Colt „Peacemaker“


Colt „Peacemaker“
U.S Cavalry Single Action

Der Colt Single Action Army ist der erste von Colt hergestellte großkalibrige Patronenrevolver mit geschlossenem Rahmen. Hersteller war die Colt’s Manufacturing Company. Die Trommel wurde – wie bei allen Single Action-Revolvern – durch das Spannen des Hahns weitergedreht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1855 ließ Rollin White, ein Angestellter von Colt, einen Lademechanismus für Revolver patentieren. Das Patentmodell hatte eine zylindrisch durchbohrte Trommel. Da Colt kein Interesse zeigte, verkaufte White das Patent an Horace Smith und Daniel B. Wesson. Diese brachten bereits 1857 den Smith & Wesson No 1 auf den Markt. Sie vergaben auch eine Lizenz an Remington zur Herstellung von durchbohrten Revolvertrommeln für den Remington New Model Army und kleinere Modelle. Andere Waffenhersteller, auch Colt, versuchten dieses Patent zu umgehen, jedoch ohne Erfolg. Erst das Veto von US Präsident Grant gegen die Verlängerung des Patents machte 1870 den Weg frei zur Entwicklung moderner Hinterlader-Revolver.

Colt brachte daraufhin auf Hinterladung umgebaute Perkussionsrevolver und den 1872 Colt Open Top auf den Markt. Da keine dieser Waffen den letzten Spezifikationen der US Army entsprachen, wurde der Chefingenieur bei Colt, William Mason beauftragt, einen Revolver mit geschlossenem Rahmen für die damalige Armeepatrone .44 S & W American zu entwickeln. Die oft gehörte Meinung, Colt habe den geschlossenen Rahmen bei Remington abgeschaut ist falsch, gab es doch schon 1855 Colt-Revolver mit geschlossenen Rahmen, 1860 auch Versuchsmodelle im Kaliber .44 Rimfire.

Im Frühjahr 1872 war der Prototyp des Single Action Army fertiggestellt. Anstatt einer Nummer war auf dem Rahmen die Bezeichnung 44 NM 1872 eingeschlagen. Im Juni 1872 folgte die Nummer S 1 und im November wurde No. S 2 an die verantwortlichen Stellen der U.S. Armee als erste Testwaffe ausgeliefert, der weitere 36 Waffen aus der frühen Serienfertigung folgten. (NM steht für New Model und S für Sample: Muster)

Diese Colt Single Action Army durchliefen alle Armeetests erfolgreich und waren dem Smith & Wesson No 3 überlegen. Da die Munition im Kaliber .44 S&W nicht befriedigte, wurde Colt beauftragt, eine bessere Patrone zu entwickeln, was zur .45 Long Colt Patrone führte.

Die Serienproduktion des Colt Single Action Army begann am 1. März 1873 mit der Nummer 1 und endete 1941 mit der Nummer 357 859, wobei die letzten etwa 800 Revolver nach dem zweiten Weltkrieg ausgeliefert wurden.

Da sich die Waffe durch ihre einfache Bedienung sowie ihre Robustheit auszeichnete, fand sie schnell auch bei Zivilisten Beliebtheit. Dazu trug im Wilden Westen bei, dass die zivilen Versionen ab 1877 auch die Patronen des Winchester-Gewehrs verschossen. Die Cowboys mussten so für die beiden Waffen nur eine Sorte Patronen mit sich tragen. Der Colt Peacemaker war ein Erfolg, die gesamte Vorkriegsproduktion betrug über 350.000 Stück. 1941 wurde die Produktion eingestellt und 1956 auf vielseitiges Verlangen wieder aufgenommen.

Seine Beliebtheit führte zu Spitznamen wie Peacemaker (Friedensstifter), Equalizer (Gleichmacher) und Widowmaker (Witwenmacher).

Technik und Sicherheit

Der sechsschüssige Colt Single Action wurde in verschiedenen Ausführungen hergestellt, hauptsächlich im Kaliber .45 Colt und .44-40 in den Lauflängen 4,75 - 5,5 und 7,5Zoll. Revolver mit kürzeren Läufen sind selten, sie wurden „Sheriff’s Model“ oder „Storekeeper“ genannt und hatten keinen Ausstoßer. Andere Lauflängen wurden auf Bestellung hergestellt. Bekannt sind Revolver mit 16-Zoll-Läufen und montierbaren Anschlagkolben, die „Buntlines“.

