Cluster (Wirtschaft)


Cluster (Wirtschaft)

Cluster können aus ökonomischer Sicht als Netzwerke von Produzenten, Zulieferern, Forschungseinrichtungen (z. B. Hochschulen), Dienstleistern (z. B. Design- und Ingenieurbüros), Handwerkern und verbundenen Institutionen (z. B. Handelskammern) mit einer gewissen regionalen Nähe zueinander definiert werden, die über gemeinsame Austauschbeziehungen entlang einer Wertschöpfungskette (z. B. Automobilproduktion) entstehen oder die sich aufgrund gemeinsamer günstiger Standortfaktoren regional ballen. Die Mitglieder stehen dabei über Liefer- oder Wettbewerbsbeziehungen oder gemeinsame Interessen miteinander in Beziehung.

Inhaltsverzeichnis

Definition und Allgemeines

Wirtschaftliche Cluster sind Netzwerke von eng zusammen arbeitenden Unternehmen.

Man spricht erst dann von einem Cluster, wenn sich eine gewisse ("kritische") Anzahl von Unternehmen in räumlicher Nähe zueinander befindet, deren Aktivitäten sich entlang einer oder mehrerer Wertschöpfungsketten ergänzen oder miteinander verwandt sind. Erst unter dieser Bedingung kann ein Wachstumspool entstehen, der auch Zulieferer und spezialisierte Dienstleister anzieht und Wettbewerbsvorteile für alle beteiligten Unternehmen schafft.

Cluster entstehen vor allem aus der regionalen Ballung von Unternehmen und anderen Organisationen, die ein gemeinsames Tätigkeitsfeld verbindet. In einem Cluster können alle Partner von Synergieeffekten profitieren, die sich aus räumlicher und inhaltlicher Nähe ergeben.

Diese Wettbewerbsvorteile basieren in der Regel auf Gemeinsamkeiten, verbesserter Arbeitsteilung und positiven externen Effekten zwischen den Unternehmen und Institutionen im Cluster. Gemeinsamkeiten bestehen z. B. beim gemeinsamen Interesse an lokal verfügbarem Personal und seiner Qualifizierung. Eine verbesserte Arbeitsteilung wird durch Konzentration der einzelnen Unternehmen auf ihre Kernkompetenz bei Auslagerung von Sekundärfunktionen auf Zulieferer möglich. Als entscheidend für die gesteigerte Innovationskraft eines Clusters wird aber das Ausmaß des impliziten, wettbewerbsrelevanten Wissens, das die Akteure zusammengenommen haben, angenommen. Es wird über informelle Kontakte (das soziale Kapital eines Clusters[1]) und Arbeitsplatzwechsel ausgetauscht und schafft Innovationen. Demgegenüber können auch Nachteile durch Abwerbung und zu große Transparenz entstehen.

Viele Cluster haben eigene Kommunikations- und Koordinationsstrukturen organisiert.[2] So wird die Form der Kommunikation und Koordination von Clustern als zwischen Markt und Hierarchie stehend beschrieben. Ein entscheidendes Medium in diesem Zusammenhang ist Vertrauen.[3] Die Partnerschaft in einer Cluster- und Netzwerk-Initiative bietet eine Reihe von Vorteilen, vor allem die Möglichkeit zum Networking, das Knüpfen von neuen Kontakten. Auf Informations- und Kommunikationsplattformen können Partner sich über Entwicklungen und Trends der jeweiligen Branchen austauschen. Bei der Durchführung von Projekten werden sie ebenfalls unterstützt - durch die Suche von geeigneten Projektpartnern, durch die Unterstützung beim Einwerben von Fördermitteln und durch die Beratung während der Durchführung des Projekts. Weiter gibt es maßgeschneiderte Fortbildungsangebote für die verschiedenen Themengebiete. Bei Veranstaltungen, die von Fachveranstaltungen, Studienreisen, Erfahrungsaustauschrunden bis zu Workshops reichen, können sich Partnerunternehmen der Clusterinitiative spezifisches Know-how aneignen. Die Unterstützung der Cluster- und Netzwerkteams durch Realisierung von Technologiepräsentationen, gemeinsamen Messeauftritten und die gemeinsame Teilnahme an geförderten Projekten kann den Zugang zu neuen Märkten erleichtern.

In der Wirtschaftsförderung betrachtet man den Aufbau von Clustern als aktive Innovationsförderung. Ausgehend von einer Analyse der betreffenden Wertschöpfungskette im regionalen Kontext kann das Potential des Aufbaus und der Förderung eines bestimmten Clusters abgeschätzt und ein Clustermanagement eingesetzt werden. In der Regel dient der Zusammenschluss von Politik, Verwaltung, Forschung, Bildung und Wirtschaft dazu, Wirtschaftstätigkeit und Innovationen in der Region zu fördern und die Region zu profilieren. Fraglich ist jedoch, mit welchen Mitteln der Wirtschaftsförderung und Regionalpolitik die Entstehung von Clustern wirklich zielgerichtet und nachhaltig beeinflusst werden kann und welche Rolle soft factors wie das Bildungssystem dabei spielen. Neben Erfolgsbeispielen stehen auch viele Beispiele gescheiterter Clusterpolitik.

