Colony Collapse Disorder


Colony Collapse Disorder
Eine Hauptursache des Bienensterbens in Deutschland ist der Befall mit Varroamilben (hier auf dem Körper einer Honigbiene)

Als Colony Collapse Disorder (engl.; kurz CCD) bzw. Völkerkollaps bezeichnet man ein in den 2000er Jahren in Nordamerika und Europa beobachtetes massives Bienensterben. Symptome sind das Fehlen der erwachsenen Bienen im Stock. Die Brut, junge Bienen, Honig und Pollen sind dagegen noch vorhanden. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. In Deutschland hielt sich das Bienensterben jedoch in Grenzen: nur 504 der insgesamt 4393 Völker, die über den Zeitraum von vier Jahren am deutschen Bienenmonitoring teilnahmen, gingen über den Winter zu Grunde, und die meisten von ihnen wiesen nicht die beschriebenen Symptome des CCD auf. Als zentrale Ursache für das Bienensterben in Deutschland gilt der Befall mit der Varroamilbe.[1]

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Über den Winter 2006/2007 breitete sich dieses mysteriöse Sterben der Westlichen Honigbiene massiv in den Vereinigten Staaten aus, in einigen Regionen sind bis zu 80 Prozent der Bienenvölker betroffen.[2] Im März 2007 waren die Hälfte aller Bundesstaaten davon betroffen. Einzelberichte gab es teilweise auch schon Jahre zuvor aus Europa und Indien.

Aufgrund der entscheidenden Bedeutung der Honigbiene bei der Bestäubung zahlreicher Nutzpflanzenarten wurde bei einer weiteren Ausbreitung und einem Andauern des Bienensterbens vermutet, dass es zu Engpässen und Ausfällen in der Versorgung mit bestimmten wichtigen Lebensmitteln kommen könnte. Betroffen wären in den Vereinigten Staaten beispielsweise der Anbau von Äpfeln, Birnen, zahlreichen Beerenarten wie Himbeeren, Erdbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Gurken, Kirschen, Kürbissen und Melonen, Mandeln, Pfirsichen, Sojabohnen und etwa 90 anderen Obst- und Gemüsearten gewesen. Ebenso betroffen wären bedeutende Futterpflanzen wie der Klee gewesen, nicht jedoch zum Beispiel die für die Viehhaltung so wichtige Luzerne, da diese fast ausschließlich von Hummeln bestäubt wird. Spätere Berichte zeigten, dass es nicht zu solchen massiven Ausfällen kam. So berichteten Mitte Mai 2007 die Los Angeles Times und das Wissenschaftsmagazin Science, dass Kaliforniens Farmer sogar deutlich höhere Ernten als im Vorjahr erwarten. Zudem hatten sich die Bestäubungsprämien mehr als verdoppelt, von 50 US-Dollar auf 125 US-Dollar und mehr pro Bienenvolk.[3]

Ursachen

CCD hat eine Reihe von Erklärungsversuchen provoziert. Einige, wie transgene Pflanzen, wurden von Wissenschaftlern verworfen. Andere, wie Schädlinge und Krankheiten, Umwelt- und Wirtschaftsfaktoren sowie Pestizide wurden hingegen ernst genommen und umfangreich untersucht. Auch der Einfluss des Mobilfunks wird in Fachzeitschriften erneut diskutiert.[4] Obwohl die Ursachen noch nicht vollständig aufgeklärt sind, gelten Schädlinge und Krankheitserreger als der wichtigste einzelne Faktor.[5]

Varroose

Eine Hauptursache von CCD ist zumindest in Deutschland die Varroamilbe. Als zweitwichtigste Ursache gilt die Infektion mit bestimmten Viren in den Wintermonaten. Der Parasit Nosema, Pflanzenschutzmittelrückstände und andere vermutete Ursachen spielten dagegen kaum eine Rolle. Auch ein Hauptgrund, der zu Völkerverlusten führt, ist eine alte Königin. Deutlich höhere Überwinterungschancen haben Völker mit jüngeren Königinnen. Dies geht aus einer Langzeitstudie hervor, die von der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung koordiniert wurde. Die Autoren schreiben, dass sich die Ergebnisse der Langzeitanalyse auch auf andere Regionen Europas und möglicherweise auch Teile Nordamerikas übertragen ließen.[1][6][7]