Colt SAA Schlossmechanismus Trommel und Ausstoßer

Der Schlossmechanismus des Colt Single Action entspricht noch heute dem seiner Vorgänger. Wie beim Colt Walker Model 1847 besteht er aus vier beweglichen Teilen, dem Hahn (Hammer); der Klinke (Hand), die über den Zahnkranz die Trommel dreht (Cylinder, Ratchet); dem Hebel (Cylinder Locking Bolt) der die Trommel zum Schuss blockiert und dem Abzug (Trigger). Der Hammer trägt hinten eine Rolle (Hammer Roller) als Kontakt zur Schlagfeder (Mainspring). Er betätigt auch die Klinke über einen Nocken. Zwei Federn bringen Klinke, Hebel und Abzug jeweils in die zur Funktion richtige Position.

Schwarzpulverwaffen verschmutzen rasch. Dies führte bei Revolvern dazu, dass sich Pulverrückstände zwischen der Trommelachse und der Trommelbohrung festsetzten und die Trommel blockierten. Colt half dem bei den Perkussionsrevolvern ab, indem er eine schraubenförmige Rinne in die Trommelachse drehen ließ. Diese war als Fett-Depot gedacht und nahm beim Schießen Pulverrückstände auf.

Beim Colt Single Action Army 1873 wurde eine andere Lösung gefunden: Zwischen die Trommelachse (Base Pin) und die Zentralbohrung der Trommel wurde eine drehbare Büchse (Base Pin Bushing) eingesetzt, so mussten zwei Lager blockiert sein, bevor sich die Trommel nicht mehr drehen ließ. Zudem war mit der eingesetzten Büchse eine genauere Passung möglich als mit der Trommel. Die flanschförmige Erweiterung der Büchse lag am vorderen Achslager genau an und verhinderte das Eindringen von Pulverrückständen.

Colt Hahn mit Klinke

Auch die Klinke, die beim Spannen des Hahns die Trommel dreht, wurde verbessert. Anstatt eines einfachen Nockens hatte sie einen Doppelnocken, der in zwei Zähne des Transportrades der Trommel eingriff.

Alle diese Maßnahmen führten dazu, dass der Colt Single Action Army bei den Tests der Armee wesentlich später als seine Konkurrenten blockierte.

Der Hahn hat drei Rasten. Die erste wird „Sicherheitsraste“ genannt, obwohl damit keine echte Sicherheit erreicht wird, fällt der Revolver auf den Hahn, so kann ein Schuss losgehen. Die zweite Raste dient zum Laden, da die Trommel in Uhrzeigerrichtung frei rotieren kann. Die erste und zweite Raste sind hakenförmig ausgeführt um den Abzug zu blockieren.[A. 1][A. 2]

Der Colt Single Action wurde als Schwarzpulverwaffe entwickelt. Aus Armeedokumenten geht hervor, dass bis 1883 Schmiedeeisen verwendet worden ist, nachher wurde auf Stahl übergegangen. Die Roh-Rahmen und andere Teile wurden im Gesenk geschmiedet, spanabhebend bearbeitet, geschliffen, poliert und auf Fehler und Maßhaltigkeit geprüft. Die Läufe wurden aus Rundmaterial hergestellt und getestet.

Alle an die U.S. Armee gelieferten Cavalry Single Actions und der größte Teil der zivilen Peacemakers hatten buntgehärtete Rahmen, die Trommel, der Lauf, die Ausstoßerhülse und der Griffrahmen waren brüniert (gebläut). Serienmäßig wurden viele Revolver auch vernickelt, andere Oberflächenbehandlungen waren selten.

Die einteiligen Walnussholz-Griffstücke für Armeewaffen waren geölt, Bei zivilen Waffen war das Griffstück lackiert, ab 1882 waren zweiteilige Griffschalen aus Guttapercha und Hartgummi erhältlich, was später zur Norm wurde. Seltener waren Griffschalen aus Elfenbein und Perlmutt.

Die Revolver wurden von Spezialisten montiert und einreguliert bis sie perfekt funktionierten. Nachher wurden sie beschossen und auf kurze Distanz eingeschossen.

