Der Doppelgänger (Dostojewski)


Der Doppelgänger (Dostojewski)

Der Doppelgänger (Dvojnik. Peterburgskaja poėma) (russisch Двойник, Transliteration Dvojnik, eigentlich: Zweiling, Doppelling, Untertitel: Petersburger Poem) ist eine Erzählung von Fjodor Dostojewski, die im Jahr 1846 nach dessen erstem großen Erfolg Arme Leute erschien.

Protagonist ist ein schüchterner Beamter im damaligen Petersburg, dessen Leben durch einen plötzlich auftauchenden Doppelgänger Stück für Stück zerstört wird. Diesem Doppelgänger gelingt der private und berufliche Aufstieg, der dem „Original“ verwehrt bleibt.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die Erzählung beginnt mit der Einführung des Protagonisten, Jakov Petrovič Goljadkin, und seines persönlichen und beruflichen Umfeldes. Sich auf ein Fest beim Staatsrat, 'seiner Excellenz' Olsufij Ivanovič Berendeev, vorbereitend, fährt er zuerst zu seinem Arzt Krest'jan Ivanovič Rutenšpic. Hier erfolgt im Dialog zwischen dem Helden der Erzählung und dem Arzt die Anspielung auf seine geistige Verwirrung und seinen späteren Identitätsverlust. Der Arzt verschreibt ihm ein Mittelchen und empfiehlt Herrn Goljadkin 'Zerstreuung' und gesellschaftlichen Umgang. Daraufhin verlässt der Protagonist seinen Arzt und begibt sich, nachdem er unterwegs noch einige Besorgungen erledigt und in einem Restaurant zu Mittag gegessen hat, zu Berendeevs Wohnung. Dort findet zu Ehren dessen Tochter, Klara Olsuf'evna, ein Fest statt. In einem für den „Helden“ fast unerträglich peinlichen und unangenehmen Vorkommnis auf diesem Ball, wo er von der Festgesellschaft verstoßen und hinausgeworfen wird, stößt Herr Goljadkin erstmals auf seinen zukünftigen Widersacher, der noch dazu sein vollkommenes Ebenbild ist.

Die Handlung läuft linear auf eine Katastrophe zu, wenn man von dem ersten fast euphorischen Zusammentreffen der beiden in der Wohnung der Hauptfigur absieht. Diese auffällige und kontrastierende Verhaltensänderung seines „Zwillings“ aus der Sicht Herrn Goljadkins trägt dazu bei, seine geistig angegriffene Verfassung zu verdeutlichen. Goljadkin empfindet seinen Doppelgänger als gemeinen Usurpator. Im Verlauf der Erzählung nimmt der falsche Herr Goljadkin dem Protagonisten alles (Arbeitsplatz und -kollegen, gesellschaftliche Stellung) und mokiert sich über ihn unverhohlen in aller Öffentlichkeit.

In einem zweiten Handlungsstrang erfährt er eine erneute Demütigung, als seine Liebe zu Klara Olsuf'evna, die schon einem anderen versprochen ist, nicht erwidert wird. Das beschleunigt seinen Fall, und er wird letztendlich unter dem bösartigen und triumphierenden Blick seines Doppelgängers in eine psychiatrische Klinik verabschiedet.

Michail Bachtin hat den Text als polyphonen Roman beschrieben: In Dostojewskis Werk wird „nicht eine Vielzahl von Charakteren und Schicksalen in einer einheitlichen, objektiven Welt im Lichte eines einheitlichen Autorenbewusstseins entfaltet, sondern eine Vielfalt gleichberechtigter Bewusstseine mit ihren Welten wird in der Einheit eines Ereignisses miteinander verbunden, ohne dass sie ineinander aufgehen“.[1]

Verfilmungen

  • 1965 - Der Feind (Sovraznik) – Regie: Zijovin Pavlovic
  • 1968 - Partner – Regie: Bernardo Bertolucci
  • 2010 - Der Doppelgänger - Regie: Lenke/Nauck [2]

Literatur

Ausgabe

  • Fjodor Dostojewski: Der Doppelgänger. Frühe Romane und Erzählungen, München: Piper (2000) ISBN 978-3-492-20406-4

Sekundärliteratur

  • Rudolf Neuhäuser: Das Frühwerk Dostojewskijs, Heidelberg: Carl Winter (1979) ISBN 3-533-02711-2
  • John Jones: The Double, in ders.: Dostoevsky, New York: Oxford University Press (1983) ISBN 0-19-812645-X

Einzelnachweise

  1. Michail Bachtin: Probleme der Poetik Dostoevskijs / Dostojewskis, Ullstein Taschenbuchvlg., Juni 1988, S. 10. ISBN 3-54835-228-6
  2. Der Doppelgänger (Dostojewski) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database

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