Begriffsgeschichte

Wirtschaftscluster wurden bereits im 19. Jahrhundert von verschiedenen Richtungen der Volkswirtschaftslehre beschrieben, u. a. von Alfred Marshall (Scheuplein 2006). Die moderne Clustertheorie ist von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Michael E. Porter ausgearbeitet worden, der das Cluster zunächst aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht als Resultat ähnlicher komparativer Standortvorteile von mehreren Unternehmen einer Region definierte. Porter unterscheidet dabei folgende Standortbedingungen:

  • Faktorbedingungen (z. B. spezialisierte Ausbildungs- und universitäre Forschungsprogramme; Infrastruktur)
  • Nachfragebedingungen (z. B. anspruchsvolle Kunden, die auf die Entwicklung hochwertiger Produkte drängen)
  • Unterstützende und verwandte Branchen (z. B. Informationsfluss und Kontakte, clusterspezifische Zulieferer und Dienstleister)
  • Strategie und Wettbewerb (z. B. staatliche Investitions- oder Exportförderung)

Lange Zeit dominierte die Vorstellung von marktgetriebenen Clustern. Noch 1998 lehnte die OECD die Subventionierung von Clustern und staatliche Eingriffe strikt ab. Doch seit Mitte der 1990er Jahre fördern Deutschland und andere Staaten verstärkt die Zwischenunternehmensvernetzung mit dem Ziel der Clusterbildung. Seit etwa 2002 wird die Möglichkeit und Notwendigkeit einer öffentlichen Förderung von Clustern in der Literatur fast allgemein akzeptiert.[4] Damit rückten konkretere Aspekte der Interaktions- und Netzwerkstrukturen innerhalb von Clustern und der Evaluierung der Clusterpolitik in den Vordergrund der wissenschaftlichen Diskussion. Doch ist der Clusterbegriff nach wie vor mit erheblicher Unschärfe behaftet.

Kritik

Die Begeisterung der Politik für Clusterinitiativen eilt dem theoretischen Verständnis der Wirkungsweise von Netzwerken weit voraus. Viele Autoren betonen, dass dem Nutzen von Clustern aus regionalökonomischer Sicht potenzielle Kosten gegenüberstehen. Solche Nachteile werden als Folgen von Überspezialisierung, institutionellen Lock-in-Effekten (z. B. die infolge der gemeinsam genutzten regionalen Infrastruktur, umfangreicher Subventionierung und hoher Investitionen in die bestehende Technologie erschwerte Modernisierung von Clustern) oder des Anstiegs von Arbeits-, Lebenshaltungs- und Umweltkosten infolge des Zugriffs auf die gleichen aber regional beschränkten Produktionsfaktoren beschrieben.[5]

Reine Produktionscluster spielen heute insbesondere in der Hochtechnologie, die durch Minimierung der physischen Wertschöpfung im Verhältnis zur Wissensproduktion gekennzeichnet ist, eine immer geringere Rolle. Allem Anschein nach nimmt im Zuge der Globalisierung, vor allem durch neue Kommunikations- und Interaktionsstrukturen (Internet, soziale Netzwerke) sowie durch höhere Mobilität von Arbeitnehmern und anderen Marktakteuren die Bedeutung von Clustern ab. Neben den intraregionalen Kommunikationsbeziehungen werden die globalen Organisations- und Interaktionsformen der Wertschöpfungskette immer wichtiger. So sind im europäischen Vergleich heute altindustrielle Regionen eher stärker geclustert als dynamische Wachstumsregionen. Einen sehr hohen Clusterungsgrad weisen z. B. Lettland (Metall-, Elektro- und Agrarindustrie) sowie die altindustriellen Regionen im Vereinigten Königreich, aber auch viele Schwellenländer auf. Länder mit hohen Innovationsrate haben eher einen mittleren (z. B. Deutschland) bis niedrigen (z. B. Schweiz) Anteil geclusterter Unternehmen an der Gesamtheit der Unternehmen. So wird angenommen, dass die Zunahme überregionaler Interaktionen eine Stagnation der regionalen Innovationsdynamik infolge zu spezialisierter und lokal fixierter Unternehmen erfolgreich verhindert. Sie sind spezifischer und selektiver als die mehrdimensionale lokale Kommunikation ("globales Pfeifen" versus "lokales Rauschen").

Das zeigt z. B. die extreme räumliche Dislozierung der Wertschöpfungskette des iPhone. In dieser Kette entfällt der größte Teil der Wertschöpfung auf Entwicklung, Design, Marketing und Management. [6] So kann erwartet werden, dass die Fühlungsvorteile und Innovationsfunktionen der Produktionscluster künftig weitgehend durch die dynamischeren, weil zum großen Teil virtuellen Wissenscluster abgelöst wird.[7] Ein Problem für die Politik besteht dann also darin, hochsubventionierte Cluster ggf. wieder abzuwickeln. Auch sind Rückschläge in der Clusterförderung zu erwarten, wenn diese nicht mit den "weichen" Standortfaktoren einer Region kompatibel sind oder wenn die kritische Masse an Unternehmen bzw. der notwendige Innovationsgrad für eine erfolgreiche Clusterbildung nicht erreicht werden.

Historisch gewachsene Cluster

Historisch gewachsene Cluster sind z. B. die Konzentration der amerikanischen Automobilindustrie in und um Detroit und das High-Tech-Cluster des seit 1971 so bezeichneten Silicon Valley, das auf Basis der Abspaltungen des Fairchild Semiconductor-Konzerns mit seinen zahlreichen Patenten, aber auch gestützt auf den Stanford Research Park[8] gegen Ende des Vietnamkrieges eine boomartige Entwicklung erfuhr. In Deutschland sind z. B. zu nennen: die montanindustriellen Cluster im Ruhrgebiet und Saarland, die historische Ansiedlung von Gerätebau, Feinmechanik und Optik rund um die Universität Göttingen, die der Wirk- und Trikotagenindustrie[9] und des Textilmaschinenbaus in Württemberg, die des Werkzeugmaschinenbaus und der Automobilindustrie in Baden-Württemberg, ferner z.B. die Autozulieferindustrie im Bergischen Land oder das mitteldeutsche Chemiedreieck; in der Schweiz das Cluster der Uhrenindustrie im Kanton Jura.

