Collm


Collm
Collm
Gemeinde Wermsdorf
Koordinaten: 51° 18′ N, 13° 1′ O51.30138888888913.020833333333220Koordinaten: 51° 18′ 5″ N, 13° 1′ 15″ O
Höhe: 220 m ü. NN
Einwohner: 250
Eingemeindung: 1. Okt. 1995
Postleitzahl: 04779
Vorwahl: 03435
Karte

Ortsplan Collm

Collm ist ein Ortsteil von Wermsdorf im Landkreis Nordsachsen in Sachsen. Das Dorf liegt am Südhang des Collmberges und hat 250 Einwohner.

Collm um 1840

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das von Deutschen gegründete Straßenangerdorf Collm mit Blockgewann und Streifenflur umfasst 344 ha (1900). Der Ort weist einen Höhenunterschied von 35 Metern auf. Urkundlich erwähnte Ortsnamen waren:

  • 1185: Chulmice
  • 1198: Colmiz
  • 1205: Kolme
  • 1221: Culmiz
  • 1350: Kolmen
  • 1539: Kolmen[1]

Im Ort wird ab 1551 ein Rittergut mit Grundherrschaft erwähnt. Collm gehörte seit 1552 zum Amt Oschatz, ab 1834 zum Amt Mutzschen, 1856 zum Gerichtsamt Wermsdorf und seit 1994 zum Landkreis Torgau-Oschatz. Nach der Kreisreform Sachsen 2008 am 1. August wurde der Landkreis aufgelöst. Collm gehört seitdem zum Landkreis Nordsachsen. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts war das Dorf mit 22 Gutsbesitzern einer der größeren Orte im Oschatzer Land. Während der Zeit der Parforcejagd August des Starken profitierte auch das nahe Hubertusburg und am Wermsdorfer Forst gelegene Collm. Die Bauern und Bewohner waren während der königlich sächsischen Hofresidenz in Hubertusburg als Treiber und Helfer tätig. In Collm befand sich auch das Königlich Sächsische Forsthaus.[2] Anfang des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Rittergut Collm ein königliches Kammergut. Das Gut wurde vernachlässigt und baufällig. Die Ruinen wurden Ende des 19. Jahrhunderts abgetragen, das noch brauchbare Steinmaterial als billiger Steinbruch für andere Bauten aller Art mit verwendet.[2] Nach 1900 fanden Unternehmer aus Leipzig als Jagdpächter Interesse am Ort. So entstanden bis 1915 in der Villenstraße neue Fachwerkhäuser, die sich in das von Dreiseithöfen geprägte Dorfbild einfügten. In Betrieben wie Bäckerei, Fleischerei, Schmiede-, Stellmacher- und Schuhmacherwerkstätten und in einer Windmühle sorgten Handwerker für die wichtigsten Bedürfnisse der Bewohner.[3] 1930 erhielt der Ort eine zentrale Trinkwasserversorgung. Bis dahin war die Wasserversorgung allein auf Brunnen und Teiche abgestellt.[4] Im Ersten Weltkrieg hatte der knapp 300 Einwohner große Ort zehn Tote zu beklagen, im Zweiten Weltkrieg waren es siebenundzwanzig. Als am 5. Mai 1945 die Sowjets zum Plündern kamen, erschossen sie zwei Einwohner.[4] Die in Collm liegenden Güter waren so klein, dass sie nicht unter die Bodenreform fielen. Vertriebene kamen und erhielten noch zu rodende Waldflächen. 1947 gründete sich in Collm eine Freiwillige Feuerwehr. 1958 wurde die LPG Friedenswacht gegründet und die freien Bauern zum Eintritt gezwungen.[4] Später ging diese LPG in der LPG Typ I mit dem Namen Bergtreue Collm auf. Von 1972 bis 1990 wurde von Mai bis September am Fuße des Collmberges durch den ehemaligen VEB Heilkräuter Oschatz die Echte Kamille als Heilkraut geerntet und davon Drogenauszüge hergestellt.[5] Von den rund 1,7 Millionen DDR - Merino - Fleischschafen weideten seit 1955 rund 900 Tiere unter Aufsicht eines hauptamtlichen Schäfers auf den Wiesern und Feldern rund um den Collmberg.[6] Bis 1973 bestand Collm als eigenständige Gemeinde. Ab dem 1. Januar 1974 schloss sich die Gemeinde mit der Gemeinde Lampersdorf (Wermsdorf) zusammen. 1992 und 1994 wurde Collm als erfolgreichstes Dorf im Landkreis Oschatz und 1994 als schönstes Dorf im Regierungsbezirk Leipzig ausgezeichnet.[7] Ab Oktober 1995 gehört Collm zur Gemeinde Wermsdorf.

