Comics Code Authority


Comics Code Authority

Comics Code ist die Bezeichnung für eine Liste von Vorgaben für Comics, die im Rahmen der Selbstkontrolle 1954 von der Comics Magazin Association of America, einer Vereinigung der amerikanischen Comicverleger, erstellt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Öffentlicher Protest gegen Comics

Als nach dem Zweiten Weltkrieg in Amerika zunehmend Comics erschienen, die für erwachsene Leser konzipiert waren und Themen wie körperliche Liebe, Gewalt und Straftaten nicht ausschlossen, wurde der öffentliche Widerstand gegen die „verderblichen“ Comics neu entfacht. Eltern, Lehrer und Politiker protestierten auf Kundgebungen gegen Comics. Sie sahen in ihnen den Auslöser für die Abgestumpftheit der Jugend, moralischen Verfall und Sittenlosigkeit. Die Comicgegner sahen dabei beharrlich die Heranwachsenden als einzige Zielgruppe für Comics.

Sie wurden unterstützt durch Radio- und Fernsehsendungen, in denen die Argumente aufgegriffen wurden und wissenschaftlich belegt werden sollten. Die erste der Sendungen war im März 1948 eine Ausstrahlung der ABC mit dem Titel What's Wrong with the Comics?. Ein Symposium unter dem Vorsitz von Fredric Wertham, dem Leiter einer psychiatrischen Klinik, beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Comics und Jugendkriminalität und sah aufgrund der Befragung einer Gruppe von jugendlichen Straftätern einen direkten Zusammenhang. Hierbei wurde allerdings nicht berücksichtigt, dass nahezu jeder Jugendliche auch Comicleser war und die tatsächliche Anzahl der Straftaten von Jugendlichen im Beobachtungszeitraum gesunken war. Wertham griff das Thema nochmals in seinem Buch Seduction of the Innocent (Verführung der Unschuldigen) auf, in dem die Comicverleger als „Verbündete des Teufels“ diffamiert wurden. Das Buch entwickelte sich zu einem Bestseller, es wurde in der Öffentlichkeit stark diskutiert und galt als „Pflichtlektüre“ konservativer Politiker.

Vor allem Horror-Comics, sogenannte Crime-Comics und die Darstellung von Sex waren das Angriffsziel der Gegner. Um die Schlussfolgerungen Wertheims zu verifizieren, wurde das Subkommittee des amerikanischen Senats zur Untersuchung von Jugendkriminalität in den USA unter der Leitung von Senator Estes Kefauver ins Leben gerufen, das zwei seiner Anhörungen 1954 im Fernsehen übertragenen ließ. Kefauver befragte Mitarbeiter von Comicverlagen, so auch den Herausgeber Bill Gaines, der mit Comics wie Geschichten aus der Gruft sehr erfolgreich war. In der Sendung konfrontierte Kefauver den Verleger mit dem Titelblatt von Crime SuspenStories 22, auf der man den Ausschnitt eines Mannes sieht, der in einer Hand eine blutige Axt und in der anderen einen abgeschlagenen Frauenkopf hält. Gaines war zwar in der Lage, auf die Fragen von Kefauver zu antworten, brachte sich selbst und damit die ganze Branche aber durch seine süffisante, leicht überhebliche Art mit den Horrorgeschichten umzugehen, in Misskredit. Durch die Ausstrahlung wurde erneut eine Welle des Protestes erzeugt, die dazu führte, dass Comichändler verschiedene Comics aus dem Programm nahmen. In mehreren Städten wurden Comics öffentlich verbrannt und Forderungen nach staatlicher Zensur wurden laut.

Gründung der Comics Code Authority

Die Comicverleger gründeten unter diesem Druck im September 1954 die Comics Magazin Association of America (CMAA) mit dem Ziel, eine eigene Selbstkontrolle einzurichten. Am 26. Oktober 1954 wurde die Comics Code Authority (CCA) eingerichtet, deren Aufgabe die Prüfung der Comics sein sollte. Sie entwickelte einen Katalog von Vorgaben, den Comics Code, denen jeder veröffentlichte Comic genügen musste. Dazu gehörten der Verzicht auf die Darstellung von Nacktheit, Worte wie Horror und Terror durften nicht mehr Namensbestandteil sein, Sympathie für Verbrecher oder die Methoden und die Ausführung eines Verbrechens durften nicht gezeigt werden. Der Comics Code setzte die Forderungen der Öffentlichkeit nahezu vollständig um, auch Flüche oder Scheidungen galten als moralisch verwerflich und durften daher in einem Comic nicht vorkommen.