Viele der Cluster erfuhren im Laufe der Zeit entscheidende Transformationen und Differenzierungen: Während zunächst einfache Aggregate und Konstruktionen wie die Dampfmaschine unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten in zahlreichen Branchen boten, entwickelten sich im Laufe der Zeit spezialisierte Zuliefercluster. So entstand aus dem großindustriellen Montancluster des Ruhrgebiets seit etwa 1870 ein spezialisiertes, überwiegend mittelständisches Bergbau-Zuliefercluster mit Schwerpunkten in den Bereichen Pumpen, Kompressoren, Rohrleitungsbau, Hydraulik, Lokomotiv- und Waggonbau und entwickelte sich zu einem exportorientierten allgemeinen Maschinenbaucluster weiter. Hingegen wurden die ursprünglich mit der Montanindustrie eng verbundenen Gießereien seit den 1980er Jahren zunehmend in das Zuliefersystem der Autoindustrie einbezogen.[10] Auch die auf Hafenwirtschaft und Schiffahrt basierten Cluster wie z.B. Bremen (Verarbeitung sog. Kolonialwaren) oder Hamburg änderten häufiger ihre Struktur in Abhängigkeit vom Wandel der importierten Rohstoffen und der Art ihrer Weiterverarbeitung sowie von ihrer Anbindung an das Hinterland.

Frühe Kristallisationspunkte von Clustern der Luxuswarenproduktion waren die fürstlichen Residenzen des 17. und 18. Jahrhunderts (z.B. Kunsttischlerei und Kunsthandwerk in Weimar).

Ein Beispiel für ein frühes "Biotechnologie"-Cluster ist die Impfstoffentwicklung und -herstellung in Philadelphia, die maßgeblich durch die hohe Impfbereitschaft der in Pennsylvania siedelnden Quäker angeregt wurde. Dies verdeutlicht die Rolle von "weichen" Faktoren für die Clusterentwicklung. Auch aus Krankenhäusern können sich Gesundheitscluster entwickeln - so z.B. in Boston rund um das 1811 gegründete Massachusetts General Hospital mit seinen fast 20.000 Beschäftigten und das 1824 gegründete Massachusetts Eye and Ear Infirmary, die jeweils internationale Geltung erlangt haben.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Clusterbildung verstärkt als Instrument der nationalen, regionalen oder lokalen Wirtschafts- und Regionalförderung begriffen. Doch bilden seit den 1980er Jahren - wie schon oft in früheren Jahrhunderten - neu gegründete Hochschulen und Technologieparks wichtige Kristallisationspunkte der Clusterentwicklung vor allem in wissensbasierten Volkswirtschaften. Daneben sind in einer globalisierten Wirtschaft die Zentren des Luftverkehrs zunehmend Kristallisationspunkte von Clustern geworden, so z.B. das Logistikcluster in Leipzig oder rund um den Rhein-Main-Flughafen

Clusterpolitik

Die Instrumente der Clusterpolitik sind sehr vielfältig und z.T. widersprüchlich. Sie umfassen ein Palette von Maßnahmen von der lokalen oder regionalen Ansiedlung und Konzentration von Unternehmen der gleichen Branche über die gezielte Diversifizierung, die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen, den F&E-Förderung, den Aufbau von Know-How-Trägern wie Hochschulen und Technologiezentren bis hin zur Förderung der grenzüberschreitenden und globalen Kooperation.

Clusterpolitik in Österreich

Oberösterreich hat sich in den letzten Jahren als Kompetenzregion für Cluster- und Netzwerk-Initiativen positioniert. Wesentlicher Bestandteil der Clusterpolitik ist der kontinuierliche Ausbau der vorhandenen wirtschaftlichen und technologischen Stärkefelder in Oberösterreich mit dem Ziel, die Innovationsfähigkeit der Unternehmen insbesondere durch kooperative Zusammenarbeit in den Netzwerken zu stärken. Das „Clusterland Oberösterreich“ umfasst mittlerweile 8 Cluster und 4 Netzwerke. In der 2006 gegründeten Clusterland Oberösterreich GmbH (Linz) sind davon sechs Cluster-Initiativen und drei Themennetzwerke unter einem Dach vereint. Beispiele für Clusterinitiativen sind der Automobil-Cluster (AC) sowie der Lebensmittel-Cluster (LC) oder der Ökoenergie-Cluster Oberösterreich. Der Automobilcluster Styria (Automobilzulieferer) ist in der Steiermark beheimatet.

Clusterpolitik in Deutschland

Nach Jahren der Akzentuierung der Grundlagenforschung wurde 1996 die Innovationsförderung durch Vernetzung explizit als Instrument der Förderpolitik aufgenommen. Als wesentliche Ziele der Forschungs-, Technologie- und Innovationsförderung werden dort aufgeführt:

  • Förderung des Entstehens grundlegender Innovationen
  • Wettbewerb der besten Lösungsideen zur Realisierung substantieller Innovationen
  • Sicherung und Stärkung des Produktionsstandortes Deutschland
  • Aufbau von innovativen Netzwerken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
  • Erarbeitung von Innovationen in interdisziplinären und branchenübergreifenden Projekten
  • kooperative Nutzung verteilten Know-hows
  • schnelle und breite Diffusion neuen Wissens.[11]

Das erste nach diesen Kriterien geförderte Clusterprogramm in Deutschland (1995) war die BioRegio-Initiative mit 25 regionalen Schwerpunkten.