Bürgermeister

Siegfried Reichel (1931 - 2010)

Siegfried Reichel war der letzte amtierende Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Collm. 1990 wurde der gelernte Forstfachmann als Bürgermeister gewählt. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1996 gehörte er zu den aktiven Gründungsmitgliedern des Heimatvereins Bergtreue im Jahr 2003, er veranstaltete Waldwanderungen und schrieb Texte über den Ort in der Oschatzer Allgemeinen Zeitung. Er spielte die Keller-Orgel in der Collmer Kirche und gehörte den Jagdhornbläsern an.[8]

Albertturm auf dem Collm

Evangelische Kirche Collm

Die Gemeinde Collm gehört zum Kirchenbezirk Leisnig - Oschatz. Die romanische Saalkirche, 1350[9] erstmals erwähnt, mit halbkreisförmig überwölbter Apsis hat einen flachgedeckten Altarraum und einen Westturm aus dem Jahr 1864. Der im gleichen Jahr stark veränderte verputzte Bruchsteinbau hat seine romanische Staffelung von Saal, Chor und Apsis erhalten.[10] 2000 wurde die Collmer Kirche restauriert. Neben den Malerarbeiten im Innenraum, Ausbesserungen des Schieferdaches und der Fassade wurde eine neue Turmuhr installiert und die Turmspitze mit einer größeren Turmkugel und der Wetterfahne neu gestaltet. Die bisherige 404 Jahre alte Turmkugel und das Turmkreuz wurden durch die Kirchgemeinde im Kirchenraum aufbewahrt. Auch der baufällige Glockenstuhl wurde 2002 erneuert.[9]

Kirche

Taufstein

Der Taufstein besteht aus Sandstein und ist 104 cm hoch und 56 cm im Durchmesser. Er steht auf einer quadratischen Platte, besitzt Urnenform und stammt aus dem Ende des 18. Jahrhundert.

Gemälde

Durch Lucas Cranach der Ältere wurde hier die Kreuzigung dargestellt. Zu Füßen des vor einem rot flammenden Himmel gestellten Mittelkreuzes ist Maria Magdalena niedergesunken. Daneben ist Maria in schwarzem Gewand und weißem Kopftuch bzw. Johannes in weißem Gewand.[11] Auf dem Sockel steht: Morte mihi vitam mortva vita dedit. (Sein Tod gab uns das ewige Leben) Anlässlich der 2. Sächsischen Landesausstellung 2004 auf Schloss Hartenfels in Torgau wurde das 30 x 40 cm große Werk restauriert.[4]

Orgel

Die Orgel wurde 1890 von der Orgelbaufirma Keller aus Ostrau erbaut und funktioniert bis heute in der original erhaltenen mechanischen Bauart.

Glocken

Das Glockenspiel der Kirche in Collm ist eines der ältesten in Sachsen. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert. Geläute mit drei Glocken waren in den sächsischen Dorfkirchen häufig. So bestand die Möglichkeit, das Motiv Te Deum bzw. Gloria zu läuten. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Glocken durch die Collmer in der sogenannten Trift westlich des Collms im Wald versteckt.[4]

Die große Glocke (Grundton Gis)

Sie ist 159 cm weit und 82 cm hoch, von schlanker Rippe, ohne Verzierung und Inschrift.

Die mittlere Glocke (Grundton E)

Sie ist 72 cm weit und 70 cm hoch, von schlanker Rippe und trägt die Inschrift: O. rex . glorie. vem(!) i.evn (!) pace.an (!) en. Soll heißen: O rex gloriae veni cum pace übersetzt: (Oh König der Ehren, komme mit Frieden!)

