Coitus interruptus

Coitus interruptus

Der Coitus interruptus (lat. coitus „Geschlechtsverkehr“ und interruptus „unterbrochen“) Abk. CI ist eine veraltete, aber besonders für ungeübte sehr unsichere Methode der natürlichen Empfängnisverhütung, bei dem der Geschlechtsverkehr so unterbrochen wird, dass die Ejakulation des Mannes außerhalb der Vagina und ihres Eingangs erfolgt, um die Befruchtung zu verhindern.

Der Pearl-Index des Coitus interruptus beträgt je nach Studie etwa 4 bis 18[1] bzw. sogar 27 [2] Die geringe Verhütungssicherheit ist darauf zurückzuführen, dass bereits vor dem Samenerguss Spermien aus dem Penis austreten können, insbesondere wenn der letzte Samenerguss nicht lange zurückliegt. Die Anwendung erfordert zudem die Kommunikation beider Partner und eine große Willensstärke und Körperbeherrschung des Mannes, die bei sexueller Erregung oft nicht in ausreichendem Maße gegeben ist. Dazu kommt eine Unkenntnis der verschiedenen Techniken zum CI, bei denen z.T. die Verhütungssicherheit etwas verbessert werden kann.

Der Coitus interruptus ist daher höchstens, falls überhaupt keine anderen Verhütungsmittel verfügbar sind und Abstinenz unmöglich ist, „besser als nichts“. In keinem Fall schützt der Coitus interruptus im Gegensatz z.B. zum Kondom vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS !

Beim Coitus interruptus sind allerdings keinerlei technische oder hormonelle Hilfsmittel nötig.

Gesellschaftliche Aspekte

Die katholische Kirche verurteilt den Coitus interruptus mit dem Hinweis auf den biblischen Onan, der sich mittels dieser Methode von der gesetzlichen Pflicht befreien wollte, die Frau seines toten Bruders zu schwängern und ihren Kindern das Erbteil des Bruders zu übergeben.[3]

Im Gegensatz dazu ist der Coitus interruptus im Islam erlaubt. Er wurde zur Zeit des Propheten Mohammad praktiziert und von ihm gebilligt (siehe Empfängnisverhütung im Islam).

Die Annahme Freuds, der häufige Coitus interruptus führe zu Angstneurosen,[4][5] ist unter Psychologen stark umstritten.

In jüngster Zeit ist besonders im angelsächsischen Raum eine Relativierung der pauschalen Ablehnung des Coitus interruptus zu beobachten. [6] [7]

Als Gründe werden zu wenig Forschung und damit verlässliche Zahlen, ethisch-moralische und praktische Gründe genannt. So unterstützen Hilfsorganisationen Kampagnen in best. Entwicklungsländern, bei denen in der Aufklärungsarbeit auch der Coitus interruptus „als letzte Alternative“ genannt wird.

Dazu kommt, dass in bestimmten Ländern wie z.B. Rumänien oder der Türkei und bei Bevölkerungsgruppen wie älteren Ehepaaren der CI weiterhin häufig genutzt wird, während er in Deutschland z.B. sehr unpopulär ist. [8] [9] )

Vorteile

Kann genutzt werden, falls gar keine anderen Mittel zur Verfügung stehen.

Gilt als natürliche, kostenlose, und umweltgerechte Methode, ist aber nur bei geübten Paaren halbwegs effektiv. Diese sollten eine evtl. Schwangerschaft nicht ausschließen müssen. [10]

Bestimmte Frauen bevorzugen diese hormonfreie Methode, da sie deren Nachteile wie Gewichtszunahme, Brustwachstum oder Lustlosigkeit nicht hat.

Manche Paare finden es sexuell stimulierend, die Ejakulation außerhalb der Vagina durchzuführen. [11]

Nachteile

Keinerlei Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Keine Sicherheit vor ungeplanten Schwangerschaften.