Weitere Resultate gezielter Clusterpolitik in Deutschland sind unter anderem

In den letzten Jahren wurden seitens des BMBF die Bestrebungen intensiviert, deutsche Cluster international zu öffnen, um die internationalen Kooperationschancen und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Clusterpolitik in der Schweiz

In der Schweiz gibt es unter anderem

  • das (in der Schweiz: "den"!) Consulting Cluster, eine Plattform, um das persönliche Netzwerk von Beratern auszubauen. In 9 Fachgruppen organisiert, stärkt der Consulting Cluster die Wahrnehmung der Branche im Schweizer Wirtschaftsraum.www.consultingcluster.ch
  • den Energie-Cluster [12]
  • den Präzisionscluster. Es bietet eine Plattform für Unternehmen, Zulieferer, Schulungs- und Forschungsinstitutionen, die auf dem Gebiet der Präzisionsindustrie und Mikrotechnik tätig sind.www.cluster-precision.ch

Grenzüberschreitende Cluster (Beispiele)

Ein grenzüberschreitendes Cluster am mittleren Oberrhein ist das Netzwerk Biovalley, welches Chemie-, Biotechnik- und Pharmaunternehmen im Dreiländereck Deutschland - Frankreich - Schweiz vereint.[13] Weiter rheinaufwärts entwickelt sich ein Technologiecluster zwischen St. Gallen und Vorarlberg.

Das länderübergreifenden Technologie-Dreiecks Eindhoven-Leuven-Aachen mit den Hochschulkernen der RWTH Aachen, der Katholieke Universiteit Leuven und der Technische Hogeschool Eindhoven sowie der Philips N.V. genießt einen exzellenten Ruf als Forschungs- und Entwicklungsstandort für Life Sciences, Medizintechnologie, IT und Nanotechnologie.

Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet entwickelt sich ein Agro-Business-Cluster, das durch das Projekt SafeGuard [14] gefördert wird. Hierbei spielen insbesondere die Koordination organisatorischer Abläufe zur risikoorientierten Lebensmittelüberwachung, Tierseuchenbekämpfung und die Optimierung der Wertschöpfungsketten von Lebensmitteln tierischer Herkunft eine Rolle.

Im Dreiländereck Slowakei - Tschechische Republik - Polen produzieren mit VW, KIA, PSA Peugeot Citroën, Hyundai und Fiat fünf der weltweit größten Automobilkonzerne. Auf je 1000 Einwohner kommen in der Automobilregion der Westslowakei (mit dem Zentrum Bratislava über 100 produzierte Autos pro Jahr. In der Nähe der Produktionsstätten haben sich zahlreiche Zulieferer angesiedelt. Die regionale Vernetzung der Standorte wird aktiv durch die EU gefördert. Die EU-finanzierten Förderprogramme AutoNet und Autoclusters stärken die Zusammenarbeit der Nachbarländer.[15]

Virtuelle Cluster

Nur im Hochtechnologiebereich sind virtuelle Cluster erfolgreich. In Branchen, in denen Logistikkosten im Verhältnis zur Wertschöpfung eine untergeordnete Rolle spielen, reichen Flugverbindungen und das Internet aus, um stabile Kooperationsbeziehungen herzustellen.

Risiken einseitiger Clusterförderung

Das Automobilcluster der Slowakei zeigt auch die Risiken der Förderung einer einseitigen Clusterstruktur auf. 99 % (!) der Automobilproduktion der Slowakei werden exportiert. In der Krise 2008-2009 gingen die Automobilproduktion in der Region und damit die Autoexporte des Landes stark zurück. Sie konnten nur durch steigende Exporte von Samsung kompensiert werden, das VW und KIA überholte, aber nicht zum Cluster gehört.[16] Hingegen stieg die Arbeitslosigkeit in der Region stark an, die Dienstleistungsumsätze und Immobilienverkäufe brachen ein (Leerstände 2009: 12 %)[17], und der Flughafen Bratislava befindet sich seit 2009 in der Krise.

Zahlreiche Versuche des Aufbaus grenzüberschreitender Cluster, die u. a. im Rahmen von EU-Projekten gefördert wurden, haben sich bereits nach kurzer Zeit als nicht nachhaltig erwiesen oder beschränken sich auf punktuelle Kooperationen. Offenbar ist eine gewisse Mindestinteraktionsdichte erforderlich, um nachhaltige Clusterstrukturen zu etablieren. Dazu gehört auch ein nicht zu großer räumlicher Abstand.

Branchencluster (Beispiele)

Eine Clusterlandkarte und Porträts der wichtigsten internationalen Cluster finden sich im Clusterportal des BMBF.[18]

Biotechnologie

Das Hochtechnologiecluster von Oxfordshire ist wesentlich durch Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Biotechnologie geprägt. Auch in Wien konzentriert sich ein Cluster von Biotechnologie-Unternehmen. Das Pharma- und Biotechnologiecluster Medicon Valley hat sich länderübergreifend auf beiden Seiten des Öresunds hinweg hinweg in Kopenhagen und Schonen angesiedelt. In Boston haben sich zahlreiche Biotechnologieunternehmen rund um die großen Hospitäler angesiedelt (Massachusetts General Hospital und Massachusetts Eyes and Ears Hospital).

In Martinsried (Gemeinde Planegg), südwestlich von München, siedelten sich 50 Biotechunternehmen an. Kern waren das Max-Planck-Institut für Biochemie, das Universitätsklinikum Großhadern, das Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München und ein Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) (siehe Max-Planck-Institut für Neurobiologie).

Neuere Cluster finden sich vor allem in der Region Mitteldeutschland, wo heute ca. 300 Biotechfirmen zu Hause sind. In den vergangenen 15 Jahren siedelten sich hier zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen an, die Kern für entstehende Biotechcluster sind. Während Clusteraktivitäten überregional organisiert werden (Cluster Life Sciences Mitteldeutschland), bildeten sich in der Region einzelne Standorte heraus wie etwa Halle (weinberg campus; 21,000 m² Fläche in vier Technologiezentren mit ca. 50 Unternehmen), Leipzig (BIO CITY; 17,000 m² mit ca. 30 Unternehmen) oder Jena (Center for Bioinstrumentation; 7,500 m² mit ca. 30 Unternehmen).

