Croÿ


Croÿ
Stammwappen derer von Croÿ
Wappen des Herzogs von Croÿ aus der Hauptlinie Croÿ-Solre

Croÿ, auch Croy, ist der Name eines alten ursprünglich französischen Adelsgeschlechts aus der Picardie. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehörte in Frankreich und Deutschland, in Belgien noch heute, zum Hochadel und in Spanien zu den Granden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Herkunft

In älterer Literatur werden unterschiedliche Ursprünge des Geschlechts angenommen. Nach einer alten Überlieferung stammte die Familie von Marcus, Enkel des 1141 verstorbenen Bela II. von Ungarn, ab. Er soll mit Catharina, der Erbtochter von Airaines und Croy, verheiratet gewesen sein und wurde so der Stammvater der Familien Croy, Chimay, Arschott, Röux und Havre.[1] Nach einer anderen Sage hinterließ Dietrich I., Herzog von Lothringen, einen Sohn Simon d'Alsace, der durch seinen Sohn Balduin Stammvater der Grafen und Fürsten von Croy wurde.[2]

Anton I. (der Große) von Croÿ (* 1385; † 1475), Seigneur de Croÿ, Renty et Le Roeulx, Comte de Porcéan
Philippe I. de Croÿ (* 1435; † 1511), Seigneur de Croÿ et Comte de Porcéan
Emmanuel Herzog von Croÿ, Prince de Solre (* 1718, † 1784)
Robert de Croÿ (* 1491; † 1556), Erzbischof von Cambrai
Philippe III. de Croÿ (* 1526; † 1595), Herzog von Aerschot
Château du Roeulx - Sitz des Zweiges Croÿ-Roeulx
Schloss Croÿ bei Laarbeek in den Niederlanden
Herzoglich Croÿsches Erbe: Dülmener Wildpferde

Die Herren von Croÿ gehören zum Uradel der Grafschaft Ponthieu. Ihr Namen gebendes Stammhaus ist die Ortschaft Croy bei Amiens in der Picardie.[3] Nach dem Genealogischen Handbuch des Adels wurden sie mit Guermond und Robert de Croy in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmals urkundlich genannt.[4] Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Jacques, sire de Croy, der im Jahr 1287 Marguerite d’Airaines heiratete.[5] Deren Nachkommen im Mannesstamm bestehen bis heute.

Ausbreitung und Linien

Schon früh gelangten Angehörige der Familie auch im benachbarten Herzogtum Burgund sowie den Grafschaften Flandern und Hennegau zu Besitz und Ansehen. Bereits 1397 konnte die Herrschaft (Fürstentum) Chimay erworben werden, die aber später wieder verloren ging. Guillaume von Croy erhielt durch seine Ehe mit Isabelle de Renty Besitzungen zu Sempy, Seneghem und Renty.[2]

Carl Graf von Croÿ erhielt vom Römischen König Maximilian I. schon 1486 den Reichsgrafenstand. Er starb jedoch ohne Nachkommenschaft zu hinterlassen. Der spanische Gesandte auf dem Reichstag zu Regensburg Carl Philipp von Croÿ, Marquis d’Havré, wurde 1594 in den Reichsfürstenstand erhoben. Dessen Linie erlosch 1684 mit dem Tod seines Enkels Ernst Bogislaw von Croÿ (* 1620), evangelischer Bischof von Cammin, Statthalter von Hinterpommern und des Herzogtums Preußen. Die Nachkommen von Philippe de Croÿ aus dem Hause Roeulx, er wurde am 31. März 1664 in den Reichsfürstenstand erhoben, begründeten die beiden Häuser zu Dülmen (Croÿ-Solre) und Croÿ-Havré. Von diesen Häusern ist das letztere mit dem Tod von Herzog Joseph, der 1840 noch lebte, erloschen.[2]

Hauptlinie Croÿ-Solre

Vorfahre aller heute lebenden Familienmitglieder ist Emmanuel Herzog von Croÿ (* 1718; † 1784), Fürst von Solre und Marschall von Frankreich.[6]

