Crashtest


Crashtest
Crashtest bei General Motors

Ein Crashtest [ˈkræʃ-] ist ein Kollisionsversuch von Fahrzeugen unter realistischen, aber kontrollierten Bedingungen. Solche Tests sind vor allem in der Automobilindustrie bei der Entwicklung von Fahrzeugen und Sicherheitssystemen üblich. Sie dienen in der Regel dazu, Erkenntnisse über das Verhalten eines Fahrzeuges, seiner Insassen oder der Ladung bei unterschiedlichen Crashkonfigurationen zu gewinnen. Das Ergebnis ist entweder die Bestätigung der gewünschten Fahrzeugsicherheit oder die Aufdeckung von Schwachstellen, die noch behoben werden müssen.

Für die nationale Typgenehmigung von Fahrzeugen in Deutschland, speziell für die Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) ist heutzutage der Nachweis des Vorhandenseins eines Qualitätssicherungssystems auf Seiten des Herstellers obligatorisch. Der damit verbundene Vollzug der Qualitätssicherung beinhaltet indirekt die Durchführung von Crashtests durch den Hersteller. Da Fahrzeughersteller im Allgemeinen bestrebt sind, sich größere Märkte für ihre Fahrzeuge zu erschließen, treten in der Regel zu den hiesigen gesetzlichen Bestimmungen eine Vielzahl weiterer Vorschriften hinzu, etwa die Empfehlungen der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE), Transport Division, die sich in EU-Richtlinien niederschlagen (siehe ECE-R), und anderer Institutionen. In den USA liegen andere Typgenehmigungsbestimmungen und ein separates Regelwerk für Fahrzeugsicherheit (siehe FMVSS u. a.) vor, welches sich von anderen Teilen der Welt (insbesondere Europa) unterscheidet, sodass hiesige Hersteller üblicherweise ihre Modelle in den USA gesonderte Crashtests absolvieren lassen, falls sie beabsichtigen, diese dort zu vermarkten.

Inhaltsverzeichnis

Grundlegendes

Beim Crashtest wird ein Fahrzeug unter definierten Bedingungen gegen ein feststehendes starres oder deformierbares Hindernis gefahren, weiter gibt es die Möglichkeit, Fahrzeug-Fahrzeug-Crashs zu fahren oder Kollisionen mit Fußgängern zu simulieren. Die Auswirkungen werden durch zahlreiche Sensoren und durch Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras erfasst.

Crashtest-Versuchsanlage bei VW, 1973

Der Crashtest findet meistens in einer speziellen Versuchsanlage statt. Das Fahrzeug wird durch ein Schleppseil auf die je nach Versuch notwendige Geschwindigkeit beschleunigt und trifft am Ende der Strecke auf das Hindernis. Bei sogenannten Schlittenversuchen (der häufigsten Art von durchgeführten Crashtests) wird nur die Rohkarosserie mit den zu prüfenden Komponenten auf einen Schlitten montiert und am Ende der Strecke durch eine entsprechende Vorrichtung definiert verzögert. Der Schlitten und die Karosserie werden bei dem Anprall nicht zerstört. Crashtests mit dem Gesamtfahrzeug werden bereits in der Prototypenphase durchgeführt. Sie dienen in erster Linie der Strukturabsicherung des Fahrzeugs. Bei seitlichen Anprallversuchen kann auch das sonst stehende Hindernis (z. B. Deformierbare Barriere) auf einem rollfähigen Wagen befestigt werden und gegen das stehende Fahrzeug beschleunigt werden.

Mit Hilfe von Spurführungssystemen wie z. B. dem CCV-System können Crashtest auch außerhalb von festen Versuchsanlagen an jedem beliebigen Ort durchgeführt werden. Solche Systeme werden, z. B. von der DEKRA, und wurden von DaimlerChrysler eingesetzt. Dabei werden die Fahrzeuge aus eigener Motorkraft angetrieben. Mögliche Testarten sind z. B. Blockanprall (z. B. Euro NCAP, US NCAP, FMVSS), Anprall gegen Hindernis (z. B. Baum), Schutzplanken-Anprall, Fahrzeug-Fahrzeug-Crash.