Seit Mitte der Neunziger Jahre zählt auch die Region um die Städte Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und Darmstadt zu den bekannten Biotech-Standorten in Deutschland. Dort haben sich rund 80 kleine und mittlere Biotech-Unternehmen sowie Pharma- und Diagnostik-Hersteller angesiedelt. Die größte Ansammlung von Unternehmen befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Einrichtungen der akademischen Forschung und Ausbildung. Dazu zählen u. a. die Universität Heidelberg, die Hochschule Mannheim, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und das Universitätsklinikum Heidelberg. Der Cluster richtet sich nicht nach Kreis- oder Landesgrenzen, er entspricht einem historisch gewachsenen Raum. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf der medizinischen, bzw. der roten Biotechnologie, speziell auf der personalisierten Medizin und im Bereich Krebs. Andere deutsche Biotechcluster sind in der Region Berlin (Wissenschaftsparks Berlin-Buch und Berlin-Adlershof) und in der Rhein-Main-Region.

Länderübergreifend entwickelte sich ein Biotechnologie-Cluster in Hamburgund Schleswig-Holstein (Cluster Life Science Nord) mit ca. 500 Unternehmen (u. a. Dräger Medical Deutschland GmbH, Philips Medizin Systeme GmbH, Olympus GmbH sowie zahlreichen mittelständischen und kleinen Unternehmen mit insgesamt 2,7 Milliarden € Umsatz.[19]

Im Rahmen des 2006 ausgeschriebenen "BioIndustrie 2021"-Wettbewerbs[20] des Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Förderung der Weißen Biotechnologie in Deutschland, wurden bundesweit mehrere Clusterinitiativen initiiert, von denen im Jahr 2007 fünf Cluster prämiert wurden. Darunter bspw. der Cluster Biopolymere/Biowerkstoffe mit Geschäftsstelle in Stuttgart innerhalb der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, der die Entwicklung von Biokunststoffen und anderen Werkstoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe (Biosynthese), Algenbiotechnologie (Photosynthese) oder unter Nutzung chemischer Traumreaktionen (künstliche Photosynthese) zum Ziel hat.

Maschinenbau

Ein Maschinenbau- und Mechatronik-Cluster mit einer entsprechend spezialisierten Hochschule hat sich in Dunedin, Neuseeland entwickelt.

Autozulieferindustrie

Automotive-Cluster finden sich u. a. im Bergischen Land sowie in Sachsen. Als länderübergreifende Initiative versteht sich das Automotive Cluster Ostdeutschland [21]

Kunststoffindustrie

Die EU, das Land Nordrhein-Westfalen, der Oberbergischer Kreis und führende Unternehmen aus dem Kunststoffcluster im Kreis finanzieren ein Forschungsprojekt, das die Entwicklung einer vertikalen Suchmaschine für das Thema Kunststoff in Deutschland umfasst.[22]

Ventilatorenindustrie[23]

Manchmal reicht das Vorhandensein einer Firma, um einen Cluster wachsen zu lassen. In der Stadt Künzelsau in Hohenlohe siedelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf Einladung der Aufzugsfirma Stahl die Brüder Heinz und Günther Ziehl mit der Firma Ziehl-Abegg an, um Stahl mit Außenläufermotoren zu beliefern. Die R.Stahl AG hatte vor dem Krieg bis zur Zerstörung durch Bombenangriffe von der Firma Ziehl-Abegg in Berlin Außenläuferelektromotoren bezogen.

Da Außenläufermotoren sich besonders gut für verschleißarme Ventilatoren eignen, drängte der Konstruktionsleiter von Ziehl-Abegg, Wilhelm Gebhardt, den Eigner Heinz Ziehl dazu, auch Dachventilatoren herzustellen. Da dieser aber weiter auf Großkunden setzte, stattete er 1958 Gebhardt mit Geld aus, so dass dieser eine Ventilatorenfabrik gründen konnte, die er mit Elektromotoren belieferte. Wegen des außerordentlichen Erfolgs von Gebhardt begann auch Ziehl-Abegg mit dem Ventilatorenbau; man beschränkte sich auf Ventilatoren mit über 300 Millimeter Durchmesser.

Für Ventilatoren unter 300 Millimeter Schaufelraddurchmesser schickte Heinz Ziehl seinen Arbeitsvorbereitungsleiter Gerhard Sturm 1963 mit 35 Mann und Startkapital nach Mulfingen, ins benachbarte Jagsttal, zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Damals bekam das Unternehmen zum Schutz der Landwirtschaft im Jagsttal die Auflage vom Land Baden-Württemberg, nie mehr als 85 Mitarbeiter zu beschäftigen. 2001 hatte EBM, Elektrobau Mulfingen, am Stammsitz 2000 Mitarbeiter (8000 weltweit) und stellte 13 Millionen Kleinventilatoren her. Seit 1992 ist EBM auch Mutterfirma der für Ventilatoren zur Kühlung von Computern bekannten Firma Papst Motoren in St. Georgen und seit 1997 der MVL in Landshut. 2003 erfolgte die Umfirmierung dieser drei Firmen in ebm-papst GmbH & Co. KG.

1980 machte sich der Vertriebsleiter von Ziehl-Abegg Karl Rosenberg selbständig; die Rosenberg GmbH macht heute ebenfalls Millionenumsätze mit dem Vertrieb von Ventilatoren.

So wie Ziehl-Abbeg die Gründung von Firmen förderte, so förderte EBM finanziell die Gründung von zahlreichen Zulieferfirmen (z. B. PVS) durch ehemalige Mitarbeiter; von denen kaufte es 2001 für 40 Millionen Euro Teile ein.

