb können die Bilder kaum noch zu Landschaftsbildern gezählt werden. So verwendete Monet den Begriff „Reflexlandschaften“. Er malte die Landschaften nicht nur im Freien, sondern auch im Atelier, kehrte jedoch immer wieder zum Originalmotiv zurück. Die Bilder vom Seerosenteich zeigen die am weitesten vorangetriebene Auflösung des Motivs. Die breit lagernden Blätterinseln der Seerosen bilden horizontale Strukturen, während die Spiegelungen im Wasser vertikale Strukturen schaffen. Dass diese geometrischen Strukturen nicht langweilig wirken, liegt vor allem an der auflockernden Wirkung der Blüten. Auch trägt die Farbe zur Auflockerung bei. Sie ist in viele einzelne Nuancen aufgespalten, so dass innerhalb eines Bildes wechselnde Farbtöne vorliegen. Dabei gab Claude Monet die Lichtwahrnehmung so wieder, dass im Bild das flimmernde Mosaik aus Farben ersichtlich wird. Die Farbe wurde von Monet in Tupfen und Strichen aufgetragen, wobei die erste Farbschicht sehr dünn ist und von den späteren, dickeren Schichten überdeckt wird. Mit der Zeit änderte sich Monets Farbauftrag. Während die ersten Bilder mit kurzen Punkten und Flecken gemalt wurden, werden die Striche auf den späteren Seerosenbildern dicker und bilden strudelartige Strukturen. Daneben entfernten sich die Farben des Bildes von der tatsächlichen Objektfarbe. Weiterhin wurden die Formate immer größer. So sind die Seerosendekorationen beispielsweise mit Größen von 2 × 6 Metern aus dem Jahr 1926 im Vergleich mit einem Bild aus dem Jahr 1904 mit 90 × 92 Zentimetern stark gewachsen.

Neben den Seerosen-Bildern malte Monet in seinem Wassergarten mehrere Bilder mit dem Titel Die japanische Brücke. Die Brücke ließ Claude Monet nach japanischem Vorbild errichten. Vor allem ihretwegen erhielt der Wassergarten den Beinamen „Japanischer Garten“. Schon 1895 und 1897 malte Monet dieses Motiv. Erst 1899/1900 wurde daraus eine zusammenhängende Serie. Die Bilder zeigen die Brücke aus einer frontalen Ansicht von der Westseite des Teiches aus. Die Wasserfläche wird von Seerosen bedeckt und von der Brücke überspannt. Allein das Geländer der Brücke zeigt lineare Strukturen in dem Bild. Im Bildhintergrund befindet sich die üppige Ufervegetation. Auf dem Wasser spiegeln sich diese zusammen mit der Brücke. Die Wasserfläche und die Umgebung des Teiches verschmelzen miteinander aufgrund des homogenen Pinselstrichs. Auch in dieser Serie ist der Himmel zumindest nicht direkt, sondern nur über Spiegelungen und Lichtreflexe zu erkennen, da Flora und Wasser die gesamte Fläche des Bildes einnehmen. Die ersten Bilder der Serie beinhalten eine strenge Symmetrie, die in den späteren Bildern aufgehoben wurde, da Monet stärkere Farbkontraste verwendete und das linke Ufer mehr einbezog. Nach 1908 tauchte das Motiv der Brücke lange Zeit nicht mehr in den Bildern Monets auf. Erst 1920 malte er weitere Bilder dieser Serie, die sich jedoch radikal von den früheren unterscheiden. Sie sind eine einzige große Farbmasse, aus der die Brücke allein mit zwei dunklen Bögen angedeutet hervortritt.