Beim Abschluss des Friedens von Luneville (9. Februar 1801) gingen Besitzungen in den Niederlanden verloren, vor allem die Grafschaft Hoorn. Daraufhin erhielt das Haus Croÿ 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss die im Münsterland gelegene reichsunmittelbare Grafschaft Dülmen. Nach dem Wiener Kongress 1815 fielen diese Besitzungen als Standesherrschaft unter die Oberhoheit der Preußischen Krone. Seit 1822 war Herzog Alfred von Croÿ (* 1789; † 1861) Standesherrr der Herrschaft. Er heiratete 1819 die Prinzessin Elenore von Salm-Salm (* 1794). Das Paar hinterließ drei Söhne und fünf Töchter. Alfred und seine Brüder Ferdinand und Philipp waren die Begründer der drei herzoglichen bzw. fürstlichen Linien der Familie.[2]

1. Linie

Die Söhne des Begründers der 1. Linie Alfred, Herzog Rudolf und seine Brüder Prinz Alexis und Prinz Georges, teilten die 1. Linie in drei Äste. Herzog Rudolf war der Stammvater des westfälischen Astes, Prinz Alexis der Stammvater des böhmischen Astes und Prinz Georges war der Stammvater des französischen Astes. [6]

Westfälischer Ast

Karl Alfred Ludwig Rudolph 12. Herzog von Croÿ (* 1859; † 1906), der erstgeborene Sohn von Rudolph und Begründer des westfälischen Astes der 1. Linie, wurde erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses und Ehrenritter des Malteserordens. Er heiratete 1888 in Brüssel Ludmilla Prinzessin und Herzogin von Arenberg (* 1870; † 1953), die Tochter des Herzogs Engelbert-August von Arenberg. Das Paar hinterließ die zwei Söhne Karl und Anton. Sohn Karl Rudolph Engelbert Philipp Leo (* 1889; † 1974) wurde 13. Herzog von Croÿ. Er war viermal verheiratet und der Sohn Carl Emanuel Ludwig (* 11. Oktober 1914; † 14. Juni 2011)[7] aus seiner 1913 geschlossenen ersten Ehe mit Nancy Leishman, wurde 14. Herzog von Croÿ sowie Ehren- und Devotionsritter des Malteserordens. Er heiratete 1953 Gabriele Prinzessin von Bayern (* 1927), die Tochter des königlich preußischen Generalfeldmarschalls Rupprecht von Bayern. 1954 wurde Tochter (Prinzessin) Marie-Thérèse geboren und 1955 Sohn (Erbprinz) Rudolph Carl Rupprecht.[6]

Böhmischer Ast

Prinz Alexis von Croÿ (* 1825; † 1898), der zweitgeborene Sohn von Alfred und Bruder von Rudolph und George, war der Begründer des böhmischen Astes der 1. Linie. Sein Sohn Max Rudolph Karl Prinz von Croÿ heiratete 1908 in Křimitz Caroline Prinzessin von Lobkowitz (* 1873; † 1951). Sie hatten zwei Söhne, die Prinzen Alexis Franz Antonius und Max Ignaz Anton von Croÿ. Alexis Franz Antonius von Croÿ (* 1910) heiratete 1931 in erster Ehe Gräfin Elisabeth von Beaufort-Spontin (* 1911; † 1995) und sein Bruder Max Ignaz Anton von Croÿ (* 1912; 1992) 1938 in Prag die Gräfin Caroline von Busseul (* 1918; † 1981). Beide konnten den Ast mit Söhnen und Töchtern fortsetzen.[6]

Französischer Ast

Der dritte Sohn von Alfred, Prinz Georges von Croÿ (* 1828; † 1879), Bruder von Rudolph und Alexis, war der Begründer des französischen Astes der 1. Linie. Dessen Sohn François Marie Emmanuel Prinz von Croÿ (* 1873; † 1950) heiratete 1908 in Paris Simone de Chaponay (* 1885; † 1974). Das Paar hinterließ zwei Söhne, die Prinzen François Emmanuel Georges (1913; † 1993) und Robert Marie François George (* 1917) und zwei Töchter, die Prinzessinnen Maximilienne Jeanne Françoise (* 1909) und Simone Marie François Georges (* 1920).[6]

2. Linie (Belgische Linie)

Prinz Ferdinand von Croÿ, der Stammvater der zweiten belgischen Linie und Bruder von Alfred und Philipp, hinterließ die zwei Söhne Emmanuel (* 1811; † 1865) und Juste Marie Fernand (* 1824; † 1908), die Begründer der Äste zu Roeulex und Rumillies.