Alle Comics mussten vor der Veröffentlichung bei der CCA zur Prüfung eingereicht werden. Nach einem positiven Ergebnis erhielt der Comic ein Prüfsiegel, das ähnlich einer Briefmarke aufgebaut war und den Text Approved by the Comics Code Authority trug. Comics ohne dieses Siegel hatten nahezu keine Chance, in den Verkauf zu gelangen, in einigen Städten stand der Verkauf ungeprüfter Comics unter Strafe.

Folgen für die Entwicklung des Comics

Der Comics Code beschränkte die Comiczeichner stark, alle bisherigen Versuche, das Medium auch für erwachsene Leser attraktiv zu gestalten, wurden durch die Restriktionen eingefroren. Die Verleger brachten wieder Funny-Comics oder Abenteuergeschichten heraus und beschränkten sich darauf, diese für die Zielgruppe der jugendlichen Leser attraktiv zu gestalten. Beobachter machten den Comics Code für den Konkurs von Comicverlagen verantwortlich. Der Markt der Comichefte schrumpfte von monatlich 650 Heften auf monatlich 300 Veröffentlichungen. Auch Bill Gaines musste Tales from the Crypt im März 1955 einstellen, viele andere bisher erfolgreiche Heftreihen seines Verlages konnten wegen ihrer Titel wie The Vault of Horror nicht weiter veröffentlicht werden.

Lockerung des Comics Code

Auch die Darstellung von Drogen war laut Comic Code nicht möglich. 1971 erschien auf Anregung des Gesundheitsministeriums ein Spider-Man-Heft (Amazing Spider-Man #96) von Stan Lee, das Drogenmissbrauch zum zentralen Thema machte. Die Folgen und Probleme des Missbrauchs sollten dargestellt werden, um die jungen Leser über die Gefahren aufzuklären. Die Prüfung der CCA ließ die thematische Aufbereitung außen vor mit der Folge, dass kein Prüfsiegel vergeben wurde. Der Verlag beschloss mit Zustimmung des Gesundheitsministeriums, die Hefte trotzdem zu veröffentlichen und unterlief damit die Selbstkontrolle des Comics Code. Die CCA musste die Richtlinien anpassen und zeitgemäß lockern, um weiterhin handlungsfähig zu bleiben. Mitte der 1980er Jahre begannen zunächst Kleinverlage wieder damit, echte Comics für Erwachsene zu veröffentlichen. Um den Beschränkungen des Comic Codes aus dem Weg zu gehen, erschienen die Hefte im Selbstverlag und wurden direkt an die Endkunden weitergegeben. Auch Großverlage griffen daraufhin das Thema wieder auf, so erschien bei DC Comics das Epos Batman – Die Rückkehr des Dunklen Ritters, das von Beginn an auf erwachsene Leser ausgerichtet war. Weitere Veröffentlichungen folgten und die Vertriebswege änderten sich dahingehend, dass Comics weniger in Kiosken, stattdessen eher in Buchhandlungen oder im Direktvertrieb angeboten wurden. Daraufhin fand eine weitere Anpassung 1989 statt, die Beschränkungen für den Verkauf von Comics ohne Prüfsiegel wurden aufgehoben.

Die Anpassungen und Lockerungen des Comic Codes ließen seinen Stellenwert immer weiter sinken. Viele Verlage reichen ihre Comics erst gar nicht zur Prüfung ein und wählen den Weg des Direktvertriebes. Der Verlag Marvel gab 2001 bekannt, seine Comics nicht mehr von der CCA prüfen zu lassen, sondern durch eine eigene Kennzeichnung nach Altersgruppen auszuzeichnen. Zwar werden immer noch Comics mit dem Prüfsiegel ausgestattet, aber seine Bedeutung nimmt weiter ab.

Literatur

  • Amy Kiste Nyberg: Seal of the Approval. The History of Comics Code. Jackson 1998. ISBN 087805975X

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