Daniel Libeskind


Daniel Libeskind
Daniel Libeskind vor seiner Erweiterung des Denver Art Museum.

Daniel Libeskind (* 12. Mai 1946 in Łódź, Polen) ist ein US-amerikanischer international renommierter Architekt und Stadtplaner polnischer Herkunft. Er ist bekannt für seinen multidisziplinären Ansatz und einen neuen kritischen Diskurs in der Architektur. Zu seinen Hauptwerken gehören größere kulturelle Einrichtungen, wie das Jüdische Museum Berlin, das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, das Denver Art Museum und das Imperial War Museum North in Manchester, aber auch Landschafts- und Stadtplanungen sowie Entwürfe von Ausstellungen, Bühnenbildern und Installationen. Im Sommer 2002 hat er mit „Saint Francois d’Assise“ an der Deutschen Oper in Berlin erstmals eine Oper inszeniert. Aktuell (Stand: 2011) wird nach seinem Entwurf das nach seiner Fertigstellung höchste Gebäude in Amerika das One World Trade Center in New York und der Kö-Bogen in Düsseldorf gebaut.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Libeskind wurde am 12. Mai 1946 in Łódź (Polen) mit jüdischer Herkunft geboren. 1957 emigrierten die Eltern nach Israel.

Libeskind siedelte mit seiner Familie 1960 in die USA über und nahm 1965 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er studierte Musik in Israel und in New York und war als professioneller Musiker tätig, da er bereits als Kind eine Art Wunderkind am Akkordeon war.[1] Später wechselte er von der Musik zur Architektur. 1970 schloss er das Studium an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York City ab, und 1972 ein Master-Studium in Architekturgeschichte und -theorie an der School of Comparative Studies an der University of Essex ab. Von 1978 bis 1985 war Libeskind Dekan der Architekturfakultät der bekannten Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hills, Michigan. Er erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden, so 1997 von der Humboldt-Universität und 1999 von seinem ehemaligen Studienort, der University of Essex.

1989 zog er mit seiner Familie nach Berlin um, wo er das Architekturbüro „Studio Daniel Libeskind“ gründete. Nachdem er im Februar 2003 die Architekturausschreibung zum Neubau des World Trade Centers gewann, verlegte er den Hauptsitz nach New York City, wo er auch heute lebt. Niederlassungen befinden sich in Zürich und Mailand.

Libeskind lehrte unter anderem an den Universitäten Yale, London, Zürich, St. Gallen, Graz, Karlsruhe und Lüneburg.

An der Leuphana Universität Lüneburg nahm Libeskind 2007 den Ruf auf die Professur „Architekturentwurf“ an und lehrt dort heute vor allem in der Startwoche sowie im Komplementärstudium.[2]

2010 wurde Libeskind mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet: „Immer gelingt es Libeskind, durch die inspirierende Räumlichkeit seiner Arbeiten einen Dialog zwischen Architektur und Geschichte der Juden herzustellen, dem man sich nicht entziehen kann.“ (Deutscher Koordinierungsrat zur Verleihung)

Architektursprache

Imperial War Museum North in Manchester, Großbritannien.
Jüdisches Museum Berlin.
San Francisco Contemporary Jewish Museum.
Felix-Nussbaum-Haus (rechts) im Museumskomplex von Osnabrück, in der Mitte das Kulturgeschichtliche Museum, links das Akzisehaus

Daniel Libeskinds Architektur ist geprägt durch eine erzählerische Formensprache. Er verwendet Elemente, die explizit auf außerarchitektonische Inhalte verweisen und dadurch semantisch eine andere Bedeutung erhalten. Beispiele hierfür sind etwa der „Turm des Holocaust“ im Jüdischen Museum Berlin oder die Höhe der von ihm projektierten Freedom Towers (heute One World TradeCenter) als Neubau des zerstörten World Trade Centers, die – in amerikanischen Feet gemessen – dem Jahr der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 entspricht. Architekturzeichnungen Libeskinds sind häufig mit verbalen Verweisen, die seine Projekte in einen anderen als den aus der Architektur selbst ersichtlichen Sinnzusammenhang stellen, geradezu übersät.