Ast zu Roeulex

Den Ast zu Roeulex teilten Emmanuels Söhne Alfred Emmanuel Prinz von Croÿ (* 1842; † 1888) und Gustav Ferdinand Guillaume Prinz von Croÿ (* 1845; † 1889), sie stammten aus seiner 1875 in London geschlossenen Ehe mit Elizabeth Mary Parnall (* 1855; † 1912), in zwei weitere Zweige. Der älteste Sohn Léopold Marie Charles Prinz von Croÿ-Solre (* 1877; † 1965) erhielt 1933 die belgische Adelsanerkennung mit dem Prinzentitel und der Anrede Durchlaucht. Er heiratete 1918 in Paris Jacqueline de Lespinay (* 1889; † 1977). Aus der Ehe gingen acht Kinder, ein Sohn und sieben Töchter hervor. Réginald Charles Alfred Prinz von Croÿ (* 1878; † 1961), königlich belgischer Botschafter außer Dienst und Bruder von Léopold Marie Charles, erhielt 1934 ebenfalls eine belgische Adelsanerkennung mit Prinzentitel und der Anrede Durchlaucht. Er hinterließ aus seiner 1920 in Brüssel geschlossenen Ehe mit Isabelle Prinzessin von Ligne
(* 1889; † 1968) zwei Töchter.[6]

Der Begründer des zweiten Zweiges Gustav Ferdinand Guillaume Prinz von Croÿ heiratete Luise de Croix (* 1842; † 1916). Die Ehe wurde 1868 in Paris geschlossen. Sohn Etienne Charles Emmanuel Prinz von Croÿ (* 1872; † 1932) wurde Ritter des spanischen Ordens vom goldenen Vlies, Balli und Großkomtur des Malteserordens und Präsident der belgischen Malteserassoziation. Aus seiner 1898 in Héverlé geschlossenen Ehe mit Marie-Salvatrix Prinzessin und Herzogin von Arenberg, Tochter von Engelbert-August von Arenberg sowie Ehren- und Devotionsdame des Malteserordens, gingen die Kinder Elénore (* 1897; † 1990), Etienne-Gustave (* 1898; † 1990), Marie-Claire
(* 1907) und Gustave Théodule Ferdinand (* 1911; † 1993) hervor. Elénore Prinzessin von Croÿ heiratete 1925 in Paris Guy Comte de La Rochefoucauld aus dem herzoglichen Haus (* 1894; † 1952). Ihr Bruder Etienne-Gustave Prinz von Croÿ war königlich belgischer Botschafter und Balli und Großkomtur des Malteserordens. Er heiratete 1922 in Paris Alyette de Pomereu (* 1903) und hatte ein Sohn und eine Tochter.[6]