Meist wirken noch weitere Faktoren mit, die die Schädlichkeit der Milbe potenzieren. So könnten die Milben Viren übertragen oder die zugefügten Verletzungen Sekundärinfektionen begünstigen.[5]

Unterernährung oder Fehlernährung

Ein Muster des Auftretens von CCD bestand darin, dass alle in einer Vorab-Studie untersuchten, später abgestorbenen Bienenvölker zuvor unter „außergewöhnlichen Belastungen“ gelitten hatten, zumeist Nahrungsmangel und/oder Dürre; entsprechend besteht zumindest die Möglichkeit, dass das Phänomen mit ernährungsbedingtem Stress zusammenhängt und bei gesunden, wohlgenährten Bienenvölkern nicht eintritt.

Einige Forscher brachten das Syndrom mit der Verfütterung von Maissirup (englisch: high fructose corn syrup, HFCS) zur Ergänzung der Wintervorräte in Verbindung. Unterschiede zwischen Maissirup aus verschiedenen Quellen könnte möglicherweise die Inkonsistenzen ihrer Ergebnisse erklären. Wäre dies jedoch der einzige Faktor, dann dürfte CCD ausschließlich in überwinternden Bienenstöcken auftreten, denen Maissirup verfüttert wurde. Es liegen aber zahlreiche Berichte über andere Fälle der CCD vor, bei denen die Imker keinen Maissirup verwendeten.

In diesem Zusammenhang ist auch die in den Vereinigten Staaten übliche Art der Imkerei zu nennen: In den Vereinigten Staaten gibt es Imkereien mit mehreren hunderten Bienenvölkern. Bienenvölker werden zwecks der kommerziellen Bestäubung von Nutzpflanzen durch das Land zu riesigen Monokulturen transportiert, die nur sehr einseitige Nahrung bieten. Sowohl die langen Reisen als auch die potenzielle Mangelernährung durch die Monokulturen sind Stressfaktoren, die das Bienensterben begünstigen könnten.

Pestizide

Eine der gängigeren allgemeinen Hypothesen sagt aus, CCD könnte möglicherweise durch den Einsatz von Pestiziden (mit-)verursacht werden. Allerdings konnten in Untersuchungen mehrerer, nicht zusammenhängender Ausbrüche keine gemeinsamen Umweltfaktoren gefunden werden.

Grundsätzlich könnten die von Imkern beobachteten Symptome wie Orientierungslosigkeit und unerklärliche Verhaltensänderungen durchaus für Pflanzenschutzmittel als Verursacher der CCD sprechen, da Pestizide, insbesondere Insektizide, als Nervengifte wirken. Besonders im Verdacht stand das von Bayer hergestellten Produkt Gaucho, das auf dem Wirkstoff Imidacloprid basiert, nachdem eine Untersuchung der französischen Regierung aus dem Jahr 2003 gezeigt hatte, dass Imidacloprid unter bestimmten Bedingungen zum Tod von Bienen führen kann.[8][9][10]

Bei einem im April/Mai 2008 im Rheintal auftretenden Sterben tausender Bienenvölker konnte als Ursache eindeutig das als Saatgutbeizmittel verwendete Pestizid Clothianidin nachgewiesen werden.[11] Dieses Insektizid gehört zur Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide wie auch Thiametoxam und Imidacloprid. Letzteres wird weltweit in rund 120 Ländern mit einem Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro eingesetzt.