Colt Proofmark

Armeewaffen wurden bereits bei Colt inspiziert. Der Inspektor der ersten Serie von 8000 Stück war Orville W. Ainsworth. Sein Schlag auf Metallteilen war ein kleines „A“, ein „OWA“ wurde auf das Griffstück geprägt. Andere Inspektoren waren Henry Nettleton („HN“), David F.Clark („DFC“) und Rinaldo A. Carr („RAC“). Zurückgewiesene Waffen erhielten ein „C“ für „Condemned“. Deren Teile gingen, so in Ordnung, in die Zivilproduktion.

Auch die zivilen Waffe wurden während des gesamten Herstellungsprozesses laufend geprüft, schätzungsweise 0,3 % wurden ausgeschieden. Der Übergang auf die rauchfreien Pulversorten verlangte engere Toleranzen und erst ab 1900 garantierte Colt die einwandfreie Funktion seiner Waffen mit der neuen Munition.[A. 3]

Der Colt Single Action Army in der U.S. Armee

Die Texas Rangers waren die erste Truppe, die ab 1839 Coltrevolver erhielten. Diese fünfschüssige Waffe im Kaliber .36, bezeichnet als Colt Paterson Holster Pistol No. 5, war jeder Vorderladerpistole überlegen. Der ehemalige Texas Ranger, Captain Samuel Walker war von den Vorteilen des Revolvers überzeugt, nahm Kontakt zu Samuel Colt auf und entwickelte mit diesem den sechsschüssigen Colt Walker Mod. 1847 im Kaliber .44, von dem tausend Stück an die Armee gingen. Vom verbesserten Modell, dem Colt 1848 Dragoon wurden bis 1860 weitere 8000 Stück an die Truppe geliefert. Von 1860 bis 1865 lieferte Colt dann über 100.000 Colt 1860 Army an die Nordstaaten, es war der letzte bei den U.S.-Truppen verwendete Vorderladerrevolver.

In den frühen 1870er-Jahren wurde eine Neubewaffnung der in die Indianerkriege involvierten Kavallerie nötig. Die U.S. Cavalry war eine Dragonertruppe, sie kämpfte in der Regel abgesessen. Ihre veraltete Bewaffnung aus dem Bürgerkrieg wurde durch den Springfield-Karabiner 1873 im Kaliber 45-70 (reduziert auf 45-55) und den Colt Single Action Army 1873 Cavalry Model mit einem 7 ½ Zoll Lauf ersetzt. Der Kavalleriesäbel Mod. 1860 wurde beibehalten, jedoch selten getragen.

Ein erster Kontrakt für 8000 Single Actions zu 12,50 US-Dollar wurde im Juli 1873 abgeschlossen und die Waffen wurden bis März 1874 ans Zeughaus (Springfield Armory in Massachusetts) ausgeliefert. Bis Ende 1874 war der Großteil der zehn Kavallerie-Regimenter damit ausgerüstet. Schwierigkeiten gab es am Anfang nur bei der Munitionsproduktion. Die Truppe jedoch war begeistert vom Colt Single Action .45 Cavalry Model.

Weitere Bestellungen folgten rasch, und bis April 1891 waren 37063 Single Actions an die U.S.-Armee geliefert, die auch andere Truppen als die Kavallerie und ebenfalls zivile Stellen wie die Post damit ausrüstete.

Patronen Colt .45

Im Frühjahr 1874 stellten Smith & Wesson einen von Major Schofield verbesserten Smith & Wesson No 3 im Kaliber .45 für Tests zur Verfügung. Aufgrund der schnellen Entlade- und Wiederlademöglichkeit zu Pferde empfahlen die Kommissionsmitglieder die Anschaffung dieses Kipplaufrevolvers. Nicht beachtet wurde, dass sich die Coltpatrone nicht in die kürzere Trommel des S&W laden ließ. Die dadurch auftretenden Logistikprobleme führten zuerst zur Schaffung einer schwächeren Einheitspatrone und später zur Ausmusterung des Schofield.

Ein Teil der produzierten Colt Single Actions ging an die Milizen diverser U.S.-Bundesstaaten, da ein Gesetz die Regierung in Washington verpflichtete, Staatsmilizen kostenlos zu bewaffnen. Eine Anzahl dieser Revolver wurde gleich nach Erhalt billig an Großhändler verkauft. Auch Colt erwarb solche Waffen, änderte sie etwas ab und verkaufte diese heute „Buy Back“ genannten Revolver über seine Agenten in den zivilen Markt.

