Der Schatz im Silbersee (1962)


Der Schatz im Silbersee (1962)

Der Schatz im Silbersee ist ein Kinofilm nach Motiven des gleichnamigen Buches von Karl May. Die Uraufführung erfolgte am 12. Dezember 1962 im Universum-Kino in Stuttgart.

Filmdaten
Deutscher Titel: Der Schatz im Silbersee
Produktionsland: Deutschland,
Jugoslawien
Erscheinungsjahr: 1962
Länge: 111 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Karl May (Buchvorlage), Harald G. Petersson
Produktion: Rialto Film Preben Philipsen Filmproduktion und Filmvertrieb GmbH, Hamburg / Jadran Film, Zagreb / Société Nouvelle de Cinématographie, Paris
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Ernst W. Kalinke
Schnitt: Hermann Haller
Besetzung
Pierre Brice (2006) spielte Winnetou

Der erste Karl-May-Film, der im Wilden Westen spielt, war ein voller Erfolg. Bei Produktionskosten von 3,5 Millionen DM brachte er ein Einspielergebnis von 6,4 Millionen DM, auch wenn das Drehbuch nicht viel vom Originalroman übrig gelassen hat.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Im kleinen Westernstädtchen Tulsa trifft eine überfallene Postkutsche ein. Darin liegt der ermordete Vater von Fred Engel. Freds Vater hatte einen Teil einer Schatzkarte bei sich, die zum geheimnisvollen Silbersee führt und vom Banditen Colonel Brinkley geraubt wurde. Fred Engel macht sich auf die Suche nach den Mördern und trifft mit Sam Hawkens und dem reimenden Gunstick Uncle dabei auf Old Shatterhand und Winnetou, die das Verbrechen anhand von Spuren ebenfalls schon entdeckt haben. Zusammen machen sie sich auf die Verfolgung der Banditen.

Winnetou belauscht die Banditen und erfährt dabei, dass sich die zweite Hälfte der Schatzkarte auf der befestigten Farm von Mrs. Butler befindet und dass die Banditen die Farm überfallen wollen. Gerade noch rechtzeitig treffen die Helden ein, um den ersten Angriff der Banditen auf die Farm abzuwehren. Der Schatzkartenteil befindet sich im Besitz von Mr. Patterson, der jedoch mit seiner Tochter Ellen erst auf dem Weg zur Farm ist. Kurz vor Erreichen der Farm werden sie von den Banditen gefangengenommen und sollen nur gegen Herausgabe des Schatzkartenteils von Fred Engel freigegeben werden. Durch einen verborgenen Fluchttunnel können Old Shatterhand und Fred Engel die Farm verlassen und Patterson und seine Tochter befreien und zur Farm zurückbringen. Wütend beginnen die Banditen mit ihrem Angriff auf die Farm. In letzter Sekunde trifft Winnetou mit Verstärkung durch den Stamm der Osagen ein, und es gelingt ihnen, die Banditen in die Flucht zu schlagen.

Auf dem weiteren Weg zum Silbersee werden Shatterhand, Winnetou und der Rest der Truppe, der sich auch der nach Schmetterlingen suchende englische Lord Castlepool angeschlossen hat, vom Stamm der Utahs umzingelt, die glauben, dass die Truppe ihr Dorf niedergebrannt hat, welches jedoch tatsächlich von Colonel Brinkley und seinen Banditen überfallen worden war. In dem ganzen Durcheinander ist es Colonel Brinkley gelungen, Ellen Patterson zu entführen und Fred Engel, der sich gegen sie austauschen lassen wollte, ebenfalls gefangenzunehmen. Old Shatterhand muss mit dem Häuptling der Utahs, Großer Wolf, einen Kampf auf Leben und Tod bestreiten, um die Indianer von ihrer Unschuld zu überzeugen. Old Shatterhand gewinnt den Kampf mit seinem berühmten Schmetterschlag, verschont den Großen Wolf und kann mit seinen Gefährten ungehindert die Indianer verlassen.

Eine erneute Verzögerung der Reise zum Silbersee tritt ein, als der Unterhäuptling der Utahs, Rollender Donner, auf eigene Faust die Truppe um Old Shatterhand angreift und durch seinen wieder erwachten Häuptling Großer Wolf erschossen wird. Nach dem (obligatorischen) Rauchen der Friedenspfeife machen sich die Helden zusammen mit den Indianern auf den Weg zum Silbersee, wo Colonel Brinkley bereits mit Ellen Patterson und Fred Engel eingetroffen ist. Die Banditen bauen ein Floß, und Colonel Brinkley fährt mit seinen engsten Kumpanen über den See zu einer Höhle, in der sich der Schatz befindet. Sollten sie nicht rechtzeitig zurückkehren, soll Fred getötet und Ellen vergewaltigt werden.