Die daraufhin von Umweltschützern und Imkern lange Zeit vehement vertretene Hypothese, derartige Pestizide seien als Hauptursache des Bienensterbens anzusehen, lässt sich jedoch nur sehr schwierig verifizieren. Erstens ist es aufgrund der Vielzahl der verwendeten Pestizide kaum möglich, gleichzeitig auf alle denkbaren Pestizide zu testen. Zweitens sind zahlreiche professionelle Imkereibetriebe hochgradig mobil und transportieren ihre Stöcke im Laufe einer Saison über weite Entfernungen, wobei die Bienenvölker an jedem Einsatzort einer unterschiedlichen Pestizidmischung ausgesetzt sein können. Drittens lagern die Bienen selbst sowohl Pollen als auch Honig für längere Perioden ein. Entsprechend können Tage und Monate vergehen, bis das möglicherweise kontaminierte Material schließlich an das Volk verfüttert wird, so dass es in diesen Fällen unmöglich ist, den Ausbruch von Symptomen mit einem Zeitpunkt in Zusammenhang zu bringen, an dem der Stock mit bestimmten Pestiziden in Kontakt geriet. Jedenfalls lässt sich eine Verbesserung hinsichtlich der Sterblichkeit von Bienenvölkern in Frankreich nicht feststellen, obwohl der Einsatz von Gaucho auf Mais und Sonnenblumen dort bereits seit 1999 auf Drängen der Imker verboten ist. Bei der heute in weiten Teilen Europas üblichen Anwendung als Saatbeize sind die betreffenden Substanzen im Übrigen ohnehin als nicht bienengefährlich eingestuft, da sich keine Auswirkungen nachweisen lassen.[12]

Pestizide auf den von Bienen aufgesuchten Futterpflanzen gelangen mit weit größerer Wahrscheinlichkeit mit den Pollen in den Stock als über den Nektar, denn der Pollen wird außen an der Biene transportiert, der Nektar aber innerlich, so dass die Biene stirbt, wenn er zu toxisch ist. Viele potenziell tödliche Substanzen, gleich ob natürlich oder künstlich, wirken jedoch gar nicht auf die erwachsenen Bienen, sondern primär auf die Brut. Bei CCD scheint aber gerade die Brut nicht betroffen zu sein. Bezeichnenderweise wird der Brut kein Honig verfüttert, während ausgewachsene Bienen sehr wenig Pollen verzehren. Dass bei der CCD-Symptomatik die ausgewachsenen Bienen sterben (beziehungsweise verschwinden), deutet darauf hin, dass etwaige Umweltschadstoffe oder Toxine sich am wahrscheinlichsten im Honig finden müssten.

Bislang beruht der Großteil der Evaluation einer möglichen Beteiligung von Pestiziden bei CCD auf Studien, die von den Imkern eingereicht wurden. Es scheint unumgänglich, in Zukunft Proben aus betroffenen Völkern direkt zu analysieren, insbesondere im Hinblick auf den verbreiteten Einsatz systemischer Insektizide, die lange vor der Bestäubung auf den Ackerboden ausgebracht und dann von den Pflanzenzellen aufgenommen werden, einschließlich Pollen und Nektar. Es wurden jedoch noch keine detaillierten Untersuchungen der Toxikologie oder etwaiger Pestizidrückstände im verbleibenden Honig oder Pollen verlassener Bienenstöcke veröffentlicht.

Viele von der CCD betroffene Imker berichten, dass sie in ihren Stöcken Antibiotika und Akarizide (gegen Milben) eingesetzt hatten. Bislang fand sich jedoch kein Hinweis auf einen einzelnen Wirkstoff, der als Auslöser für CCD in Betracht käme. Es könnte allerdings sein, dass nicht alle in dieser Weise eingesetzten Chemikalien auf ihre Verträglichkeit für Honigbienen getestet wurden.

Eventuell fallen die Bienen neuen Pestizidvarianten auf Nikotin-Basis zum Opfer.[13] Ein im April/Mai 2008 auftretendes massives Bienensterben im Rheintal konnte allein auf einen solchen Wirkstoff mit dem Namen Clothianidin zurückgeführt werden. Hierbei wurde Maissamen mit dem Mittel gebeizt. Bei der Aussaat traten Stäube auf, die von den Bienen über Blüten in der Umgebung (Obstblüte, Löwenzahn, Raps) aufgenommen wurden. Es bestand ein sehr strenger zeitlicher Zusammenhang der Aussaat mit dem totalen Zusammenbruch bisher gesunder, starker Bienenvölker. Schließlich konnte in 29 von 30 Proben die Kontaktgiftwirkung in einem Biotest nachgewiesen werden. Weitere erste chemische Analysen bestätigten diesen unmittelbaren Zusammenhang zwischen toten Bienen und dem Beizmittel.[11]

