Daemon


Daemon

Als Daemon oder Dämon (/ˈdiːmən/, auch häufig in der Schreibweise Demon) bezeichnet man unter Unix oder unixartigen Systemen ein Programm, das im Hintergrund abläuft und bestimmte Dienste zur Verfügung stellt. Benutzerinteraktionen finden hierbei nur auf indirektem Weg statt, zum Beispiel über Signale, Pipes und vor allem (Netzwerk-)Sockets. Der Begriff Daemon wird auch als Abkürzung von disk and execution monitor interpretiert, was jedoch ein Backronym ist.

Bei Microsoft Windows heißen die entsprechenden Programme services oder Systemdienste.

Inhaltsverzeichnis

Aufruf und Funktionsweise

Normalerweise werden Daemons nicht durch Benutzerinteraktion gestartet, sondern automatisch beim Wechsel in ein anderes Runlevel bzw. beim Systemstart. Dadurch stellen Daemons einen wesentlichen Anteil des Bootprozesses dar, da bei den meisten Unix-Derivaten die wesentliche Anwendungslogik des Betriebssystem im Userspace und damit in den Daemons abläuft. Typische Daemon-Programme sind bei Unix-Betriebssystemen daher nicht nur Server-Prozesse wie Netzwerkdienste, E-Mail-Server, Datenbankserver und Druckerserver, sondern auch Prozesse, die die Hardwarekonfiguration bzw. -Überwachung vornehmen, wie Sounddaemons oder Wechselmedienverwaltungsdaemons. Auch periodische Aufgaben oder zu festgelegten Zeiten anfallende Aufgaben werden mithilfe von Daemons realisiert.

Daemons können jedoch auch wie normale Prozesse in einer Shell durch einen Benutzer gestartet werden. Anschließend forken diese Prozesse und erstellen auf diese Weise einen Prozess, der mit der aufrufenden Shell nicht mehr verbunden ist und damit ein direkter Kindprozess des Hauptprozesses init wird. In der Praxis werden viele Daemons so konstruiert, dass sie per Kommandozeilenparameter wahlweise sowohl im Hintergrund (detached) laufen können als auch im Vordergrund, d.h. im Kontext der Shell, verbleiben können. Oft werden Logausgaben dann auf der Standardausgabe ausgegeben.

Beispiele

Um ihren Daemon-Charakter zu bezeichnen, hat der Name vieler solcher Programme ein angehängtes „d“, zum Beispiel syslogd oder cupsd.

Programm-
name
Beschreibung Interaktion
cron Startet andere Programme zu festgelegten Zeiten. Konfiguration über lokales CLI-Programm crontab
atd Startet Programme nach einer festgelegten Zeitspanne. Konfiguration über lokales CLI-Programm at
syslogd nimmt Meldungen von Programmen entgegen und schreibt diese in Dateien oder leitet sie an einen anderen syslogd (z.B. auf einem zentralen Logserver) weiter. Benutzung durch Systemroutinen der Standard C Library wie syslog(3), Steuerung durch Signale
sendmail Ein Mail Transfer Agent, der per SMTP E-Mails über Netzwerk entgegen nimmt Benutzung durch beliebiges (SMTP-fähiges) E-Mail-Programm über Netzwerk
lpd nimmt eingehende Daten entgegen, um sie auf einem angeschlossenen Drucker auszudrucken Benutzung durch beliebiges Programm, welches das LPD-Protokoll unterstützt
cupsd Im Vergleich zu lpd ein leistungsstarker Druckerserver auf Unix-Systemen Benutzung und Konfiguration durch die Programmbibliothek libcups, Domain-Sockets oder das IPP; Steuerung und Konfiguration über ein Web-Frontend oder lokale CLI-Programme
httpd Ein httpd ist ein Synonym für einen Webserver, der auf Anfragen im HTTP-Protokoll antwortet Benutzung durch beliebigen Webbrowser
inetd Der Internetdaemon kann auf mehreren TCP-Ports Verbindungen entgegen nehmen und an spezielle Programme weitergeben, die erst bei Verbindungsaufbau gestartet werden, um Ressourcen zu schonen Prozess-Signale zur Steuerung des inetd; verschiedenste Clients für die zur Verfügung gestellten Dienste
udev Daemon zum dynamischen Erzeugen von Gerätedateien unter Linux. Steuerung durch lokale Hilfsprogramme wie udevcontrol oder udevinfo

Siehe Hauptartikel BSD-Daemon

In Anspielung an einen Dämon haben sich die BSD-Unix-Derivate einen Dämon zum Logo gemacht. Die Figur enthält einige Metaphorik, die Daemons charakterisiert. Sie wurde als Logo für diese Unix-Derivat gewählt, weil Daemons eine zentrale Betriebssystemkomponente darstellen.

Auch die BSD-Derivate FreeBSD und NetBSD hatten den Daemon ursprünglich übernommen, mittlerweile sind alle Derivate jedoch auf ein alternatives oder abgewandeltes Logo umgestiegen.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Daemon — Saltar a navegación, búsqueda Los términos daemon, dæmon y daimon tienen diversos significados. Contenido 1 En la mitología griega 2 También 3 En la ficción …   Wikipedia Español

  • Daemon — Pour les articles homonymes, voir Démon. Un démon ou daemon prononcé /ˈdiːmən/ ou /ˈdeɪmən/, du grec δαιμων) désigne un type de programme informatique, un processus qui s exécute en arrière plan plutôt que sous le contrôle direct d un utilisateur …   Wikipédia en Français

  • Daemon — Daemon: DAEMON Tools программа эмулятор CD/DVD дисководов. Демон или Daemon в системах класса UNIX программа, работающая в фоновом режиме без прямого общения с пользователем. daemontools набор бесплатных инструментов для управления сервисами UNIX …   Википедия

  • DAEMON — a Graeco Δαίμων, quasi Δαήμων, i. e. sciens. Ita, Plato in Cratylo. Lactant. l. 2. et Chalcidius in Timaeum Platonis, Daemones genii sunt, Μυςταγωγοὶ τȏυ βίου, ut Menander inquit. Domini Vitae; Lares Cicer. aliis etiam Manes ac Lemures. Genii… …   Hofmann J. Lexicon universale

  • daemon — daemon; eu·daemon; …   English syllables

  • Daemon — D[ae] mon, n., Daemonic D[ae]*mon ic, a. See {Demon}, {Demonic}. [1913 Webster] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Daemon — Daemon,   alternative Schreibweise für Dämon …   Universal-Lexikon

  • daemon — alternative spelling (in specialized senses) of DEMON (Cf. demon) (q.v.). Related: Daemonic …   Etymology dictionary

  • daemon — [dē′mən] n. [L, a spirit (in LL(Ec), evil spirit, demon) < Gr daimōn, divine power, fate, god, in LGr(Ec), evil spirit < IE base * dā(i) , to part, divide, tear apart > TIME, TATTER] 1. Gr. Myth. any of the secondary divinities ranking… …   English World dictionary

  • Daemon — Contents 1 Computers 2 Gaming 3 Literature 4 Music …   Wikipedia