In der Höhle treffen die Banditen auf den uralten Indianer Nintropan Hauey, der den Schatz bewacht, und schlagen ihn kurzerhand nieder. Gleich nach dem Anblick des Schatzes, der sich in einer Einbuchtung der Höhle befindet, fallen die Banditen im Goldrausch übereinander her, und nur der Colonel überlebt den Kampf. Als er nach dem Schatz greift, gelingt es dem sterbenden Indianer mit letzter Kraft, an einer verborgenen Kette zu ziehen, und der Schatz und der Colonel versinken in bodenloser Tiefe.

Während die restlichen Banditen die Geduld verlieren und Fred töten wollen, sind Old Shatterhand & Co. mit den Indianern am Silbersee eingetroffen und können die Ermordung in letzter Sekunde verhindern. Die Banditen werden besiegt, und Lord Castlepool findet auf der Schulter eines der Banditen sogar den extrem seltenen Schmetterling Pappillio Polynesto Parinda, der seine Sammlung vervollständigt. Zufrieden trennen sich Indianer und Helden und reiten im Sonnenuntergang neuen Abenteuern entgegen.

Drehorte

Zwei der Plitvicer Seen
Nationalpark Plitvicer Seen

Mit Der Schatz im Silbersee begann die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Rialto Film und der jugoslawischen staatlichen Filmfirma Jadran Film. Die „Butler-Farm“ wurde in der Umgebung von Rijeka in Kroatien (damals Jugoslawien) erbaut. In der Paklenica-Schlucht (bei Starigrad) entstanden die Westernstadt „Tulsa“, das Tramp-Lager „El Doro“ und die Aufnahmen im „Geistercanyon“. Die Außenaufnahmen am „Silbersee“ drehte man gleich zu Beginn an den Plitvicer Seen. Als Silbersee diente der See Kaluđerovac. Die „Schatzhöhle“ dort ist eine kleine natürliche Höhle, die Innenaufnahmen entstanden im Studio. Die dramatische Schlussszene, als Fred gehängt werden soll, entstand am großen Wasserfall am See Galovac. Die Darsteller der Indianer waren Bewohner der Ortschaft Plitvička Jezera.

Filmmusik

Die Filmmusik von Martin Böttcher wurde prägend für die weiteren Karl-May-Verfilmungen. Das Hauptthema des Films, die „Old Shatterhand-Melodie“, wurde als Single über 100.000-mal verkauft. Das war zu der Zeit sehr ungewöhnlich, zumal es sich noch um instrumentale Filmmusik handelte.

Sonstiges

  • Zu Beginn des Films trägt Old Shatterhand, gemäß der literarischen Vorlage, zum ersten und einzigen Mal einen Vollbart, den er jedoch bald darauf abrasiert. Auch den Hut, der an seinem Sattel hängt, setzt er nie auf. Damit unterscheidet sich die Darstellung seines Westmannes entschieden von denen in US-amerikanischen Westernfilmen. Das Kostüm von Irms Pauli, das Lex Barker trägt, ist dem Lederanzug der amerikanischen Cooper-Verfilmung „Wildtöter“ nachempfunden, in dem Barker bereits die Hauptrolle gespielt hatte. Bei dem Gürtel, den Barker zum Lederanzug trägt, handelt es sich um eine wertvolle Navajo-Silberschmiedearbeit, die Barker aus seinem Privatbesitz beisteuerte. Auch bei der Wildtöter-Verfilmung verzichtete Barker bereits auf eine Kopfbedeckung. In den Karl-May-Filmen mit Old Surehand, gespielt von Stewart Granger, trägt dieser immer einen Hut. Der Bart und der (alte) Hut stehen für die deutlich sichtbare Modernisierung der Figur des Old Shatterhand. Die Filmemacher wollten deutlich auf Distanz zu der Figur gehen, die Karl May in seinen Büchern beschrieb, um sie für das jugendliche Publikum attraktiver zu machen. Die Rasur-Szene in Tulsa wurde deshalb sichtbar herausgestellt. Der alte Bart ist ab, um es mit einer bekannten Metapher zu sagen.
  • Der Film und das Buch haben nicht viel gemeinsam. Die Handlung wurde sehr verändert. Außerdem treten zum Beispiel Old Firehand und Tante Droll nicht auf. Dafür tritt im Film Sam Hawkens auf, der im Roman nicht erwähnt wird. Fred Engel und Ellen Patterson sind im Buch Kinder, im Film jedoch Erwachsene. Den Zuschauern machten die Änderungen aber wenig aus. Der Film erhielt als erster Film überhaupt die Auszeichnung Goldene Leinwand für über 3 Millionen Besucher innerhalb von 18 Monaten.
  • Pierre Brice war ganz und gar nicht überzeugt von seiner Rolle. Durch den wenigen Dialog war der Indianer keine darstellerische Herausforderung für ihn. Er war unglücklich und versuchte, den Regisseur zu überreden, ihm mehr Dialog zuzugestehen, was dieser jedoch ablehnte. Er wurde von Reinl aufgefordert, weiterhin nur stolz zu blicken, zu schweigen und eine edle Haltung zu bewahren, das sei hervorragend für die Wirkung der Figur.
  • Lex Barker bekam für seine Rolle eine Gage von 120.000 DM, Pierre Brice als damals weitgehend unbekannter Schauspieler 42.000 DM. Herbert Lom, als weiterer „Weltstar“, erhielt 78.000 DM Gage.
  • Herbert Lom, der fließend und fast akzentfrei Deutsch spricht, synchronisierte sich in diesem Film selbst.
  • Für die Dreharbeiten wurden 3000 Statisten und 2500 Pferde eingesetzt.