Völlig uneffektiv bei ungeübten Paaren wie z.B. Jugendlichen oder Männern, die ihre Sexualfunktion nicht gut wahrnehmen oder nicht gut steuern können.

Bestimmte Paare beklagen sich über den sexuellen Frust bei der Anwendung dieser Methode oder möchten die Ejakulation in der Vagina durchführen. [12]

Masters und Johnson betrachten den Coitus interruptus sogar als Ursache für sexuelle Probleme wie vorzeitigen Erguss oder Erektionsprobleme durch den auftretenden Erfolgsstress . [13]

Techniken

Die Techniken[14] zum Coitus interruptus dienen dazu, einerseits eine geeignete Stellung zum „schnell rausziehen“ zu haben und dessen Nachteile wie Frust durch die plötzliche Unterbrechung des Verkehrs bzw. das Risiko zu spät zu sein, zu lindern. In jedem Fall wird die Kommunikation und das Vertrauen beider Partner benötigt. Das Paar wählt die Stellung bei der der Mann oben ist wie bei der Missionarsstellung oder beim a tergo. Der Mann kann sich dann vor dem Orgasmus schnell und einfach zurückziehen. Die Ejakulation kann dann auf den Körper bei Einverständnis der Frau oder z.B. in ein Taschentuch, aber auf jeden Fall weg von der Vaginaöffnung erfolgen. Eine die Sicherheit erhöhende Variante entsteht, wenn etwas eher zurückgezogen wird und der Abschluss durch Handmassage des Mannes oder der Frau erfolgt. Beim a tergo kann die Frau unter ihrem Körper zum Penis hindurchfassen.

Weblinks

  • familienplanung.de - Koitus interruptus: Das Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Einzelnachweise

  1. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
  2. Contracept.org abgerufen am 15. November 2011
  3. Genesis 38,8-10 EU
  4. Sigmund Freud, Über die Berechtigung von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als „Angstneurose“ abzutrennen, GW, 1, S. 313-342
  5. Sigmund Freud, Zur Ätiologie der Neurosen, GW, 1, S. 423-459
  6. [1] Rachel K. Jones, Julie Fennell, Jenny A. Higgins and Kelly Blanchard: Better than nothing or savvy risk-reduction practice? The importance of withdrawal
  7. [[2]] Plannedparenthood.org
  8. [[3]] UNITED NATIONS POPULATION INFORMATION NETWORK (POPIN): Withdrawal popular in some cultures
  9. [[4]] Family Planning Worldwide 2002 Data Sheet
  10. Hatcher, RA; Trussel J, Stewart F, et al. (2000). Contraceptive Technology (18th ed.). New York: Ardent Media. ISBN 0-9664902-6-6.
  11. Ortayli, N: Why Withdrawal? Why not withdrawal? Men's perspectives. In: Reproductive Health Matters. 25, Nr. 13, 2005, S. 164–73. doi:10.1016/S0968-8080(05)25175-3. PMID 16035610.
  12. Coitus Interruptus (Withdrawal). Abstinence & Natural Birth Control Methods. Sexually Transmitted Disease Resource (2006). Abgerufen am 5. September 2006.
  13. Masters, W.H., & Johnson, V.E.: Human sexual inadequacy. Boston: Little, Brown and Company 1970
  14. [[5]] geeignete Stellungen (engl.)
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  • coitus interruptus — ► NOUN ▪ sexual intercourse in which the penis is withdrawn before ejaculation …   English terms dictionary

  • coitus interruptus — [kō′it əs in΄tə rup′təs] n. [L] withdrawal of the penis in sexual intercourse before ejaculation to avoid deposit of semen in the vagina …   English World dictionary

  • Coitus interruptus — Aufpassen (umgangssprachlich) * * * Co|i|tus in|ter|rụp|tus, der; , […tu:s] …ti [mlat. interruptus = unterbrochen]: Geschlechtsverkehr, bei dem der Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide herausgezogen wird. * * * Coitus interruptus,  … …   Universal-Lexikon

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