Cocooning


Cocooning

Als Cocooning (dt. verpuppen) wird besonders von Trendforschern eine Tendenz bezeichnet, sich vermehrt aus der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen.

Der Begriff aus dem Englischen bezeichnet eigentlich das „sich in einen Kokon einspinnen“, auch Verpuppung genannt. Er wurde zuerst in den späten 1980ern von der US-amerikanischen Trendforscherin Faith Popcorn[1] verwendet. Zuvor war ein solches Lebensgefühl schon unter dem Begriff Cosy Home thematisiert worden. Besonders in der unübersichtlichen, als bedrohlich empfundenen Welt wie in Krisenzeiten oder nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 sei eine solche Tendenz im Mainstream verstärkt anzutreffen. Wirtschaft und Handel bieten eine Vielzahl an Produkten an, die den Konsumenten beim Cocooning unterstützen sollen.

Ein Umzug aus der Stadt aufs Land (siehe auch Stadtflucht) kann vom Wunsch nach Cocooning motiviert sein. 2011 schrieb die Frankfurter Rundschau:

Heute dient das Land "dem konsummüden Metropolenbewohner als Arkadien. Besser gesagt: seine Idealvorstellung davon, die sich speist aus Rückzugssehnsüchten, Landliebe-Werbung und Manufactum-Katalog. Das Land dient dem Städter als Projektionsfläche des Echten und Ursprünglichen, ja, des Wahren und Guten. Am augenscheinlichsten macht sich dieser Trend in Zeitschriftenregalen bemerkbar, in denen sich zu Landlust – mit einer verkauften Auflage von knapp 800.000 Exemplaren der größte Zeitschriftenerfolg Deutschlands – Titel wie Landluft, Landidee, Landspiegel, Liebes Land, Mein schönes Land oder Landhaus Living gesellen. Selbstversorger-Anleitungen findet man auch in Bahnhofsbuchhandlungen, Journalisten berichten in Schrebergarten- oder Balkon-Kolumnen vom erfüllenden Wühlen in der Erde.[2]

Möglicherweise begünstigte die Finanzkrise ab 2007, deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft (v.a. 2009 und 2010) sowie die Euro-Krise ab 2010 das Cocooning.

Der Bayrische Rundfunk (Stand: 23. November 2010) schrieb dazu: 'Cocooning' beschreibt das Zurückziehen in die eigenen vier Wände, den Trend hin zum Einigeln samt Home-Service. Wem die Welt draußen zu kompliziert, stressig und uninteressant geworden ist, der zieht sich in seinen kleinen, überschaubaren Lebenskreis zurück wie in einen Kokon.

Insgesamt kanalisiert "Cocooning" viele Trendströmungen: Es steht für die schwindende Lust der Menschen, Neuland zu entdecken, ebenso für das Schrumpfen des eigenen Verantwortungshorizonts und für eine gewisse Gleichgültigkeit, die in der hoch individualisierten Gesellschaft um sich greift.

und nennt als weitere Trends Back to basic ("Zurück zum Wesentlichen"), Simplexity und Mindness ("die Selbstverwirklichung, die weniger auf Geld, sondern auf immaterielle Werte ausgelegt ist"). [3]

Inhaltsverzeichnis

Kritik

Der Soziologe Holger Rust schrieb 1995: "Cocooning wurde zu Beginn der achtziger Jahre erfunden und avancierte zu einem der erfolgreichsten Begriffe der publizistischen Gebetsmühlendreher."[4]


Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. www.faithpopcorn.com: "The need to protect oneself from the harsh, unpredictable realities of the outside world."
  2. FR 1. Mai 2011, Kathrin Hoffmann: Cocooning mit Misthaufen
  3. br-online.de
  4. [1]

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  • cocooning — /keuh kooh ning/, n. the practice of spending leisure time at home, esp. watching television or using a VCR. [1985 90, Amer.] * * * …   Universalium