In Deutschland etwa stoppte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am 15. Mai 2008[14] den Verkauf und die Anwendung von zunächst acht Saatgutbehandlungsmitteln, die gesamte Gruppe der Neonicotinoide – unter anderem ein Produkt von Bayer CropScience mit dem Namen „Poncho“ – die diesen Wirkstoff enthalten, hob aber das Ruhen der Zulassung von vier Beizmitteln am 25. Juni 2008 wieder auf, nachdem die Mittel modifiziert wurden.[15]

Das Bienenmonitoring wird vom NABU als nicht aussagekräftig kritisiert. Die Bedeutung der Pestizide sei nicht objektiv untersucht worden.[16]

Krankheitserreger und Immunschwäche

Einige Forscher wiesen darauf hin, dass das Verbreitungsmuster dem einer Infektionskrankheit entspreche; allerdings gibt es auch Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit einem Immundefekt,[17] ähnlich dem AIDS beim Menschen, möglicherweise in Verbindung mit den oben erwähnten Belastungen, die das Immunsystem schwächten. Insbesondere, laut den Forschern der Gruppe an der Pennsylvania State University: „Die Größenordnung, in der infektiöses Material in den ausgewachsenen Bienen festgestellt wurde, deutet auf ein Beeinträchtigung des Immunsystems hin.“ Die Forscher wiesen weiter auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Varroamilben und CCD hin: Es könnte sein, dass eine Kombination von Milbenbefall, dem von diesen übertragenen Deformed Wing Virus und einer bakteriellen Infektion zu einem Ausfall des Immunsystems führt und eine Ursache für CCD sein könnte.[18] Diese Forschungsgruppe konzentriert sich Berichten zufolge auf die Suche nach möglichen viralen oder bakteriellen Erregern sowie Pilzbefall. Nach neueren Erkenntnissen (September 2007) kommt das 2004 erstmals identifizierte Israel Acute Paralysis Virus (IAPV) als weitere mögliche Sekundärinfektion der Varroose hinzu: Ein Forschungsteam der Pennsylvania State University hat drei Jahre lang Proben aus gesunden und von der CCD befallenen Bienenstöcken untersucht, sowie aus China importiertes Gelée Royale und offenbar gesunde Bienen aus Australien. Mit Hilfe einer neuen, schnellen Technik zur Genomsequenzierung gelang es ihnen, sämtliche Mikroorganismen zu erfassen, die in Honigbienen zu finden sind. Im Zuge der statistischen Auswertung aller Daten fanden sie einen Zusammenhang zwischen CCD und einem Organismus mit dem Namen Israeli Acute Paralysis Virus.

Untersuchungen aus 2008 der kanadischen Biologen Otterstatter und Thomson (University of Toronto) zeigten einen Zusammenhang mit dem Krankheitserreger Crithidia bombi (Flagellaten aus der Klasse der Kinetoplastea), der vorwiegend bei zur Bestäubung von Nahrungsgemüse wie Gurken oder Tomaten verwendeten Bienen und Hummeln vorkommt. Die Biologen fanden bei wildlebenden Bienen und Hummeln, die nahe bei den Gewächshäusern lebten, eine erhöhte Anzahl der Crithidia–Erreger. Ein Rechenmodell über die Verbreitung der Crithidien beim Kontakt von aus Gewächshäusern entwichenen Hautflüglern mit ihren wildlebenden Verwandten zeigte genau das in den Vereinigten Staaten beobachtete epidemieartige Ansteigen der Fallzahlen.[19][20]

Eine andere Theorie nimmt an, dass möglicherweise einige Imker bekannte Bienenkrankheiten wie Faulbrut oder Nosemose nicht als solche identifizieren konnten. Die in Spanien Ende 2005 erstmals in Europa nachgewiesene Infektion westlicher Honigbienen mit Nosema ceranae, einer zuvor nicht vom klassischen Erreger unterscheidbaren, aber offenbar virulenteren Nosema-Art, wurde von einigen Forschern mit dem gleichzeitig in Spanien grassierenden Bienensterben in Verbindung gebracht.[21] Die beschriebenen Symptome erinnern stark an CCD. In den Vereinigten Staaten wurden bei Untersuchungen betroffener Völker jedoch keine Infektionskrankheiten gefunden und es gilt daher momentan als recht unwahrscheinlich, dass CCD durch bekannte (und mittlerweile gut diagnostizierbare) Bienenkrankheiten hervorgerufen wird, zumal sich deren klassische Symptome von denen der CCD unterscheiden.