Da sich der nach 1890 an die Armee ausgelieferte neue Ordonnanzrevolver, das New Army Model 1892 im Kaliber .38 Long Colt nicht bewährte, wurden die zurückgezogenen etwa 14000 Colt Single Actions bei Colt und beim Springfield Arsenal aufgefrischt. Die Läufe wurden auf 5 ½ Zoll gekürzt und die meisten Waffen wurden nicht nummerngleich wieder zusammengesetzt. Diese heute „Artillery Model“ genannten Revolver gingen an die Truppen im Einsatz in Kuba, wo sie mit Theodore RooseveltsRough Riders“ den San Juan Hill stürmten. Andere gingen an die Truppen auf den Philippinen (siehe dazu auch Philippinisch-Amerikanischer Krieg) und 800 nicht gekürzte nummerngleiche Waffen erhielt die New Yorker Miliz.

Heute sind die U.S. Cavalry- und Artillery Colts gesuchte und teuer bezahlte Sammlerstücke. Viele wurden ihres historischen Wertes beraubt, da abgenutzte Oberflächen chemisch aufbrüniert, Nummern nachgeschlagen, Teile ersetzt und sogar 5 ½ Zoll Läufe wieder auf 7 ½ Zoll verlängert wurden.

Der Peacemaker im zivilen Markt

Zwischen November 1873 und März 1874 konnte Colt’s nur etwa 400 Model 1873 Single Action Army Revolver in den zivilen Markt liefern da die Armeelieferungen an die National Springfield Armory, Massachusetts Priorität hatten. Nach diesem Datum, als die 8000 Colt SAA des ersten Vertrages ausgeliefert waren, war mehr Kapazität für die Belieferung seiner traditionellen fünf Grossisten der Colt Allies vorhanden. Im Juli 1875, bei Serien-Nummer 20 000 waren bereits etwa 5000 SAA’s in den zivilen Markt gelangt und zwischen Nummer 20 000 und 30 000 sind keine Armeelieferungen erfolgt.

Zu den damaligen Grossisten gehörte Kittredge & Co. in Cincinnati. Diese Firma nannte den Colt SAA auf ihren Anzeigen und Prospekten den Peacemaker. Dieser Name wurde rasch zum Begriff. Der Peacemaker wurde in zwei Nummernreihen hergestellt. Die Zentralfeuer-Variante inklusive Bisley-Modell von No. 1 bis No. 357 859 und die zwischen 1875 und 1880 hergestellten Revolver mit Randfeuerzündung von No. 1 bis ca. No. 1890. Größter Abnehmer war der amerikanische Markt. Der Peacemaker und seine Varianten waren bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein die meistverkaufte Faustfeuerwaffe im Wilden Westen. Allerdings hatte nicht, wie in den Wildwestfilmen, jeder Cowboy einen Peacemaker am Gurt. Die Patronenrevolver setzten sich nur langsam durch, da die Munition teuer und nicht überall verfügbar war. Dazu kam die Konkurrenz der umgebauten Perkussionsrevolver und der anderen Anbieter, allen voran Smith & Wesson.

Erste Lieferungen gingen auch ins Ausland. Bekannt sind die mysteriösen im Dezember 1873 nach Deutschland gelieferten 40 (laut anderen Quellen 59) Peacemakers im Kaliber .44 German. Größere Lieferungen erfolgten nach England und in die Kolonien, sie sind erkennbar an der Laufaufschrift mit der Londoner Adresse, an den Abnahmestempeln und den im British Empire gebräuchlichen Kalibern .450 Boxer und Eley, sowie dem .455 und .476 Eley.

Von 1873 bis 1878 war die .45 Coltpatrone das Standardkaliber des Peacemakers. Da Winchester eine neue Zentralfeuerpatrone für das Winchester (Gewehr) Modell 1873, die .44 WCF (.44 Winchester Center Fire, andere Bezeichnung .44-40) als Ersatz für die veraltete Henrypatrone entwickelt hatte, bot Colt ab 1877 auch Peacemakers für dieses Kaliber an. Ab Frühjahr 1878 wurde auf die Läufe dieser Waffen der Text COLT FRONTIER SIX SHOOTER eingeätzt. Die .44 WCF, die .38 WCF und die .32 WCF Patronen (.44-40 .38-40 .32-20) waren fortan die Einheitspatronen des Wilden Westens. Seltener wurde die .38 Long Colt, die .41 Long Colt und die .44 S&W verwendet. Einige der ursprünglich im .44 Henrykaliber hergestellten Peacemakers wurde auf .22 Randfeuer-Patronen, dem Vorgänger der heutigen .22 Long Rifle umgeändert.