Die kleine Glocke (Grundton F)

Sie ist 50 cm weit und 36 cm hoch. Die Schriftform der Majuskeln ergeben keine Worte. Es wird vermutet, dass es sich bei diesen um Anfangsbuchstaben eines oder mehrerer Sprüche handelt.[11]

Gerichtslinde

Sehenswürdigkeiten

Gerichtslinde

Die sogenannte Gerichtslinde mit 11 Metern Umfang steht auf der Südostseite des Friedhofes und wird im Alter auf 1.000 Jahre geschätzt. Es ist nicht mehr feststellbar, ob es sich um einen einzelnen Baum oder aber eine zusammengewachsene Gruppe von Bäumen handelt. 1877 wurde durch die Königliche Kircheninspektion eine Erlaubnis erteilt, eine Sammelbüchse am Baum anzubringen. 1926 und 1953 wurden zum Ersatz des sich auflösenden Kernholzes Ausmauerungsarbeiten mit Bruchsteinen und Beton durchgeführt, welche dann 1992 durch die Firma Krahnstöver und Wolf aus Leipzig bei einer Baumsanierung mit Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landesentwicklung wieder entfernt wurden.[4] Den Baum nutzt die Langohrfledermaus als Tagesunterkunft, bzw. gibt es jährlich Hornissenbeuten.

Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges

Kriegerdenkmal

Zwischen Kirche und Gerichtslinde steht ein hohes steinernes Kreuz mit der Inschrift: In Dankbarkeit unseren im Weltkrieg Gefallenen. Darunter stehen die zehn Namen der Gefallenen und ein Verweis auf Vers 15.13 des Johannes Evangeliums: Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. Das Denkmal wurde am 11. Dezember 1921 eingeweiht.[4]

Teil des Nordsächsisches Sattels

Der weit sichtbare Collm ist die höchste Erhebung der Nordwestsächsischen Senke. Das Grundgestein dieses Bergzuges ist eine quarzistische Grauwacke, welches im unteren Ordovizium vor mehr als 500 Millionen Jahren entstanden ist.[12]

Windmühlenberg

Der Windmühlenberg, 248 Meter hoch, liegt nur etwa einen Kilometer östlich vom Collmberg und wird wegen seiner Gestalt Spitzcollm genannt. Eine Bockwindmühle stand seit 1790 auf dem Gipfel und war lange Zeit ein besonderes Wahrzeichen des Gebietes. Bis 1950 war sie noch in Betrieb. Dann verlor sie ihre Flügel und wurde als Wohngebäude genutzt.[2]

Eichberg

Als Fortsetzung des sogenannten Collmrückens gibt es den 181 Meter hohen Eichberg, an dem schon 1815 zwei Steinbrüche nachgewiesen sind.[2]

Kleiner Collmberg

Der kleine Collmberg ist 230 m hoch.