Wenn ein Bienenvolk zugrunde geht, während andere, gesunde Völker in der Nähe sind (wie das in Imkereibetrieben normalerweise der Fall ist), dringen die gesunden Völker in den Stock des sterbenden Volks ein, um seine Vorräte zu stehlen. Wären die Vorräte des sterbenden Volks mit natürlichen oder künstlichen Toxinen kontaminiert, dann würde das sich ergebende Muster vormals gesunder Völker, die in der Nähe eines sterbenden Volks selbst krank werden, den Eindruck einer ansteckenden Krankheit hervorrufen. Bei Fällen der CCD wird jedoch oft davon berichtet, dass die Vorräte sterbender Völker nicht geraubt werden. Das deutet darauf hin, dass ein ansteckender Faktor an CCD nicht beteiligt sein kann.

Transgene Pflanzen

Eine Verbindung zwischen Bt-Mais und CCD wurde von Experimenten in Deutschland aufgeworfen. Die Experimente wurden im Internet (2005) beschrieben, jedoch nie in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht. Hierbei wurden Honigbienen mit Bt-Maispollen gefüttert. Obwohl gesunde Bienen keine akuten oder chronischen toxischen Symptome aufwiesen, wurde ein Experiment abgebrochen, da die Pollen zu einem schnelleren Rückgang der Bienen geführt hätten, wenn sie vor der Fütterung mit Parasiten infiziert wurden. Dieser Effekt konnte nicht repliziert werden.[22]

Vor diesen Experimenten hatten jedoch zahlreiche Studien die Wirkung von Bt-Toxinen auf Bienen untersucht. Kanadische Wissenschaftler fanden keinen Effekt von Pollen des Bt-Mais auf die Bienensterblichkeit. Mexikanische Wissenschaftler konnten keinen Effekt von verschiedenen Syrupen mit Cry1Ab-Protein auf Bienenkolonien feststellen. Die tausendfache der in Pollen enthaltenen Dosis von Cry3b erzeugte keine toxischen Effekte bei Bienenlarven, und die Fütterung von Honigbienen mit Pollen des Cry1Ab-Mais übte keinen Einfluss auf Überlebensrate, Darmflora , oder die Entwicklung der hypopharyngealen Drüsen, in denen die proteinreiche Nahrung für die Brut produziert wird. Eine 2008 veröffentlichte Meta-Analyse von 25 unabhängigen Studien zu den Auswirkungen von Bt-Toxinen auf die Mortalität von Honigbienen fand keine negativen Effekte der derzeit zugelassenen transgenen Pflanzen auf die Überlebensraten von Larven oder erwachsenen Bienen.[22]

Demnach gibt es keine Hinweise in der wissenschaftlichen Literatur, welche die Hypothese eines direkten oder indirekten Schadens durch zugelassene transgene Pflanzen stützen. Zudem besteht bei Bienen nur ein geringer Anteil der Proteinaufnahme aus Pollen. Letztlich gibt es auch einen Mangel an geographischer Korrelation zwischen dem Anbau von transgenen Pflanzen und dem Auftreten von CCD. Beispielsweise kam es zu CCD in der Schweiz, in der kein Anbau stattfindet.[22]

