Colonia Ulpia Traiana


Colonia Ulpia Traiana
Teilrekonstruierter Hafentempel der Colonia
Ulpia Traiana, Tricensimae und der APX

Die Colonia Ulpia Traiana (CUT) war eine römische Stadt in unmittelbarer Nähe des heutigen Xanten (Nordrhein-Westfalen).

Die Colonia Ulpia Traiana wurde von Kaiser Marcus Ulpius Traianus gegründet und nach ihm benannt. Als Colonia gehörte sie zu den etwa 150 Städten im römischen Reich, die dieses höchste Stadtrecht besaßen und als „Abbilder Roms“ galten. Ulpia Traiana war nach Claudia Ara Agrippinensium (dem heutigen Köln) und Augusta Treverorum (Trier) die drittgrößte römische Stadt nördlich der Alpen und ein Hauptort Germania inferiors. Ihre öffentlichen Bauten repräsentieren den hohen Status der Stadt, die Zentrum für ein weites Umland bildete.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Aufgrund archäologischer Funde kann die Entstehung des Ortes bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden. Weitere Funde stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., aus dem 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert fehlen jedoch Belege für eine durchgängige Besiedlung.

13/12 v. Chr. ließ Drusus das Legionslager Vetera auf dem nahegelegenen Fürstenberg errichten, die auch als Basis für Feldzüge ins rechtsrheinische Germanien dienten, welche im Jahr 8 v. Chr. dazu führten, dass der germanische Stamm der von da an als Cugerner bezeichneten Sugambrer in linksrheinische Gebiete umgesiedelt wurde und die Siedlung gründete, die später zur Colonia Ulpia Traiana erhoben werden sollte.

Der Name dieser Siedlung ist nicht überliefert, vermutet wird jedoch, dass sie ähnlich dem batavischen Batavodurum (dem heutigen Nimwegen) als „Cugernorum“ bezeichnet wurde. Aufgrund der Nähe zu Vetera I entwickelte sich Cugernorum innerhalb weniger Jahre zu einem vergleichsweise wohlhabenden Handelsplatz bis es im Bataveraufstand 69/70 das Schicksal Veteras teilte und niedergebrannt wurde.

Mit der Neuerrichtung der Vetera II im Jahr 71 wurde auch die Siedlung wiederbegründet, die um 100 zur Colonia Ulpia Traiana erhoben wurde. Die neue Stadt erhielt mit Wasserleitung, Kanalsystem und Straßennetz eine planmäßige Infrastruktur. Tempel, Forum, Amphitheater, Mauern und Tore wurden errichtet. Innerhalb der Mauern lebten auf 73 Hektar etwa 10.000 Menschen. Die Bevölkerung bestand aus romanisierten Galliern und Germanen. Mit der Stadterhebung erhielten Veteranen der unter anderem in Vetera stationierten Legion Grundstücke und bildeten eine wohlhabende Einwohnerschicht.

260 überquerten Franken den Rhein und überfielen neben Ulpia Traiana weite Teile Germania Inferiors, doch erst beim zweiten Einfall der Franken 275 wurde die Colonia zerstört.

Erst um 310 wurde sie als Tricensimae neu gegründet, jedoch nicht als rein zivile Siedlung. Als das bedeutendste Festungswerk Niedergermaniens übernahm sie die Funktion des ebenfalls zerstörten Vetera II als Lager der Legio XXX Ulpia Victrix, bis die Siedlung 352 von Franken eingenommen wurde.

Zum Teil blieb ältere Wohnbebauung zunächst erhalten, die verfallende Colonia diente jedoch auch vermehrt als Steinbruch. Die verwendbaren Materialien wurden zum Bau der Kirche und Stadt Xanten verwendet oder verkauft – die römische Stadt verschwand von der Oberfläche. Erst archäologische Untersuchungen machen sie wieder erkennbar, so dass einzelne Bauten der einstigen Stadt im Rahmen des Archäologischen Parks Xanten rekonstruiert werden konnten.