Ast zu Rumillies

Juste Marie Fernand Prinz von Croÿ, der Begründer des Astes zu Rumillies, heiratete 1854 in Brüssel Marie Gräfin von Ursel (* 1833; † 1885), die Tochter von Herzog Leon von Ursel und dessen Frau Sophie, eine geborene d’Harcour aus dem herzoglichen Haus. Das Paar hinterließ die beiden Söhne und Prinzen Charles Joseph (* 1869; † 1943) und Joseph Emmanuel (* 1873; † 1968). Der erstgeborene Charles Joseph erhielt 1892 eine belgische Adelsanerkennung mit Prinzentitel und der Anrede Durchlaucht und wurde Bürgermeister von Rumillies. Er heiratete 1896 Mathilde Contesse de Robiano (* 1868; † 1946), die Erbin von Rumillies und Tochter des päpstlichen Geheimkämmerers Albert Graf von Rumillies. Aus der Ehe gingen die Prinzessinnen Mathilde Marie (* 1902), Marie-Immaculée (* 1905) und die Prinzen Emmanuel Marie Joseph (* 1908) und Jean Marie Ignace (* 1910; † 1990) hervor. Marie-Immaculée Prinzessin von Croÿ war Dame des Sternenkreuzordens, Justizdame des Konstantinordens von St. Georg sowie Großkreuzdame des Ritterordens des Heiligen Grabes zu Jerusalem. Sie heiratete 1926 den Grafen Thierry de Limburg-Stirum (* 1904; † 1968), Bürgermeister von Huldenberg, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, Doktor der Rechte und Mitglied des königlich belgischen Heroldsamtes. Von ihren Brüdern wurde Jean Marie Ignace Prinz von Croÿ Bürgermeister zu Rumillies und der erstgeborene Emmanuel Marie Joseph Prinz von Croÿ, Berg- und Zivilingeneur und besaß das Kommandeurskreuz des Ritterordens des Heiligen Grabes zu Jerusalem. Er war seit 1944 mit Nicole Comtesse de Marnix de Sainte-Aldegonde (* 1919) verheiratet. Sie hatten zwei Töchter und zwei Söhne. Tochter Marie Gabrielle Prinzessin von Croÿ (* 1946), Doktorin der Theologie, heiratete 1971 Adrien Price de Merode und Bruder Guillaume Gabriel (* 1950), Doktor der Rechtswissenschaften, 1989 in Venedig Isabella Gräfin von Collato und San Salvatore (* 1960). Sie war die Tochter von Manfred Fürst von Collato und San Salvatore, dem Chef und letzten Vertreter aus dem Mannestamm der Collato und dessen Frau Maria de la Trinidad Castillo y Moreno aus dem Hause der Marqueses de Jura Real, Marquese de Castro de Torres.[6]

3. Linie (Österreichische Linie)

Der Stammvater der dritten österreichischen Linie war Philipp Prinz von Croÿ (* 1801; † 1871), der Bruder von Alfred und Ferdinand. Er erhielt 1841 den niederösterreichischen Herrenstand. Sein Sohn Alexander Gustav August Prinz von Croÿ (* 1828; † 1887) hinterließ aus der 1863 auf Schloss Laer geschlossenen Ehe mit Elisabeth Maria Gräfin von Westphalen zu Fürstenberg (* 1834; † 1910) drei Kinder, die Prinzen Wilhelm Hubert Ernst, Klemens Maria Hubertus und Alexander Maria August.[6]

Der erstgeborene Wilhelm Hubert Ernst Prinz von Croÿ (* 1869; † 1918) heiratete 1898 in Arad Desideria (Dezsi) Rónay de Zombor (* 1874; † 1935). Zu ihren Nachkommen gehörte Stephan Alexander Maria Prinz von Croÿ (* 1899; † 1966), der 1928 in Houston, US-Bundesstaat Texas, Beatrix Taylor heiratete.[6]

Sohn Prinz Klemens Maria Hubertus von Croÿ (* 1873; † 1926) wurde k.u.k. Kämmerer. Er heiratete in Wien 1903 Christiane Prinzessin von Auersperg (* 1878; † 1945), die Tochter von Franz-Joseph Fürst von Auersperg und dessen Frau Wilhelmine Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau. Das Paar hatte vier Kinder, einen Sohn und drei Töchter. Der Sohn Prinz Karl Franz Antonius (* 1912; † 1983) heiratete 1939 in Graz Barbara Freiin Söll von und zu Teißenegg auf Stainburg (* 1906). Nach dem Unfalltod seiner Frau 1906 heiratete Klemens Maria Hubertus 1977 in Wien Eva Maria Winckhler von Winkelstein (* 1909; † 1985), die Tochter des ehemaligen königlich ungarischen Handels- und Verkehrsministers Stephan Winckhler von Winkelstein. Von den drei Kindern aus erster Ehe, ein Sohn und zwei Töchter, wurde Ferdinand Maria Carl (* 1940) Major im österreichischen Bundesheer und Gestütsleiter.[6]