Mobilfunk

In den Jahren 2005[23] und 2006[24] wurden bei Studien der Arbeitsgruppe Bildungsinformatik an der Universität Koblenz-Landau Basisstationen preiswerter schnurloser DECT-Telefonen zur Untersuchung gepulster elektromagnetischer Strahlung direkt im Beutenboden von Bienenvölkern eingebaut. Dabei konnten negative Auswirkungen auf das Rückfinde- und damit Lernverhalten von Flugbienen der Versuchsvölker festgestellt werden. Die DECT-Technik (Frequenzen, Modulation) ist auch näherungsweise mit der Mobilfunktechnik vergleichbar. Allerdings sollte dieser Versuchsaufbau primär den Nachweis erbringen, dass Honigbienen als so genannte Bioindikatoren für solche elektromagnetische Strahlungen mit geringer Energie (unterhalb einer thermischen Wirkung) geeignet sind und sekundär die Wirkung auf das Lernverhalten der Bienen zeigen. Es war nicht Ziel der Studien, eine mögliche Ursache für CCD zu ermitteln.[23][24] Eine im Jahr 2009[4] durchgeführte und 2011 publizierte Studie von Daniel Favre, ehemaliger Biologe an der ETH in Lausanne, zeigte deutliche Zusammenhänge zwischen der Aktivität von Mobiltelefonen und einem gesteigerten Summen von Bienen, was als Zeichen von Stress gedeutet wird. Das Experiment wurde 83-mal durchgeführt. Nach jeweils 20 bis 40 Minuten Bestrahlung steigerte sich die Intensität des Summens der Bienen auf das Neunfache. Dies kann dazu führen, dass viele Bienen den Stock verlassen.[4]

Störung der Eiweißproduktion

Nach neueren Forschungsergebnissen liegt bei allen betroffenen Bienenvölkern eine gestörte Eiweißproduktion vor. Es wird vermutet, dass diese Störung von Picornaviren, die unter anderem durch die Varroamilben übertragen werden, ausgelöst wird. Die gestörte Eiweißproduktion führt außerdem dazu, dass die Bienen anfälliger gegenüber anderen schädlichen Umwelteinflüssen werden.[25][26]

Angebliches Zitat von Albert Einstein

Im Zusammenhang mit dem Bienensterben wird oft eine Aussage zitiert, die von Albert Einstein stammen soll: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr“. Laut Jerry Bromenshenk, Bienenforscher an der University of Montana in Missoula und Mitglied der amerikanischen CCD Working Group, hat eine Anfrage beim Einstein-Institut in Israel ergeben, dass das Zitat nicht von Einstein stammt. Es wäre, wie Die Zeit am 24. Mai 2007 in einem Beitrag schreibt, auch „biologischer Unsinn“:[3]Erst die Europäer haben Honigbienen nach Amerika eingeschleppt, die ‚white man’s flies‘. Der Wind und Myriaden anderer Insekten sorgen ebenfalls dafür, dass Pflanzen Früchte tragen.