  • ebm-papst GmbH & Co KG, ca. 10000 Mitarbeiter, ca. 1 Milliarde Umsatz,
  • Ziehl-Abegg Gmbh & Co KG, 2200 Mitarbeiter, 220 Millionen Euro Umsatz,
  • Gebhardt Ventilatoren, 330 Mitarbeiter, 50 Millionen Euro Umsatz,
  • Rosenberg GmbH, 800 Mitarbeiter, 40 Millionen Euro Umsatz,
  • DLK Ventilatoren GmbH
  • GLT
  • WMB Ventilatoren GmbH

Optische Industrie

Optische und Feinmechanikcluster entstanden auf der Basis von Handwerksbetrieben bereits seit dem 18. Jahrhundert rund um die Universitäten wie z.B. Göttingen mit ihrem hohen Bedarf an geodätischen, physikalischen und astronomischen Messgeräten. Ein international bedeutendes Optikcluster wurde Jena mit den Firmen Carl Zeiss, Goertz, bereits im beginnenden 20. Jahrhundert. Heute setzen ca. 100 Optik- und Präzisisontechnikunternehmen im Jahr 1,3 Mrd. Euro um. Für die Stadt strukturbestimmend sind heute Zeiss, Jenoptik, Schott, Analytik Jena sowie eine Vielzahl kleiner Systemhersteller und Komponentenfertiger. Forschung und Entwicklung findet teils in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) statt. Ein ähnliches Cluster hat sich bei Wetzlar gebildet. Demgegenüber hat das im 19. Jahrhundert entstandene Optikcluster in Dresden mit Firmen wie Goltz & Breutmann, Pentacon oder Balda relativ an Bedeutung verloren.

Mikrosystemtechnik / Nanotechnik

Grenoble ist Standort eines Mikro-Nanoclusters (Minalogic). Zusammen mit Lyon und dem dortigen Biotechnologiecluster (Lyonbiopôle) wird die Region in struktureller Hinsicht oft als Einheit wahrgenommen. Die Beschäftigtenstruktur im Cluster ist von einen für Frankreich überproportional hohen Anteil an Ingenieuren und hochqualifizierten ausländischen Mitarbeitern gekennzeichnet. In der Region lag 2007 der Anteil der Ingenieure an alle Beschäftigten bei 6,4 %. 10% der Mitarbeiter waren ausländische Beschäftigte. Fasst man alle Kompetenzfelder zusammen, so waren 21.000 Beschäftigte in der Forschung tätig.[24]. Der Bereich Infektionskrankheiten weist allein 2500 Forscher auf, im Bereich Mikro- und Nanotechnologien sind 4000 Forscher tätig (Angaben Lyonbiopôle). In der Region wurden 2007 insgesamt 61.000 Studierende gezählt, davon ca. 9000 aus dem Ausland.

Auch in Dortmund hat sich ein Nanotechnologiecluster (Mikrosystem-/MST-Cluster) mit 2.300 Mitarbeitern in 45 Unternehmen gebildet.[25] Das TechnologieZentrumDortmund hat beim Best Science Based Incubator Award 2006 in der Kategorie support of cluster development den dritten Platz belegt.[26]

Sensorik

Die 'Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.' ist im Rahmen der Cluster-Offensive des Freistaats Bayern die Clusterplattform für den Bereich Sensorik. Dem Verein gehören mehr als 50 Mitgliedsfirmen und -institute aus Wirtschaft und Wissenschaft an sowie über 150 Partner. Er wurde 2009 als eines der bundesweit besten Netzwerke mit dem "Kompetenzpreis 2009" ausgezeichnet. Es besteht eine enge Kooperation mit Unternehmen in Niederösterreich.

Software und Computer

Dass auch Entwicklungsländer Cluster bilden können, zeigt sich an der Softwareindustrie, die Indien in Bangalore ansiedeln und entwickeln konnte, mit Namen wie SAP, Infosys, Wipro und Motorola.

Zum IT-Cluster, das sich um die Universität von Waterloo, Ontario entwickelt hat, gehört Research in Motion. Auch um die Universität von Madison, Wisconsin haben sich etwa 600 High-Tech-Unternehmen angesiedelt.[27]

An der Route 128 bis hin zum Interstate 495 lagen viele bedeutende IT-Unternehmen, die sich teils auf alten Industriebrachen angesiedelt hatten. Rückgrat des Clusters waren Forschungseinrichtungen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Harvard University und die Boston University. Aus dem Umfeld dieser Hochschulen entstehen etliche Hightech-Unternehmen. Wegen des Angebots an hoch qualifiziertem Personal haben auch auswärtige Großkonzerne eine Niederlassung im Großraum Boston gegründet. Hierzu gehören u.a. Intel, AMD, HP, IBM sowie deutsche Firmen wie Osram, Carl Zeiss oder TVM Capital haben Niederlassungen vor Ort. In den 1980er Jahren war der Begriff "Route 128" ähnlich belegt wie das Silicon Valley. Durch den Niedergang des Minicomputers, welcher hauptsächlich im Großraum Boston entwickelt und hergestellt wurde, verlor die Route 128 einen Großteil ihrer Anziehungskraft. Die Region musste sich auf andere Gebiete spezialisieren und startete erfolgreich Clusterinitiativen in den Bereichen Kommunikationstechnologie und Life Sciences (Biotechnologie und Medizintechnik). Seit 2007 wird außerdem der Cleantech-Sektor intensiver gefördert.[28]

Consulting / Unternehmensberatung

Die Consulting-Branche hat einen besonderen Schwerpunkt mit 2.700 Consulting-Unternehmen (ohne Steuer- und Rechtsberatungen), 37.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 11 Milliarden Euro in der Wirtschaftsregion Rhein-Main. Die Anzahl der Consulting-Unternehmen in Rhein-Main ist seit 1980 um fast das Fünffache gestiegen. Allein in der Landeshauptstadt Wiesbaden entstanden seither 48 Prozent der neuen Arbeitsplätze in der Beratung.