Bedeutung

Künstlerische Bedeutung, Beachtung und Bekanntheit

Claude Monets Werk umfasst die Einflüsse mehrerer Stilepochen. Sein Frühwerk gehört zum Realismus, von dem er sich immer weiter weg entwickelte. Er war ein bedeutendes Mitglied der Gruppe der Impressionisten und einige seine Werke werden mit zu den wichtigsten Bildern dieser Stilepoche gezählt. Sein Spätwerk besteht vor allem aus Serien- und Gartenbildern. Vor allem dieses Spätwerk Monets stieß in der Zeit nach seinem Tod auf wenig Interesse. Die Seerosen-Dekorationen, die Claude Monet dem französischen Staat geschenkte hatte, wurden zwar am 17. Mai 1929 in der Pariser Orangerie als „Musée Monet“ der Öffentlichkeit präsentiert, diese zeigte jedoch nur wenig Interesse. In diesen Räumlichkeiten wurde 1931 eine Retrospektive Monets gezeigt, in der ebenfalls das Spätwerk deutlich unterrepräsentiert war. In der Folge veranstaltete das Museum einige andere Ausstellungen in diesen Räumen, was dem mit Claude Monet geschlossenen Vertrag widersprach. Bei einer Präsentation flämischer Teppiche wurden 1935 sogar die Bilder mit diesen verhangen. Die Kritik bewertete die Werke aufgrund der sich auflösenden Form und der besonders intensiven Farben negativ, da ihnen der empirische Bezug zur Natur fehlte. Die Bilder widersprachen damit der Vorstellung, dass im Impressionismus das Naturvorbild optisch genau wiedergegeben wird. Bis in die 1980er-Jahre unterschied man in der Kunstwissenschaft mit wenigen Ausnahmen zwischen dem impressionistischen Frühwerk, das die zwischen 1870 und 1880 entstandenen Bilder umfasst, und dem negativ beurteilten Spätwerk.[21] Zu Beginn der 1880er-Jahre erschien die Welt zunehmend als bedrohlich, was das Imaginäre und Visionäre als Gegenposition beförderte. Claude Monet wurde zwischen 1880 und der Jahrhundertwende von der zeitgenössischen Kritik als Pionier betrachtet. Er bewegte sich in seinen Bildern nach 1890 zwischen Naturalismus und Abstraktion, was die Zuordnung seiner späten Bilder zu einer Stilrichtung verhindert.

Künstler wie Max Liebermann, Augusto Giacometti oder Lovis Corinth würdigten Monets impressionistische Werke und wurden von ihnen beeinflusst. Dieser Einfluss Monets, auch über seinen Tod hinaus, erlosch mit dem Tod Pierre Bonnards 1947, der sich selbst als den „letzten Impressionisten“ bezeichnete. Während die Kubisten die Werke Monets wegen der Auflösung der statischen Formen ablehnten, erkannten vor allem ausländische Maler wie beispielsweise Wassily Kandinsky die Bedeutung Claude Monets für die Moderne.

Ende der 1940er- und in den 1950er-Jahren kam es zu einem Monet-Revival. 1947 sagte Marc Chagall über Claude Monet: „Heute ist Monet für mich der Michelangelo unserer Epoche [...].“[22] In seiner Würdigung nahmen die späten Werke jedoch keine besondere Position ein. Im Gegenteil dazu bezeichnete André Masson 1952 die Seerosendekorationen als „Sixtinische Kapelle des Impressionismus“.[23] Einen großen Anteil an der wachsenden Popularität hatte daneben die Nachkriegsmalerei der USA, in der die Geste mehr in den Vordergrund rückte und der Anti-Rationalismus durchsetzte. Das Interesse am Spätwerk kam vor allem mit der abstrakten Malerei wieder auf. Über 300 amerikanische Künstler reisten in den 1950er-Jahren nach Paris, wo sie auch Monet studierten. Neben diesen Entwicklungen trugen auch erste größere Einzelausstellungen in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts zur internationalen Anerkennung des Werkes von Claude Monet bei. Dabei kommt der Impressionisten-Ausstellung in der Kunsthalle Basel des Jahres 1949 eine Sonderstellung zu, da, vor allem aus Sachzwängen heraus, die meisten ausgestellten Werke zu den Seerosenbildern gehörten. In Folge dessen stiegen auch die Besucherzahlen in der Orangerie an.