Der dritte Sohn und Zwillingsbruder von Klemens Maria Hubertus, Alexander Maria August Prinz von Croÿ (* 1873; † 1937) wurde ebenfalls k.u.k. Kämmerer sowie Ehren- und Devotionsritter des Malteserordens. Er heiratete in Wien 1908 Mathilde Gräfin von Stockau (* 1881; 1949) und hinterließ zwei Söhne, die Prinzen Anton Philipp Maria und Alexander Georg Maria, und drei Töchter, die Prinzessinnen Elisabeth Maria Evelyne (*1911) Eveline Maria Fanziska (*1914), und Marie-Rose Aloisia (* 1916). Der erstgeborene Anton Philipp Maria Prinz von Croÿ (* 1909; † 1976) konnte den Zweig mit Söhnen und Töchtern fortsetzen. Er war zweimal verheiratet, in erster Ehe seit 1940 mit Clementine Prinzessin von Ratibor und Corvey, Prinzessin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (* 1918) und in zweiter Ehe ab 1964 mit Magriet Krayenbrink (* 1932). Sein Bruder Alexander Georg Maria Prinz von Croÿ (* 1912), der sich in Großbritannien niederließ, war ebenfalls zweimal verheiratet und hinterließ zwei Töchter und einen Sohn. Eveline Maria Fanziska (* 1914; † 1988), eine Schwester von Anton Philipp Maria und Alexander Georg Maria, heiratete 1940 in Wien Oswald Graf von Kielmansegg (* 1908), Dr. jur., Hofrat und stellvertretender Generaldirektor (im Ruhestand) der Austria Tabakwerke AG.[6]

Standeserhebungen

  • Die Erhebung zum Grafen von Chimay (Hennegau) erfolgte am 14. Januar 1473 für Jean de Croÿ († 1473).
  • Der 3. Graf von Chimay, Charles de Croÿ († 1527), wurde am 9. April 1486 in Aachen in den Reichsgrafenstand erhoben, der mit seinem Tod allerdings wieder erlosch.
  • Die Ernennung zum spanischen Herzog von Soria und Archi (Königreich Neapel) im Jahr 1518 und anschließend im Jahr 1519 zum spanisch-niederländischen Marquis d’Aarschot (auch Aerschot geschrieben) erfolgte für Guillaume II. de Croÿ, Seigneur von Chièvres, Erzieher des späteren Kaisers Karl V., und erlosch auch schon mit Guillaumes Tod.
  • Dessen Neffe Philippe II. de Croÿ, Schwiegersohn und Erbe des 1527 verstorbenen Charles I. de Croÿ, Fürst von Chimay, wurde am 1. April 1534 in Genua zum spanisch-niederländischen Herzog von Aarschot erhoben. Diese Linie starb 1684 aus.
  • Philippe de Croÿ († 1612) wurde am 3. November 1590 zum spanisch-niederländischen Graf von Solre (französisches Département Nord) erhoben.
  • In den Reichsgrafenstand wurde am 6. August 1594 in Regensburg Charles Philippe de Croÿ († 1613), Marquis d’Havré, aufgenommen, der mit seinem Tod schon wieder erlosch.
  • Zum französischen Herzog von Croÿ wurde im Juni 1598 Charles III. de Croÿ († 1612), 4. Herzog von Aerschot (Aarschot), erhoben, mit Vererbung des Titels auf den jeweils Erstgeborenen des Gesamtgeschlechts. Er wurde im selben Jahr auch zum Granden von Spanien I. Klasse. Das Herzogtum Aerschot und das Fürstentum Chimay ging mit der Würde eines Granden von Spanien I. Klasse am 13. Januar 1612 infolge der am 4. Januar 1587 geschlossenen Ehe des Carl gefürsteten Grafen von Arenberg (* 1550; † 1635) mit Anna (* 1564; † 1635), Schwester und Erbin des Charles Fürsten von Croÿ-Chimay, Herzogs von Aerschot († 1612) an das Haus Arenberg, das seitdem unter anderem auch den Titel Herzog von Croÿ in der Titulatur führt.
  • Philippe de Croÿ aus dem Hause Roeulx, Gutsherr auf Mylendonck in der heutigen Städteregion Aachen, wurde am 31. März 1664 in den Reichsgrafenstand erhoben. Diese Linie starb im Jahr 1702 aus.
  • Zum spanisch-niederländischen Fürsten von Solre wurde am 14. November 1677 in Madrid Philippe Emmanuel de Croÿ († 1718).
  • Die französische Bestätigung als Herzog von Croÿ erhielt im September 1768 dessen Enkel Emmanuel de Croÿ, Fürst von Solre, ab 1783 Marschall von Frankreich.