Bauten

Rekonstruierter Plan eines gallorömischen Umgangstempels (das Matronenheiligtum) und Tempelbezirkes

Die Stadt war durch sich rechtwinkelig kreuzenden Straßen in Insulae aufgeteilt. Diese werden modern von 1 bis 40 durchnummeriert. Im Zentrum der Stadt (Insula 25) befand sich das Forum, das eine komplette Insula einnahm.

Die davon südliche Insula 26 nahm das Kapitol auf. Es wurde im zweiten Jahrhundert erbaut, wobei das Gebiet vorher dicht mit Häusern, die teilweise reich mit Malereien ausgestattet waren, bebaut war. Das eigentliche Kapitol erstreckte sie über einen großen Bezirk. Der Tempel war nach Nordosten, in Richtung Rhein orientiert. Es konnten nur noch Fundamente ergraben werden, obwohl Ruinen noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu sehen waren und in dieser Zeit auch die ersten Grabungen im Tempel stattfanden.

Nördlich-westlich des Forums befanden sich die Thermen, die wiederum eine ganze Insula (10) beanspruchten. Der sogenannte Verwaltungspalast, dessen Funktion bislang noch nicht hinreichend geklärt ist, belegt die drei Insulae (4, 11 und 17) westlich des Forums. Andere wichtige öffentliche Gebäude waren das Amphitheater im Süden der Stadt (Insula 40) und ein großer Tempel am Hafen (Insula 37). Ein kleineres Matronenheiligtum konnte innerhalb der Wohnbebauung (Insula 20) ergraben werden.

Die einzelnen Insulae der privaten Wohn- und Gewerbebereiche waren parzelliert. Die Einzelparzellen waren dabei ca. 12 × 44 m groß. Es handelt sich meist um Streifenhäuser. Die Häuser waren zum Teil reich mit Wandmalereien dekoriert, doch gibt es bisher keine Belege für Mosaiken. Es sind bisher auch keine Atrium- oder Peristylhäuser gefunden worden. In diesen Punkten unterscheidet sich die Stadt deutlich von Köln. In Insula 3 konnte ein größeres Wohnhaus ausgegraben werden, das mit seinen Eckrisaliten eher einer Villa Rustica als einem Stadthaus ähnelt. Der Bau war über 20 m lang, wobei sich die Eckrisaliten zum Hof hin orientierten, während es an Straßenfront Kolonnaden gab. Einige Räume des Hauses hatten Hypokausten.[1] In Insula 19 konnten mehrere Wohnbauten ausgegraben werden. Hier fanden sich teilweise qualtitätvolle Wandmalereien, darunter die sogenannten Adler-Giganten-Wand.[2]

Wasserversorgung

Die zahlreichen im Gebiet der CUT gefundenen Brunnen allein reichten natürlich nicht aus, um eine Stadt dieser Größenordnung mit ausreichenden Trink- und Brauchwassermengen zu versorgen. Es wurden zwar an einigen Stellen im Xantener Raum schon im 19. Jh. und dann nach dem Zweiten Weltkrieg auch im Xantener Stadtgebiet selbst Reste von Wasserleitungen gefunden, die jedoch lange Zeit keinen klaren Zusammenhang erkennen ließen. Als Wassereinzugsgebiet konnten jedoch nur die „Hees“ oder die „Sonsbecker Höhen“ in Frage kommen.[3]

1959 entdeckte Hermann Hinz eine Leitung, die von den Stauchmoränen der „Hees“ durch das heutige Xanten und entlang der ehemaligen Gräberstraße führend, die CUT von Süden her erreichte.[4] 1975 schließlich gelang es im Zusammenhang mit Straßenbaumaßnahmen im Sonsbecker Ortsteil Labbeck ein Stück der Zuleitung zu finden, die dazu diente, das Oberflächenwasser der Sonsbecker Höhen zur CUT zu transportieren. Es handelte sich um eine mit Ziegelbruch versetzte Mörtelrinne, die noch Spuren der typischen Kalkversinterung enthielt. Das Fundament war solide aus Eifeler Grauwacke-, Basalt- und Tuffsteinen gemauert. Schieferplattenfragmente wiesen auf die ehemalige Abdeckung der Rinne hin, die ein Gefälle von 20 cm auf 100 m besaß. Ein Teil dieser Wasserleitung wurde in den Archäologischen Park Xanten versetzt und konserviert.[5][6][7]