Mit der Einführung des rauchlosen Pulvers ab 1900 kamen die 7 ½ Zoll-Läufe aus der Mode, die häufigsten Lauflängen waren nun 5 ½ und 4 ¼ Zoll, was auch ein Vorteil bei den neuen Transportmitteln war. Während auf dem Pferd der lange Lauf die Waffe im Etui stabilisierte, schlug diese auf der Kutsche und im Ford T-Modell auf dem Sitz auf.

Trotz dem Aufkommen von modernen Revolvern mit Ausschwenktrommel und Selbstladepistolen wurden zwischen 1900 und 1940 noch über 150 000 Peacemakers verkauft. Neben den Kalibern .45 Colt (.45 Long Colt), .38 LC, .44 Winchester Center Fire, .38 WCF, .32 WCF, kamen neu dazu: .38 Special, .357 Magnum, .44 Russian und selten auch die .45 ACP Pistolenpatrone. Größere Abnehmer waren die Copper Queen Mining Company in Bisbee, Arizona (ca. 500 Revolver), die Texas Rangers (Polizei), das San Antonio Police Departement (100 Revolver, 1927) und andere Polizeicorps, die Filmfabriken in Hollywood, das Englische Kriegsministerium (161 Revolver, 1940) und viele Private.

Colt Bisley

1894 wurde als Ersatz des Colt Single Action „Flattop Target“ der Bisley „Flattop Target“ Revolver eingeführt. Bei beiden Modellen handelte es sich um Schützenwaffen mit einem oben flachen Rahmen ohne direkt eingefräste Visierung. Das Schwalbenschwanz-Visier ließ sich zur Seitenkorrektur verschieben. Das Korn war in einen aufgelöteten Block einschiebbar. Zur Höhenkorrektur konnte es ausgetauscht werden. Der Bisley ist erkennbar am längeren, steileren und höher angesetzten Griff, dem breiteren Hahnsporn und dem breiteren Abzug. Benannt wurde der Colt nach der englischen Ortschaft Bisley, wo sich eine der berühmtesten Schießanlagen seiner Zeit befand.

Vergleich SAA Links, Bisley rechts

Die Produktion des Colt Bisley mit Standard-Rahmen begann 1895 bei etwa 160000 der Single-Action-Nummernreihe. Er hatte den Griff, Hahn und Abzug des Target-Models, Visier und Korn entsprachen jedoch dem Single Action Army. Die Schlagfeder des Bisley ist länger als die des Standard-Single-Action und überträgt ihre Kraft auf den Hahn mit einem Zwischenglied. Die Seriennummern des Bisley sind auf den Rahmen, vorne auf dem Abzugbügel und unten auf den Griffrahmen eingeschlagen. Bei späteren Modellen sind sie sehr klein und kaum lesbar. Alle Bisleys nach Seriennummer 161000 tragen links auf dem Lauf die Einschrift: (BISLEY MODEL) zusätzlich zur Kaliberangabe. Die häufigsten Kaliber waren .32-20 / .38-40 / .44-40 / .45 Long Colt und .41 LC.

Die meisten Standard-Bisleys wurden an U.S.-Adressen geliefert, sie wurden nicht als Schützenwaffe verwendet sondern zur Selbstverteidigung. Der längere, höher angesetzte Griff und der tieferliegende Hahnsporn erlaubten eine schnellere Schussfolge. Vom Bisley Target wurden 976 Stück hergestellt; das Standard-Modell brachte es auf etwa 44350 Stück, beide in der normalen Nummernreihe des Single Action Army von 156000 bis 331916 (Cochran). Die Produktion wurde 1912 eingestellt, die Nummer 331916 wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg ausgeliefert.