Verleihtitel im Ausland

Auf Filmplakaten im Ausland wurde der Film mit den folgenden Titeln angekündigt:

  • Belgien: „Le Tresor du Lac D'Argent“ / „De Schat van het Zilvermeer“
  • Tschechoslowakei: „Poklad na Stříbrném jezeře“ / „Poklad na Striebornom jazere“
  • Dänemark: „Winnetou og Skatten i Sølvsøen“ / „Skatten i Sølvsøen“
  • Frankreich: „Le Trésor du Lac d'Argent“
  • Italien: „Il Tesoro del Lago d'Argento“
  • Jugoslawien: „Blago u srebrnom jezeru“
  • Spanien: „El Tesoro del Lago de la Plata“
  • Ungarn: „Az Ezüst-tó kincse“
  • USA: „Treasure of Silver Lake“ (in der erfundenen Farbvariante „Flaming Arrow Color“) [1]

Auszeichnungen

  • Goldene Leinwand für über 3 Millionen Besucher innerhalb von 12 Monaten, verliehen am 22. Januar 1964 im Mathäser-Filmpalast, München. Der Schatz im Silbersee ist der erste Träger dieses Preises.
  • Spielfilmprämie über 200.000 DM des Bundesministeriums des Inneren, 1963.
  • Bambi für den geschäftlich erfolgreichsten Film 1963, verliehen am 19. April 1964 in der Schwarzwaldhalle, Karlsruhe

Kritiken

Das naive Spiel, aus einer nicht umzubringenden Romanwelt entnommen, bleibt erfrischend bis zum letzten Meter.

Münchner Merkur, 18. Dezember 1962

Martin Böttchers Musik trifft den Westernton exakt und hat Aussicht, zusammen mit dem hundertprozentig gelungenen Filmabenteuer für Groß und Klein, zum Schlager zu werden.

Hamburger Abendblatt, 16. Februar 1963

In der Atmosphäre stimmige Karl-May-Verfilmung (...).Ein in landschaftlich eindrucksvoller Kulisse angesiedelter Unterhaltungsfilm, der die Vorgaben des Romans zwar vergröbert, sich aber in der Handlung ähnlich nobel gibt; zurückhaltend bei Kampfszenen.

Lexikon des internationalen Films (CD-ROM-Ausgabe), Systhema, München 1997

Medien

  • Buch: Karl May - Gesammelte Werke, Bd. 36, „Der Schatz im Silbersee“, Karl-May-Verlag, ISBN 978-3-7802-0036-5
  • auch zu diesem Film wurde in den sechziger Jahren ein Filmbildband im Bertelsmann-Verlag herausgegeben, der die Handlung des Filmes kurz beschrieb und mit Fotos nacherzählte. Da es der letzte Band der Reihe und die Karl-May-Welle schon am abebben war, obwohl es der erste Film der erfolgreichen Karl May Filme ist, wurden wenige Exemplare in den Handel gebracht. Der Band hat dadurch heute, je nach Zustand, einen erheblichen Sammlerwert.
  • Video: „Der Schatz im Silbersee“, Kinowelt Home Entertainment
  • DVD: „Der Schatz im Silbersee“, Kinowelt Home Entertainment Nr. 500008
  • Musik: „Wilder Westen - Heißer Orient“ - Karl-May-Filmmusik 1936–1968 - Bear Family Records BCD 16413 HL - 8 CDs mit 192 Seiten Filmbuch
  • Die „Karl-May-Kollektion“ von Martin Böttcher, CD 1 - Edel; Musik Mosaik TCS 106-2

Einzelnachweise

  1. widescreenmuseum.com: Filmposter, zugegriffen am 11. August 2008

Weblinks


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