Wermsdorf

Hauptartikel: Wermsdorf

Hubertusburg

Hauptartikel: Hubertusburg

Jagdschloß Wermsdorf

Hauptartikel: Jagdschloss Wermsdorf

Wermsdorfer Forst

Hauptartikel: Wermsdorfer Forst

Wallanlage Collm

siehe Abschnitt Thingplatz

Blick vom Collm

Collmberg mit Albertturm

Überregional und ortsüblich wird vom ältesten Hügel Sachsens im Sprachgebrauch vom Collm gesprochen, weniger von seiner Bezeichnung Collmberg. Die Bezeichnung Collmberg ist eine Doppelbezeichnung - denn Collm bedeutet in der westslawischen Sprache auch Chelm, Colm, Kolm bedeutet kegelförmiger Berggipfel. Die Angaben zur Höhe variieren, so wurde vor 1945 auf OLEX-Autokarten die Höhe mit 314 m angegeben, besonders nach 1990 variieren die Höhenangaben zwischen 312 und 318 m.[13] Bereits 1629 hatte Johann Georg I. (Sachsen) die Idee, auf dem Collm einen zweigeschossigen quadratischen Turm von acht Meter Seitenlänge und 20 Meter Höhe errichten zu lassen. Doch der Dreißigjährige Krieg verhinderte den Bau.[14] Um 1840 wurde auf dem Collmberg ein fliegender Bierschank errichtet, den der Restaurateur Lettau[15] aus Calbitz mit Hilfe eines Eselgespannes unterhielt. Wenige Jahre später errichtete der gleiche Gastwirt mit staatlicher Genehmigung ein Berggasthaus. Doch um den Wanderer den Aufstieg auf den Berg noch attraktiver zu machen, fehlte ein Turm, der trotz der hohen Bäume eine Rundsicht ins Land ermöglichte.[16] Als im Sommer 1851 der Meißener Schriftsteller Julius Hofmann den Berg erstieg, beklagte er das Fehlen eines Aussichtsturmes mit den Versen: Doch hier auf des Berges Gipfel, hemmten dichtbelaubte Wipfel freien Blick dem Spähergeist![14] So wurde 1853 der achtzehn Meter hohe Albertturm errichtet und am 24. April 1854 durch ein Comitee des Thurmbaus bekanntgeben, dass fortan der Turm zur Besteigung freigegeben war. Der Albertturm besteht aus drei Etagen. 99 Stufen führen auf einer Außentreppe, die erst in der letzten Etage im Inneren des Turmes auf die Aussichtsplattform weitergeführt wird . Zu sehen ist der Wermsdorfer Wald und die Dahlener Heide. Weiterhin ist der Petersberg bei Halle (Saale), Schloss Hartenfels in Torgau, das Völkerschlachtdenkmal und das City-Hochhaus Leipzig, die Augustusburg, der Lilienstein und die Landskrone bei Zittau zu erkennen. Auf der Dacheindeckung wurden 2002 zwei Tafeln mit der Beschriftung Augustusburg 57 Kilometer und Auersberg 110 Kilometer angebracht.[14] Auf der Südseite der Plattform erinnert ein säulenförmiger Granitpfeiler mit der Aufschrift Königlich-sächsische Station der mitteleuropäischen Gradmessung 1865 an die heute noch gültige Landesvermessung Sachsens. Bei der Mitteleuropäischen Gradmessung 1865, in der der Collm für das sächsische Dreiecksnetz ein Punkt erster Ordnung war, gelang es, von der Säule auf der Plattform aus durch Lichtsignale mit einem Heliotrop den nahezu 100 Kilometer südlich entfernten Fichtelberg (Erzgebirge) anzupeilen.[17] Nach dem Albertturm wurde der Collmberg weiter mit einem Wohnhaus, einem Wirtschaftsgebäude, einer Halle für Konzerte und einem Gebäude mit Saal und Nebenstuben bebaut. Neben dem Turm befand sich ein eingezäunter Platz mit Rehen, Hirschen und Kaninchen.[16] Nach 1945 wurde der Collm zur militärischen Sicherheitszone erklärt und die verlassene Berggaststätte musste 1967 abgerissen werden.[14] Anfang der 1990er Jahre war auch der Albertturm baufällig geworden, der Staatsbetrieb Sachsenforst ließ ihn 1994 sperren, zog neue Stahlträger ein und brachte einen neuen Betonbelag ein.[14] Nachdem die NPD Kaufabsichten über den Turm geäußert hatte, kaufte die Gemeinde Wermsdorf im Dezember 2010 vom Sächsischen Staatsbetrieb für Immobilien - und Baumanagement den Turm für 300 Euro.[18] Der Turm ist heute ein überregional beliebtes Wander - und Ausflugsziel.

Geophysikalisches Observatorium

Unweit des Albertturm wird im 1927 - 1932[19] mit Geldern der amerikanischen Rockefeller-Stiftung[20] errichteten geophysikalischen Observatoriums der Universität Leipzig mittels Seismografen eine lückenlose Erdbebenregistrierung durchgeführt und die Windgeschwindigkeit der Hochatmosphäre gemessen.[21] Erster wissenschaftlicher Leiter der Einrichtung war Prof. Dr. Ludwig Weickmann.[20] Heinz Lettau konstruierte in dieser Station von 1936 bis 1937 ein mechanisch gekoppeltes Horizontalpendel zur Messung von Neigungen der Erdoberfläche.[22] Die seit 1932 auf dem Collmberg lückenlos durchgeführten Messungen spielten eine Rolle bei der seismografischen Beweisführung über die Theorie eines von Adolf Hitlers durchgeführten Atombombenversuch in Deutschland am 2. Oktober 1944.[23] Zur Messung der Windgeschwindigkeit werden von drei beieinanderliegenden Empfängern für die Signale der Langwellenrundfunksender auf 177 kHz (Sender Zehlendorf), Radio Polonia auf 225 kHz (Solec Kujawski) und von Radiojurnal aus Topolna (Tschechien) auf 270 kHz die Feldstärke gemessen und aus den Meßwerten auf Strömungsgeschwindigkeiten in der Hochatmosphäre geschlossen. In Collm werden weltweite Beben ab der Magnitude 4,8 auf der Richterskala registriert.[20] Anfang der 90er des vorigen Jahrhunderts wurde ein Regionalnetz aufgebaut, dazu gehören sechzehn gleichartig ausgerüstete Meßstellen. Seit 1993 ist die Collmer Station Teil dieses Netzes.[24] Seismische Aktivitäten sind keine Seltenheit in Deutschland. In Sachsen ist es vorwiegend das Vogtland, wo ein Netz von fünf Stationen immer wieder Aktivitäten registriert. So wurden dort vom August bis Dezember 2000 über 10.000 kleine Schwarmbeben mit einer Magnitude von 3,5 auf der Richterskala registriert. Durch die hohe Empfindlichkeit der Collmer Seismographen können Bodenbewegungen von millionstel Millimetern ausgewertet werden. Dazu gehören unterirdische Explosionen, Steinbruchsprengungen oder Bergschläge.[24]