Gravuren

Colt-Perkussionsrevolver und auch etwa ein Prozent der Colt SAA 1873 wurden im Werk direkt oder im Auftrag von Colt graviert. Diese Single Actions sind gesuchte Sammlerstücke, besonders wenn der Träger bekannt ist. Die Graveure waren meist eingewanderte Deutsche, was aus den Namen hervorgeht. Gustave Young (Gustaf Jung), Louis Daniel Nimschke, Cuno Helfricht und Wilbur Glahn stammten aus Deutschland und Rudolph Kornbrath war ein Österreicher aus Ferlach.

Einige Waffen wurden auch ungehärtet und in unbrünierten Zustand (in the white) an Wiederverkäufer geliefert, die sie zur Gravur an Spezialisten weitergaben. Sammler sprechen von „New York Engraving“, da sich die wichtigsten Agenten Colts in New York befanden. Bekannt sind Schuyler, Hartley & Graham; Spies Kissam Co.; Wexel and Degress und andere. Auch die Winchester Repeating Arms Co. ließ Coltrevolver gravieren. Bekannt sind auch englische Gravuren, die im Auftrag des Londoner Agenten Von Oppen, 14 Pall Mall, London in Auftrag gegeben worden sind.

Long Fluted Model

Da noch Trommeln vom Colt Double Action Model 1878 auf Lager waren, wurden diese umgearbeitet und ab 1913 für Colt Single Action-Revolver verwendet. Diese Revolver unterscheiden sich äußerlich durch längere Einfräsungen auf der Trommel, durch eine nicht durchgehende Büchse in der Zentralbohrung der Trommel und durch eine feinere Oberflächenpolitur. Insgesamt wurden 1379 dieser Revolver in den gängigen Kalibern zwischen Seriennummer 330001 und 331480 hergestellt.

Die frühen Double Action Modelle

1877 brachte Colt den ersten Double-Action Revolver der Firma heraus, den Colt Lightning Model of 1877. Dieser Revolver wurde in den Kalibern, .32, .38 und .41 Long and Short in diversen Lauflängen, meist 3 1/2, 4 1/2 und 6 Zoll angeboten. Die kurzläufigen Modelle hatten keinen Ausstosser. Die Firma Kittredge & Co. in Cincinnati, welcher schon der Name "Peacemaker" zugeschrieben wird, verkaufte den .38er "Lightning" für $ 17.00 und den .41er "Thunderer" für $ 18.00 (Auf der gleichen Kittredge-Preisliste von 1878 wird der "Peacemaker" für $ 16.50 angeboten). Trotz dem komplizierten und unzuverlässigen Mechanismus wurden zwischen 1877 und 1909 über 166 000 dieser Waffen verkauft. Einer der berühmtesten Träger dieser Waffe war Billy the Kid.

Auf Anraten des Colt-Agenten Baron von Oppen in London brachte Colt ein Jahr später den Model 1878 Double Action Frontier Revolver auf den Markt. Er war vor allem als Konkurrenz für die im englischen Markt erfolgreichen Webley, Tranter und anderen Double Actions gedacht. Der Colt 1878 verschoss die gleichen Patronen wie der Single Action Army, der Lauf und Ausstosser stammte aus der gleichen Produktion und die Trommel hatte die gleichen Dimensionen. Viele dieser Waffen wurden in den englischen Kalibern .450, .455 und .476 nach England und in die Kolonien verkauft, die meisten jedoch fanden Käufer in Amerika, obschon sie teuer waren. So kostete ein von Kittredge "Omnipotent .45" getaufter Model 1878 Revolver $ 25.00; vernickelt mit Elfenbeingriffschalen sogar 28.50. Zwischen 1878 und 1905 stellte Colt 51.210 dieser Revolver her. Abgelöst wurde dieses Modell von den ab 1900 immer erfolgreicheren Waffen mit Ausschwenktrommel.

1902 kaufte die U.S.-Regierung etwas über 4600 dieser Waffen im Armeekaliber .45 mit 6 Zoll-Läufen. Diese Waffen waren für die U.S. Truppen und Milizen auf den Philippinen vorgesehen und heißen deshalb „Philippine Model“. Auffällig an der Waffe ist der große Abzugsbügel. Der Grund dafür war folgender: Die Armeemunition hatte stärkere Zündkapseln als die Zivilpatronen. Um die Zündung zu gewährleisten, musste eine stärkere Schlagfeder eingebaut werden. Dies führte zu einem größeren Abzugswiderstand, was mit einem längeren Abzug korrigiert wurde. Da der 1878er-Revolver einen separat eingesetzten Abzugbügel hatte, war es einfach und billig, diesen durch einen größeren Bügel zu ersetzen.