Kommerzieller Erfolg

Lange Zeit seines künstlerischen Schaffens lebte Claude Monet am Existenzminimum. Seine Werke wurden wie auch die anderer Maler, die nicht den klassischen, beim Publikum beliebten Malstil pflegten, meist von den Käufern gemieden. Mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 zogen die Bilderpreise an und auch Werke der Impressionisten fanden zum Teil zu unerwartet hohen Preisen Absatz. Der Kunsthändler Paul Durand-Ruel, den Monet während seines Aufenthaltes in London kennengelernt hatte, kaufte über Jahre hinweg Werke Monets und anderer von der Kritik abgelehnter Künstler. Er zahlte nicht viel, die regelmäßigen Einnahmen ließen Monet jedoch ein finanziell abgesichertes Leben führen. 1873 musste Durand-Ruel die Unterstützung der Impressionisten einschränken, da in Folge einer Wirtschaftskrise in Frankreich auch der Kunstmarkt nachgab. Der Preisverfall war bei Werken der Impressionisten besonders groß.[24] So hatte Ernest Hoschedé 1874 auf der ersten Impressionisten-Ausstellung das Bild Impression – Sonnenaufgang für 800 Francs erworben. 1877 auf der Zwangsversteigerung in Folge seines Konkurses erzielte dieses Werk nur noch 200 Francs. Besonders diese Auktion dokumentierte öffentlich den Preisverfall der Bilder impressionistischer Künstler. Die Situation Monets verschlechterte sich in der Folge erneut. Ende 1878 sagte Monet dazu: „Ich bin kein Anfänger mehr, und es ist schrecklich, in meinem Alter in einer solchen Lage zu sein, immer betteln und Käufer belästigen zu müssen.“[25] Erst nach dem Umzug nach Giverny verbesserte sich Monets Lage wieder, als Durand-Ruel seine Unterstützung der Impressionisten wieder in vollem Umfang aufnehmen konnte. Die Werke Monets fanden immer größere Anerkennung und die Preise für seine Bilder stiegen. So konnte er beispielsweise für die Bilder der Serie Kathedrale von Rouen Mitte der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts Preise von 15 Tausend Francs erzielen. In seinem Haus in Giverny besuchten ihn bedeutende Kunstsammler wie Matsukata Kojiro.

Ende der 1980er-Jahre erzielten die Werke der Impressionisten Auktionsergebnisse, welche die Mehrheit heute nicht mehr erreichen. Monet bildet dabei eine Ausnahme. So erzielte eines der Seerosenbilder von 1907 im Jahre 1989 den Preis 10,5 Millionen Dollar und konnte im November 2005 bei Christie’s mit zwei Millionen Dollar Gewinn wieder veräußert werden. Das liegt auch daran, dass nur wenige Werke Monets auf den Markt kommen. 2004 waren es 26, 2005 22 und 2006 28 Bilder. Dagegen sind es bis zur Jahreshälfte 2007 bereits 27 gewesen. Im Juni 2007 wurde ein Bild der Seerosenserie aus dem Jahr 1904, das auf 10 bis 15 Millionen Pfund geschätzt worden war, bei Sotheby’s für 18,5 Millionen Pfund versteigert. Der Käufer war ein asiatischer Sammler. Es ist damit das drittteuerste Werk Monets nach der Eisenbahnbrücke von Argenteuil, die im Mai 2008 für 41,4 Millionen Dollar[26] im Auktionshaus Christie’s den Besitzer wechselte, und einem Seerosenbild aus dem Jahr 1900, das 1998 bei Sotheby’s für 19,8 Millionen Pfund versteigert wurde [27]

2008 erzielte das Seerosenbild „Les Bassin aux nympheas“ bei Christie’s 51,7 Mio. Euro.

Rezeption

Claude Monets Werke werden in der Alltagskultur häufig als Kalender- und Postkartenmotive verwendet. Daneben waren Claude Monet und sein Arbeiten das Motiv von Bildern einiger der anderen Impressionisten. Und auch in der Literatur hatte sein Wirken Auswirkungen.