Thingplatz

Ob auf dem örtlichen Friedhof mit der 1.000-jährigen Linde tatsächlich von 1185 bis 1259 der Thingplatz der Markgrafen von Meißen war, ist heute nicht nachweisbar. Dagegen sprechen die exponierte Lage des Ortes, als auch die Lage des Friedhofes selbst am Fuße des Collmberges. Auch der höher gelegene Collmberg mit seiner Wehranlage und ovaler Gipfelumwallung, an dessen Westseite sich ein 200 Meter langes, dreifaches Wall - und Grabensystem erhalten hat, fällt als Thingplatz aus, da hier die Bodenfunde eine Nutzung allein ins 10. Jahrhundert datieren. Irritierend[25] ist aber vor allem, dass in Collm kein sicherer Anhaltspunkt für einen mittelalterlichen Herrensitz zu finden ist bzw. die daraus resultierende Annahme, dass die Teilnehmer des Landthings diesen im unbefestigten Bereich abgehalten haben sollen. Nicht der örtliche Bezug der urkundlich aufgezählten Burggrafen, Bischöfe und Domherren war für die Teilnahme entscheidend, sondern ihre Stellung in der Gerichtsverfassung, hier als Richter sprechen zu dürfen.[26] Das Landthing war im 12. und 13. Jahrhundert das höchste Gericht der Mark Meißen. Gegenstände dieses Gerichts, das vermutlich monatlich tagte, waren hauptsächlich Eigentums- und Erbangelegenheiten. Nachweisbar sind 15 Gerichtstage in der Zeit von 1185 bis 1259. Teilnehmer waren in der Regel die markgräflichen Ministerialen, in besonderen Fällen aber auch kaiserliche Ministeriale und Reichsfürsten. Im 14. Jahrhundert verlor dieses Gericht an Bedeutung.

Traditionen

Christi Himmelfahrt

Jedes Jahr ist der Ort Treffpunkt und Ziel von Männertagsausflügen. Besonders beliebt ist hierbei der vom Collmer Weltenbummler Günter Schmidt veranstaltete „Heiratsmarkt“.[27] Dieser fand bereits 1900 statt.[28] Die Monatsbeilage des Oschatzer Tageblattes vom März 1924 bezeichnete das Volksfest als eine Art Heiratsmarkt und begründete die heute ortsübliche Bezeichnung.[4]

Drachenfest

Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltet jährlich am 3. Oktober ein Drachenfest. Die Besitzer des schönsten und am höchsten aufgestiegenen Drachens werden prämiert.[4]

Maibaumsetzen

Seit 1996 wird in Collm durch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr der Maibaum errichtet.[4]

Sommerodelwettbewerb

Ab 1960 - 1965 wurde jährlich auf dem Collmberg ein DDR - Sommerodelwettbwerb durchgeführt. Die Rodler erreichten Spitzengeschwindigkeiten von 80 km/h. Die später daraus resultierenden schweren Verletzungen führten zur Einstellung dieser beliebten sommerlichen überregionalen Veranstaltung.[29]

Rund um den Collm

Auf der mit Naturstein gepflasterten Straße wurde noch 1983 die Motorcross-Leistungsprüfungsfahrt "Rund um den Collm" durchgeführt.