Einzelnachweise

  1. a b Elke Genersch, Werner von der Ohe, Hannes Kaatz, Annette Schroeder, Christoph Otten, Ralph Büchler, Stefan Berg, Wolfgang Ritter, Werner Mühlen, Sebastian Gisder, Marina Meixner, Gerhard Liebig, Peter Rosenkranz: Das Deutsche Bienenmonitoring: Eine Langzeitstudie zum Verständnis periodisch auftretender, hoher Winterverluste bei Honigbienenvölkern. In: Apidologie. 41, Nr. 3, 2010, S. 332 - 352, doi:10.1051/apido/2010014.
  2. Mysteriöses Bienensterben in den USA. In: hymenoptera.de. 20. Februar 2007, abgerufen am 21. Juli 2010.
  3. a b Hans Schuh: Die Biene, das Geld und der Tod. In: Die Zeit. Nr. 22, 24. Mai 2007.
  4. a b c D. Favre: Mobile phone-induced honeybee worker piping. Apidologie, 13. April 2011, abgerufen am 10. Mai 2011 (PDF).
  5. a b Francis L.W. Ratnieks & Norman L. Carreck: Clarity on Honey Bee Collapse? Science, 8. Januar 2010. Band 327, Nr 5962, S. 152-153.
  6. Hauptursache für das große Bienensterben gefunden in: Welt Online vom 24. März 2011
  7. Volk der Bienen, quo vadis? in: faz.net vom 6. April 2011
  8. Philipp Mimkes: Bienensterben jetzt auch in Deutschland. In: Stichwort BAYER. Nr. 2, 2003.
  9. Sven Preger: Verstummtes Summen. In: Süddeutsche Zeitung. 26. November 2003.
  10. Wolfgang Weitlaner: Imkerverbände: Pestizid schuld am Bienensterben. In: innovations report. 10. September 2004, abgerufen am 21. Juli 2010 (von deutschen Großunternehmen finanziertes Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft).
  11. a b Mit Clothianidin gebeiztes Saatgut ist nach Untersuchungen des Julius Kühn-Instituts Ursache für aktuelle Bienenschäden in Baden-Württemberg. In: Informationsdienst Wissenschaft. 16. Mai 2008, abgerufen am 21. Juli 2010.
  12. Rolf Forster, Erdmann Bode, Dietrich Brasse: Das „Bienensterben“ im Winter 2002/2003 in Deutschland. Zum Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Braunschweig 2005, ISBN 3-9810189-2-3 (Tagungsbericht).
  13. Matt Wells: Vanishing bees threaten US crops. In: BBC News. 11. März 2007, abgerufen am 21. Juli 2010 (englisch).
  14. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (Hrsg.): Berichte zu Pflanzenschutzmitteln 2008. Sachstandsbericht zu den Bienenvergiftungen durch insektizide Saatgutbehandlungsmittel in Süddeutschland im Jahr 2008. Birkhäuser, Basel 2009, ISBN 978-3-0346-0052-1, S. 5.
  15. BVL setzt Zulassungen für Pflanzenschutzmittel zur Behandlung von Rapssaatgut wieder in Kraft. In: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 25. Juni 2008, abgerufen am 21. Juli 2010.
  16. Hoppe und Safer (2011): Das Deutsche Bienenmonitoring: Anspruch und Wirklichkeit
  17. Colony Collapse Disorder. In: Fruit Times. 23. Januar 2007, abgerufen am 21. Juli 2010 (englisch).
  18. Bee Mites Suppress Bee Immunity, Open Door For Viruses And Bacteria. In: ScienceDaily. 18. Mai 2005, abgerufen am 21. Juli 2010 (englisch).
  19. Michael C. Otterstatter, James D. Thomson: Does Pathogen Spillover from Commercially Reared Bumble Bees Threaten Wild Pollinators?. In: PPLoS one. 3 Nummer=7, 2008, S. e2771, doi:10.1371/journal.pone.0002771.
  20. Jan Osterkamp: Zuchthummel mit Kollateralschaden. In: spektrumdirekt. 23. Juli 2008.
  21. Näheres und Quellen siehe im Artikel Nosemose.
  22. a b c Peggy G. Lemaux: Genetically Engineered Plants and Foods: A Scientist's Analysis of the Issues (Part II). Annual Review of Plant Biology, Band 60, S. 511-559. DOI: 10.1146/annurev.arplant.043008.092013.
  23. a b H. Stever u. a.: Verhaltensänderung unter elektromagnetischer Exposition. Pilotstudie 2005. Arbeitsgruppe Bildungsinformatik an der Universität Koblenz-Landau, 2005, abgerufen am 21. Juli 2010 (PDF).
  24. a b H. Stever u. a.: Verhaltensänderung der Honigbiene Apis mellifera unter elektromagnetischer Exposition. Folgeversuch 2006. Arbeitsgruppe Bildungsinformatik an der Universität Koblenz-Landau, 2006, abgerufen am 21. Juli 2010 (PDF).
  25. Forscher finden Grund für Bienensterben. In: Spiegel Online. 25. August 2009, abgerufen am 21. Juli 2010.
  26. Reed M. Johnson u. a.: Changes in transcript abundance relating to colony collapse disorder in honey bees (Apis mellifera). In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 2009, doi:10.1073/pnas.0906970106.

Literatur

  • Mariano Higes u. a.: Honeybee colony collapse due to Nosema ceranae in professional apiaries. In: Environmental Microbiology Reports. 1, Nr. 2, 2009, S. 110–113, doi:10.1111/j.1758-2229.2009.00014.x.

Film

  • Das Geheimnis des Bienensterbens. Fernseh-Dokumentation, Frankreich, Kanada, 2010, 89 Min., Regie: Mark Daniels, Produktion: arte, deutsche Erstausstrahlung: 18. Mai 2010, Verlag: lingua-video.com.

Weblinks


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