Seinem Enkel Auguste de Croÿ wurde am 25. Februar 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss das fürstbischöflich Münsteraner Amt Dülmen in Westfalen als Grafschaft Dülmen zugeteilt, als Ersatz für die abgetretenen linksrheinischen Besitzungen. Dieser Besitz wurde nach 1815 als Standesherrschaft vom Deutschen Bund anerkannt. Daher erhielt die Familie gemäß dem Bundestagsbeschluss vom 18. August 1825 das Prädikat „Durchlaucht“ (zunächst primogenitur), später auch zur preußischen Durchführung am 21. Februar 1832 und am 3. März 1833 mit Ausdehnung auf alle Nachkommen. Am 12. Oktober 1854 wurde das Adelsgeschlecht zum erblichen Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Seine Nachgeborenen führten in Deutschland bis 1919 den Titel und Namen „Prinz/essin von Croÿ“. Seit 1919 ist in Deutschland der frühere Adelstitel "Prinz" bzw. "Prinzessin" Bestandteil des bürgerlichen Namens geworden.

  • Königlich belgische Adelsanerkennung mit dem Prinzentitel (da der Herzogstitel nur dem jeweiligen Chef des Gesamtgeschlechts zusteht) und der Anrede Durchlaucht:
  • am 26. Januar 1892 für Charles Prinz von Croÿ (* 1869; † 1943), Bürgermeister von Rumillies
  • am 17. Februar 1927 für Etienne Prinz von Croÿ (* 1872; † 1932), Ritter des spanischen Ordens vom Goldenen Vließ, Bailli und Großkreuzträger des souveränen Malteser-Ritterordens, Präsident der belgischen Malteser-Assoziation
  • am 2. Januar 1933 für Leopold Prinz von Croÿ-Solre (* 1877; † 1965)
  • am 8. Januar 1934 für Reginald Prinz von Croÿ (* 1878; † 1961), königlich belgischen Botschafter a. D.
  • am 27. Oktober 1947 mit Namensmehrung für Etienne-Gustave Prinz von Croÿ du Roeulx (* 1898; † 1990), königlich belgischen Botschafter i. R., Bailli und Großkreuzträger des souveränen Malteser-Ritterordens
  • ebenfalls am 27. Oktober 1947 mit Namensmehrung für Gustave Prinz von Croÿ du Roeulx (* 1911; † 1993), Ehren- und Devotionsritter des souveränen Malteser-Ritterordens


  • Emmanuel Prinz von Croÿ (* 1990) führt, als Enkel mütterlicherseits des Manfred (letzten) Fürsten von Collalto und San Salvatore, infolge Dekret vom 27. Juli 1994 des italienischen Justizministeriums den Namen Croÿ-Collalto.[6]

Wappen

Stammwappen

Das Stammwappen zeigt in Silber drei rote Balken. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer Brackenrumpf mit goldenem Halsband zwischen einem rechts roten und links silbernen Adlerflug.