Mobile Crashbarriere für Versuche nach FMVSS 214 - Ernst Prüfmaschinen

Je nach Versuchsaufbau können so die verschiedensten Crashsituationen erzielt werden (z. B. Aufprall auf einen Baum, Kollision mit anderen Fahrzeugen frontal, seitlich oder von hinten und mit unterschiedlicher Überdeckung). Außerhalb genormter Crashkonfigurationen werden auch reale Verkehrsunfälle nachgebildet. Hier dienen die Daten eines Unfalls bzw. von Sachverständigen- oder Zeugenaussagen als Grundlage für die Konfiguration. Solche Versuche werden häufig für forensische Sachverständigen-Gutachten in Auftrag gegeben, um eine Unfallsituation nachzustellen. Ein Crashtest führt fast immer zur Zerstörung des untersuchten Fahrzeugs – oft sogar bei teuren Prototypen. Wenn die Möglichkeit besteht, werden diese Test daher durch Computersimulationen ersetzt (siehe Finite-Elemente-Methode). Manchmal werden auch keine vollständigen Fahrzeuge verwendet, sondern nur relevante Teilbereiche.


Zur Simulation von Fahrzeuginsassen werden so genannte Dummys eingesetzt.

Systematische Durchführung von Crashtestserien

Euro NCAP bis 2008

Ein in Europa verbreitetes herstellerunabhängiges Crashtestprogramm ist Euro NCAP. Die Abkürzung steht für „European New Car Assessment Program“ und bestand bis Ende 2008 aus folgenden drei Teilen:

  • Insassenschutz
    • Frontalcrash: Das Fahrzeug wird auf eine Geschwindigkeit von 64 km/h beschleunigt und prallt dann seitlich versetzt, frontal auf eine deformierbare Barriere.
    • Seitencrash: Eine 50 km/h fahrende Barriere, die auf einem Wagen montiert ist, stößt seitlich mit dem Fahrzeug zusammen.
    • Pfahlcrash: Mit 30 km/h prallt das Fahrzeug seitlich auf der Höhe des Fahrers auf eine Stahlsäule.
  • Kindersicherheit
    • Verschiedene Test untersuchen die Sicherheit von Kindern, die in einem Isofix-System oder speziellen Kissen mit einem Gurt fixiert sind bei Unfallsituationen.
  • Fußgängerschutz
    • Crash mit einem Fußgänger: Hierbei werden mehrere Einzeltests mit einem Dummy und mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h durchgeführt.

Euro NCAP ab 2009

Seit dem Jahr 2009 wurde der Euro NCAP erweitert;[1] er umfasst seither die vier Bereiche

  • Insassenschutz
    • Frontalcrash: Das Fahrzeug wird auf eine Geschwindigkeit von 64 km/h beschleunigt und prallt dann seitlich versetzt, frontal auf eine deformierbare Barriere.
    • Seitencrash: Eine 50 km/h fahrende Barriere, die auf einem Wagen montiert ist, stößt seitlich mit dem Fahrzeug zusammen.
    • Pfahlcrash: Mit 30 km/h prallt das Fahrzeug seitlich auf der Höhe des Fahrers auf eine Stahlsäule.
    • Heckcrash: Untersuchung der Sicherheit von Kopfstützen, Rückhaltesystemen und Airbags auf allen Sitzen beim Schutz der Halswirbelsäule
  • Kindersicherheit
    • Verschiedene Test untersuchen die Sicherheit von Kindern, die in einem Isofix-System oder speziellen Kissen mit einem Gurt fixiert sind bei Unfallsituationen.
  • Fußgängerschutz
    • Crash mit einem Fußgänger: Hierbei werden mehrere Einzeltests mit einem Dummy und mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h durchgeführt.
  • Aktive Sicherheit
    • Beurteilung des Vorhandenseins sowie der Wirksamkeit der Sicherheitssysteme, Gurtwarner, ESP-Systeme sowie Geschwindigkeitsbegrenzern.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Euro NCAP: The ratings explained

Weblinks


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