Literatur

Der französische Schriftsteller Marcel Proust ließ sich in seinem Werk von Claude Monet inspirieren. Er besaß eine Affinität zum Impressionismus im Allgemeinen und bewunderte im besonderen die Werke Monets. Dabei wird dieser in Prousts Werken nicht oft genannt, aber es gibt thematische Parallelen.[28] So beschrieb Marcel Proust in seinem Roman A la recherche du temps perdu Phänomene, die Monet auf der Leinwand festhielt. Der Erzähler in diesem Buch gibt seine Eindrücke der Wolken und des Meeres in Balbec verbal wieder. In den Romanfragmenten Jean Santeuil wird Claude Monet mehrmals namentlich erwähnt, indem ein Sammler aus Rouen Gemälde Monets kauft. Ebenfalls wird in den Fragmenten vom Erzähler der Eindruck von fünf Gemälden Monets beschrieben, den diese auf ihn ausübten.[29] Auch in dem Roman Sodom und Gomorrha wird Monet einmal genannt, zusammen mit dem Ausruf „Oh, diese Kathedralen!“.

Malerei

Claude Monet wurde von seinen Künstlerfreunden der Gruppe der Impressionisten auf mehreren Bildern dargestellt. So porträtierte Pierre-Auguste Renoir Monet drei Mal. Das erste Bild zeigt den sitzenden, Pfeife rauchenden Monet beim Lesen der Zeitung und stammt aus dem Jahr 1872. Auf dem zweiten Bild, das aus dem Jahr 1873 stammt, ist Monet beim Malen in seinem Garten zu sehen, wobei sein ganzer Körper in der unteren rechten Ecke des Bildes zu sehen ist. Das dritte Bild aus dem Jahr 1875 zeigt Monet stehend beim Malen mit Palette und Pinsel in den Händen. Dabei ist nur sein Oberkörper abgebildet. Auch Édouard Manet thematisierte Claude Monet auf einem Bild. Dieses zeigt Monet zusammen mit seiner Frau Camille im Atelierboot, welches er zum Malen auf dem Wasser verwendete.

Monets Einfluss ist daneben bei vielen Künstlern der Moderne nachzuweisen. So ähneln die dichten Farbtexturen von Jackson Pollock denen von Monets späten Werken. Und auch die Serie Blumen[30] des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol ist von den Seerosenbildern Claude Monets inspiriert, die er im Museum of Modern Art gesehen hatte.

Film

Seinebrücke bei Argenteuil, 1874, Neue Pinakothek in München

In dem Schwarz-Weiß-Film Ceux de chez nous, einer Dokumentation aus dem Jahr 1915, wird Claude Monet auch thematisiert. Der Regisseur Sacha Guitry betrachtete die französische Kultur während des Ersten Weltkriegs. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf Renoir, betrachtete aber auch Degas und Monet, der beim Malen seiner Seerosenbilder gefilmt wurde.

Der Himmel im Monet-Gemälde Seinebrücke bei Argenteuil (1874) war Namensgeber für den Film Vanilla Sky aus dem Jahr 2001. Der Hauptdarsteller lebt ab dem Wendepunkt des Films in einer aus seinen Gedanken erschaffenen Scheinwelt, die sich dadurch von der Realität unterscheidet, dass ihr Himmel dieselbe Farbe hat, wie der Himmel in einigen Werken Monets.

Werke (Auswahl)

Diese Liste enthält 39 Werke Monets, die einen repräsentativen Querschnitt durch sein Werk darstellen. Die Auswahl orientiert sich an den unter Literatur aufgeführten Büchern Claude Monet von Karin Sagner aus dem DUMONT-Verlag und Monet von Christoph Heinrich aus dem Taschen-Verlag.