Dieses Vorgehen führt auch immer wieder zu heftigen Kontroversen über seine Architektur. Einerseits wird Libeskind für sein komplexes Architekturverständnis gelobt, mit dem er der Architektur neue Ausdrucksmöglichkeiten erschließt. Andererseits ist er oft heftiger Kritik ausgesetzt. So wird ihm vorgeworfen, er überfrachte seine Projekte mit Theorien und unverständlicher Symbolik, die sich den Nutzern seiner Gebäude nicht erschließen. Der ambitionierte Anspruch und die gebaute Realität kämen dadurch nicht zur Deckung. Bei Führungen werden den Besuchern zum Teil Gebäudeteile wie der Garten des Exils oder der Turm des Holocaust erklärt. Libeskind wird häufig als Vertreter des Dekonstruktivismus bezeichnet, er selbst weist diese Typisierung jedoch zurück.[3]

Werke

  • Umbau des Hauptbaus des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden, seit Mitte 2004 bis zur Wiedereröffnung am 15. Oktober 2011[4]
  • Westside, ein Freizeit- und Einkaufszentrum in Bern (neues Brünnen-Quartier), Schweiz. Fertiggestellt 2008
  • Contemporary Jewish Museum, San Francisco, USA. Fertiggestellt 2008
  • Michael Lee-Chin Crystal, Erweiterungsbau des Royal Ontario Museum in Toronto, Kanada. Fertiggestellt 2007
  • Frederic C. Hamilton Building, Erweiterungsbau des Denver Art Museum, USA. Fertiggestellt 2006
  • Maurice Wohl Convention Centre der Bar-Ilan-Universität, Ramat Gan. Fertiggestellt 2005
  • Innenausbau des Jüdischen Museums im historischen Bootshaus von Kopenhagen. Fertiggestellt 2004
  • Studio Weil, mit den Arbeits- und Ausstellungsräumen der Künstlerin Barbara Weil auf Mallorca, Spanien. Fertiggestellt 2003
  • Imperial War Museum North im Hafengelände von Manchester, 2001 fertiggestellt, entworfen als eine Ineinanderschichtung von Dächern mit der Assoziation eines zerbrochenen Globus und der Elemente Luft, Wasser, Erde, die zugleich Waffengattungen entsprechen.
  • Jüdisches Museum Berlin, 1999 fertiggestellt. Der reale Besucherrundgang folgt drei divergenten „Achsen“: die Achse der Kontinuität, die Achse des Exils und die Achse des Holocaust.
  • Felix-Nussbaum-Haus, ein Museum der Stadt Osnabrück, wurde 1998 eröffnet. Ein Libeskind-Satz dazu: „Der Plan weist auf die Notwendigkeit einer Integration des Neuen und des Alten hin, jenseits der jeweiligen äußeren Erscheinung.“ Das Felix-Nussbaum-Haus war das erste Gebäude, das von ihm erbaut und eröffnet wurde.[5]

Öffentliche Sammlungen

Projekte

Literatur

  • Elke Dorner: Daniel Libeskind - Jüdisches Museum Berlin. Gebr. Mann Verlag Berlin, 2006, 3. Auflage, 112 S. mit 54 Abb.. ISBN 3-7861-2532-5.
  • Bernhard Schneider: Daniel Libeskind. Jüdisches Museum Berlin. Verlag Prestel, 1999. 64 Seiten. ISBN 3-7913-2073-4 (Vier Kapitel: 1. „An historischem Ort ein Stück neues Berlin“; 2. über den langen Weg seiner Entstehung; 3. „Neue Ordnung zwischen den Zeilen“; 4. „Im Innersten die Leere“ (Raumkonzeption) sowie Daten zum Bau, Vita des Architekten)
  • Daniel Libeskind: Entwürfe meines Lebens. Autobiografie. Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2004 ISBN 978-3-442-15364-0
  • Moritz Holfelder: Daniel Libeskind: Seismograph historischer Erschütterungen. DOM Publishers, Berlin 2010, Audio-CD mit Beschreibungen von Gebäuden und Interviewpassagen des Architekten zu seiner Arbeitsweise, 75 Minuten + Booklet, ISBN 978-3869221236

Einzelnachweis

  1. siehe seine Biografie: "Entwürfe meines Lebens"
  2. Internetauftritt der Leuphana Lüneburg
  3. siehe hierzu Literaturnachweis: Daniel Libeskind, Breaking Ground, Köln 2004, ISBN 3-462-03411-1 hier Seite 216 f.
  4. Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, gesichtet am 20.August 2011
  5. Neue Osnabrücker Nachrichten, 8. Mai 2011, S.27

Weblinks

 Commons: Daniel Libeskind – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Bauwerke, Projekte



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