Presse/Film/Medien

Die Softwareindustrie und andere Dienstleistungen komplexer Art können von Clusterbildung stark profitieren, da hier permanent kreative Ressourcen ausgetauscht werden (müssen). Klassische Beispiele sind die Mediencluster in Hamburg, Köln und München sowie in den USA die Filmindustrie in Hollywood.[29]

Bauwirtschaft / Architektur

Rund um die ETH Zürich hat sich ein Cluster Bauwirtschaft / Architektur gebildet.

Umwelttechnik

In der Region Mülheim, Essen und Oberhausen wurde mit Unterstützung des Landes NRW ein Umwelttechnik-Cluster geschaffen.[30] Allerdings gibt es in NRW mehrere Initiativen, die für sich beanspruchen, Umwelttechnikanbieter regional oder überregional zu clustern.[31] Welche dieser Strukturen nachhaltig sind, wird sich erst nach Ablauf der Projektförderungen herausstellen.

Mode

Räumliche Schwerpunkte der Modewirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sind Köln, der Mittlere Niederrhein mit den Städten Mönchengladbach, Neuss, Krefeld und vor allem Düsseldorf als Modehandelsstadt, die durch ihre zahlreichen Modemessen und Showrooms (ca. 850) auch international eine hohe Bedeutung erlangt hat. Ein weiterer innovativer und traditionsreicher Modestandort befindet sich in Ostwestfalen im Städtedreieck zwischen Bielefeld, Herford und Gütersloh.[32]

Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie

Als Beispiel für erfolgreiche Clusterbildung in der Landwirtschaft gilt die nur 48 x 6,4 km große Weinbauregion Napa Valley in Kalifornien, in der 2001 23.000 Beschäftigte in 250 Winzereien und 666 Weinbauern gut 120 Millionen Flaschen Wein produzierten und vermarkteten.

Forst- und Holzwirtschaft

Im Sommer 2006 vereinbarten der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und der Deutsche Holzwirtschaftsrat, einen Verbandscluster „Plattform Forst & Holz“ für eine nachhaltige Entwicklung dieser beiden Wirtschaftsbereiche zu bilden. Die Vereinbarung wurde am 8. Mai 2007 in Fulda unterzeichnet. [33]

Die Holz- und Forstwirtschaft verdeutlicht jedoch zugleich die Probleme der regionalen Clusterbildung. In einigen relativ homogen bis monokulturell strukturierten Regionen Österreichs wird Schnittholz von zahlreichen Produzenten erzeugt, von denen nur wenige in die nächsten Verarbeitungsschritte eingestiegen bzw. mit Unternehmen der folgenden Wertschöpfungsstufen wie z. B. der Möbelindustrie vernetzt sind. Dadurch wird immer noch viel Rohholz exportiert anstatt es zu veredeln - neben Spanplatten werden allenfalls noch Abfallprodukte wie Späne und Pallets ausgeführt. Im Jahr 2000 wurden so von 10,4 Millionen m³ erzeugtem Nadelschnittholz über 6 Millionen m³ unverarbeitet exportiert. Gleichzeitig wuchs die Produktion auf der niedrigen Wertschöpfungsstufe immer weiter an, so dass die Preise tendenziell fallen.[34] Eine regionale Konzentration ähnlicher Unternehmen führt also keinesfalls automatisch zur Clusterbildung und Vernetzung, sondern eventuell zu verschärfter Konkurrenz und zum Preisverfall.

Literatur

  • Marshall, A.D.: Principles of Economics: An Introductory Volume. 8. Auflage, London: MacMillan 1977
  • Marshall, A.D.: Industry and Trade: A Study of Industrial Technique and Business Organization, and of their Influences on the Conditions of Various Classes and Nations. 4. Auflage, London: MacMillan 1923
  • Beck, Rasmus C.; R. G. Heinze; J. Schmid: Strategische Wirtschaftsförderung und die Gestaltung von High-Tech Clustern: Beiträge zu den Chancen und Restriktionen von Clusterpolitik. Nomos Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4193-2.
  • Porter, Michael E.: The Competitive Advantage of Nations. New York: The Free Press 1990.
  • Porter, Michael E.: Locations, Clusters and Company Strategy. In: Clark, G.L.; Feldman, M.P. und Gertler, M.S. (Hrsg.): The Oxford Handbook of Economic Geography, New York 2000, S. 253-274.
  • Porter, Michael E.: Clusters and the new economics of competition. Harvard Business Review, 76, 1998, S. 77-90.
  • Brenner, Th./Fornahl, D.: Theoretische Erkenntnisse zur Entstehung und Erzeugung branchenspezifischer Cluster. In: K. Dopfer (Hrsg.), Studien zur Evolutorischen Ökonomik VII. Berlin 2003, Duncker & Humblot , S. 133-162.
  • Bühler, Josef; Schubert, Dirk: Leitfaden Regionale Wertschöpfungspartnerschaften, Hrsg: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Bonn 2008
  • Bühler, Josef; Bürckmann, Hannes: Regionale Wirtschaftskooperationen in der Ernährungswirtschaft. In: Innovative regionale Wertschöpfungskooperationen im ländlichen Räum, Hrsg: Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V., Eschborn 2009
  • Denner, C.: Steuerungsinstrumente von High-Tech Clustern. Eine Analyse auf Grundlage der Komplexitätstheorie. VDM, Saarbrücken 2007.
  • Dispan, Jürgen; Stieler, Sylvia: Automotive-Clusterreport 2006. Fahrzeugbau in der Region Karlsruhe. Stuttgart (= IMU-Informationsdienst Nr. 1/2006).
  • Dispan, Jürgen; Grammel, Ralf: Automobilcluster Region Stuttgart. Clusterreport 1998/99. Stuttgart 1999(= IMU-Informationsdienst Nr. 4/99).
  • Henn, S.: Regionale Cluster in der Nanotechnologie. Entstehung, Eigenschaften, Handlungsempfehlungen. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006 [u. a.].
  • Sautter, B.: Regionale Cluster - Konzept, Analyse und Strategie zur Wirtschaftsförderung. In: Standort - Zeitschrift für Angewandte Geographie, 2004, (28)2, S.66-72.
  • Scheuplein, C.: Der Raum der Produktion. Wirtschaftliche Cluster in der Volkswirtschaftslehre des 19. Jahrhunderts. Duncker&Humblot, Berlin 2006.
  • Schiele, H.: Der Standort-Faktor. Wie Unternehmen durch regionale Cluster ihre Produktivität und Innovationskraft steigern. Mit einem Vorwort von Lothar Späth. Wiley-VCH, Weinheim 2003.