Bild Titel Entstanden Größe, Material Ausstellung/Sammlung/Besitzer
Das Frühstück im Grünen 1865/1866 248 × 217 cm, Öl auf Leinwand Musée d’Orsay in Paris
Camille im grünen Kleid 1866 231 × 151 cm, Öl auf Leinwand Kunsthalle Bremen in Bremen
Frauen im Garten 1866 256 × 208 cm, Öl auf Leinwand Musée d’Orsay in Paris
Die Terrasse von Sainte-Adresse 1867 98 × 130 cm, Öl auf Leinwand Metropolitan Museum of Art in New York
Die Kirche Saint-Germain-l’Auxerois 1867 79 × 98 cm, Öl auf Leinwand Nationalgalerie in Berlin
Der Fluss/Am Ufer von Bennecourt 1868 81 × 100 cm, Öl auf Leinwand Art Institute of Chicago in Chicago
La Grenouillère/Der Froschteich 1869 75 × 100 cm, Öl auf Leinwand Metropolitan Museum of Art in New York City
Der Strand von Trouville 1870 38 × 46 cm, Öl auf Leinwand National Gallery in London
Windmühlen bei Zaandam 1871 47 × 73 cm, Öl auf Leinwand Privatbesitz
Impression – Sonnenaufgang 1873 48 × 63 cm, Öl auf Leinwand Musée Marmottan Monet in Paris
Mohnfeld bei Argenteuil 1873 50 × 65 cm, Öl auf Leinwand Musée d’Orsay in Paris
Boulevard des Capucines 1873 61 × 80 cm, Öl auf Leinwand Puschkin-Museum in Moskau
Seinebrücke bei Argenteuil 1874 60 × 81,3 cm, Öl auf Leinwand Neue Pinakothek in München
Camille im japanischen Kostüm 1875/1876 231,5 × 142 cm, Öl auf Leinwand Museum of Fine Arts in Boston
Bahnhof Saint-Lazare, Ankunft eines Zuges 1877 82 × 101 cm, Öl auf Leinwand Harvard University Art Museum an der Harvard University
Rue Saint-Denis am Fest des 30. Juni 1878 1878 76 × 52 cm, Öl auf Leinwand Musée des Beaux-Arts et de la Céramique in Rouen
Sonnenblumenstrauß 1880 101 × 81 cm, Öl auf Leinwand Metropolitan Museum of Art in New York City
Hütte des Zollwärters in Verengeville 1882 60 × 78 cm, Öl auf Leinwand Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam
Stürmisches Meer bei Etretat 1883 81 × 100 cm, Öl auf Leinwand Musée des Beaux-Arts in Lyon
Bordighera 1884 64,8 × 81,3 cm, Öl auf Leinwand The Art Institute of Chicago, Mr. and Mrs. Potter Palmer Collection
Dame mit Sonnenschirm 1886 131 × 88 cm, Öl auf Leinwand Musée d’Orsay in Paris
Felspyramide von Port-Coton bei rauer See 1886 65 × 80 cm, Öl auf Leinwand Puschkin-Museum in Moskau
Junge Mädchen in einem Boot 1887 145,5 x 133,5 cm, Öl auf Leinwand Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio




Getreideschober 1890/1891 verschiedene Formate, Öl auf Leinwand verschiedene Ausstellungsorte




Pappeln 1891 verschiedene Formate, Öl auf Leinwand verschiedene Ausstellungsorte




Kathedrale von Rouen 1891-1894 verschiedene Formate, Öl auf Leinwand verschiedene Ausstellungsorte
Seinearm bei Giverny 1897 81 × 92 cm, Öl auf Leinwand Museum of Fine Arts in Boston
Seinearm bei Giverny 1897-1899 81 × 100 cm, Öl auf Leinwand Galleria Nazionale d'Arte Moderna in Rom
Seerosenteich, Harmonie in Grün 1899 89 × 93 cm, Öl auf Leinwand Musée d'Orsay in Paris
Weg im Garten des Künstlers 1902 89 × 92 cm, Öl auf Leinwand Österreichische Galerie Belvedere in Wien
Das Parlament von London, Sonnenuntergang 1902 81 × 92 cm, Öl auf Leinwand National Gallery of Art in Washington D.C.
Der Palazzo da Mula 1908 62 × 81 cm, Öl auf Leinwand National Gallery of Art in Washington D.C.
Seerosen um 1920 200 × 427 cm, Öl auf Leinwand National Gallery in London