Wappen unterschiedlicher Zweige

Fürstliches Wappen

Wappen Croÿ-Havré

Das fürstliche Wappen Croÿ-Havré ist geviert mit dem großen herzoglich lothringischen Wappen als Mittelschild; Hauptschild: Feld 1 und 4 Stammwappen Croÿ, 2 und 3 in Silber drei rote Wiesenbeile oder Streitäxte mit den kurzen, gleichfalls roten Stielen in Göpelform gestellt (Marquisat Renty); Mittelschild: geteilt und dreimal gespalten, als Herzschild das Stammwappen Lothringen: in Gold ein roter Schrägrechtsbalken, dieser der Richtung nach mit drei silbernen gestümmelten Adlern belegt; Feld 1 in Rot vier (eigentlich nur drei) silberne Balken (Königreich Ungarn), 2 blau mit goldenen Lilien bestreut, oben ein roter Turnierkragen (Älteres Haus Anjou), 3 in Silber das goldene Jerusalemkreuz (Königreich Jerusalem), 4 in Gold vier rote Pfähle (Königreich Aragonien), 5 roter Bord, darin ein blaues, mit goldenen Lilien bestreutes Feld (Jüngeres Haus Anjou), 6 in Blau ein links gekehrter, gekrönter goldener Löwe (Herzogtum Geldern), 7 in Gold ein rechts gekehrter, gekrönter schwarzer Löwe (Herzogtum Jülich), 8 in Blau zwei goldene, auswärts gekehrte Barben, begleitet von vier (1, 2, 1) goldenen Wiederkreuzchen (Herzogtum Bar); auf dem Schild die Herzogskrone.[8]

Herzogliches Wappen

Wappen Croÿ-Solre (Variante)

Das herzogliche Wappen der einzig heute noch bestehenden Hauptlinie Croÿ-Solre zeigt in der nebenstehenden Variante in den gevierten Feldern 1 und 4 das Stammwappen und das Wappen Renty, ebenso im Herzschild (oder dort das Balkenwappen der ungarischen Königsdynastie der Árpáden); Feld 2 ist geviert vom Wappen des Hauses Frankreich: in Blau drei Lilien, und des Hauses Albret: rotes lediges Feld, und belegt als Herzschild mit dem Wappen des Hauses Bretagne: ganz von Hermelin; Feld 3 ist geviert von Flandern: in Gold ein schwarzer Löwe, und Craon: rot-golden gerautet. Schild bekrönt mit einer Fürstenkrone. Der Wahlspruch auf einem Spruchband unter dem Schild lautet: Je maintiendray (französisch in alter Schreibweise; deutsch: Ich werde standhalten). Das Ganze unter einem hermelingefütterten, purpurnem Wappenmantel, der aus einer Herzogskrone herabfällt.[9] In der anderen Form zeigt der Schild im gevierten Feld 1 das Stammwappen und das Wappen des nordfranzösischen Hauses Lalaing, Feld 2 wie vor, ebenso die Felder 3 und 4; der Herzschild zeigt das Balkenwappen der ungarischen Árpáden.[10]

Namensträger

Literatur

Weblinks

 Commons: Croÿ – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Neues preußisches Adelslexicon Band 1, Seite 383-386
  2. a b c d Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon Band 2, Seite 370-371
  3. Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. 7. vollständig überarbeitete Auflage, Seite 125
  4. Archives de la Somme in Amiens
  5. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band II, Band 58 der Gesamtreihe, Seite 375-376
  6. a b c d e f g h i j k l m Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser (1997), Seite 172-200
  7. Traueranzeige im WB vom 18. Juni 2011
  8. Vgl. Rudolf Johann Graf Meraviglia-Crivelli, Der böhmische Adel (1886), S. 190 (Art. Croÿ).
  9. Website St. Oswald ob Eibiswald: Chronik des Hauses von Croÿ (mit Abbildung des herzoglichen Wappens)
  10. Max von Spießen, Wappenbuch des Westfälischen Adels, Görlitz 1901-1903/Band 2

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  • Croy — (Kroa), altes niederl. Adelsgeschlecht, das jetzt in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden angesessen ist, theilte sich in die Linien Arschot, Chimay, Havré, Dülmen. Durch Reichsdeputationsschluß von 1803 wurde ein Herzog von C. für seine… …   Herders Conversations-Lexikon