Trivia

Kann der Collm Gewitter teilen?

Der Oschatzer Chronist Carl Samuel Hofmann berichtet 1817: Den Landleuten dient der Collm gleichsam zu einer Wetterfahne. Denn solange die Kuppe desselben, auch bey übrigens heiterem Himmel, umnebelt ist, tritt ein beständig gutes Wetter ein. Der Collmberg raucht Tabak, sagt dann der Landmann ... Auch ist der Berg für die auf der Morgenseite liegenden Ortschaften in der Regel ein Ableiter, denn über seinem Gipfel teilen sich fast alle vom Abend heraufsteigenden Gewitter und Schloßenwetter.[30]

Persönlichkeiten

  • Johann Gottlob Theaenus Schneider (1750–1822), deutscher Altphilologe und Naturwissenschaftler
  • Max Robitzsch (1887–1952), deutscher Meteorologe und Polarforscher, Direktor des Geophysikalischen Institutes Collm von 1950 bis 1952

Literatur

  • Collm. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band, Zwickau 1818, S. 67.

Weblinks

  • Collm im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  • Link Internetseite des Geophysikalischen Observatorium Collm, abgerufen am 19. März 2011.
  • Link Internetseite des Heimatvereins Collm, abgerufen am 19. März 2011.

Einzelnachweise

  1. Susanne Baudisch, Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Dresden, 2006, (online), abgerufen am 19. März 2011.
  2. a b c d Karl Czischka: Einst dichter Waldgürtel. Königliches Kammergut. Das Observatorium. Der Spitzcollm. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 23. November 1999, S. 16.
  3. Siegfried Reichel: Der Collm ist von weitem sichtbar und Orientierungspunkt - um 1830 genauso wie heute. Mit Herrscherstab zum Landgerichtstag. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 26. Juli 2005, S. 15.
  4. a b c d e f g h i j Autorenkollektiv: Chronik. Collm in Sachsen. Heimatverein Bergtreue e.V.. Collm, 2005. k.A.
  5. Rudolf Lehmann: Drogen von den Feldfluren am Fuße des Collm. JB 1974, Seite 40 in Manfred Müller: Das war Der Rundblick. 1954 bis 1990. Sax Verlag, Beucha, ISBN 978-3-86729-054-8, Seite 220.
  6. Renate Baumann: Der Schäfer mit seiner Herde auf den Fluren am Oschatzer Collm. 1975, Seite 143 in Manfred Müller: Das war Der Rundblick. 1954 bis 1990. Sax Verlag, Beucha, ISBN 978-3-86729-054-8, Seite 241.
  7. Siegfried Reichel: Heimatfreund und Ortschronist Siegfried Reichel über den Ort Collm anlässlich der Ersterwähnung vor 820 Jahren (Teil 6 und Schluss). Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 6. September 2005, S. 16.
  8. lga: Abschied von Siegfried Reichel. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 21. Januar 2010, S. 16.
  9. a b Siegfried Reichel: Heimatfreund und Ortschronist Siegfried Reichel über den Ort Collm anlässlich der Ersterwähnung vor 820 Jahren (Teil 2). Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 19. Juli 2005, S. 17.
  10. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Deutscher Kunstverlag, München, 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 1029.
  11. a b Cornelius Gurlitt: Collm. in: Beschreibende Darstellung der älteren Bau - und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Meinhold & Söhne, Dresden, 1905, S. 76.
  12. Siegfried Reichel: Heimatfreund und Ortschronist Siegfried Reichel berichtet über die Ersterwähnung des Ortes Collm vor 820 Jahren (Teil 3). Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 2. August 2005, S. 16.
  13. Heinz Wicher: Die höchste Erhebung Collm oder Collmberg?. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 18. Juli 2006, S. 16.