Literatur

  • Christoph Heinrich: Monet. Taschen-Verlag, Köln 2006, ISBN 3-8228-6368-8
  • Karin Sagner-Düchting: Claude Monet und die Moderne. Prestel-Verlag, München 2001, ISBN 3-7913-2614-7
  • Karin Sagner: Claude Monet. DUMONT, Köln 2005, ISBN 3-8321-7598-9
  • Karin Sagner: Claude Monet in Giverny. 4.Auflage. Prestel-Verlag, München 2006, ISBN 978-3-7913-3438-7
  • Karin Sagner: Monet. 10. Auflage. Taschen-Verlag, Köln 2006, ISBN 3-8228-5021-7
  • Daniel Wildenstein: Monet. 4 Bände. Taschen-Verlag, Köln 1996, ISBN 3-8228-8725-0
  • Matthias Arnold: Claude Monet. 2. Auflage. Rowohlt-Verlag, Reinbek 2003, ISBN 3-499-50402-2
  • Janice Anderson: Monet. Verlag EDITION XXL, 2005, ISBN 3-89736-332-1
  • Dorothee Hansen (Hrsg.), Wulf Herzogenrath (Hrsg.): Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus. Hirmer Verlag GmbH, München 2005. ISBN 3-7774-2705-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Matthias Arnold: Claude Monet, Rowohlt, Hamburg, 1998, Seite 9
  2. Berühmte Maler auf einen Blick – Claude Monet, DuMont, 1999, Seite8
  3. Matthias Arnold: Claude Monet, Rowohlt, Hamburg, 1998, Seite 9
  4. Matthias Arnold: Claude Monet, Rowohlt, Hamburg, 1998, Seite 9 und 10
  5. Aus einem Interview mit Monet von 1900 nach Charles F. Stuckey: Claude Monet 1840-1926, Könemann, Köln, 1996, Seite 204 ff.
  6. John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. DuMont Buchverlag, Köln 1979. 7. Auflage 2001, Seite 29
  7. Hirmer Verlag GmbH: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus. München 2005, Seite 23
  8. Matthias Arnold: Claude Monet, S. 22
  9. a b Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 10
  10. Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 20
  11. Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 48
  12. Anm.: Für die häufig geäußerte Annahme, dass Camille für alle weiblichen Figuren des Bildes Modell stand, gibt es keine Belege; nach: Karin Sager: Bibliothek Großer Maler - Claude Monet, DuMont, 2005, Seite 24
  13. Berühmte Maler auf einen Blick - Claude Monet, DuMont, 1999, Seite 30 und 31
  14. Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 17
  15. Sandro Bocolla: Die Kunst der Moderne – Zu Struktur und Dynamik ihrer Entwicklung – Von Goya bis Beuys, Prestel-Verlag, München, 1994, Seite 127 und 128
  16. Georg Schmidt: Kleine Geschichte der Modernen Malerei, Friedrich-Reinhard-Verlag, Basel, 1979, Seite 22 bis 29
  17. Sandro Bocolla: Die Kunst der Moderne – Zu Struktur und Dynamik ihrer Entwicklung – Von Goya bis Beuys, Prestel-Verlag, München, 1994, Seite 130
  18. Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 32
  19. Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 41
  20. Karin Sagner: Claude Monet. DUMONT, Köln 2005, Seite 64
  21. Karin Sagner-Düchting: Claude Monet und die Moderne. Prestel Verlag, München 2001, Seite 20
  22. Karin Sagner-Düchting: Claude Monet und die Moderne. Prestel Verlag, München 2001, Seite 22
  23. Karin Sagner: Claude Monet. DUMONT, Köln 2005, Seite 23
  24. Peter H. Feist: Pierre-Auguste Renoir. Taschen, Köln 2006.
  25. Christoph Heinrich: Monet. Taschen, Köln 2006, Seite 48
  26. http://www.nytimes.com/2008/05/07/nyregion/07auction.html?scp=2&sq=monet&st=nyt
  27. http://diepresse.com/home/kultur/news/311780/index.do
  28. http://www.marcel-proust-gesellschaft.de/marcel_proust/iessay/monet_proust.pdf Seite 1
  29. http://www.marcel-proust-gesellschaft.de/marcel_proust/iessay/monet_proust.pdf Seite 5
  30. Abbildung: http://www.moma.org/collection/browse_results.php?criteria=O%3AAD%3AE%3A6246&page_number=33&template_id=1&sort_order=1

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