Clinamen


Clinamen

Als Clinamen (griechisch: geringfügige Abweichung) bezeichnen Epikur und Lukrez das Element des Zufalls im Rahmen des Determinismus.

Zugrunde liegt dabei die Vorstellung, dass die Welt aus kleinsten Teilchen (Atomen) besteht, die sich in einem unaufhörlichen Fall durch den leeren Raum befinden. Bei diesem Fall blieben sie getrennt, gäbe es nicht kleinste Bewegungsabweichungen, durch die es zu Zusammenballungen und zu den Erscheinungen der Sinnenwelt kommt.

In den Worten von Lukrez' De rerum natura:

wenn die Körper durchs Leere nach unten geradewegs stürzen
mit ihrem eignen Gewicht, so springen zu schwankender Zeit
und an schwankendem Ort von der Bahn sie ab um ein Kleines,
so, daß du von geänderter Richtung zu sprechen vermöchtest.
Wären sie nicht gewohnt sich zu beugen (declinare solerent), würd alles nach unten,
wie die Tropfen des Regens, fallen im grundlosen Leeren,
wäre nicht Anstoß entstanden noch Schlag den Körpern geschaffen
worden. So hätte nichts die Natur je schaffend vollendet.

(Buch 2, V. 217-224, Übers. Karl Büchner)

Den Begriff clinamen gebraucht Lukrez wenig später, nachdem er die Möglichkeit des Menschen, in den gesetzmäßigen Ablauf der Dinge einzugreifen, als Beleg angeführt hat, dass dieser Ablauf nicht vollständig determiniert sein kann:

Daß der Sinn aber selber nicht habe
inneren Zwang in allen Dingen, welche er anfängt,
und wie ein Besiegter gedrängt ist zu tragen und zu leiden,
das bewirkt der Ursprungskörper winzige Beugung (exiguum clinamen),
weder am festen Ort noch auch zum sicheren Zeitpunkt.

(V. 289-293)

Literatur:

  • Lukrez: De rerum natura. Welt aus Atomen, übersetzt und mit einem Nachwort herausgegeben von Karl Büchner, Stuttgart: Reclam 1986

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Clinamen — (pronounced /klaɪˈneɪmɛn/, plural clinamina, derived from clīnāre, to incline) is the Latin name Lucretius gave to the unpredictable swerve of atoms, in order to defend the atomistic doctrine of Epicurus. According to Lucretius, the unpredictable …   Wikipedia

  • Clinamen —  ♦ Clinamen    Латинское слово, которое можно перевести как отклонение. В эпикурейской философии, в частности у Лукреция, это едва заметное отклонение атомов, которое отодвигает их в неопределенное место и время («О природе вещей», книга 2). Это… …   Философский словарь Спонвиля

  • Clinamen — Dans la physique épicurienne, le clinamen est un écart, une déviation (littéralement une déclinaison) spontanée des atomes par rapport à leur chute verticale dans le vide, qui permet aux atomes de s entrechoquer. Cette déviation est spatialement… …   Wikipédia en Français

  • Clinamen — Para la teoría de Epicuro, véase Clínamen. Clinamen, revista cultural uruguaya fundada en 1947 y que llegó a publicar cinco números hasta junio de 1948. El consejo de redacción estaba integrado por Ángel Rama,Ida Vitale, Víctor Bacchetta y Manuel …   Wikipedia Español

  • clinamen — (kli na mèn ) s. m. Terme de philosophie. La déclinaison des atomes, dans le système d Épicure. •   Le clinamen viole l essence de la matière, FÉN. Exist. 85. ÉTYMOLOGIE    Clinamen, inclinaison, de clinare, incliner (voy. cligner) …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

  • clinamen — (Lat., inclination) In the atomism of Epicurus, the ‘swerve’ of atoms responsible for introducing indeterminacy into an otherwise deterministic system …   Philosophy dictionary

  • clinamen — cli·na·men …   English syllables

  • clinamen —   n. (pl. mina) bias …   Dictionary of difficult words

  • clinamen — …   Useful english dictionary

  • Teoría del clínamen — Para la revista literaria, véase Clinamen. La teoría del clínamen es una interesante solución propuesta por Epicuro al problema del libre albedrío prescindiendo de un dios garante de libertad. Esta teoría ha tenido una importantísima influencia a …   Wikipedia Español