Im Mai 2007 zeigten sich während trockener Witterung bei Überfliegungen durch den Luftbildarchäologen Baoquan Song (Ruhr-Universität Bochum) deutliche Bewuchsanomalien, die auf eine Aquädukt-Pfeilerreihe in der so genannten „Furth“ hinwiesen. Weitere Hinweise auf Teilstücke der Wasserleitung gab es am Forsthaus Hasenacker.[8] Ausgrabungen im Dezember 2008 bestätigten die Luftbilder.[9] Bei Bauarbeiten im Bereich des Xantener Marktplatzes Ende 2009 wurden Reste von Fundamenten der Wasserleitung gefunden.

Siehe auch

Literatur

  • Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Landesmuseum Bonn (Hrsg.): Reihe Colonia Ulpia Traiana. Rheinland-Verlag, Köln.
    • Arbeitsbericht 4. Zu den Grabungen und Rekonstruktionen. 1980, ISBN 3-7927-0552-4 (= Führer und Schriften des Archäologischen Parks Xanten 5).
    • Arbeitsbericht 5. Zu den Grabungen und Rekonstruktionen. 1981, ISBN 3-7927-0608-3 (= Führer und Schriften des Archäologischen Parks Xanten 6).
    • Arbeitsbericht 6. Zu den Grabungen und Rekonstruktionen. 1984, ISBN 3-7927-0794-2.
    • Arbeitsbericht 7. Grabung, Forschung, Präsentation. 1992, ISBN 3-7927-1240-7.
  • Christoph B. Rüger: Colonia Ulpia Traiana. In: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Auflage von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 626–638.
  • Ursula Heimberg, Anita Rieche: Colonia Ulpia Traiana. Die römische Stadt. Planung – Architektur – Ausgrabung. Rheinland-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-7927-1725-5; Habelt, Bonn 1998 (= Führer und Schriften des Archäologischen Parks Xanten 18).
  • Brita Jansen, Charlotte Schreiter, Michael Zelle: Die römischen Wandmalereien aus dem Stadtgebiet der Colonia Ulpia Traiana. Band I: Die Funde aus den Privatbauten. Zabern, Mainz 2001, ISBN 3-8053-2873-7 (= Xantener Berichte 11).
  • Martin Müller u.a.: Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. U. Heimberg: Bonner Jahrbücher 173 (1973), S. 350f
  2. M. Zelle, In: Brita Jansen, Charlotte Schreiter, Michael Zelle: Die römischen Wandmalereien aus dem Stadtgebiet der Colonia Ulpia Traiana, S. 124–37
  3. Werner Böcking: Die Wasserleitung der antiken Stadt. In ders.: Die Römer am Niederrhein. Geschichte und Ausgrabungen. Klartext, Essen 2005, ISBN 3-89861-427-1, S. 187.
  4. Hermann Hinz: Römische Wasserleitung südlich von Xanten. In: Bonner Jahrbücher 159, 1959, S. 134–148.
  5. Werner Böcking: Eine römische Wasserleitung wird entdeckt. In ders.: Die Römer am Niederrhein. Geschichte und Ausgrabungen. Klartext, Essen 2005, ISBN 3-89861-427-1, S. 263–266.
  6. Hans-Helmut Wegner und Ursula Heimberg: Wasser für die CUT. Reste römischer Wasserleitungen der Colonia Ulpia Traiana bei Xanten. In: Das Rheinische Landesmuseum Bonn 6/75. Rheinland Verlag, Bonn 1975, S.  81ff.
  7. Christoph B. Rüger: Colonia Ulpia Traiana. In: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Auflage von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 635–636 und Abbildungen 543 und 549.
  8. Christoph Ohlig: Die Wasserleitung zur Colonia Ulpia Trajana. Deutsche Wasserhsitorische Gesellschaft, Siegburg 2007, ISBN 978-3-8334-8433-9, (Schriften der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft, 11/1), S. 186ff.
  9. Pressemitteilung des Landschaftsverbands Rheinland/Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege.
51.6666666666676.45

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