Andere Single Action Varianten

  • Sheriff’s Model oder auch Storekeeper wurde das kurzläufige Modell ohne Ausstoßer genannt.
  • Der Buntline Special war ein Modell mit einem überlangen Lauf und einem separaten Kolben. Dieses wurde (der Legende nach) vom Journalisten und Autor Ned Buntline in Auftrag gegeben. Einen soll er sogar persönlich an Wyatt Earp verschenkt haben.
  • Der Lauf der Modelle im Kaliber 44-40 trug links die Aufschrift „Frontier Six Shooter“.
  • Ausgeliefert wurden die Revolver brüniert, Rahmen buntgehärtet; seltener vernickelt. Weiterhin gab es Modelle in Luxusvarianten wie beispielsweise mit Perlmutt- und Elfenbeingriffen, graviert, mit vergoldeten Einlegearbeiten, Horngriffen.

Wissenswertes

  • Die vor dem 2. Weltkrieg hergestellten Single Actions sind beliebte Sammlerstücke, bis 1898 hergestellte Schwarzpulver-Modelle erzielen die höchsten Preise, da sie historisch interessant sind und gemäß amerikanischer Gesetzgebung nicht als Waffen gelten.
  • Einige Komponenten des Colt Single Action Army, wie beispielsweise Griffstücke, und einzelne Komponenten der Mechanik, waren baugleich mit den Navy-Modellen aus der Zeit der Perkussionsrevolver und konnten teilweise mit diesen Teilen getauscht werden.
  • Anfangs bestand das Griffstück aus einem einzigen Stück Holz, das aufgrund des zweiteiligen Rahmenstückes problemlos und fest eingesetzt werden konnte. Nach 1882 wurden auch zweiteilige Griffschalen aus Guttapercha oder Hartgummi verwendet, welche mit einer Schraube zusammengehalten wurden.
  • 1941 wurde die Produktion eingestellt, 1956 aber wieder aufgenommen. Auch diese bis in die Siebzigerjahre hergestellten Single Actions der zweiten Generation steigen im Wert. Ab 1960 stellte Colt auch eine kleinere Variante des Single Actions her, den Frontier Scout im Kaliber .22.
  • Eine Reihe von Spezialwaffen und Replikaten wurde in den vergangenen Jahren vor allem in Italien produziert.

Weblinks

Quellen

  • James E. Serven: Colt Firearms from 1836. Library of Congress, 1954, ISBN 0-8117-0400-9.. 
  • Charles T. Haven and Frank A. Belden: The History of the Colt Revolver. Bonanza Books, New York 1940. 
  • R. L. Larry Wilson: The Book of Colt Firearms. 1971. 
  • Ron Graham, John Kopec and Kenneth Moore: A study of the Colt Single Action Army Revolver. 1976/2006, ISBN 0-9615236-1-1. 
  • Joseph Rosa: Colonel Colt London. 1976, ISBN 0 85368 350 6. 
  • Don Wilkerson: Colt’s Double Action Revolver Model of 1878. 1998, ISBN 0-9617876-4-3. 
  • Robert Jordan: Colt’s Pocket 49. 2000, ISBN 0-9674816-0-0. 
  • P.M. Shumaker: Colt’s Variations of the Old Model Pocket Pistol. 1966. 
  • Nathan L. Swayze: 51 Colt Navys. 1967, ISBN 0-88227-030-3. 

Anmerkungen

  1. Die dritte Raste dient zum Auslösen des Schusses. Zur Sicherheit wird dringend empfohlen, die Waffe nur mit fünf Patronen zu laden und den Hahn auf die leere Kammer abzusenken.
  2. Bei alten Single Actions können die erste, die zweite oder auch beide Rasten ausgebrochen sein könne. Derart beschädigte Waffen dürfen nie geladen werden.
  3. Der ab 1902 meist vorne links auf den Abzugbügel eingeschlagene Abnahmestempel für diese Munition ist ein VP in einem Dreieck. Nicht so gestempelte Waffen sollten nie geladen werden.

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