Dalriada

Dalriada
Karte des Königreichs Dalriada um 590 (in grün); in gelb ist das Gebiet der Pikten dargestellt

Dalriada (altirisch: Dál Riata) war ein Kleinkönigreich keltischer Skoten, das sich zwischen 300 und 800 über den Norden Irlands (primär die Grafschaft) Antrim und den mittleren Westen Schottlands erstreckte.

Ursprünglich waren die Skoten im Nordosten der irischen Provinz Ulster ansässig, erweiterten ihr Gebiet aber dann jenseits des North Channel in die Grafschaft Argyll. Das Datum der Erstkolonisation des schottischen Anteils Dalriadas ist unsicher. Die „Geschichte der Männer Schottlands“ (Senchus Fer nAlban) ein altirischer Text aus dem 10. Jahrhundert stützt sich auf Material aus der Mitte des 7. Jahrhunderts. Fergus Mór mac Erc und dessen Dynastie kam danach etwa Anfang der 6. Jahrhundert nach Schottland. Seine Enkel Comgall und Gabran, deren Tod für etwa 550 n. Chr. überliefert wurde, besetzten Cowal und Mid Argyll. Ersteres erhielt sogar seinen Namen von Comgall. Eine erste Blüte erlebte dieses Königreich unter Aidan Mac Gabhráin, der etwa von 574 bis 608 n. Chr. regierte. Er baute eine Flotte auf und führte Raubzüge zur Isle of Man und zu den Orkney durch, verlor allerdings 603 bei Daegsastan eine Schlacht gegen die Angelsachsen. Auch in Ulster geriet Dalriada im Kampf gegen die Könige der Uí Néill (anglisiert O'Neill) in die Defensive (637 Schlacht von Mag Rath/Cath Maige Rátha).

Blick von Dunadd in das Tal des Add in Richtung der Mündung.

Der Sitz der Könige von Dalriada war vermutlich der Hügel von Dunadd im Tal des Add (Argyll). Die reichste Informationsquelle sind archäologische Funde im Dunadd Fort (Siol nan Gaidheal). Es hat Artefakte aus dem 7. und 8. Jahrhundert erbracht, die ein besseres Bild der zeitgenössischen Kultur und der Lebensbedingungen zur Verfügung stellen, als es für alle früheren und einige spätere Perioden in Schottland verfügbar ist. Ähnlich gut, aber etwas beschränkter sind die Belege für das etwa zeitgenössische, aber rätselhafte „Bruach an Druimein. Der Reichtum des Materials von Dunadd, verbindet sich mit den schriftlichen Quellen und dem Ritual- oder Totemcharakter der innerhalb des Forts gefundenen Felsritzungen, und belegt chronologische Zusammenhänge und die Rolle die Dunadd spielte. Die Beweisstücke für die Schmuckproduktion und das verarbeiten von Edelmetallen zeigen den Wohlstand, den Kenntnisreichtum und die weit reichenden Handelsbeziehungen. Unter den in Dunadd gefundenen Töpferwaren sind Importe, die von frühgeschichtlichen Plätzen im westlichen Großbritannien und aus kontinentalen Zentren stammen. Töpferware der Klasse D (D-Ware), auf der Töpferscheibe fabrizierte graue Schüsseln haben ihren Ursprung an der Atlantikküste Frankreichs, vermutlich bei Bordeaux. Töpferware der Klasse E (E-Ware) schließt Gläser, Becher, Schüsseln und Krüge ein, deren Ursprung wahrscheinlich auch im atlantischen Frankreich liegt und die zwischen dem späten 6. und dem 8. Jahrhundert importiert wurde. Die Rekonstruktion der E-Ware von Dunadd ist einzig in Großbritannien und beruht auf umfassenden Ausgrabungen. Die politische Bedeutung Dunadds wird durch den Strukturcharakter angezeigt. R. B. K. Stevenson, der in den 1950er Jahren grub, hat in seiner Studie Verteidigungsanlagen erkannt, die er Kernforts nannte, die eine relativ kleine Zitadelle umfassen, die durch eine Reihe starker peripherer Anlagen geschützt waren. Anlagen wie Dunadd scheinen (in ihren Zeiten) den Status lokaler Handelszentren erreicht zu haben (wie zeitnah auch Gudme in Dänemark), aber es ist unbekannt, ob alle Plätze dieser Periode zugeteilt werden können. Es gibt zudem keine klare Trennung zwischen solchen Plätzen und den kleinen ummauerte Duns mit Außenwerken wie Dún Chonallaich und Dún na Maraig. Die Interpretation Stevensons von Dunadd und Dundurn stießen bei Feschem und Alcock auf Kritik.

Berichte der 1980er Ausgrabung weisen darauf hin, (14C-Daten) dass der frühste Teil Dunadds das oberste ovale Fort ist, das in einer zweiten Phase nach Südwesten erweitert wurde. Die frühste Phase liegt am Übergang vom 5. zum 6. und die zweite vom 6. zum 7. Jahrhundert. Die Endphase, verbunden mit Christison Plateau Fort stammt wahrscheinlich aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Die Bearbeitung der Ogham-Inschriften von Dunadd durch K. Forsyth hat in die Frage der Interpretationen des Textes keine Klarheit gebracht. Eine Verbindung mit dem piktischen Angriff auf Dunadd im Jahre 736 n. Chr. ist nicht herzustellen.

Das Reich bestand aus drei Unterherrschaften (kindred bzw. cenél): Gabráin, Loaime und Oengusa, denen später die Herrschaft Comgall hinzugefügt wird. In Schottland standen dem Skotenreich neben den Angelsachsen des Königreichs Bernicia und den Briten des Königreichs Strathclyde im Süden vor allem die Pikten im Norden gegenüber. Die Pikten unterwarfen das Skotenreich, wurden von den Skoten aber schnell kulturell adaptiert. Das Königreich wurde nicht nach den Pikten, sondern nach den Skoten Schottland genannt; sein erster König wurde 843 Kenneth MacAlpin, der das Erbe von Dalriada übernahm. Die Gründung des Klosters auf Iona 563 durch Columba führte zu ersten Christianisierungstendenzen bei den Pikten.

Das Erbe der Dálriada lässt sich unter zwei Gesichtspunkten zusammenfassen:

  • Mit der Gründung ihrer Herrschaft in Schottland brachten sie das Altirische nach Schottland, wobei anzumerken ist, dass zu dieser Zeit nur die Pikten einer vielleicht anderen Sprachfamilie angehörten. Die Sprache der Skoten entwickelte sich im Laufe des Mittelalters zum Schottisch-Gälischen.
  • Da sich die Dálriada im Westen und Norden Schottlands politisch weitgehend durchsetzen konnten, schufen sie (oder stellten sie wieder her) eine kulturelle Einheit Irlands und West-Schottlands, die bis zum frühen 17. Jahrhundert nachweisbar ist.

Siehe auch:

Literatur

  • The Royal Commission on the Ancient and historical Monuments of Scotland (RCAHMS): ARGYLL, Volume 6 Kilmartin 1999. ISBN 1-902419-03-0
  • Alan Lane, Ewan Campbell: Dunadd: an early Dalriadic capital. Oxbow Books, Oxford 2000.

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