  14. a b c d e Siegfried Reichel: Heimatfreund und Ortschronist Siegfried Reichel aus Collm über die Geschichte des steinernen Wahrzeichens. Am 24. April feierte der Albertturm auf dem Collm seinen 150. Geburtstag. Sandstein und Grauwacke. Granitpfeiler für Vermesser. Hornklang und Sangesfreude. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 30. April 2004, S. 28.
  15. Walther Käseberg: Der Albertturm auf dem Collm hat schon hundert Jahre auf dem Buckel. Der Rundblick, 1960, Seite 191 in Manfred Müller: Das war Der Rundblick. 1954 bis 1990. Sax Verlag, Beucha, ISDN 978-3-86729-054-8, Seite 71.
  16. a b Christdore Wetzig: Mit einer Höhe von 314 Metern hat der bewaldete Collm bei Oschatz schon immer etwas Anziehendes. Wahrzeichen Nordwestsachsens. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 6. Mai 2006, S. 14.
  17. k.A: Eine nachahmenswerte Wanderung von Oschatz-Rechau zum Collm. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, 12. Juni 2001, S. 16.
  18. lga: Albertturm verkauft. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 15. Dezember 2010, S. 1.
  19. Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e.V: Ludwig F. Weickmann (182 - 1961) in: Mitteilungen der Deutschen Geophysikalische Gesellschaft e.V. Nr. 3, Hannover, 2007, (PDF, 3,92 MB) URL: (online), abgerufen am 25. Februar 2011.
  20. a b c Hagen Rösner: Geophysikalisches Observatorium auf dem Collm seit 70 Jahren in Betrieb. Rektor und Leipzigs OBM zu Besuch. .Goerdelers Unterschrift wieder auf dem Collm Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 17. Dezember 2002, S. 13.
  21. k.A.: Die neue Erdbebenwarte auf dem Collm. Alma Mater Lipsiensis 1409 - 2009, Leipzig, (PDF 99 kB), (online), abgerufen am 5. März 2011.
  22. Michael Börngen, Franz Jacobs, Ludwig A. Weickmann: Ludwig F. Weickmann (1882 - 1961). in: Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e.V., Nr. 2, 2007, Hannover, (PDF 3,74 MB), (online), S. 9, abgerufen am 5. März 2011.
  23. Marcus Landschulze: Geophysikalische Auswertung großer Sprengkörpertests im Oktober 1944 und März 1945. in Rainer Karlsch, Heiko Petermann (Hrsg.): Für und Wider "Hitlers Bombe". Studien zur Atomforschung in Deutschland. Waxmann Verlag , Münster, 2007, ISBN 978-3-8309-1893-6, S. 141 ff., (online), abgerufen am 5. März 2011.
  24. a b Christdore Wetzig: 70 Jahre Geophysikalisches Observatorium Collm. Geschichtliches von Heimatfreundin Christdore Wetzig 1931: Modernstes Institut der Welt. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 14. Mai 2002, S. 16.
  25. Susanne Baudisch: Lokaler Adel in Nordwestsachsen. Siedlungs - und Herrschaftsstrukturen vom späten 11. bis zum 14. Jahrhundert. Böhlau Verlag , Köln, 1999, ISBN 3-412-02599-2, S. 181. (online), abgerufen am 19. März 2011.
  26. Walter Schlesinger: Mitteldeutsche Beiträge zur Deutschen Verfassungsgeschichte des Mittelalters. Vandenhoeck& Ruprecht, Göttingen, 1961, S. 86. (online), abgerufen am 19. März 2011.
  27. Jana Brechlin: Heiratmarkt in Collm bringt Kreise unter die Haube. Schmidt: "Bis das der Tod euch scheidet. Leipziger Volkszeitung, Oschatzer Allgemeine, Oschatz, 18. Mai 2007, S. 15.
  28. Rudolf Lehmann: Heiratsmarkt auf den Collm. Der Rundblick, Nummer 2, 1971, Seite 24 in Manfred Müller: Das war Der Rundblick. 1954 bis 1990. Sax Verlag, Beucha, ISBN 978-3-86729-054-8, Seite 205.
  29. Manfred Müller: Rodeln ohne Schnee auf der Betonpiste am Oschatzer Collm. Der Rundblick, 1965, Seite 25 in Manfred Müller: Das war Der Rundblick. 1954 bis 1990. Sax Verlag, Beucha, ISBN 978-3-86729-054-8, Seite 145.
  30. Gottfried Massanek: Ein bisschen Wind...in der Oschatzer Wetterstation. 1990, Seite 112 in Manfred Müller: Das war Der Rundblick. 1954 bis 1990. Sax Verlag, Beucha, ISBN 978-3-86729-054-8, Seite 473.

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