Die Überschaubarkeit des Wirtschaftsraums, die räumliche Nähe und oft persönliches Kennen der Beteiligten ermöglicht einem Regionalcluster schnelles und effizientes Handeln im Hinblick auf die regionalen Bedürfnisse.

Einzelnachweise

  1. Huber, F. (2009) Social Capital of Economic Clusters: Towards a Network-based Conception of Social Resources. Journal of Economic and Social Geography (TESG) 100(2):160-170
  2. Siehe z. B. den ressort- und branchenübergreifenden Lenkungskreis für das gesamte Berlin Cluster Kommunikation und Kreativwirtschaft, http://www.berlin.de/projektzukunft/kreativwirtschaft/clusterstrategien/
  3. Mill, U.; Weißbach, H.-J., Vernetzungswirtschaft : Ursachen, Funktionsprinzipien, Funktionsprobleme, in: T. Malsch, U. Mill (Hrsg.): ArBYTE : Modernisierung der Industriesoziologie? Berlin: Sigma 1992, S. 315-342.
  4. Jappe-Heinze, A., u. a.:Clusterpolitik: Kriterien für die Evaluation von regionalen Clusterinitiativen. Arbeitspapiere Unternehmen und Region. FhG ISI Institut Karlsruhe 2008, S. 4 ff.
  5. Martin, R.; Sunley, P.: Deconstructing Clusters: Chaotic Concept or Policy Panacea? In: Journal of Economic Geography, 3. Jg. (2003), Nr. 1, S. 5-35
  6. Yuqing Xing, Neal Detert (2010): How the iPhone Widens the United States Trade Deficit with the People’s Republic of China. ADBI Working Paper Series No. 257, December 2010. Asian Development Bank http://www.adbi.org/files/2010.12.14.wp257.iphone.widens.us.trade.deficit.prc.pdf
  7. Lorenzen, M., Maskell, P. (2005): The cluster as a nexus of knowledge creation. In: Cooke, P. and Piccaluga, A. (Eds.): Regional Economies as Knowledge Laboratories, pp. 77-92. London: Edward Elgar
  8. Dieser war während 1951 des Koreakriegs gegründet worden; http://www.silicon-valley-story.de/sv/stanford.html
  9. Dieses Cluster entwickelte sich auf Basis der Rundwirkmaschine von Fouquet in Rottenburg.
  10. Lawerino, R.; Weißbach, H.-J.: Strukturwandel und Qualifizierungsbedarf von Bergbauzulieferern. Dortmund 1990
  11. BMBF (1996): Bundesbericht Forschung 1996.Bonn
  12. http://www.energie-cluster.ch/
  13. http://www.goodnews4.de/daily_news_detail.php?mid=2869
  14. http://safeguard.giqs.org/ueber-safeguard/
  15. http://www.kooperation-international.de/countries/themes/international/clusterlist/automobilcluster-mitteleuropa/
  16. http://www.exportblog.ch/sites/default/files/WB_1005_D_Wirtschaftsbericht-Slowakei.pdf
  17. http://www.bankaustria.at/de/25498.html
  18. http://www.kooperation-international.de/countries/themes/international/clustermap/
  19. http://www.schleswig-holstein.de/MWV/DE/Wirtschaft/Schwerpunktbereiche/LifeSciencesMedizintechnik/LifeSciences.html
  20. BioIndustrie 2021. bmbf.de. Abgerufen am 16. Oktober 2009.
  21. http://www.acod.de
  22. http://www.kunststoff-cluster.de
  23. McK Wissen, Nr. 1, 1.Jahrgang 2002, S. 10 bis 19
  24. http://www.kooperation-international.de/countries/themes/international/clusterlist/grenoble-lyon-high-tech-cluster/
  25. http://www.dortmund.de/media/downloads/pdf/studium_forschung/mikro_nanotechnologie_in_dortmund.pdf
  26. http://www.mikrotechnik-dortmund.de/de/standort
  27. https://wistechnology.com/htd/
  28. http://www.kooperation-international.de/countries/themes/international/clusterlist/cluster-boston/ Info des Bundesministeriums für Forschung und Technologie
  29. U. Mill / H.-J. Weißbach, Netzwerkwirtschaft, in: gdi impuls, Duttweiler Institut Rüschlikon, H. 1/93, S. 30-38
  30. http://www.meo-tec.de/
  31. Z. B. http://www.umweltcluster-nrw.de/
  32. http://www.creative.nrw.de/branchen-und-maerkte/modewirtschaft/zahlen-und-fakten.html
  33. N.N.: Verbände der Forst- und Holzwirtschaft rücken zusammen. „Plattform Forst & Holz“ am 8. Mai gegründet. In: Holz-Zentralblatt, 133. Jahrgang 2007, S. 529, ISSN 0018-3792
  34. http://www.lako.at/data/media/1225.pdf

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